mini|Dieter Bohlen (2019)
Dieter Bohlen (* 7. Februar 1954 in Berne als Dieter Günter Bohlen) ist ein deutscher Musikproduzent, Komponist, Songwriter und Sänger.
Er wurde 1984 als Mitglied des Pop-Duos Modern Talking bekannt. Nach der ersten Auflösung des Duos 1987 gründete er das Projekt Blue System und hatte damit weitere Charterfolge. Von 1998 bis 2003 war er nochmals mit Modern Talking aktiv. Neben erfolgreichen Produktionen nationaler und internationaler Musiker ist bzw. war er Jurymitglied der Casting-Sendungen Deutschland sucht den Superstar (DSDS) und Das Supertalent.
Leben und Werk Kindheit und Jugend Dieter Bohlen wurde 1954 im niedersächsischen Berne geboren und wuchs bei seinen Eltern Hans (1928–2025) und Edith Bohlen (* 1934) und seiner Großmutter in Ostfriesland auf einem Bauernhof auf. Als Bohlen zehn Jahre alt war, zog die Familie in den Oldenburger Stadtteil Eversten. Bohlen war in seiner Jugend Mitglied der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und kurzzeitig Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP); heute ist er parteilos. 24. November 2006. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium der Berufsbildenden Schulen in Oldenburg-Haarentor studierte er auf elterlichen Wunsch Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität in Göttingen, wobei er zunächst im nahe gelegenen Rosdorf und dann im Stadtteil Geismar wohnte. Nach eigenen Angaben wurde er 1975 ausgemustert.Dieter Bohlen, Katja Kessler: Hinter den Kulissen. Random House Entertainment, München 2003, ISBN 3-7645-0173-1, S. 203–204. Sein Studium schloss er 1978 als Diplom-Kaufmann ab.
Musikalische Anfänge mini|Sunday mit Bohlen (1981) Bereits während seiner Schulzeit komponierte Bohlen Musik. Ab Ende der 1970er Jahre war er, angestellt beim Hamburger Musikverlag Intersong, als Komponist und Songschreiber für zahlreiche Schlagersänger tätig. Zusammen mit Holger Garbode gründete er das Duo Monza, für das Tony Hendrik 1978 die Single Hallo Taxi Nummer 10 schrieb und produzierte. Ab 1980 arbeitete Bohlen als Produzent für die Berliner Schallplattenfirma Hansa und als Solokünstler unter dem Pseudonym Steve Benson. Die erste Single hier hieß Don’t Throw My Love Away (1980). Es folgten zwei weitere Singles mit den Titeln Love Takes Time und (You’re a Devil With) Angel Blue Eyes. Keine dieser Platten schaffte es in die Top 100, was 1981 zur Auflösung des Projekts führte.
Im selben Jahr trat er der Formation Sunday bei, die mit Halé, Hey Louise Anfang 1982 einen Auftritt in der ZDF-Hitparade hatte. Ab 1982 schrieb Bohlen, der zu dieser Zeit im Hamburger Szenelokal Onkel Pö erstmals seinem Vorbild Falco begegnete, Songs für Bernhard Brink und Elmar Gunsch und war zudem auch Produzent bzw. Komponist für The Teens, Katja Ebstein und Bernd Clüver sowie für Andreas Cramer & Die Westkurven-Fans (Halé HSV).Dieter Bohlen, Katja Kessler: Hinter den Kulissen. Random House Entertainment, München 2003, ISBN 3-7645-0173-1, S. 171–176, 296, 305 und 308. 1983 nahm er erstmals an der Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson teil; Bernd Clüver sang den von Bohlen geschriebenen Titel Mit 17 und belegte damit den dritten Platz.
Erfolge als Produzent und Komponist mini|Modern Talking (2003) mini|Dieter Bohlen (2006) Nachdem Bohlen mit dem Schlagersänger Thomas Anders ab 1982 ohne Erfolg sechs Singles mit deutschen Texten veröffentlicht hatte, produzierte er ab Herbst 1984 das Bohlen/Anders-Duo Modern Talking. Die Gruppe belegte mit You’re My Heart, You’re My Soul, You Can Win If You Want, Cheri, Cheri Lady, Brother Louie und Atlantis Is Calling (S.O.S. for Love) fünf Mal Platz eins der deutschen Single-Charts und war auch in anderen europäischen sowie in asiatischen und afrikanischen Hitparaden erfolgreich. Als Toningenieur Bohlens wirkte Luis Rodriguez.Dieter Bohlen, Katja Kessler: Hinter den Kulissen. Random House Entertainment, München 2003, ISBN 3-7645-0173-1, S. 199 und 296. Modern Talking trennte sich 1987 im Streit. Bohlen produzierte und schrieb danach für andere Interpreten, unter anderem für die von ihm entdeckte C. C. Catch (Heartbreak Hotel). Er trat unter dem Namen Blue System weiterhin selbst auf. 1998 fand Modern Talking wieder zusammen und gab in der Silvesternacht 2002 zwei Konzerte in Moskau,Dieter Bohlen, Katja Kessler: Hinter den Kulissen. Random House Entertainment, München 2003, ISBN 3-7645-0173-1, S. 51–55. trennte sich aber 2003 erneut.
