mini|Unterricht am ersten Schultag an einer Grundschule in Bayern

Grundschule bezeichnet in der Bundesrepublik Deutschland die Schulen, die Kinder der Klassen 1 bis 4 (nur in den Ländern Berlin und Brandenburg Klassen 1 bis 6) besuchen. Sie sind in der Regel etwa sechs bis elf (bzw. sechs bis dreizehn) Jahre alt. Ab Ende der 1960er Jahre ging die Grundschule aus den unteren Klassen der Volksschule hervor, während die eigenständige Hauptschule mit den Klassen 5 bis 9 von ihr organisatorisch abgetrennt wurde. Anders als der nicht verpflichtende Besuch des Kindergartens oder einer Vorschule gilt für die Grundschule die allgemeine Schulpflicht. Im Schuljahr 2023/2024 gab es in Deutschland 15.531 Grundschulen. Grundschulen gehören zum Primarbereich (Grundstufe).

Entstehung mini|Grundschulgestühl der Wolhyniendeutschen in Linstow mini|Grundschule in Treia im Stil der 1970er Jahre.

Vor und in der Kaiserzeit bis 1918 hieß die Grundschule im deutschen Sprachraum neben Volksschule auch Elementarschule. Diese Benennung gibt es bis heute im Englischen als Elementary School und Italienischen als Scuola Elementare. In Deutschland wurde die für alle Kinder obligatorische Grundschule erstmals durch das Reichsgrundschulgesetz (s. a. Reichsschulkonferenz 1920) eingeführt. Die meist nur dreiklassigen Vorschulen zu mittleren und höheren Schulen, die meist Kinder aus höheren Ständen besuchten, entfielen bis 1925. Solche Schulen verbietet das Grundgesetz Art. 7 (6).

Organisation Jahrgangsklassen / jahrgangsübergreifende Klassen In der Regel werden in der Grundschule Jahrgangsklassen gebildet. In einzelnen Ländern wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen,mk.niedersachsen.de Berlin, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz streben allerdings bildungspolitische Initiativen die Einrichtung jahrgangsübergreifender Eingangsstufen der Klassen 1 und 2 an, in denen Kinder aus beiden Jahrgängen gemeinsam bis zu drei Jahre unterrichtet werden sollen. Auch können bei geringer Schülerzahl pro Jahrgang sogenannte kombinierte Klassen gebildet werden, die weitere aufeinanderfolgende Jahrgänge zusammenfassen.

Verlässliche Grundschule / Volle Halbtagsschule Ein tägliches Angebot, das mindestens fünf Zeitstunden für alle Schüler umfasst, soll in der Verlässlichen Grundschule sichergestellt werden, die in Niedersachsen, Bremen und Baden-Württemberg angeboten wird. Das Schulangebot in Vollen Halbtagsschulen kann im 1. und 2. Schuljahrgang auch vier bzw. viereinhalb Zeitstunden umfassen., Erlass des Niedersächsischen Kultusministeriums vom 3. Februar 2004, in Kraft getreten am 1. August 2004. Während in der Vollen Halbtagsschule die Schüler von der 1. bis zur 4. Klasse 27,5 Schulstunden pro Woche haben, sind es in der Verlässlichen Grundschule 20 Stunden in der 1. Klasse, 22 Stunden in der 2. Klasse, sowie 26 Stunden in der 3. und 4. Klasse. Damit die Kinder von ca. 8 Uhr bis ca. 13 Uhr durchgehend in der Schule bleiben können, gibt es in der Verlässlichen Grundschule zusätzliche unterrichtsergänzende Angebote (Betreuungszeiten). Die Betreuungszeiten werden nicht von Lehrern beaufsichtigt, sondern von kostengünstigeren pädagogischen Mitarbeitern, die im Rahmen eines Stundenbudgets von der Schule eingestellt werden. An Vollen Halbtagsschulen sind Betreuungszeiten nicht notwendig.

