Die Chronik der DDR (1981–1990) beschreibt einzelne Ereignisse in der DDR zwischen 1981 und 1990. Sie ergänzt den Hauptartikel Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik.
1981 Am 1. Februar wird Klaus Bölling neuer Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR als Nachfolger von Günter Gaus.
Am 1. April wird Matthias Domaschk von der evangelischen Junge Gemeinde Jena Stadtmitte, festgenommen. Er stirbt am 12. April in der Untersuchungshaftanstalt des MfS in Gera unter ungeklärten Umständen.
Vom 26. bis 31. Mai besucht der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker Japan. Dieses ist der erste offizielle Besuch eines DDR-Staatsoberhauptes in einem führenden westlichen Industrieland.
Am 14. Juni finden Scheinwahlen zur Volkskammer und zu den Bezirkstagen statt. Laut offiziellen Angaben stimmen 99,86 % der Wahlberechtigten für die Einheitslisten der „Nationalen Front“.
Am 26. Juni wird der MfS-Hauptmann Werner Teske wegen Vorbereitung seiner Flucht in den Westen als letzte Person in der DDR hingerichtet. Prozess und Todesurteil bleiben streng geheim.
Am 20. September erfolgt ein Gefängnisausbruch mit blutiger Geiselnahme durch André Baganz und drei Mittäter in Frankfurt/Oder. Ein Volkspolizist wird erschossen, ein Gefängniswärter angeschossen. Eine Spezialeinheit des MfS überwältigt die Geiselnehmer.
Am 1. Oktober wird der „Kanzlerspion“ Günter Guillaume im Zuge eines Agentenaustauschs aus der Haft in der Bundesrepublik in die DDR entlassen. Danach äußert er sich mehrere Male öffentlich über seine „Kundschaftertätigkeit“.
Am 3. November beschließt die Volkskammer den Fünfjahrplan 1981–1985.
Vom 11. bis 13. Dezember besucht der Bundeskanzler Helmut Schmidt die DDR. Er trifft den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zu mehreren Arbeitsgesprächen am Werbellinsee und besucht Güstrow. Die Stadt wird von mehreren Tausend MfS-Mitarbeitern abgeschirmt, die Einheimischen dürfen in dieser Zeit die Straßen nur mit Ausnahmegenehmigung betreten.
Am 13. Dezember verhängt General Wojciech Jaruzelski in Polen das Kriegsrecht. Die Gewerkschaft Solidarność wird verboten. Eine Verhaftungswelle rollt durch das Land. Die DDR-Führung ist über die Ereignisse beunruhigt und befürchtet Proteste im eigenen Land.
Am 13. und 14. Dezember findet die Berliner Begegnung zur Friedensförderung in Ost-Berlin mit knapp 100 Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern aus Ost und West statt.
1982 Am 1. Januar findet eine Volkszählung statt.
Am 25. Januar wird der von Pfarrer Rainer Eppelmann und dem Wissenschaftler Robert Havemann verfasste „Berliner Appell – Frieden schaffen ohne Waffen“ veröffentlicht. Damit erreicht die Friedensbewegung in der DDR erstmals eine breite Resonanz.
Auf einem Friedensforum am 14. Februar in der Kreuzkirche in Dresden fordern etwa 5000 meist jugendliche Teilnehmer die Einführung eines Sozialen Friedensdienstes als zivilen Wehrersatzdienst in der DDR.
Ein am 25. März erlassenes neues Wehrdienstgesetz schreibt die vormilitärische Ausbildung von Jugendlichen vor und ermöglicht im Verteidigungsfall die Ausweitung der allgemeinen Wehrpflicht auf Frauen. Dagegen kommt es zu vielfältigen Protesten vor allem im innerkirchlichen Bereich, es entsteht auch die Gruppe Frauen für den Frieden.
Der bekannteste DDR-Regimekritiker Robert Havemann stirbt am 9. April.
Am 24. Mai wird Hans Otto Bräutigam neuer Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der DDR als Nachfolger von Klaus Bölling.
Am 15. Juli beginnt die Sowjetunion mit der Stationierung von mobilen SS-21-Kurzstreckenraketen in der DDR.
Am 12. November wird der langjährige Chef des Geheimdienstes KGB, Juri Andropow, neuer Generalsekretär der KPdSU als Nachfolger des zwei Tage zuvor verstorbenen Leonid Breschnew. Er leitet einige Reformen ein und gilt als ein Vorbereiter der Veränderungen durch Michail Gorbatschow ab 1985.
