mini|Die jüngste Abgeordnete der Volkskammer, Margot Feist, beglückwünscht Wilhelm Pieck zu seiner Wahl als Staatspräsident

Chronik der DDR (1949–1960) beschreibt einzelne Ereignisse in der DDR zwischen 1949 und 1960. Sie ergänzt den Hauptartikel Geschichte der DDR.

1949 mini|Die neue Provisorische Regierung der DDR bei General Wassili Tschuikow in Berlin-Karlshorst

1949 wird die DDR gegründet. Die wichtigsten Verfassungsorgane werden geschaffen, Wahlen finden aber erst 1950 statt.

Am 7. Oktober erklärt sich der 2. Deutsche Volksrat zur Provisorischen Volkskammer und setzt die Verfassung der DDR in Kraft.

Am 8. Oktober wird das Frankfurter Abkommen über den Interzonenhandel zwischen der DDR und der Bundesrepublik in Frankfurt am Main unterzeichnet. Es regelt den freien Warenhandel zwischen beiden Ländern nach den Staatsgründungen.

Am 10. Oktober werden die Verwaltungsfunktionen in der DDR von der Sowjetischen Militäradministration an die Provisorische Regierung der DDR übertragen. Die neue Sowjetische Kontrollkommission (SKK) behält aber einen maßgeblichen Einfluss.

Am 10. Oktober wird die Länderkammer der DDR gebildet.

Am 11. Oktober wird Wilhelm Pieck zum Präsidenten der DDR von der Provisorischen Volkskammer und der Länderkammer gewählt. Am Abend gibt es eine Massenkundgebung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) mit offiziell 200.000 Teilnehmern in Berlin.

Am 12. Oktober wird die Provisorische Regierung der DDR mit dem Ministerpräsidenten Otto Grotewohl von der Provisorischen Volkskammer bestätigt und von Präsident Pieck vereidigt. Damit ist die Gründung der DDR abgeschlossen.

Am 28. Oktober wird der Arbeitsminister von Sachsen-Anhalt Leo Herwegen (CDU) wegen angeblicher Spionage verhaftet. Er wird im April 1950 im Dessauer Schauprozess mit weiteren Angeklagten zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.

Am 5. November wird Auferstanden aus Ruinen von Johannes R. Becher und Hanns Eisler zur Nationalhymne der DDR erklärt. Am 7. November erklingt sie erstmals öffentlich bei einem Staatsakt zum Jahrestag der Oktoberrevolution.

Am 8. Dezember werden das Oberste Gericht und die Staatsanwaltschaft der DDR gebildet.

Am 21. Dezember finden Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag von Josef Stalin in vielen Städten der DDR statt. In Berlin gibt es eine Massenkundgebung zur Umbenennung der bisherigen Frankfurter Allee in Stalinallee mit etwa 100.000 Teilnehmern.

1950 mini|Schauprozess in Dessau gegen Landesminister Leo Herwegen und weitere Beteiligte der Conti-Affäre Das Jahr 1950 ist geprägt durch die Schaffung weiterer eigenständiger staatlicher Strukturen in der jungen DDR. Dieses schließt auch rigoroses Vorgehen gegen tatsächliche und vermeintliche Gegner ein. Es kommt zu etwa 80.000 Verurteilungen durch deutsche Gerichte und Sowjetische Militärtribunale.Chronik 1950 Jugendopposition; mit einigen Details zum Jahr 1950 Etwa 200.000 Menschen siedeln offiziell in die Bundesrepublik über.

Seit dem 7. Januar ist die Deutsche Grenzpolizei für die Sicherung der Staatsgrenze der DDR zuständig.

Am 7. Januar konstituiert sich die Nationalen Front des demokratischen Deutschlands als Zusammenschluss aller Parteien und Massenorganisationen sowie weiterer wichtiger gesellschaftlicher Vertreter der DDR.

Am 12. Januar wird die Todesstrafe in der Sowjetunion wieder eingeführt. Diese wird auch bei einigen DDR-Bürgern durch Sowjetische Militärtribunale verhängt und in Moskau vollstreckt.

Ab dem 17. Januar sollen die sowjetischen Internierungslager in der DDR aufgelöst werden. Etwa 10.000 Internierte werden danach freigelassen, etwa 10.000 weitere in Gefängnisse und Zuchthäuser der DDR überstellt.

Am 23. Januar stürmen SED-Mitglieder die Landesgeschäftsstelle der CDU in Dresden und fordern die Absetzung des stellvertretenden Landtagspräsidenten Hugo Hickmann. Dieser hatte die führende Rolle der SED hinterfragt und eine stärkere Orientierung auf eine deutsche Wiedervereinigung verlangt. Er tritt am 30. Januar von seinen Ämtern zurück und wird später aus der CDU ausgeschlossen.