1986 schrieb Bohlen für mehrere Tatort-Episoden des Duisburger Kommissars Horst Schimanski die Filmmusik. In der Episode Der Tausch ist der von ihm geschriebene Song Midnight Lady zu hören, den der ehemalige Sänger von Smokie, Chris Norman interpretiert hatte. Der Song wurde ebenfalls ein Nummer-eins-Hit. Zwei Jahre später entstand für die Folge Gebrochene Blüten mit dem Titel Broken Heroes eine erneute Zusammenarbeit zwischen Norman und Bohlen. Im selben Jahr steuerte er mit seinem Musikprojekt Blue System im Tatort: Moltke den Titelsong Silent Water bei und übernahm einen Gastauftritt. Unter dem Pseudonym Howard Houston steuerte er für den letzten Schimanski-Tatort Der Fall Schimanski mit dem von Bonnie Tyler interpretierten Song Against the Wind letztmals die Titelmusik zum Tatort bei.
Für die elfteilige ZDF-Familienserie Rivalen der Rennbahn (1989) schrieb Bohlen die Titelmusik und produzierte den Soundtrack,Rivalen der Rennbahn auf fernsehlexikon.de. der in Deutschland Platz zwei, in Österreich Platz vier und in der Schweiz Platz fünf in den Charts belegte.Soundtrack / Dieter Bohlen – Rivalen der Rennbahn auf hitparade.ch. 1987 komponierte er die Titelmelodie zur ARD-Sportschau. 1989 gewann er mit seinen Liedern die Grand-Prix-Vorentscheidungen in Deutschland und Österreich. Nino de Angelo trat für Deutschland mit dem Lied Flieger an und belegte beim Grand Prix Platz 14. Thomas Forstner trat mit dem Titel Nur ein Lied für Österreich an und erreichte den fünften Platz. 1992 trat Tony Wegas für Österreich mit dem von Bohlen geschriebenen Song Zusammen geh’n beim Grand Prix an und belegte den zehnten Rang. 1994 komponierte er für die Krimiserie Die Stadtindianer unter Beteiligung von Chris Norman, Marianne Rosenberg und Bonnie Tyler den Soundtrack, der auf CD und LP bei der Hansa Musik Produktion veröffentlicht wurde.Soundtrack / Dieter Bohlen – Die Stadtindianer auf hitparade.ch.
1998 beendete Bohlen sein Projekt Blue System, nachdem dessen letzte Veröffentlichungen in den Medien und vom Publikum nur noch sehr zurückhaltend angenommen worden waren. Im März 2006 erschien ein neues Album von Bohlen, das neben zwölf neuen und sechs alten Titeln auch die letzte nicht veröffentlichte Modern-Talking-Single Shooting Star und den Titelsong aus Dieter – Der Film, Gasoline, enthält. 2006 trat Bohlen bei der rumänischen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2006 als Produzent des Duos Indiggo mit dem Stück Be My Boyfriend an; es erreichte bei der Vorentscheidung den siebten Platz.
2010 erreichte das von Bohlen für die Sängerin Andrea Berg produzierte Album Schwerelos Platz eins der deutschen Albumcharts und wurde mit Dreifach-Platin ausgezeichnet. Das zweite von Bohlen für Berg produzierte Album Abenteuer konnte dieses 2011 ebenfalls erreichen., DerWesten.de, 11. Oktober 2011 Bergs 2013 erschienenes Doppelalbum Atlantis enthält ebenso wie Seelenbeben aus dem Jahr 2016 teilweise Lieder von Bohlen.Dieter Bohlen beendet Zusammenarbeit mit Andrea Berg, Yahoo.de, 18. März 2018 Für ihr Album Mosaik (2019) schrieb er Du musst erst fallen und Davon geht mein Herz nicht unter.
