mini|Bordbistro in Intercityzug der Deutschen Bahn mini|Ein Gericht im Speisewagen der ÖBB (Railjet) mini|Ein Doppelstockspeisewagen der SBB mini|Grundriss eines russischen Speisewagens
Ein Speisewagen, Bordrestaurant, Zugrestaurant, Restaurantwagen oder veraltet auch Restaurationswagen ist ein besonders für den Erwerb und Verzehr von Speisen und Getränken durch die Reisenden während der Fahrt eingerichteter Eisenbahnwagen. In aller Regel verfügen Speisewagen daher über einen Speiseraum mit restaurantähnlicher Einrichtung sowie über eine Küche (Galley). Ist dieselbe aus Platzgründen in einem separaten Nachbarwagen untergebracht, spricht man von einem Küchenwagen. Wagen mit einer Auswahl vorab zubereiteter Speisen heißen Büffetwagen, auch Buffetwagen geschrieben.
In Vollspeisewagen befinden sich sämtliche Sitzplätze im Speiseraum. In Halbspeisewagen oder Speiseraumwagen gibt es darüber hinaus gewöhnliche, nicht für den Verzehr von Speisen und Getränken vorgesehene Sitzplätze, welche bei manchen Typen bei Bedarf als Erweiterung des Speiseraums genutzt werden können.
Deutschland
Die DB Fernverkehr führt Speisewagen in ICE-Zügen, in IC/EC-Zügen sind diese seit Fahrplanwechsel im Dezember 2023 nicht mehr vorgesehen. Speisewagen gelangten neben DB Fernverkehr ehemals auch in City-Night-Line-Zügen sowie bei DB AutoZug zum Einsatz und wurden dort durch DB European Railservice bewirtschaftet. Des Weiteren finden sich in Deutschland bei international fahrenden Zügen Speisewagen benachbarter Bahngesellschaften wie der ÖBB, SBB, SNCF (TGV), PKPIC, der ČD, sowie der MÁV.(10.12.2023 - 12.2024), auf vagonweb.cz Das private schwedische Eisenbahnunternehmen Snälltåget führt in Zügen nach und von Deutschland bzw. Österreich Speisewagen, Eigenbezeichnung „Krogen“, dt. in etwa Krug, die zwar außerhalb Schwedens nicht bewirtschaftet, aber im Personalabteil unter dem Namen „Lönnkrogen“ dessen Produkte teilweise angeboten werden; u. a. Kanelbullar oder die in Deutschland und Österreich nicht verbreitete Süßigkeit „Ahlgrens bilar“. Das Unternehmen European Sleeper setzte 2025 zeitweise in einigen Zügen auf der Linie Brüssel – Amsterdam – Berlin – Dresden – Prag Speisewagen ein.https://www.europeansleeper.eu/dining-car
Das Sortiment ist seit Januar 2023 in Bordrestaurants und Bordbistros gleich.https://db-bordgastronomie.de/faq Noch vor wenigen Jahren gab es beispielsweise im Bordrestaurant keine Currywurst; diese war dem Bordbistro vorbehalten.www.spiegel.de Zitat 11. März 2017:"Ab April plant der Konzern zudem eine andere Neuerung: Dann sollen alle Produkte überall bestellt werden können. Bisher war es beispielsweise nicht möglich, die Currywurst im Bordrestaurant serviert zu bekommen, weil sie dem Bordbistro vorbehalten war." Seit Anfang 2023 werden auch im Bistro Speisen und Getränke nicht mehr auf Einwegtellern und in Einwegbechern serviert, sondern in Gläsern und auf Geschirr. Einwegprodukte sind aber noch erhältlich.Kölner Stadtanzeiger online Zitat 6.12.2022:"Die Deutsche Bahn will künftig in ihren Bordbistros und im To-go-Bereich auch Gläser und Geschirr anbieten. Das teilte das Unternehmen am Dienstagmorgen mit. Die Änderung werde ab Januar umgesetzt. Fahrgäste müssen allerdings nicht gänzlich auf Einwegverpackungen verzichten. Bisher gab es Mehrweggeschirr und Gläser lediglich an den Plätzen der ersten Klasse und im Bordrestaurant. Gäste hätten ab 2023 die Möglichkeit, alternativ zu Einwegverpackungen ihre Getränke und Speisen auch im Bordbistro oder im To-go-Bereich zu erhalten, teilte die Deutsche Bahn weiter mit." Seit Dezember 2023 gab es Bordbistros unter explizit dieser Bezeichnung bzw. Beschriftung bei DB Fernverkehr nur noch in der Baureihe 415, welche am 21. Februar 2026 aber außer Dienst gestellt wurde. Seitdem gibt es Bewirtschaftung in Zügen der Deutschen Bahn ausschließlich unter der Bezeichnung Bordrestaurant, je nach Baureihe mit Bistrobereich.
