mini|Ankunft von Zar Alexander II. von Russland auf dem Bahnhof Bad Ems, 1871 – rechts sein Salonwagen mini|Salonwagen Nr. 10 der KFNB von Salomon Rothschild mini|Ankunft von Großherzogin Luise von Baden am 17. Juli 1900 am Bahnhof Sandhofen mit einem Hofzug, der aus Lokomotive, einem Schutzwagen und ihrem Salonwagen besteht mini|Hofzug Kaiser Wilhelms II. bei der Einweihung der Kaiserbrücke in Mainz, 1904 mini|Eduard (VIII.) an seinem Salonwagen in Ottawa bei einer Rundreise durch Kanada 1924 mini|The Royal Train bei Highley auf der Severn Valley Railway
mini|Salonwagen 1. Klasse im Zug The Ghan der Great Southern Railway, Australien
Ein Salonwagen, auch Hofsalonwagen, Hofwagen oder Galawagen ist ein Eisenbahnwagen des Personenverkehrs mit gehobener Ausstattung. Eine Sonderform ist der Konferenzwagen.
Fahrzeugarten Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr mini|„Salonwagen“ der Rhätischen Bahn – eigentlich ein Großraumwagen 1. Klasse
Historisch wurde der Begriff „Salonwagen“ synonym für die heutige Bezeichnung „Großraumwagen“ verwendet. Als Salonwagen oder auch Pullmanwagen werden heute im öffentlichen Verkehr Großraumwagen mit gehobener Ausstattung bezeichnet, die früher in Luxuszügen (z. B. im Rheingold oder im Süd-Express) eingesetzt wurden. Heute gibt es diese Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr nur noch in touristischen Sonderzügen und in wenigen langlaufenden außereuropäischen Regelzügen, etwa dem Indian Pacific in Australien. Eine seltene Erscheinungsform war der Salonschlafwagen, eine Kombination aus Schlafwagen und Salonwagen, der mit seinem Angebot die Funktionen eines Hotels auf Schienen übernahm.Ein solches Fahrzeug der Schantung-Bahn ist abgebildet in Schroeter und Ramaer: Helmut Schroeter, Roel Ramaer: Die Eisenbahnen in den einst deutschen Schutzgebieten damals und heute / German Colonial Railways then and now. Krefeld 1993, S. 137. Ähnliches gilt für Leichensalonwagen, mit denen eine Leiche überführt und in dem gleichzeitig Angehörige mitreisen konnten.Eisenbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 15. Juni 1912, Nr. 30. Bekanntmachung Nr. 392, S. 226: Die Deutsche Waggonleihanstalt nimmt ihre beiden, in Berlin und Frankfurt am Main stationierten Leichensalonwagen aus dem Verkehr.
Einige Bahnen halten Gesellschaftswagen mit Sonderausstattung vor, die für Sonderzüge oder als Sonderwagen für Gesellschaftsreisen zu mieten sind. Diese können auch mit Schlafabteilen, Bad, Küche, Salon, Begleiterabteil usw. ausgestattet sein und bieten damit in einem Wagen alles, was für längere Gruppenreisen benötigt wird.So wird z. B. ein früherer Aussichtswagen der Gattung AD4üm-62 des TEE Rheingold durch RailAdventure an private Nutzer vermietet werden (Homepage des Anbieters).
Fahrzeuge für den nichtöffentlichen Verkehr mini|Salonwagen der Nassauischen Staatsbahn – aufgrund der eher schlichten Inneneinrichtung wohl für den öffentlichen Verkehr, vor 1866
Als Salonwagen werden auch die Sonderfahrzeuge bezeichnet, die von Privaten, von Regierungen oder Herrscherhäusern ausschließlich für den eigenen Bedarf vorgehalten werden, um sie entweder in Regelzüge einzustellen oder in eigenen Sonderzügen verkehren zu lassen. Die Gattungs-Kennzeichnung für solche Fahrzeuge lautet: „WS“.Weil in der Praxis so selten, bei: Jürgen Janicki: Systemwissen Eisenbahn. Berlin 2011, ISBN 978-3-9808002-6-6, S. 60, gar nicht mehr aufgeführt. Seitdem die Eisenbahn gegenüber dem Flugverkehr stark an Sozialprestige eingebüßt hat, kommen derartige Fahrzeuge, ebenso wie entsprechende stationäre Einrichtungen, „Fürstenbahnhöfe“, in Kontinentaleuropa nur noch selten zum Einsatz.
