Chronik der DDR (1971–1980) beschreibt einzelne Ereignisse in der DDR zwischen 1971 und 1980. Sie ergänzt den Hauptartikel Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik.
Übersicht Die 1970er Jahre sind geprägt durch die Amtsführung von Erich Honecker seit 1971. Ihm gelingt eine internationale Anerkennung der DDR mit dem Grundlagenvertrag mit der Bundesrepublik 1972 und der Aufnahme in die UNO 1973.
In den ersten Jahren entstehen unter liberalisierten Bedingungen wichtige Filme und Bücher. Nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976 verlassen viele DDR-Künstler das Land und die Kulturpolitik wird restriktiver.
1971 1971 wird Erich Honecker zum Ersten Sekretär der SED gewählt. Es kommt zu neuen sozialpolitischen Maßnahmen, wie Preissenkungen, Lohn- und Rentenerhöhungen. Es werden Verhandlungen mit West-Berlin und der Bundesrepublik über verschiedene Bereiche geführt. Über 17.000 Menschen verlassen die DDR in den Westen.
Am 1. Januar werden die Ergebnisse der Volks-, Berufs-, Wohnraum und Gebäudezählung veröffentlicht: Die DDR hat zum Stichtag 17.053.699 Einwohner.
Am 21. Januar bitten 12 von 20 Mitglieder und Kandidaten des Politbüros den KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnew um die Ablösung von SED-Vorsitzenden Walter Ulbricht.
Am 29. Januar werden Preissenkungen und Verbesserungen in der Rentenversicherung durch den Ministerrat beschlossen. Ab dem 1. Februar werden die Preise für über 1.800 Produkte gesenkt, vor allem von Bekleidung und Industriewaren. Ab dem 1. März werden die Leistungen der Sozialversicherung im Krankheitsfall erhöht und die Bedingungen der Rentenversicherung verbessert.
Am 31. Januar werden die Telefonverbindungen zwischen Ost- und West-Berlin nach 18 Jahren durch die DDR wieder hergestellt.
Am 3. Februar wird die Erhöhung der Mindestbruttolöhne durch den Ministerrat der DDR beschlossen.
Am 11. Februar gehört die DDR zu den Erstunterzeichnern des Vertrages über das Verbot der Stationierung von Kernwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Meeresboden.
Am 24. Februar wird die Aufnahme von Verhandlungen zwischen der DDR und West-Berlin durch den Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, Willi Stoph an den Regierenden Bürgermeister von Berlin (West), Klaus Schütz angeboten. Am 6. März beginnen die Verhandlungen.
Am 16. März nehmen die DDR und Chile diplomatische Beziehungen auf; seitdem haben 28 Staaten die DDR offiziell anerkannt.
Am 3. Mai wird Erich Honecker als Nachfolger von Walter Ulbricht zum Ersten Sekretär des ZK der SED auf der 16. Tagung des ZK gewählt.
Vom 25. bis 29. Mai findet das IX. Parlament der FDJ mit über 2000 Delegierten und 62 ausländischen Delegationen in Berlin statt.
Am 30. Mai findet erstmals das Dixieland-Festival in Dresden statt. Es entwickelt sich bald zu einem der populärsten Musikfestivals in der DDR.
miniatur|Erich Honecker erhält Glückwünsche auf dem VIII. Parteitag der SED zu seiner Wahl zum Ersten Sekretär Vom 15. bis 19. Juni findet der VIII. Parteitag der SED mit 2131 Delegierten und 93 ausländischen Delegationen in Berlin statt. Er formuliert als neue Hauptaufgabe die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ und verabschiedet die Direktive für den neuen Fünfjahrplan 1971–1975.
Am 24. Juni wird Erich Honecker zum neuen Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der DDR als Nachfolger von Walter Ulbricht durch die Volkskammer gewählt.
Am 3. September wird das Viermächteabkommen über Berlin durch die USA, die UdSSR, Großbritannien und Frankreich unterzeichnet. Es regelt vor allem den Status von West-Berlin.
Vom 18. bis zum 20. September wird ein Vertrag über den pass- und visafreien Verkehr zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen während eines Besuchs einer Partei- und Regierungsdelegation unter der Leitung von Erich Honecker in Warschau unterzeichnet.
Am 30. September wird ein Protokoll über Postverhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR unterzeichnet. Es kommt zu Verbesserungen im innerdeutschen Postverkehr.