Klassenlehrerprinzip

links|mini|500x500px|Tag der Einschulung im September 2002 in der Volksschule an der Grandlstrasse, München. Man kann gut die Klassenlehrerin erkennen, die ihre Schüler mit einem grünen Ballon anführt. In der Regel hat jede Schulklasse einen Klassenlehrer, der diese Klasse möglichst die ganze Grundschulzeit hindurch begleitet und anfangs auch in der Mehrzahl der Fächer unterrichtet, weil es für Kinder im Grundschulalter besonders wichtig ist, eine feste Bezugsperson zu haben. Kritik hieran wird häufig aus zwei Gründen geübt: Zum einen sind Grundschullehrer oftmals nur für zwei Unterrichtsfächer ausgebildet, wodurch ihnen in den übrigen Fächern sowohl fachliche als auch fachdidaktische Kenntnisse fehlen können (in Nordrhein-Westfalen sind beispielsweise drei Unterrichtsfächer Pflicht). Zum anderen gibt es einen starken Zusammenhang zwischen den Unterrichtsmethoden des Lehrers und den Lernerfolgen der Schüler.

Dass meistens über die gesamten 4 Jahre der Grundschulzeit überwiegend eine Lehrerkraft unterrichtet, kann im Fall eines weniger gut unterrichtenden Lehrers oder auch wegen persönlicher Anpassungsschwierigkeiten von Lehrer und Schüler zum Teil negative Konsequenzen für einige Schüler haben. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber.

Grundschulbezirke Bislang gibt es in den Bundesländern noch sogenannte Grundschulbezirke (auch Schulsprengel). Diese Bezirke sollen nach Meinung ihrer Befürworter einer Ghettoisierung der Grundschulen entgegenwirken. In Hamburg sind Eltern nicht an den jeweiligen Grundschulbezirk gebunden, sodass diese die Grundschule frei auswählen können. In Nordrhein-Westfalen wurden zum 1. August 2008 die Grundschulbezirke aufgehoben. Das heißt, die Eltern können frei entscheiden, in welche Schule sie ihre Kinder schicken. Die Gemeinden dürfen die Bezirke aber bei Bedarf wieder einführen. Die Befürworter der Grundschulbezirke meinen, dass mit der Möglichkeit, eine andere als die „örtlich zuständige“ Grundschule zu wählen, der soziale Ausleseprozess vorverlegt und vorangetrieben werde. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen besteht außerdem seit der Landesgründung das Modell der weit verbreiteten Konfessionsschulen, bevorzugt Schüler nach Religionszugehörigkeit aufzunehmen, wodurch beispielsweise muslimischen Kindern der Zugang zu bestimmten Schulen erschwert werden kann (Segregation, Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland). Die Schulverwaltung kann Kinder grundsätzlich einer anderen Grundschule zuweisen (sogenannte Schülerlenkung). Eine solche Zuweisung kann durchgeführt werden, um beispielsweise annähernd gleich große Klassen im jeweiligen Schulbezirk zu bilden.

Private Grundschulen mini|Klassenzimmer der privaten katholischen Grundschule Neumarkt in der Oberpfalz.

Eine wachsende Zahl von Grundschulen sind als Privatschulen organisiert. Um eine private Grundschule zu gründen, ist ein besonderes pädagogisches Interesse für die Öffentlichkeit nachzuweisen; ihr Angebot muss über das öffentlicher Schulen in der jeweiligen Region hinausgehen. Seit 1990 nehmen vor allem in Ostdeutschland private Grundschulen zu.

Über 8 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen in Ostdeutschland besuchten 2016 eine private Grundschule, im Westen nur etwas über 3 Prozent. Im Jahr 2011 waren 11,6 % aller Privatschulen Grundschulen (weitere 11,2 % entfielen auf freie Waldorfschulen, die alle Stufen umfassen). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2010 3,5 Prozent aller Grundschulen in den alten Bundesländern in privater Trägerschaft. In den neuen Bundesländern lag ihr Anteil bei 10,4 Prozent. Im Jahr 2000 lag der Anteil in Gesamtdeutschland noch bei 2 Prozent.

Im Schuljahr 2023/2024 waren 984 (6,34 %) der 15.531 Grundschulen in Deutschland als Privatschulen organisiert.

Ganztagsbetreuung Ab dem Schuljahr 2026/2027 tritt der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für Kinder ab der 1. Jahrgangsstufe in Kraft, die jährlich ausgeweitet wird, bis sie die gesamte Grundschule (bis zur 4. Klasse einschließlich) umfasst. Die Betreuung kann von den Erziehungsberechtigten für ihre Kinder in Anspruch genommen werden, ist aber keine Pflicht.

