mini|hochkant=1.8|Kreuzigungstriptychon, Rogier van der Weyden, 1445 mini|Kreuzigungsikone, Schule von Nowgorod, ca. 1360 Der Karfreitag ( ‚Klage‘, ‚Kummer‘, ‚Trauer‘)Karfreitag. In: Friedrich Kluge, Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. de Gruyter, Berlin, 22. Auflage, 1989, S. 356. ist der Freitag vor Ostern. Er folgt auf den Gründonnerstag und geht dem Karsamstag voraus. Christen gedenken an diesem Tag des Leidens und Sterbens Jesu Christi am Kreuz. Der Karfreitag wird auch stiller Freitag oder hoher Freitag genannt. Die liturgische Bezeichnung ist Feria sexta in Parasceve „sechster Tag, am Rüsttag“ (von ).

Diese österliche Dreitagefeier stellt in allen christlichen Konfessionen das älteste und höchste Fest des Kirchenjahres dar und wird als das Pascha-Mysterium liturgisch wie ein einziger Gottesdienst gefeiert, der am Gründonnerstag mit der Eröffnung des Gottesdienstes beginnt und in den Segen am Ostermorgen mündet.

Geschichte Über den Karfreitag gibt es bislang keine grundlegende geschichtliche Untersuchung.Wolfgang Behringer, Hartmut Lehmann, Christian Pfister (Hrsg.): Kulturelle Konsequenzen der „Kleinen Eiszeit“. 2005, S. 202 (). Der Karfreitag beruht auf einem im Neuen Testament geschilderten Ereignis. Die Kreuzigung von Jesus von Nazaret auf Golgota schilderte Markus: „Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten“ . Er galt deshalb im aufkommenden Christentum zunächst als Gedenktag. Die ersten Christen feierten ihn als „Kreuzigungspassah“, als Rüsttag zum Osterfest.Friedrich Gustav Lisco: Das christliche Kirchenjahr. 1840, S. 23, nimmt für „Karfreitag“ eine Wortherkunft von für „rüsten“ an. Das Osterfasten beschränkte sich zu Zeiten Tertullians auf Karfreitag und Karsamstag und dehnte sich um 250 nach Christus auf die Karwoche aus. Im Jahre 325 entschied das Erste Konzil von Nicäa über den flexiblen römischen Ostertermin. Vom Karfreitag und Karsamstag schrieb Papst Innozenz I. (416) in seinem Brief an Decentius von Eugubium über die Kirche von Rom, dass hier die Sakramentsfeier nicht notwendig sei ().Hartmann Grisar: Das Missale im Lichte Römischer Stadtgeschichte. 1925, S. 103.

Im Mittelalter gehörte der Karfreitag keineswegs zu den hohen christlichen Festen wie etwa Ostern als Tag der Auferstehung, sondern galt nur als halber Feiertag, an dem die Arbeit nur während des Gottesdienstes oder bis zum Mittag ruhen sollte.Peter Browe: Die Kommunion an den drei letzten Kartagen. In: Jahrbuch für Liturgiewissenschaft 10, 1930, S. 64. Nach der Reformation führten viele Landeskirchen diesen Tag in alter Tradition als halben Feiertag fort. Die „Ordnung der Feiertage“ der reformierten Kirche in Zürich von 1526 sah ihn nicht als Feiertag vor, nach der Kirchenordnung Sachsens von 1528 sollte er „in Maßen gehalten“ werden.Emil Sehling (Hrsg.): Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. 1902, S. 169. Im Jahre 1532 erwähnte ihn die hessische Kirchenordnung nicht mehr als Feiertag. Die lutherische Kirche vergrößerte dagegen die Bedeutung des Karfreitags, indem sie ihn mit den kirchlichen Hauptfesten (Weihnachten, Ostern und Pfingsten) gleichstellte, so etwa 1573 in der Oldenburgischen Kirchenordnung.

Ab 1642 wurde der Karfreitag durch die Festordnung Papst Urbans VIII. in der ganzen katholischen Kirche zum gewöhnlichen Werktag, während sich Martin Luthers „Guter Freitag“ („Kar-“ aus , „lieb“, „gut“ oder „teuer“) im lutherischen Bereich als höchster kirchlicher Feiertag etablierte. Aus dem „Guten Freitag“ entwickelte sich die heutige Bezeichnung für Karfreitag im angelsächsischen Sprachraum () oder in den Niederlanden () aber auch im lutherisch-geprägten Estland der Begriff Großer Freitag suur reede. In den reformierten Gegenden der Schweiz wurde der Karfreitag erst um 1860 zum Feiertag.Walter Heim: Volksbrauch im Kirchenjahr heute. 1983, S. 82. In Kurbrandenburg erhielt der Karfreitag 1696 die Funktion eines vollen Feiertags.Philipp Jacob Spener: Consilia et iudicia theologica. Band III, 1709, S. 759. Die Festtagsordnung von 1771 erkannte den Karfreitag als ganzen Feiertag an.Johann Conrad Hinrichs: Realencyclopädie für protestantische Theologie und Kirche. Band 21, 1908, S. 425. Der englische Bank Holidays Act legte erstmals im Oktober 1871 bürgerliche Feiertage verbindlich fest.