Vom 19. bis 21. Oktober findet das erste Internationale Schlagerfestival in Dresden statt.
Am 21. Oktober wird die Förderung des privaten Wohnungsbaus ab 1972 durch den Ministerrat beschlossen.
Am 14. November finden Wahlen zur Volkskammer und zu den Bezirkstagen statt. Offiziell werden 99,85 % der Stimmen für die Kandidaten der Nationalen Front abgegeben.
Am 18. November wird ein Preisstopp für Konsumgüter und Dienstleistungen bis 1975 durch das ZK der SED und den Ministerrat beschlossen.
Am 26. November werden erleichterte Reisebedingungen zwischen der DDR und Rumänien beschlossen. Eine persönliche Einladung ist nun nicht mehr nötig.
Am 26. November findet die konstituierende Sitzung der Volkskammer statt. Zum Präsidenten wird wieder Gerald Götting (CDU) gewählt, zum Vorsitzenden des Staatsrates Walter Ulbricht. Am 29. November werden der Ministerrat mit dem Vorsitzenden Willi Stoph, sowie das Oberste Gericht und der Generalstaatsanwalt der DDR gewählt.
Am 17. Dezember wird ein Abkommen über den Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin durch das Territorium der DDR durch Vertreter der DDR und der Bundesrepublik unterzeichnet. Es tritt am 3. Juni 1972 in Kraft.
Am 20. Dezember wird ein Gesetz über den Fünfjahrplan 1971 bis 1975 durch die Volkskammer verabschiedet.
Am 20. Dezember werden ein Gebietsaustausch und Regelungen über den Besucherverkehr zwischen Vertretern der DDR und dem Senat von West-Berlin vereinbart.
1972 1972 schließt die DDR den Grundlagenvertrag mit der Bundesrepublik und kann dadurch erstmals auch diplomatische Kontakte zu weiteren westlichen Ländern aufnehmen.Chronik 1972 DDR-Geschichte Chronik 1972 Jugendopposition, mit vielen Angaben zum Jahr 1972 Bei den Olympischen Spielen darf sie erstmals mit einer vollständig eigenständigen Mannschaft antreten. Bei einer umfassenden Amnestie wird der größte Teil der Inhaftierten freigelassen.
Am 1. Januar wird pass- und visafreier Reiseverkehr zwischen der DDR und Polen eingeführt, sowie am 15. Januar mit der ČSSR.
Vom 3. bis 13. Februar finden die Olympischen Winterspiele in Sapporo statt. Die DDR darf erstmals mit eigener Fahne und Hymne teilnehmen und wird zweiterfolgreichste Mannschaft.
Am 8. Februar 1972 beschließt das Politbüro der SED die Überführung der aller in der DDR noch existierenden Privatunternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern in Volkseigentum. Am 13. Juli 1972 meldet Erich Honecker dazu Leonid Breschnew den Vollzug: die Enteignung von 11.800 Privat- und Familienbetrieben. Diese hatten zuvor einen Anteil von 15 Prozent an der Industrieproduktion.
Seit dem 11. Februar gibt es das „Fernsehen der DDR“ statt bisher den Deutschen Fernsehfunk.
Am 9. März wird das Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft durch die Volkskammer beschlossen. Dabei gibt es erstmals 14 Gegenstimmen und acht Enthaltungen bei einer Abstimmung.
Am 11. März wird die internationalen Konvention über das Verbot der Entwicklung, Herstellung und Lagerung bakteriologischer und toxischer Waffen sowie deren Vernichtung durch DDR-Außenminister Otto Winzer in Moskau unterzeichnet.
Am 27./28. April findet die 5. Tagung des ZK der SED statt. Es wird ein gemeinsamer Beschluss des ZK, des Bundesvorstandes des FDGB und des Ministerrates über sozialpolitische Maßnahmen, unter anderem Erhöhung der Mindestrenten und teilweise Mietpreissenkungen für Neubauwohnungen gefasst.
Am 12. Mai wird zwischen der DDR und der SR Rumänien der Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand unterzeichnet.
Am 3. Juni tritt das Transitabkommen zwischen den beiden deutschen Staaten in Kraft.
Am 23. Juni werden Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus durch das ZK der SED und den Ministerrat beschlossen.