In den aus herkömmlichen Wagen gebildeten IC1-Zügen sowie bei den aus Doppelstockwagen gebildeten IC 2 des Herstellers Bombardier gibt es keine Speisewagen. Bei den bis in das Fahrplanjahr 2025 bei DB FV verkehrenden IC2 des Herstellers Stadler Kiss waren bis dato zwei Sitzgruppen gegenüber den Getränke- und Imbissautomaten explizit als Cafébereich ausgewiesen.Zitat: Unsere Gäste werden die Wahl haben, ob sie sich am Platz bedienen lassen oder ob sie es sich in einem der beiden Cafébereiche gemütlich machen. https://www.deutschebahn.com/de/konzern/bahnwelt/fahrzeuge_technik/kiss_zuege-6878104
Österreich
Bei den Österreichischen Bundesbahnen sind Speisewagen, die dort als Bordrestaurant ausgewiesen sind, nur noch in den Railjet - Garnituren vorhanden, die als Railjet- und Railjet-Express verkehren. Bis 13. Dezember 2025 waren auch noch Speisewagen (WRmz73) für den Euro- und InterCity - Verkehr im Bestand, deren Einsatz ging mit den Jahren allerdings immer weiter zurück. Seit 23. Mai 2025 fuhren sie nur noch im EuroCity Transalpin, da der EuroCity Porta Moravica seit dem ohne Speisewagen verkehrte.aktuelle Version (21.7.2025) von: https://www.vagonweb.cz/razeni/?&lang=en Seit dem Fahrplanwechsel 2026 wurden diese Speisewagen durch Modelle von SBB und ČD ersetzt. Außerdem laufen noch Speisewagen der benachbarten Bahngesellschaften SBB (Astoro), DB (ICE T, 4), ČD (Railjet, Comfortjet), MÁV (EC), PKPIC (EC), SŽ (EC) und ŽSSK (EC), sowie unter dem Abschnitt Deutschland näher beschriebenen schwedischen Speisewagen des Unternehmens Snälltåget.
Schweiz Die Schweizerischen Bundesbahnen führen Speisewagen in Eurocity- und IC-Zügen.Unsere Züge., auf sbb.ch Des Weiteren fahren bei der SBB Doppelstock-Speisewagen.FV-Dosto., auf company.sbb.ch In der Schweiz verkehren im Übrigen noch Speisewagen der benachbarten Bahngesellschaften SNCF (TGV), TI, ÖBB (Railjet) und der DB AG (ICE).
Geschichte Vor Einführung von Speisewagen mussten die Reisenden auf Angebote an Speisen und Getränken auf den Unterwegsbahnhöfen zurückgreifen. Trotz hierzu zum Teil eingeplanter besonders langer Aufenthaltszeiten – beispielsweise über Mittag oder Möglichkeiten zum Erwerb warmer Speisen zum Mitnehmen – erwies sich dieses Versorgungssystem als unzureichend, insbesondere, da die Fahrtzeiten teilweise mehr als doppelt so lang wie heute waren.Heinrich Krohn: ... auf der Schiene. Die Geschichte der Reisezug- und Güterwagen. Jubiläumsband der Waggonfabrik Talbot in Aachen anlässlich des 150-jährigen Bestehens, Prestel, München 1988, S. 75.
Der Einsatz von Speisewagen traf anfänglich auf heftigen Widerstand der Bahnhofswirte, welche finanzielle Nachteile durch die Konkurrenz zu ihrem Angebot sahen. Letztlich zeigte sich dann aber doch, dass diese Bedenken unbegründet waren, parallel zum Siegeszug der Speisewagen blühte auch das Geschäft der Bahnhofswirte mit der Versorgung der Reisenden vor oder nach einer Fahrt oder auf Umstiegsstationen auf. Überdies gab es aber auch von technischer wie auch hygienischer Seite aus Vorbehalte, da die Speisewagen die Zugmassen erhöhten, ohne zusätzliche Passagierkapazitäten zu schaffen, und man etwaige durch den Zug ziehende Küchen- oder Speisegerüche für schädlich hielt.