Um sich vor einer Zuordnung zu einer bestimmten Musikstilrichtung zu schützen, verwendete Bohlen, meist als Produzent, immer wieder wechselnde Pseudonyme, wie Art of Music, Dee Bass, Fabricio/Fabrizio Bastino, Jennifer Blake, Joseph Cooley, Marcel Mardello, Steve Benson, Ryan Simmons, David Bernhardt oder Projekte wie Monza, Countdown G.T.O., Hit the Floor, Major T. oder Atisha.Liste der von Bohlen produzierten TitelDiskografie Ryan SimmonsRTL: Die 25 … pikantesten Promi-Geheimnisse, Ranking-Show, BRD 2010, 135 Min., Erstsendung am 1. Mai 2010, 20:15 Uhr
Bühnencomeback Im Juli 2019 brachte Bohlen unter dem Titel Dieter feat. Bohlen – Das Mega Album! ein Album als Sänger unter seinem Namen heraus, auf dem er unter anderem seine Hits mit Modern Talking und die von ihm produzierten DSDS-Siegertitel Take Me Tonight (2003), Now or Never (2007) und Call My Name (2011) interpretiert.Thomas Bremser: Neues Album von Dieter Bohlen: Zwischen Gesang und Straftat Online-Ausgabe der Nordwest-Zeitung vom 3. Juli 2019. Es platzierte sich in Deutschland auf Platz 4, in Österreich auf Platz 7 und in der Schweiz auf Platz 9 der Albumcharts.Dieter Bohlen – Dieter feat. Bohlen – Das Mega Album! auf hitparade.ch. Im September 2019 gab er nach sechzehnjähriger Bühnenpause sein Comeback in der Zitadelle Spandau, wo er erstmals die Lieder des Albums sang.Annika Schönstädt: Dieter Bohlen live in der Zitadelle Spandau Berlin: Dünn gehaucht bis gekrächzt Online-Ausgabe der Berliner Morgenpost vom 1. September 2019.
Musikstil In den 1980er und 1990er Jahren produzierte er mit Modern Talking, Blue System und C. C. Catch Euro-Disco- und Eurodance-Titel mit charakteristischen Falsett-Passagen. Mit den Siegern der Sendung Deutschland sucht den Superstar konzentrierte er sich ebenso wie bei den Produktionen mit der Popsängerin Yvonne Catterfeld (unter anderem Für dich, 2003, und Du hast mein Herz gebrochen, 2004) und Chris Norman (unter anderem Midnight Lady, 1986) eher auf Pop-Balladen.
Der Urheberrechtsexperte Paul Hertin aus Berlin behauptete wiederholt, dass Bohlen mehrere Lieder „geklaut“ und somit gegen das Urheberrecht verstoßen habe. Bohlen soll zum Beispiel die Melodie aus dem Song What If von Babyface für die Produktion von Für dich für Yvonne Catterfeld verwendet haben. Aufgrund Hertins Gutachten bezüglich der Plagiatsvorwürfe leitete die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Bohlen ein, das eingestellt wurde.
Blue Obsession Musikverlag Bohlen ist Gründer des Musikverlags Blue Obsession, unter dem er seit 1991 Lieder veröffentlicht. Eine der ersten Veröffentlichungen war das Album Verliebte Jahre von Peter Alexander. Zunächst wurden die Lieder durch Warner/Chappell Music vertrieben; 2004 erfolgte der Wechsel zu BMG Music Publishing.
Castingshows Deutschland sucht den Superstar (DSDS) 2002 wurde Bohlen von Gerhard Zeiler mit der deutschen Version von Pop Idol beauftragt,Dieter Bohlen, Katja Kessler: Hinter den Kulissen. Random House Entertainment, München 2003, ISBN 3-7645-0173-1, S. 234–238. und neben Thomas M. Stein, Shona Fraser und Thomas Bug Juror der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar (DSDS), in der er sich mit umstrittenen Kommentaren („Du singst wie ein Gartenzwerg auf Ecstasy“) präsentierte. Ende 2002 nahm er mit den zehn Finalisten von DSDS die Single We Have a Dream auf, die in Deutschland zur meistverkauften Single des Jahres 2003 wurde. Auch das von Bohlen produzierte DSDS-Album United erwies sich als kommerziell erfolgreich.
Die Zusammenarbeit mit dem DSDS-Sieger Alexander Klaws und dem DSDS-Dritten Daniel Küblböck war kurzzeitig ein großer Erfolg, genauso wie die Zusammenarbeit mit Yvonne Catterfeld. Bohlen unterschrieb Werbeverträge mit Müller Milch, Makro Markt, S.Oliver, O₂, Wiesenhof, der Deutschen Bahn und Unilever. Er erhielt pro Staffel von DSDS eine Gage in Höhe von 1,2 Millionen Euro.Die Gagen der TV-Stars, T-Online-Nachrichtenportal