Geschichte mini|Salonwagen des ersten preußischen Hofzuges, hier genutzt von Nāser ad-Din Schah, bei einem Besuch der Krupp-Werke in Essen 1889
In der stark ständisch gegliederten Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, in dem in Europa das Eisenbahnnetz zum größten Teil errichtet wurde, war auch die Beförderung der Reisenden mit der Bahn den damals alles dominierenden Standesgrenzen unterworfen: Die Eisenbahnwagen waren in drei oder vier Wagenklassen eingeteilt. Besonders Reiche oder Privilegierte, vor allem die Spitzen der regierenden Häuser, hatten darüber hinaus eigene Wagen (oder sogar Züge), die nur für deren Nutzung bereitstanden. In anderen Fällen hielten die Bahnverwaltungen entsprechende Fahrzeuge vor und vermieteten sie. So hielt etwa die Berlin–Potsdamer Eisenbahn von Anfang an, seit 1838, entsprechende Salonwagen vor.Bock, Gottwaldt, S. 7.
Technisch entsprachen die Fahrzeuge immer dem Standard für die Wagen der oberen Klasse des öffentlichen Fernverkehrs und waren hin und wieder in Details, wie etwa bei der Heizung, der elektrischen Beleuchtung oder dem Übergang zwischen den Wagen eines Zuges auch den Wagen des öffentlichen Verkehrs einen Schritt voraus. Das Publikum, das solche Fahrzeuge nutzte, war international unterwegs. Dem standen anfangs die unterschiedlichen technischen Parameter und Vorschriften der einzelnen Länder und Bahngesellschaften entgegen. So konnte es vorkommen, dass die hohen Herrschaften vom Salonwagen der einen in den einer anderen Bahngesellschaft umsteigen mussten. Das passierte etwa dem russischen Außenminister, Graf Wladimir Nikolajewitsch Lamsdorf, noch im Oktober 1903 auf dem Weg von Paris nach Darmstadt: Der ihm seitens der Französischen Ostbahn zur Verfügung gestellte zweiachsige Salonwagen durfte auf der deutschen Seite in einen Schnellzug nicht mehr eingestellt werden, so dass er in einen Wagen der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) umsteigen musste.Jean-Georges Trouillet: Les Chemins de fer Impériaux d'Alsace-Lorraine – Reichs-Eisenbahnen in Elsass-Lothringen. Éditions Drei Exen Verlag, Husseren-les-Châteaux 2018, ISBN 978-2-9565934-0-9, S. 218. Weiter wird hier (S. 217) von einer Anfrage russischer Diplomaten bei der EL berichtet, die herausfinden wollten, ob der Hofzug des Zaren mit den technischen Gegebenheiten der Bahngesellschaft kompatibel war. Berichte zur Nutzung der Salonwagen durch die darin Reisenden sind selten. Einer, der es doch tat, schrieb: Die Mahlzeiten wurden gemeinsam eingenommen, waren leidlich zwanglos und materiell ausgezeichnet. Man kann auf diese Weise lange in der Eisenbahn fahren, ohne die Beschwerlichkeiten einer Reise zu empfinden.Graf Robert Zedlitz-Trützschler: Zwölf Jahre am deutschen Kaiserhof. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1923, S. 27.
Eine relativ große Zahl dieser privaten Salonwagen ist museal erhalten, da die Bewahrung solch herausragender Fahrzeuge, deren Nutzung oft auch mit bekannten Personen des öffentlichen Lebens oder historischen Ereignissen in Verbindung steht, immer eher im Fokus stand, als das museale Bewahren ganz „normaler“ Eisenbahnwagen.
Fahrzeuge Deutschland Deutscher Bund und Kaiserreich mini|Hofzug der Pfälzischen Ludwigsbahn für König Maximilian II. von Bayern mini|Salonwagen des Hofzugs von König Ludwig II. von Bayern mini|„Kaiserwagen“ der Borkumer Kleinbahn mini|Hans Gabriel Jentzsch: Hohe Ehre. Der Extrazug mit dem Salonwagen hatte die Station im schnellsten Tempo passiert. Obwohl alles begeistert die Hälse reckte und Hurra schrie, war von Serenissimus nichts zu sehen. Er saß gerade in stiller Klause. Der kleine Bahnhof aber behielt ein köstliches Andenken an den hohen Besuch. Zwischen den Schienen war es liegen geblieben.Der Wahre Jakob, Jahrgang 1905, S. 4890.