Bereits 1863 ließ die Eisenbahn Odessa–Kiew einen Speisewagen bei der Waggonbaufabrik PflugZur Waggonbau-Fabrik vgl.: Berlingeschichte, Stichwort „Industrialisierung“ in Berlin bauen. Er hatte eine Küche und 20 Plätze, die entlang einer Tafel, die in Längsrichtung des dreiachsigen Wagens stand, angeordnet waren.F. A. Pflug: Wagons für den Eisenbahn-Train der Kaiserl. Russischen Bahn Odessa – Kiew, Berlin 1864, Bl. 6. Digitalisat
Erste Ansätze zur Bewirtung der Reisenden während der Fahrt gab es auch in den USA. Die Baltimore and Ohio Railroad installierte bereits 1863 in einem Personenwagen ein kleines Restaurant samt Bar und Küche, und bei der Chicago & Dalton Railroad setzte man ab 1868 einen bei der Firma Pullman gebauten Speisewagen ein. Bereits 1870 soll im Russischen Kaiserreich zwischen Moskau und Odessa ein Speisewagen in Dienst gestanden haben. Ein ab 1874 in Großbritannien laufender Pullmanwagen, der Parlour-Car namens „Victoria“ verfügte hingegen über keine eigene Küche, das Essen musste stationär zubereitet und dann in den Wagen gebracht werden. Ab dem 1. November 1879 konnten Fahrgäste der Great Northern Railway zwischen London und Leeds sich in einem Speisewagen versorgen lassen.
Deutschland Länderbahnen mini|Erster Speisewagen der Berlin-Anhalter Eisenbahn mit separatem Küchenwagen mini|Im Salonwagen der Moseltalbahn 1909: Fahrgäste genießen eine Flasche Wein in der „Zug-Wirtschaft“. mini|Teakholz-Speisewagen der CIWL mini|Ganzmetall-Speisewagen der CIWL
Die ersten deutschen Speisewagen wurden von der Internationalen Schlafwagengesellschaft (Compagnie Internationale des Wagons-Lits, kurz CIWL) durch Umbau einiger drittklassiger Wagen der Berlin-Anhalter-Eisenbahn improvisiert und ab dem 1. Juli 1880 zunächst zwischen Weimar und Bebra, dann zwischen Berlin und Bebra eingesetzt. Die Küche zur Speisenzubereitung befand sich nicht im eigentlichen Speisewagen, sondern in einem nachfolgenden Gepäckwagen.Heinrich Krohn: ...auf der Schiene. Die Geschichte der Reisezug- und Güterwagen. Jubiläumsband der Waggonfabrik Talbot in Aachen anlässlich des 150jährigens Bestehens, Prestel, München 1988, S. 75.
Hintergrund für das neu geschaffene Speisewagenangebot war, dass die Preußische Staatsbahn ab dem 15. Mai 1879 einen Schnellzug zwischen Berlin und Bebra einsetzte, der auf der neuerbauten Strecke über Güsten und Sangerhausen Bebra 15 Minuten schneller erreichte als der Schnellzug der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft über Halle und Erfurt. Zum Ausgleich dieses Wettbewerbsnachteils wollte die Thüringische Eisenbahn-Gesellschaft ihren Fahrgästen mit den ersten deutschen Speisewagen einen besonderen Service bieten.
Dieser Speisewagenservice wurde von der CIWL bis 1884 betrieben. Nach der Verstaatlichung der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft kündigte man den Vertrag auf und übertrug die Bewirtschaftung der Speisewagen zum 15. Oktober 1885 dem Hallenser Bahnhofswirt Gustav Riffelmann. Die Speisewagen in Mecklenburg, in Süddeutschland (Großherzogtum Baden, Königreich Bayern und Königreich Württemberg) sowie in Österreich-Ungarn wurden bis 1917 von der CIWL betrieben.
Der erste vollständig neue Speisewagen – zugleich auch der erste deutsche Wagen mit Küche – wurde in Deutschland 1880 von der Firma Rathgeber in München gefertigt.Fritz Stöckl, Peter Molle, Hermann Wolters: Vom Adler zum TEE. Eisenbahnen in Deutschland. 2. Auflage. Bohmann-Verlag, Heidelberg/Wien 1971, S. 138.
Der entscheidende Impuls zur flächendeckenden Verbreitung von Speisewagen ergab sich aber erst mit der Einführung von Durchgangszügen (D), bei denen die Fahrgäste während der Fahrt den Wagen und damit auch in den Speisewagen wechseln konnten. Als am 1. Mai 1892 der erste solche von Berlin nach Köln fuhr, durfte Gustav Riffelmann auch den Speisewagen dieses Zuges betreiben. In der Folge übernahmen noch weitere private Betreiber die Bewirtschaftung von Speisewagen der preußischen Staatsbahn. Dabei waren Speisewagen in einigen Verbindungen nur Fahrgästen der „Polsterklasse“ zugänglich. Wollte ein Reisender aus der 3. Klasse dann den Speisewagen nutzen, musste er für die Strecke, die er dort saß, die Preisdifferenz zur 2. Klasse nachzahlen.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter vom 11. August 1900. 4. Jahrgang, Nr. 36. Bekanntmachung Nr. 338, S. 246.