Lerninhalte und Lernziele

In der Grundschule sollen grundlegende Lern- und Arbeitsformen sowie mathematische, sprachliche und sachunterrichtliche Kenntnisse vermittelt werden, die das Fundament der weiterführenden Schulbildung in der Gemeinschaftsschule, Hauptschule, Wirtschaftsschule, Realschule, im Gymnasium oder in der Gesamtschule legen. Daneben sind auch ästhetische, kulturelle und oft auch religiöse Themen Gegenstände des Unterrichts.

Das Fächerspektrum und die Nomenklatur in den jeweiligen Bundesländern ist differenziert. Mathematik, Deutsch und Sachunterricht zählen zu den Hauptfächern.

Die Lerninhalte in den Hauptfächern Mathematik, Deutsch und Sachunterricht sind: Lesen und Schreiben (Schriftspracherwerb) Schrift in vorgegebener lesbarer Weise Orthographie und schriftliche Ausdrucksweise etwas memorieren können Grundrechenarten im Zahlenraum 1 bis 1.000.000 Grundlagen der Geometrie Uhrzeit und das Berechnen von Zeitspannen Orientierung über physikalische, chemische und biologische Grundlagen anhand alltäglicher Sachverhalte („Warum fällt ein Apfel zu Boden, wenn ich ihn loslasse?“; „Warum geht die Kerze aus, wenn ich ein Glas darüber stülpe?“; „Was passiert in meinem Körper, wenn ich mir das Knie aufschlage und blute?“) räumliche und zum Teil historische Orientierung des Wohngebiets (ca. 20 km Umkreis) Verkehrserziehung (in der 1. Klasse mit Fußgängerdiplom, in der 3. bzw. 4. Klasse mit der Fahrradprüfung) elementare politische Bildung, Anfänge des Geschichtsbewusstseins Anfänge philosophischer Gespräche demokratische und soziale Kompetenzen und Grundprinzipien der Demokratie (Wahl des Klassensprechers, Abstimmungen über gemeinsame Aktivitäten, Streitschlichtung, Konfliktlösung usw.)

Da der christliche Religionsunterricht im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG) als Lehrfach im Einvernehmen mit den Religionsgemeinschaften (Kirchen) gesichert ist, wird er auch an Grundschulen angeboten (mit den Ausnahmen der Bundesländer nach der Bremer Klausel). Eine Nichtteilnahme ist möglich, Lehrkräfte dürfen nicht dazu gezwungen werden. In Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Rahmenplan Philosophieren mit Kindern erarbeitet.

Weitere Fächer, die nur teilweise von Fachlehrern unterrichtet werden, sind: Musik (Singstimme, Orff-Instrumente) Kunst (grafische Grundlagen zum Zeichnen, aber auch freier Ausdruck im Malen) Sport Medienerziehung (teilweise eingeführt): Selbständiges Arbeiten am Computer und das Entdecken neuer Medien. Grundschüler nehmen ab der 4. Klasse am regelmäßigen EDV-Unterricht teil. Erste Schritte werden bereits ab der 2. Klasse gemacht. Sie erlernen den Umgang mit der Hard- und Software sowie das Schreiben mit Textverarbeitungsprogrammen, das Malen mit einfachen Grafikanwendungen und das Arbeiten im Internet. Beim Arbeiten im Internet (öffentlicher Raum) wird auf die Gefahren hingewiesen. Hort­kinder bekommen durch Hortangebote die Möglichkeit, sich im Medienraum (PC) selbständig unter fachlicher Anleitung zu beschäftigen. Das fördert mehrere Kompetenzen gleichzeitig.

Debatte zur Förderung und Selektion der Schulkinder nach der Grundschule mini|Bildungssystem in Deutschland

Die Grundschule ist derzeit die einzige Schulform Deutschlands, in der (fast) alle Kinder eines Jahrgangs zusammen lernen müssen. Die Vorteile des gemeinsamen Lernens werden vor allem auf der kulturell-sozialen Ebene gesehen. Auf der Leistungsebene ist kein Nachteil des gemeinsamen Lernens nachzuweisen. Die IGLU-Studie (Internationale Grundschul-Leseuntersuchung) weist der deutschen Grundschule gute Wirksamkeit zu, die Leistungsstreuung zwischen den Kindern ist vergleichsweise gering. Die Leistungsspitze ist gut vertreten, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei den Spitzenländern des IGLU-Rankings.