Historisches Datum Sir Robert Anderson, in leitender Stellung beim Scotland Yard beschäftigt, berechnete 1895 mit Hilfe des Royal Greenwich Observatory den Tag des Einzugs in Jerusalem auf den 10. Nisan (6. April) 32 n. Chr. Der Karfreitag als Tag der Kreuzigung wäre demnach am folgenden Freitag, am 11. April 32 n. Chr.

Bedeutung im Christentum Der Karfreitag mit der Passion Jesu ist im Zusammenhang mit Ostern für die Christen einer der höchsten Feiertage. An ihm gedenkt die Kirche des Kreuzestodes Jesu Christi in Erwartung seiner Auferstehung. Nach ihrem Glauben litt und starb Jesus Christus als „Gottesknecht“ und nahm im Kreuzestod freiwillig die Sünde und Schuld aller Menschen auf sich. Erst durch Tod und Auferstehung Jesu wird allen Menschen Sündenvergebung und damit Errettung aus dem Tod und ewiges Leben zuteil. Gleichzeitig betont die katholische Theologie zunehmend die Konsequenz seiner Gottessohnschaft, deren Botschaft von der Zuwendung des Schöpfergottes zu den Menschen nicht an Gewalt und Tod ihre Grenzen findet.

Das Karfreitagsgeschehen ist nicht isoliert zu betrachten, sondern steht als „Pascha-Mysterium“ in einer Reihe mit Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Nicht das Opfer Jesu soll damit allein das Große sein, sondern der Sieg über Hölle, Tod und Grab.

Feier der Karfreitagsliturgie Besonders für die Liturgiewissenschaft ist die Karfreitagsliturgie der verschiedenen Konfessionen von großem Interesse, da sich an ihr der Grundsatz bewahrheitet: „Älteste Überlieferungen erhalten sich am ehesten in liturgisch hochwertiger Zeit“ (Anton Baumstark).Das Gesetz der Erhaltung des Alten in liturgisch hochwertiger Zeit. In: JLw 7 (1927), S. 1–23 Zu den ältesten überkommenen Riten am Karfreitag zählen der Wegfall der Eröffnungsriten, der Gesang oder die Lesung der Passionsgeschichte, die Verwendung von Holzklappern anstelle von Glocken und Altarschellen, die Prostratio, der Gesang der Improperien und die Großen Fürbitten. Bereits ab 500 übernahm die römisch-katholische Kirche unter Papst Gelasius I. die Kyrielitanei aus den orthodoxen Kirchen, in deren Liturgie noch viele frühkirchliche Riten erhalten sind. Im Stundengebet wird die Vesper nur von denen gebetet, die nicht an der nachmittäglichen Feier vom Leiden und Sterben Christi teilnehmen konnten.

In der römisch-katholischen Kirche mini|Kreuzverehrung – Adoratio crucis

Der Karfreitag ist eingebunden in die „Dreitagefeier vom Leiden und Sterben, von der Grabesruhe und der Auferstehung des Herrn“, das Triduum Sacrum (Triduum Paschale), auch „österliches Triduum“ genannt. Es beginnt am Gründonnerstag mit der Messe vom letzten Abendmahl und findet seinen Höhepunkt in der Feier der Auferstehung Christi in der Osternacht. Als Teil des Osterfastens ist der Karfreitag in der römisch-katholischen Kirche ein strenger Fast- und Abstinenztag. Die Tradition, freitags kein Fleisch zu essen, ist auf das Karfreitagsgeschehen zurückzuführen.

Wie es seit dem frühen Christentum kirchliche Tradition ist, wird am Karfreitag keines der mit Festfreude verbundenen Sakramente gefeiert („Ecclesia […] sacramenta penitus non celebrat“Missale Romanum, Editio typica, 1970. Einführung zum Triduum Sacrum, S. 250), daher auch nicht die heilige Messe. Der Altar ist schmucklos, ohne Kerzen und Altartücher. Kreuze sind verhüllt, Triptychen und Flügelaltäre sind häufig zugeklappt und zeigen die einfacher gestaltete Rückseite der Flügel. Das ewige Licht brennt nicht, Kerzen brennen nur beim provisorischen Aufbewahrungsort des Allerheiligsten.