Am 3. Februar konstituiert sich der Nationalrat der Nationalen Front des demokratischen Deutschlands.

Am 8. Februar wird das Ministerium für Staatssicherheit gebildet.

Am 8. Februar wird ein Gesetz über die Teilnahme der Jugend am Aufbau der DDR durch die Provisorische Volkskammer erlassen, das diese in die Entwicklung in der DDR einbezieht, ihr aber auch mehr Rechte und Entwicklungsmöglichkeiten ermöglicht.

Am 16. Februar werden Wilhelm Zaisser zum ersten Minister für Staatssicherheit und Erich Mielke zum Staatssekretär ernannt.

Am 24. März wird die Deutsche Akademie der Künste in Berlin gegründet. Erster Präsident wird Arnold Zweig.

Am 24. März wird das Spielen von anglo-amerikanischer Beatmusik bei Tanzveranstaltungen verboten.

Am 30. März wird die Einführung der Schulspeisung beschlossen. Seit dem 15. April gibt es in allen Grund-, Ober-, Fach- und Hochschulen, sowie Kindergärten und Kindertageskrippen eine warme Mahlzeit täglich.

Am 16. April verliert die SG Dresden-Friedrichstadt das entscheidende Spiel um die erste DDR-Fußballmeisterschaft gegen die ZSG Horch Zwickau mit 1:5. Danach kommt es zu schweren Zuschauerausschreitungen in Dresden, da der Spielverlauf nicht fair verlief. Die meisten Spieler ziehen danach mit dem Spielertrainer Helmut Schön nach West-Berlin.

Am 21. April werden die gesetzlichen Feiertage Tag der Befreiung (8. Mai) und Tag der Republik (7. Oktober) durch die Provisorische Volkskammer eingeführt.

Ab dem 21. April werden die Waldheimer Prozesse durchgeführt, bei denen mehr als 3400 wegen Kriegs- und nationalsozialistischen Verbrechen Angeklagte in Schauprozessen zu hohen Zuchthausstrafen und 32 zum Tode verurteilt werden. Nach internationalen Protesten werden 1952 einige Urteile revidiert.

Vom 24. bis 29. April werden in einem Schauprozess mehrere Verantwortliche des Contigas-Unternehmens in Dessau zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt, darunter Sachsen-Anhalts Minister Leo Herwegen. Ihnen wird Verschiebung von sozialistischem Eigentum in den Westen vorgeworfen.

Am 28. April kommt es zum ersten Treffen von führenden Vertretern der evangelischen und der römisch-katholischen Kirche mit Ministerpräsident Otto Grotewohl. Dabei werden verschiedene Themen des Verhältnisses zwischen Staat und den beiden Kirchen besprochen.

Am 15. Mai werden die Reparationsansprüche der sowjetischen Regierung gegen die DDR von 6,3 Milliarden Mark auf 3,1 Milliarden Mark reduziert.

Am 17. Mai wird das Volljährigkeitsalter auf 18 Jahre statt bisher 21 Jahre herabgesetzt.

Am 26. Mai werden alle Telefonverbindungen nach West-Berlin unterbrochen.

Vom 27. bis 30. Mai (Pfingsten) findet das erste Deutschlandtreffen der Jugend in Berlin mit etwa 500.000 Teilnehmern aus der DDR und anderen Ländern statt.

Am 17. und 18. Juni wird der Verband Bildender Künstler Deutschlands in Berlin gegründet. Erster Präsident wird Otto Nagel.

Am 23. Juni schließt die DDR einen Vertrag mit der ČSR, in dem beide Länder auf Ansprüche gegeneinander verzichten und die DDR die Vertreibungen von Deutschen aus der Tschechoslowakei seit 1945 als gerecht bezeichnet.

Vom 4. bis 6. Juli findet der Deutsche Schriftstellerkongreß in Berlin statt. Auf diesem wird der Deutsche Schriftstellerverband gegründet. Erster Präsident wird Bodo Uhse.

Am 6. Juli wird die Oder-Neiße-Grenze durch die DDR im Görlitzer Vertrag mit der Volksrepublik Polen anerkannt. Sie verzichtet damit auf Ansprüche auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete.

Vom 16. bis 20. Juli findet das erste Nachkriegs-Bachfest in Leipzig statt.

Vom 20. bis 24. Juli findet der III. Parteitag der SED in Ost-Berlin statt. Dabei wird der planmäßige Aufbau des Sozialismus in der DDR und der erste Fünfjahrplan beschlossen. Außerdem wird das Zentralkomitee (ZK) als Nachfolger des bisherigen Parteivorstandes gebildet. Am 25. Juli wählt dieses das Politbüro, das Sekretariat des ZK und die Zentrale Parteikontrollkommission (ZPKK). Vorsitzende der Partei bleiben Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl; Generalsekretär des ZK wird Walter Ulbricht.