Die Höfe der größeren Staaten beschafften eigene Hofzüge oder Salonwagen. In Baden hielten die Staatseisenbahnen Salonwagen für das regierende Haus vor, die im Laufe des Bestandes der Monarchie mehrfach gegen jeweils modernere Fahrzeuge ausgetauscht wurden (siehe: hier). Bayern, zwei Salonwagen König Ludwigs II., besonders prunkvoll gestaltet und heute mit die bekanntesten Exponate des Verkehrsmuseums Nürnberg, sind erhalten.Ursula Bartelsheim: Versailles auf Rädern – Ludwig II. und sein Hofzug (Objektgeschichten aus dem DB Museum 1). Nürnberg 2009, ISBN 978-3-9807652-5-1
In Braunschweig gab es ab 1840 nacheinander mehrere Salonwagen für die Herzöge und die Regenten des Landes. Am 30. November 1838 unternahm der Landesherr, Herzog Wilhelm von Braunschweig, in Begleitung des Initiators der Herzoglich Braunschweigischen Staatseisenbahn, Philipp August von Amsberg, eine erste Fahrt von Braunschweig nach Wolfenbüttel und zurück. Dazu zog die Lokomotive „SWIFT“ einen zweiachsigen Flachwagen, auf dem eine Kutsche des Herzogs stand.Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel, 30 Slg. 23 Nr. 2 Bd. 1. Diese Fahrzeugkombination stellte den „Prototyp“ eines Salonwagens dar.
Für den Statthalter des Kaisers in Elsaß-Lothringen hielten die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen einen eigenen Salonwagen vor.Jean-Georges Trouillet: Les Chemins de fer Impériaux d'Alsace-Lorraine – Reichs-Eisenbahnen in Elsass-Lothringen. Éditions Drei Exen Verlag, Husseren-les-Châteaux 2018, ISBN 978-2-9565934-0-9, S. 219. Aus Hannover, das seine Selbständigkeit bereits 1866 verlor, sind drei Salonwagen bekannt, von 1852, 1854 und 1862. Der von 1854 ist das seltene Exemplar eines „Thronwagens“. Nur der Papst besaß ein ähnliches Fahrzeug.Dost, S. 158 f. Zu den Salonwagen im Großherzogtum Hessen siehe hier. Das Kurfürstentum Hessen gehörte zu den Staaten, die in der Folge des Krieges von 1866 von der Landkarte verschwanden. Dessen letzter Regent, Kurfürst Friedrich Wilhelm, besaß einen Salonwagen („Cassel 14“), den er aber selten nutzte. Er war geizig und fuhr deswegen lieber in einem reservierten Abteil 1. Klasse.Dost, S. 10, 164. Zur Nutzung durch das regierende Haus des Fürstentums Lippe hatte die Eisenbahndirektion Hannover in Detmold den 1874 gebauten, dreiachsigen Salonwagen „Hannover 2“ stationiert.Dost, S. 166. Ab 1890 sind Salonwagen für den Großherzog von Mecklenburg-Schwerin belegt, die auch als geschlossene Hofzüge gefahren wurden.Dost, S. 163. Noch 1917 wurde mit dem Bau eines neuen Salonwagens für den Großherzog begonnen, der aber vor dem Ende der Monarchie nicht mehr fertig gestellt wurde und erhalten ist.Katalog, S. 51, Nr. 25. Er befindet sich heute im Eigentum der Historischen Eisenbahn Frankfurt. Der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz nutzte einen dreiachsigen Salonwagen (Strelitz 2), gebaut 1870, den ihm die preußische Eisenbahndirektion Stettin zur Verfügung stellte.Dost, S. 165. Auch der Großherzog von Oldenburg besaß Salonwagen, einen zweiachsigen von 1870 und einen dreiachsigen von 1890.Dost, s. 165; Helmut Schmidt: Deutsche Eisenbahndirektionen. Grundlagen 1: Entwicklung der Direktionen 1835–1945. Bernd Neddermeyer, Berlin 2008, ISBN 978-3-933254-85-6, S. 56 [Innenaufnahme]. Im Königreich Preußen betrieb dessen Hof seit 1857 eigene Salonwagen,Bock, S. 14 ff. die zusammengestellt als Hofzug verkehrten. Dieser erste Hofzug wurde nach und nach unter dem reisefreudigen Kaiser Wilhelm II. durch einen zweiten Hofzug ersetzt, der bis in den Ersten Weltkrieg hinein immer wieder mit neuen Wagen ergänzt wurde.
Auch das Fürstentum Reuß älterer Linie beschaffte einen „Salonwagen“. Tatsächlich handelte es sich um einen dreiachsigen, 1894 gebauten Abteilwagen mit Seitengang und fünf Abteilen 1. und 2. Klasse, der für den Gebrauch des Fürstenhauses reserviert war. Er war bei den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen mit der Nr. 53 eingestellt. Es ist der einzig bekannte Fall, in dem ein Wagen, der für den öffentlichen Verkehr gebaut wurde, baulich unverändert für einen solchen Zweck eingesetzt wurde.Dost, S. 168/171. Die Fürsten des Fürstentum Reuß jüngere Linie nutzten einen 1878 gebauten dreiachsigen Salonwagen, der unter der Bezeichnung „Erfurt 404“ bei den Preußischen Staatseisenbahnen eingestellt war.Dost, S. 171.