mini|Birkensee auf dem Bromberg
Der Schönbuch ist ein fast vollständig bewaldetes Gebiet südwestlich von Stuttgart im Keuperbergland des südwestdeutschen Schichtstufenlands. Im Jahr 1972 wurde sein Kerngebiet zum ersten Naturpark in Baden-Württemberg erklärt. Dieser 156 km² große Naturpark wird heute meist einfach als Schönbuch bezeichnet, wohingegen für das ursprünglich so genannte, umfassendere Gebiet zur Unterscheidung jetzt meist die Bezeichnung Schönbuchregion verwendet wird. Der höchste Punkt des Schönbuchs liegt auf dem hohen Bromberg.
Der Naturpark Schönbuch ist heute ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Region Stuttgart. Er wird von verhältnismäßig wenigen öffentlich befahrbaren Straßen erschlossen. Viele anderswo in dieser Region selten gewordene Pflanzen, Pilze und Tiere halten sich hier. Vom Bund Deutscher Forstleute wurde dem Schönbuch im Jahr 2014 der Titel Waldgebiet des Jahres verliehen. beim Bund Deutscher Forstleute.
Geographie Geographische Lage mini|400px|Karte des Naturparks Schönbuch Die Grenzen der Schönbuchregion sind nur vage bestimmt, während das Gebiet des Naturparks genau festgelegt ist und nebenstehender Karte entnommen werden kann. Im Süden, Westen und Osten decken sich die Grenzen von Naturpark und Region in etwa, wobei jedoch die Region teilweise die Städte und Gemeinden an dessen Rand mit umfasst. Die südliche Begrenzung bilden die Täler von Ammer und Neckar. Die westliche Grenze liegt nach üblicher Auffassung am Übergang zur Ebene des Gäu, die östliche dort, wo das Filderplateau beginnt.Dieter Buck: Das große Buch vom Schönbuch. S. 10–21, siehe Literatur. Im Norden werden zur Region noch das Siebenmühlental und die sogenannte Schönbuchlichtung mit den umgebenden Wäldern gerechnet. In der Schönbuchlichtung liegen die Ortschaften Altdorf, Hildrizhausen, Holzgerlingen, Weil im Schönbuch, Schönaich, Steinenbronn, Dettenhausen und Waldenbuch.
Schutzgebiete Der Naturpark Schönbuch ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Region Stuttgart. Seine Grenzen wurden durch die Naturparkverordnung im Jahr 1974 festgelegt. Er erstreckt sich etwa 25 Kilometer weit von Osten nach Westen und 10 Kilometer weit von Norden nach Süden. Der Naturpark Schönbuch liegt zu großen Teilen in den Landkreisen Böblingen und Tübingen, zu kleineren in den Landkreisen Esslingen und Reutlingen. Nur der Ort Bebenhausen liegt innerhalb der Naturparkgrenzen. Weitere Anrainerorte neben den Orten der Schönbuchlichtung sind (im Uhrzeigersinn) Aichtal, Schlaitdorf, Walddorfhäslach, Pliezhausen, Kirchentellinsfurt, Tübingen, Ammerbuch, Herrenberg, Nufringen und Gärtringen.
Große Teile des Schönbuch sind darüber hinaus sowohl als FFH-Gebiet (Nr. 7420-341 mit 11.249 Hektar) als auch als Vogelschutzgebiet (SPA-Gebiet) (Nr. 7420-441 mit 15.362 Hektar) ausgewiesen.
Das Landschaftsschutzgebiet Schönbuch erstreckt sich mit 12.424 Hektar ebenfalls über die Fläche von vier Landkreisen und hat deshalb auch vier Schutzgebietsnummern (1.15.016, 1.16.037, 4.15.009 und 4.16.004). Im Landschaftsschutzgebiet ist eine wirtschaftliche Nutzung mit Einschränkungen erlaubt.Siehe auch die Schutzgebietskarte auf: .
Den strengsten Schutz im Schönbuch genießen zahlreiche Naturdenkmale sowie die Naturschutzgebiete Eisenbachhain, Grafenberg, Hirschauer Berg, Neuweiler Viehweide, Schaichtal, Schönbuch-Westhang/Ammerbuch, Spitzberg–Ödenburg und Sulzeiche. Darüber hinaus gibt es im Naturpark mit den Schonwäldern oder den strenger geschützten Bannwäldern Schutzgebiete nach dem Landeswaldgesetz.Dieter Buck: Das große Buch vom Schönbuch. S. 24–37, siehe Literatur. Im Jahre 2001 wurde der Naturpark Schönbuch mit angrenzenden Flächen als Teil des europaweiten Netzes Natura 2000 gemeldet, weil hier seltene Pflanzen, Waldgesellschaften und gefährdete Tierarten vorkommen.
