mini|hochkant|Nyx im Pariser Psalter Nyx () ist in der griechischen Mythologie die Göttin und Personifikation der Nacht. Die Nyx entspricht der römischen Nox.

Mythos In Hesiods Theogonie entsteht Nyx als einer der ersten Götter aus dem Chaos. Ihre Geschwister sind Gaia, Tartaros, Eros und Erebos.Hesiod, Theogonie 116–124

In der Kosmogonie der Orphiker ist Phanes der Ursprung der Nyx.Orpheus, Argonautika 12 Die Herrschaft der Welt geht von Phanes auf Nyx über, dann auf Kronos und Zeus und schließlich auf Dionysos.Orpheus, Fragmente 101 f. Aus einer Parodie auf die altorphische Kosmogonie von Aristophanes geht hervor, dass bei den frühen Orphikern nicht Phanes der erste Gott war, sondern Chronos ein Ei für Aither geschaffen hatte. Nyx gebar das Ei, aus dem dann der Schöpfergott Eros geboren wurde.Aristophanes, Die Vögel 690–703 Nach Aristoteles, der wohl auch auf ältere kosmogonische Vorstellungen zurückgreift, existierte Nyx ebenfalls vor Phanes.Aristoteles, Metaphysik 1071b,26

Nach der Theogonie gingen aus der Verbindung von Nyx und Erebos Aither, die personifizierte Luft, und Hemera, der personifizierte Tag, hervor.Hesiod, Theogonie 124 f. Aus sich selbst brachte sie weitere mit der Nacht assoziierte Phänomene hervor: Hypnos, den Schlaf, Oneiroi, die Träume, Thanatos, den (friedlichen) Tod und Philotes, die Zuneigung. Aber auch eine Reihe personifizierter Übel, welche die conditio humana prägen: Ker, das Verderben, Moros, das Verhängnis, Momos, die Kritik, Oizys, die Sorgen, Nemesis, die Rache, Apate, den Trug, Geras, das Alter, Eris, den Streit sowie die Hesperiden, die Keren und die Moiren Klotho, Lachesis und Atropos.Hesiod, Theogonie 211–225

In Homers Ilias ist Nyx die Mutter des Hypnos und des Thanatos.Homer, Ilias 14,231 In der archaischen Lyrik werden bei Bakchylides als Nachkommen HekateBakchylides, Fragment 1B und zusammen mit Chronos Hemera genanntBakchylides, Fragment 7. Der Tragödiendichter Aischylos nennt in den Eumeniden die Moiren und die Erinnyen.Aischylos, Eumeniden 321; 415; 745; 961 Lykophron erwähnt in Alexandra die Erinnyen als Kinder der Nyx.Lykophron, Alexandra 432

In den Texten der Orphiker gehen aus ihr Uranos hervorDerveni-Papyrus sowie die Astra Planeta genannten Götter der Wandelsterne.Orpheus, Hymnus 7 In einer Parodie auf die altorphische Kosmogonie von Aristophanes werden als Nachkommen Eros und Aither genannt.Aristophanes, Die Vögel 685; 1190

Stammbaum nach Hesiods Theogonie

Die römischen Dichter Vergil und Ovid nennen die Erinnyen als Nachkommen der Nyx.Vergil, Aeneas 6,250Ovid, Metamorphosen 4,453 Bei Seneca wird sie als Mutter des Hypnos und des Thanatos genannt.Seneca, Hercules Furens 1068

In Marcus Tullius Ciceros De natura deorum ist sie von Erebos die Mutter von Amor, Aither und Hemera sowie Dolus, Metus, Labor, Invidentia, Fatum, Senectus, Mors, die Tenebrae, Miseria, Querella, Gratia, Fraus, Obstinacia, der Parzen, der Hesperiden und der Somnia.Cicero, De natura deorum 3,17

Bei Hyginus sind die Nachkommen der Nyx und des Erebos Fatum, Senectus, Mors, Letum, Continentia, Somnus, Somnia, Amor, Epiphron, Porphyrion, Epaphos, Discordia, Miseria, Petulantia, Nemesis, Euphrosyne, Amicitia, Misericordia, Styx, die Parzen und die Hesperiden.Hyginus, Fabulae Prefatio

Der griechische Geograph Pausanias nennt als Nachkomme der Nyx die Nemesis,Pausanias, Reisen in Griechenland 7,5,3 der spätantike Schriftsteller Quintus von Smyrna nennt Eos-HemeraQuintus von Smyrna, Posthomerica 2,549 und bei Johannes Tzetzes ist sie mit Chronos die Mutter der Moiren.Johannes Tzetzes, Scholium zu Lykophron

miniatur|hochkant|Darstellung der Nyx von William Adolphe Bouguereau (1883)

Stammbäume nach Cicero und Hyginus

mini|hochkant|Nyx, montiert von Ludwig Schwanthaler aus Teilen einer antiken Statue und seinen Ergänzungen

Kult Nyx hatte kaum kultische Bedeutung. Berichtet wird lediglich von zwei Orakelstätten, eine in DelphiPlutarch, De sera numinis vindicta 566c und die andere in Megara beim Tempel des Dionysos NykteliosPausanias, Reisen in Griechenland 1,40,6. Vereinzelt wird auch von Opfern gesprochen, die aber möglicherweise nie ausgeführt wurden, sondern rein poetischer Natur sind. In Vergils Aeneis wird ihr ein schwarzes Schaf geopfertVergil, Aeneis 6,249 f. und in Ovids Fasti ein schwarzes Huhn.Ovid, Fasti 1,455

Sonstiges Nach der Göttin Nyx wurden der Asteroid (3908) Nyx sowie der Plutomond Nix benannt.

Literatur

Clémence Ramnoux: La nuit et les enfants de la nuit dans la tradition grecque. Flammarion, Paris 1959.

Weblinks

Einzelnachweise

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