Am 6. und 7. Juli findet die 6. Tagung des ZK der SED statt. „Weite und Vielfalt“ in der Kulturpolitik werden diskutiert, eine Kommission zur Überarbeitung des Parteiprogramms und des Statuts der SED wird eingesetzt und ein Beschluss über die Verstaatlichung von privaten Unternehmen und Betrieben mit staatlicher Beteiligung wird gefasst.
Bei den Olympischen Sommerspielen in München vom 26. August bis zum 11. September erreicht die DDR in der inoffiziellen Medaillenwertung den dritten Platz.
Am 6. Oktober wird eine umfangreiche Amnestie für politische und kriminelle Straftäter durch den Staatsrat der DDR beschlossen. Es werden mehr als 30.000 Personen entlassen, etwa 2000 dürfen in den Westen ausreisen.Amnestie 1972 Zeitstrahl
Am 16. Oktober wird der Ministerrat als Regierungsorgan gegenüber dem Staatsrat durch ein entsprechendes Gesetz der Volkskammer aufgewertet.
Am 24. November tritt die DDR der UNESCO bei.
In der Zeit vom 7. bis 28. Dezember nimmt die DDR diplomatische Beziehungen zu etwa 15 Staaten auf, als erste westliche europäische Länder die Schweiz (20.12.)Diplomatische Beziehungen mit der DDR: «Den Vorsprung halten, ohne allzu sehr ins Rampenlicht zu geraten» In: Neue Zürcher Zeitung vom 19. Dezember 2022., Österreich (21.12.) und Belgien (28.12.).
Am 13. Dezember wird die DDR Mitglied in der Wirtschaftskommission für Europa der UNO (ECE).
Am 21. Dezember wird der Grundlagenvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet. Damit wird die DDR im Wesentlichen als souveräner Staat (mit Ausnahme des Staatsbürgerschaftsrechts) von der Bundesrepublik anerkannt. Es werden Ständige Botschaften in Bonn und Ost-Berlin eingerichtet.
1973 In der Zeit vom 5. bis 22. Januar nehmen weitere 13 Staaten (darunter Spanien, Italien und die Niederlande) diplomatische Beziehungen zur DDR auf.
Kurt Hager, Sekretär des ZK der SED, wendet sich am 26. Januar auf einer Tagung der Präsidien des Kulturbundes, der Künstlerverbände und der Akademie der Künste der DDR gegen die These von einer einheitlichen deutschen Kulturnation und betont die Herausbildung einer sozialistischen Kultur der DDR.
Am 2. Februar tritt die DDR dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen bei.
Die NATO-Staaten Frankreich und Großbritannien nehmen am 9. Februar diplomatische Beziehungen zur DDR auf.
Am 1. März wird die Verordnung des Ministerrates über die Tätigkeit ausländischer Publikationsorgane und ihrer Korrespondenten in der DDR veröffentlicht.
In der Zeit vom 5. bis 7. März werden Korrespondenten der ARD, des ZDF sowie von Zeitungen und Zeitschriften aus der Bundesrepublik in der DDR akkreditiert.
Die DDR lehnt am 8. März Wiedergutmachungszahlungen an Israel in jeder Form ab.
Am 14./15. März trifft sich in Düsseldorf eine Delegation des FDGB mit Vertretern des DGB.
Japan nimmt am 15. April diplomatische Beziehungen zur DDR auf.
Am 30. und 31. Mai findet ein Treffen der Bundestagsfraktionvorsitzenden Herbert Wehner (SPD) und Wolfgang Mischnick (FDP) mit Erich Honecker statt.
Der Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland (Grundlagenvertrag) tritt am 21. Juni in Kraft.
Eine Einigung der Sportverbände DTSB und DSB über innerdeutsche Sportbeziehungen scheitert am 2. Juli an der Frage der Einbeziehung West-Berlins.
Vom 28. Juli bis 5. August finden in Ost-Berlin die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt.
Das Bundesverfassungsgericht entscheidet am 31. Juli, dass der Grundlagenvertrag mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
Am 1. August stirbt Walter Ulbricht (1893–1973) in Ost-Berlin.
Die DDR und die Bundesrepublik Deutschland werden am 18. September Mitglied der UNO. Auf der 10. Tagung des ZK der SED am 2. Oktober wird über ein Wohnungsbauprogramm für die Jahre 1976–1990 beraten.
In der Nachfolge von Walter Ulbricht wird am 3. Oktober Willi Stoph von der Volkskammer zum Vorsitzenden des Staatsrates der DDR gewählt. Horst Sindermann wird Vorsitzender des Ministerrates.