Bäche, Täler und Erhebungen mini|Goldersbachtal in Richtung Südosten, kurz vor der Teufelsbrücke mini|Luftaufnahme vom Betzenberg, rechts Waldenbuch
Die größten Täler des Schönbuchs sind das Goldersbachtal im Westen und das Schaichtal im Osten. Wie die meisten größeren Täler des Schönbuchs verlaufen diese in West-Ost-Richtung.
Von Westen her bilden die Quellflüsse Lindach und Fischbach an der Neuen Brücke den Großen Goldersbach. Auf den nächsten sechs Kilometern hat sich der Große Goldersbach bis zu 150 m tief zwischen zwei der höchsten Erhebungen des Schönbuchs eingegraben, dem großflächigen Bromberg () im Norden und dem Steingart () im Süden. An der Teufelsbrücke schließlich vereint sich der Große Goldersbach mit dem von Norden kommenden Kleinen Goldersbach und biegt hier Richtung Süden ab. Nach zwei weiteren Kilometern mündet von Westen her der Arenbach aus dem nach ihm benannten Tal ein. Wenig später, kurz vor der Mündung in die Ammer, mündet von Nordosten her kommend noch der Kirnbach in den Goldersbach. Das Kirnbachtal, das bereits dem östlichen Teil des Schönbuchs zuzurechnen ist, ist eines der weiteren bekannten Täler des Schönbuchs, vor allem aufgrund seiner geologischen Besonderheiten und des dort beginnenden Geologischen Lehrpfads Kirnberg.
mini|Schönbuchturm auf dem Stellberg In der Nähe des Eseltritts am Nordhang des Brombergs entspringt die Schaich. Ab dem nahegelegenen Schaichhof bildet sie ein Tal, das auf den nächsten Kilometern der nördlichen Begrenzung des Naturparks entspricht. Ab Dettenhausen in Richtung Osten verläuft die Schaich wieder mitten im Naturpark und stellt dort eines der landschaftlich reizvollsten Täler dar.Dieter Buck: Das große Buch vom Schönbuch. S. 126–154: Sehenswertes, Merkwürdiges und Besonderheiten. Siehe Literatur. Der bewaldete Höhenrücken des Betzenbergs trennt hier die Täler von Aich und Schaich, bevor diese beiden nach Osten fließenden Bäche sich im weiten Talkessel von Neuenhaus am Ostrand des Schönbuchs vereinen, um die letzte Wegstrecke im unteren Aichtal bis zur Mündung im Neckar gemeinsam zurückzulegen.Werner Schaal: Der Schönbuch. S. 32, 76, 90, 97; siehe Literatur.
Die im Nordwesten des Schönbuchs aus zwei Quellbächen entstehende Würm entwässert die Region nach Norden. Das breite, aber nur wenig ins Gelände eingeschnittene Würmtal befindet sich dabei schon nicht mehr innerhalb des Naturparks, der Talabschnitt bei Mauren ist landschaftlich dennoch sehr reizvoll, bis die Würm schließlich bei Ehningen auch die Schönbuchregion verlässt.
Die Höhenlagen im Schönbuch reichen von im Neckartal bis auf dem Bromberg. Dabei steigt die Landschaft von Nordosten aus der Filderebene sanft an und fällt nach Süden zum Ammer- und Neckartal teilweise sehr steil ab. Ganz im Westen des Schönbuch ist der Stellberg () der zweithöchste Punkt des Schönbuchs. Auf diesem befindet sich seit 2018 der Schönbuchturm. Im Ostteil erhebt sich der wuchtige Betzenberg () mit dem Fernmeldeturm Waldenbuch.
Verkehr Der Naturpark Schönbuch wird nur von verhältnismäßig wenigen Straßen erschlossen. Die Hauptverbindungen durch den Schönbuch sind dabei die B 464, die von Holzgerlingen im Nordwesten bis Walddorfhäslach im Osten durch den Naturpark führt, und die Landesstraße 1208, die frühere Trasse der B 27, die von Dettenhausen bis Lustnau den Schönbuch in Nord-Süd-Richtung durchschneidet und in eine West- und Osthälfte teilt. Diese beiden Verbindungen kreuzen sich an der sogenannten Kälberstelle, einem sowohl von der Lage her als auch verkehrstechnisch sehr zentralen Punkt des Schönbuchs.
mini|Triebwagen der Schönbuchbahn Am Westrand führt die Hildrizhausen und Herrenberg verbindende Landesstraße 1184 ein kurzes Stück durch den Naturpark. Noch weiter im Westen führt der Schönbuchtunnel der A 81 unter dem westlichsten Ausläufer hindurch.