1983 Am 14. Februar demonstrieren in Dresden etwa 100.000 Menschen für den Frieden anlässlich des Gedenkens an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg.
Am 28. April sagt Erich Honecker seinen geplanten Besuch in der Bundesrepublik Deutschland ab. Angeblicher Grund sind die westlichen Berichterstattungen über den Tod von westdeutschen Transitreisenden in der DDR am 10. und 26. April. Tatsächlich geschah dies aber auf Druck des neuen sowjetischen Parteichefs Andropow.
Am 4. Mai wird das Lutherjahr mit einem Festgottesdienst auf der Wartburg in Eisenach eröffnet. Das DDR-Fernsehen und die ARD übertragen erstmals gemeinsam live, Gäste sind unter anderem Volkskammerpräsident Horst Sindermann und der Regierende Bürgermeister von West-Berlin Richard von Weizsäcker.
Am 12. Mai demonstrieren sechs westdeutsche Bundestagsabgeordnete der Grünen auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz für Abrüstung in Ost und West. Sie werden festgenommen und in die Bundesrepublik ausgewiesen.
Vom 31. Mai bis 2. Juni findet der IX. Schriftstellerkongreß der DDR in Ost-Berlin statt. Nach den Ausschlüssen vieler kritischer Autoren in den vorangegangenen Jahren verläuft er staatsnah und unspektakulär.
Am 8. Juni wird der Jenaer Bürgerrechtler Roland Jahn in einem Zug gewaltsam aus der DDR ausgebürgert. (Er wurde später Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen (BStU)).
Am 29. Juni übernimmt die Bundesregierung die Bürgschaft für einen vom bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) vermittelten Kredit über eine Milliarde D-Mark für die DDR. Sie will damit die Stabilität der DDR bewahren, die in finanziellen Schwierigkeiten ist.Milliardenspritze für den Mauerbauer auf Spiegel Online
Vom 29. Juni bis 2. Juli stattet der UNO-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar der DDR einen offiziellen Besuch ab.
Vom 7. bis 10. Juli findet ein evangelischer Kirchentag in Dresden statt. Er ist mit etwa 100.000 Teilnehmern der größte seiner Art seit 1954. Es gibt auch viele Veranstaltungen zu Themen von Friedenserhaltung, weltweiter Gerechtigkeit und Umweltschutz.
Vom 24. bis 27. Juli unternimmt Franz Josef Strauß eine 'Privatreise' in die DDR. Er trifft sich auch mit Erich Honecker.
Vom 25. bis 31. Juli findet das VII. Turn- und Sportfest der DDR in Leipzig statt, außerdem die IX. Spartakiade.
Am 1. September versuchen Anhänger der DDR-Friedensbewegung, eine Menschenkette zwischen der sowjetischen und der US-Botschaft in Ost-Berlin anlässlich des Weltfriedenstages zu bilden. Dieses wird von der Volkspolizei verhindert. Am Abend werden Martin Böttger und Elisabeth Gibbels verhaftet, sie werden am 15. September wieder freigelassen.
Am 15. September besucht der Regierende Bürgermeister von West-Berlin Richard von Weizsäcker den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker in Schloss Niederschönhausen zu einem Gespräch.Neues Deutschland vom 16. September 1983, S. 1 Artikelanfänge Dieses ist das erste Treffen dieser Art.
Am 2. Oktober wird die IX. Kunstausstellung der DDR in Dresden eröffnet. Über eine Million Besucher kommen bis zum 3. April 1984.
Am 6. Oktober kündigt Erich Honecker den vollständigen Abbau der Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze an.
Am 15. November kommt ein neues Post- und Fernmeldeabkommen zwischen beiden deutschen Staaten zum Abschluss. Es sieht die Anhebung der jährlichen Pauschalleistungen der Bundesrepublik an die DDR von 85 auf 200 Millionen D-Mark vor.
Am 25. Oktober treten der westdeutsche Rocksänger Udo Lindenberg, der US-Sänger Harry Belafonte und weitere Musiker bei einem Friedenskonzert im Palast der Republik in Ost-Berlin vor etwa 4000 Zuschauern auf.
Am 5. Dezember kritisiert die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen in der DDR.
Am 12. Dezember werden Bärbel Bohley und Ulrike Poppe von der Initiative „Frauen für den Frieden“ verhaftet. Nach Protesten werden sie am 24. Januar 1984 freigelassen.