Am 8. August wird der Generalsekretär der LDPD Günter Stempel verhaftet. Er hatte unter anderem die bevorstehenden Volkskammerwahlen kritisiert. Er wird später zu 25 Jahren Haft verurteilt

Am 17. August wird der Vorschlag über den ersten Fünfjahrplan von SED-Generalsekretär Walter Ulbricht an die Provisorische Regierung in einem Staatsakt übergeben. Dieser sieht eine zentrale Planwirtschaft, sowie die Verdoppelung der Industrieproduktion und die Steigerung der Arbeitsproduktivität vor.

Am 18. August wird das Eisenhüttenkombinats Ost (EKO) durch einen symbolischen Akt von Industrieminister Fritz Selbmann begründet.

Am 24. August wird die Verhaftung von drei leitenden DDR-Verantwortlichen, sowie Amtsenthebungen und Parteiausschlüsse von sieben weiteren SED-Mitgliedern wegen Kontakten zu dem angeblichen US-Agenten Noel Field durch das ZK der SED beschlossen. In dieser Zeit werden etwa 300 Parteimitglieder aus der früheren Westemigration mit demselben Grund mit ähnlichen Strafen belegt. 1956 werden alle Betroffenen rehabilitiert.

Am 31. August werden die Zeugen Jehovas aus der Liste der erlaubten Religionsgemeinschaften gestrichen. Grund dafür ist ihre grundsätzliche Ablehnung der Beteiligung an staatlichen Organisationsstrukturen. Etwa 1000 Mitglieder werden verhaftet und verurteilt. Bei einem Schauprozess am 3. und 4. Oktober werden neun führende Vertreter zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Das Verbot als Religionsgemeinschaft wird erst 1989/90 aufgehoben.

Am 6. September wird Justizstaatssekretär Helmut Brandt verhaftet, weil er die Waldheimer Prozesse kritisiert hatte. Er wird später verurteilt.

Am 6. September wird das Gesetz zum Aufbau der Städte beschlossen. Es sieht einen raschen Wiederaufbau vor, wobei sozialistische Neubauten bevorzugt werden. In der folgenden Zeit werden viele halbzerstörte Gebäude abgerissen, die erhalten hätten werden können.

Am 7. September wird die Ruine des Berliner Stadtschlosses gesprengt.

Am 27. September wird das Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau durch die Provisorische Volkskammer verabschiedet. Dieses soll die Gleichberechtigung von Frauen im gesellschaftlichen und persönlichen Leben weiter befördern.

27. September 1950 Wegen ihrer Proteste gegen die undemokratischen Volkskammerwahlen werden in Güstrow acht Oberschüler zu Zuchthausstrafen zwischen 5 und 15 Jahren verurteilt.

28. September 1950 In Schwerin werden der Oberschüler Enno Henke und sieben weitere Schüler wegen „Unterwanderung“ zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt.

Am 29. September wird die DDR Mitglied im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), der Wirtschaftsvereinigung der sozialistischen Länder.

Am 15. Oktober finden erste Wahlen zur Volkskammer, sowie zu Land- und Kreistagen und Gemeindevertretungen in der DDR statt. Die von der SED dominierte Einheitsliste der Nationalen Front erhält nach offiziellen Angaben 99,7 % der Stimmen.Haus der Deutschen Geschichte: 1950, abgefragt am 15. Oktober 2009

Am 21. und 22. Oktober nimmt erstmals ein Vertreter der DDR an einem Außenministertreffen der RGW-Staaten in Prag teil. Dabei werden beide deutsche Staaten aufgefordert, über einen Gesamtdeutschen Rat zu verhandeln.

Am 27. Oktober wird die Überprüfung aller Parteimitglieder und Kandidaten der SED durch den Umtausch der Mitgliedsbücher und Kandidatenkarten beschlossen. Dabei werden im ersten Halbjahr 1951 etwa 150.000 Mitglieder ausgeschlossen, vor allem ehemalige SPD-Mitglieder.

31. Oktober 1950 Roland Bude und sieben weitere Angeklagte werden von einem Sowjetischen Militärtribunal zu zweimal 25 Jahren Zwangsarbeitslager verurteilt.

Am 8. November konstituiert sich die neu gewählte Volkskammer. Präsident wird Johannes Dieckmann (LDPD).

11. November 1950 Der aus der DDR nach West-Berlin geflohene Alfred Weiland wird vom sowjetischen Geheimdienst KGB nach Ost-Berlin verschleppt.