Es gibt keine durch den Naturpark Schönbuch führende Eisenbahnstrecke. Über die im Westen vorbeiführende Bahnstrecke Stuttgart–Horb sind die in der Nähe des Naturparks liegenden Stationen Gärtringen, Nufringen und Herrenberg an das Netz der Stuttgarter S-Bahn angeschlossen. Von Norden her führt die von Böblingen kommende Schönbuchbahn bis Dettenhausen und damit unmittelbar an den Rand des Naturparks heran. Die Bahnstrecke Schönaicher First–Schönaich zweigte von 1922 bis 1959 von dieser ab. Im Süden führt die Strecke der 1999 reaktivierten Ammertalbahn von Herrenberg nach Tübingen am Südrand des Schönbuchs entlang.
Klima Die Lage in Mitteleuropa und die Entfernung des süddeutschen Raums zum Meer sind bestimmend für den Schönbuch und bewirken eine gewisse Kontinentalität des Klimas. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei ca. 8,7 °C. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt zwischen 740 und 770 Millimetern. Das Klima in der Schönbuchregion kann somit als warm, trocken und submontan charakterisiert werden.Mathias Allgäuer: . In: baden-wuerttemberg.de, 2006 („Natürlich Naturparke“ – Naturparke gehen neue Wege in der Regionalentwicklung. Tagung vom 29. September 2006, Welzheim, Eugen-Hohly-Halle).
Das Mikro- und Mesoklima in der Schönbuchregion ist jedoch recht unterschiedlich. Beispielsweise sind die Südhänge am Schönbuchtrauf oberhalb des Ammertals klimatisch besonders begünstigt. Hierzu zählt auch das Naturschutzgebiet um den Grafenberg, das sich durch edaphisch-trockene Bedingungen auszeichnet und ein Standort für sehr seltene Wärme liebende Pflanzen ist. So wächst an diesem Ort als Besonderheit die Ungarische Platterbse, die hier wegen der Wärmegunst ein Refugium während der Eiszeit fand.Matthias Stoll: Landschaft um Tübingen. Außerdem: Sylvia Metz: Naturschutzgebiet Hirschauer Berg. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins. 114. Jg. (2008), Nr. 2, S. 10 bzw. 14 (schwaben-kultur.de [PDF; 4,8 MB]).
Geologie mini|300px|Geologische Schichtfolge im Schönbuch
Entstehung Der Schönbuch, zwischen Ostschwarzwald und der Schwäbischen Alb gelegen, ist Teil des Keuperberglands, das wiederum einen Teil des südwestdeutschen Schichtstufenlandes darstellt.
Fast alle Gesteine im Schönbuch wurden in der Keuperzeit, der obersten oder jüngsten Epoche der Trias, vor etwa 200 Millionen Jahren durch Gewässer abgelagert. Der Untere Keuper entstand dabei im Wesentlichen durch Verlandung des damaligen Meeres. Der Mittlere Keuper bildete sich anschließend aus von breiten Flüssen angeschwemmten Gesteinen. Der Obere Keuper wiederum entstand am Strand eines Wattenmeeres, das die Schichten des Mittleren Keupers teilweise überflutete.Dieter Buck: Das große Buch vom Schönbuch. S. 38–45, siehe Literatur.
Während der insgesamt 10 Millionen Jahre dauernden Keuperzeit entstanden so diese drei Einheiten, die insgesamt ungefähr 250 Meter Mächtigkeit aufweisen. Die mittlere Schicht untergliedert sich dabei noch in verschieden harte Gips-, Sandstein- und Mergelschichten (siehe Abbildung). Die Keuperzeit endete mit der Überflutung des ganzen Gebiets durch das Jurameer, wobei sich über den Keuperschichten noch die Schichten des Jura ablagerten, von denen aber im Schönbuch bis auf den stellenweise vorhandenen Schwarzjura (Lias α) alle Schichten später wieder abgetragen wurden. Mit dem Ende der Jurazeit vor etwa 140 Millionen Jahren hob sich das Gelände aus dem zurückweichenden Meer, und die Ablagerung hörte auf.Tobias Spaltenberger: Geoökologie des Keuperberglands. (PDF; 2,2 MB) In: spaltenberger.de, 22. Dezember 2003, S. 9 f. (Hausarbeit).
In der Folgezeit wurden auch die Keuperschichten durch Erosion von Wind und Wasser teilweise abgetragen. Die wechselnde Zusammensetzung der Keuperformationen aus weichem Ton und Mergel sowie hartem Sandstein verliehen dem Schönbuch sein lebhaftes Gepräge mit sanften Kuppen, schroffen Übergängen von den Hochflächen zu den Steilhängen im Süden und den tief eingeschnittenen Tälern der Bäche.
Stubensandstein mini|Stubensandsteinaufschluss im Kirnbachtal