1984 Das Jahr 1984 ist gekennzeichnet durch mehrere Besetzungen von Botschaften westlicher Länder durch DDR-Bürger, die dadurch ihre Ausreise erzwingen wollen. In diesem Jahr dürfen insgesamt 40.900 Menschen in die Bundesrepublik übersiedeln (1983 waren es 11.300; 1985 24.900). Die Regierungschefs von Schweden, Italien und Österreich besuchen die DDR. Bei den Olympischen Winterspielen wird diese erfolgreichste Mannschaft, bei den Sommerspielen nimmt sie als Boykott nicht teil.
Am 9. Januar gehen die Betriebsrechte an der S-Bahn in West-Berlin von der Deutschen Reichsbahn an die West-Berliner BVG über.
Am 22. Januar dürfen sechs DDR-Bürger, die sich in die Ost-Berliner US-Botschaft geflüchtet hatten, nach West-Berlin ausreisen.
Vom 8. bis 19. Februar finden die Olympischen Winterspiele in Sarajevo statt. Die DDR wird mit 9 Gold-, 9 Silber- und 6 Bronzemedaillen erfolgreichste Mannschaft, was einmalig in ihrer Geschichte ist.
Am 9. Februar wird die zweimillionste Wohnung, die im Rahmen des Wohnungsbauprogrammes seit 1970 gebaut wurde, von Erich Honecker feierlich übergeben.
Am 13. Februar treffen sich bei den Trauerfeierlichkeiten zum Tode des KPdSU-Generalsekretärs Juri Andropow erstmals Bundeskanzler Helmut Kohl und Erich Honecker in Moskau.
Am 6. April kehren 35 DDR-Bürger, die am 2. April in die bundesdeutsche Botschaft in Prag geflüchtet sind, in die DDR zurück. Sie erhalten bald danach ihre Ausreisegenehmigung.
Am 10. Mai sagt die DDR ihre Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles ab. Grund dafür ist das Fernbleiben der USA von den Olympischen Spielen in Moskau 1980 wegen des Einmarsches der UdSSR in Afghanistan.
Vom 8. bis 10. Juni findet das 'Nationale Jugendfestival der DDR' in Ost-Berlin mit etwa 75.000 Jugendlichen statt.
Am 26. Juni wird die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin vorübergehend „wegen Überfüllung“ geschlossen, weil sich in ihr 55 DDR-Bürger aufhalten, die ihre Ausreise erzwingen wollen. Am 5. Juli verlassen sie diese nach der Zusicherung von Straffreiheit und baldiger Ausreise wieder, die dann auch bald genehmigt wird.
Vom 29. bis 30. Juni besucht der schwedische Ministerpräsident Olof Palme die DDR.
Am 9. und 10. Juli besucht der italienische Ministerpräsident Bettino Craxi die DDR.
Am 25. Juli gibt der bundesdeutsche Staatsminister Philipp Jenninger die Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von 950 Millionen DM (486 Millionen Euro) für die DDR bekannt. Gegenleistungen sind Erleichterungen im innerdeutschen Reiseverkehr und der vollständige Abbau der Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze.
Am 4. September sagt Erich Honecker seinen für Ende September geplanten Besuch in der Bundesrepublik ab.
Vom 16. bis 19. Oktober besucht Erich Honecker Finnland.
Am 5. und 6. November besucht der österreichische Bundeskanzler Fred Sinowatz die DDR.
Am 1. Dezember tritt in der DDR die Erhöhung der Mindestrente auf 300 Mark der DDR in Kraft.
1985 Vom 9. bis 12. Januar besucht der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Johannes Rau die DDR.
Am 15. Januar kehren die letzten der 168 DDR-Bürger, die sich seit dem 2. Oktober 1984 in die Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland geflüchtet hatten, in die DDR zurück. Ihnen war Straffreiheit und eine baldige Ausreise zugesichert worden.DDR-Flüchtlinge in Botschaften Zeitklicks
Am 13. Februar wird die restaurierte Semperoper in Dresden wiedereröffnet.
Am 11. März wird Michail Gorbatschow neuer Generalsekretär der KPdSU nach dem Tod von Konstantin Tschernenko am Vortag. Am 12. März treffen sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Erich Honecker am Rande der Trauerfeierlichkeiten des Vorgängers zum zweiten Mal.
Am 20. März findet eine Festveranstaltung zum 300. Geburtstag von Johann Sebastian Bach im Leipziger Gewandhaus statt. Sie ist einer der Höhepunkte der Bach-Händel-Schütz-Ehrungen in diesem Jahr.
Am 6. April besucht der französische Ministerpräsident Laurent Fabius die DDR.
Am 8. April besucht Geoffrey Howe als erster britischer Außenminister die DDR.