Liturgie

Vor allem in Kathedralkirchen und Abteikirchen werden am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag morgens feierlich gesungene Karmetten mit der Gemeinde gefeiert.

Hauptgottesdienst der Liturgie der Lateinischen Kirche ist am Karfreitag die Feier vom Leiden und Sterben Christi am Nachmittag. Sie besteht aus drei TeilenKongregation für den Gottesdienst: Rundschreiben „Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“. Januar 1988. Nr. 64: „Die Ordnung der Feier vom Leiden und Sterben Christi, die aus alter Tradition der Kirche stammt, (nämlich: Wortgottesdienst, Kreuzverehrung, Kommunionfeier) soll genau und getreu eingehalten werden und darf von niemandem eigenmächtig abgeändert werden.“ (PDF; 194 kB). mit unterschiedlichem liturgiegeschichtlichen Hintergrund:

Wortgottesdienst mit dem Vortrag der Passion und den Großen Fürbitten (römische Tradition) Erhebung und Verehrung des Heiligen Kreuzes (aus Jerusalem übernommen) Kommunionfeier (nach altem Brauch Konstantinopels, seit dem 7. Jahrhundert in Rom bekannt).

Der Gottesdienst beginnt in der Regel um 15 Uhr, zur überlieferten Todesstunde Jesu, und keinesfalls später als 18 Uhr. Die liturgische Farbe ist seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht mehr Schwarz, sondern Rot. Rot steht hier als Zeichen für das im Leiden und Sterben Jesu vergossene Blut. Auf die Verwendung von Weihrauch wird verzichtet.

Der Wortgottesdienst des Karfreitags mit den biblischen Lesungen bildet den alten und eigentlichen Kern der Feier vom Leiden und Sterben Christi; Höhepunkt der Wortfeier ist die Verkündigung des Leidensevangeliums Christi (Passion) nach dem Evangelisten Johannes .

Darauf folgen gegebenenfalls eine kurze Predigt und immer die Großen Fürbitten, welche die Anliegen der Kirche, der Welt und der Notleidenden vor Gott tragen; hierzu gehört auch die Fürbitte für die Juden, die umstritten war und mehrfach geändert wurde.

mini|Ecce lignum Crucis, Wechselgesang bei der Erhöhung des Kreuzes Die Kreuzverehrung (Adoratio sanctae crucis) bildet den zweiten Teil der Feier. Das üblicherweiseVgl. Kongregation für den Gottesdienst: Rundschreiben „Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“. Januar 1988. Nr. 26: „Der Brauch, die Kreuze in den Kirchen vom 5. Fastensonntag an zu verhüllen, kann beibehalten werden, wenn die Bischofskonferenz es so angeordnet hat. Die Kreuze bleiben in diesem Fall verhüllt bis zum Ende der Karfreitagsliturgie, die Bilder jedoch bis zum Beginn der Osternachtfeier.“ (PDF; 194 kB). seit dem 5. Fastensonntag (früher: „Passionssonntag“) verhüllte Kruzifix wird erhoben gezeigt und von allen verehrt. Die Zeigung des erhöhten Kreuzes ist mit dem dialogischen Ruf zur Kreuzerhebung verbunden, der alle zur Kreuzverehrung einlädt: „V: Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt. A: Kommt, lasset uns anbeten.“ (Ecce lignum crucis, in quo salus mundi pependit: Omnes: Venite, adoremus.)

Den Abschluss bilden eine schlichte Kommunionfeier mit am Gründonnerstag „vorgeheiligten Gaben“ (Hostia praesanctificata) und das Segensgebet über das Volk. Mancherorts schließt sich als fromme Übung eine Feier der „Grablegung Christi“ an.

Brauchtum mini|Video: Karklappern in Morshausen, Hunsrück, 1986 mini|links|Karfreitagsratsche aus Rottenburg am Neckar, 19. Jahrhundert mini|Karfreitagsprozession in Leohito (Osttimor) mini|Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt mini|Karfreitagsprozession der Klagefrauen von Romont, Schweiz In katholischen Kirchen schweigen nach alter Tradition die Orgel und die Kirchenglocken nach dem Gloria der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag. An die Stelle der Glocken und Schellen treten vielerorts Ratschen und Klappern, mit denen in vielen katholischen Landstrichen die Kirchgänger nach alter Tradition auch zu den Gottesdiensten, zum Stundengebet und zum Angelus gerufen werden.

Grablegung, Heiliges Grab