Die Rocca Sanvitale, auch Castello di Fontanellato genannt, ist eine mittelalterliche, ganz von einem Wassergraben umgebene Wasserburg in Fontanellato in der italienischen Region Emilia-Romagna. Sie liegt an der Piazza Matteotti 1. In dieser Burg liegt die Saletta di Diana e Atteone, die wegen ihrer manieristischen Fresken bekannt ist, die Parmigianino schuf.
Geschichte miniatur|links|Altes Wappen der Pallavicini Die ursprüngliche Verteidigungsfestung der Siedlung „Fontana Lata“ ließ Markgraf Oberto I. Pallavicino, der das Lehen nach einem Gebietstausch mit den Markgrafen Folco und Ugo I. d’Este erhielt, ab 1124 errichten. 1145 übergab Oberto I. der Stadt Piacenza den Turm und sein Territorium.
Im 14. Jahrhundert brachten sich die Viscontis in den Besitz der Festung, die Gian Galeazzo Visconti 1378 den guelfischen Sanvitales als Lohn für ihre Treue überließ.
1386 ließen die neuen Lehensnehmer mit Bauarbeiten für eine neue Burg um den alten Turm herum beginnen. Die Umfassungsmauer wurde um 1400 herum fertiggestellt und erhob der Herzog von Mailand, Giovanni Maria Visconti, das Gebiet von Fontanellato zur Grafschaft und investierte die Brüder Giberto und Gian Martino Sanvitale offiziell darin.
miniatur|Wappen der Sanvitales 1482, während des Krieges der Rossis, wurde die Burg von den Truppen der Rossis von Parma angegriffen.
1551, während des Krieges um Parma, wurde die Burg von den Soldaten des Heiligen Römischen Reiches angegriffen, die aber zurückgeschlagen wurden.
Später wurde die Burg erweitert und in eine elegante Adelsresidenz, reich an bedeutenden Kunstwerken und Fresken, umgewandelt. Im 16. Jahrhundert wurde das Gebäude nahezu in der heute sichtbaren Form fertiggestellt.
In den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts wurde die Burg von der spanischen Armee angegriffen, wodurch die Befestigungen beschädigt wurden. Also wurde der Hofingenieur Smeraldo Smeraldi mit dem Umbau des Burggrabens beauftragt, über den eine neue Brücke in Mauerwerk als Ersatz für die alte Zugbrücke errichtet wurde.
1611 wurde Graf Alfonso Sanvitale beschuldigt, an der vermuteten Verschwörung zum Nachteil des Herzogs Ranuccio I. Farnese beteiligt gewesen zu sein, was zur Konfiszierung all seiner Güter und zur Verurteilung zum Tode aller mitbeteiligter Adliger führte. Erst nach einigen Jahren erhielt sein Vetter, Alessandro II. Sanvitale, als Zeichen der Anerkennung durch die Farneses die Erlaubnis, von der herzoglichen Liegenschaftsverwaltung in Parma die Burg von Fontanellato zu kaufen.
1688 ließ Graf Alessandro III. Sanvitale das Erdgeschoss des alten Eingangsbergfrieds, der Anfang des 17. Jahrhunderts nach der Verlegung des Eingangs in den benachbarten Turm in ein Holzlager umgebaut worden war, in eine Kapelle umbauen. Ebenfalls umgebaut wurde das frühere Oratorium auf der anderen Seite des mittleren Hofes, während einige Räume im ersten Obergeschoss ebenfalls neu geordnet wurden. Schließlich wurde die heutige, große Uhr an die Front des hohen Turms als Ersatz für eine Uhr aus dem 16. Jahrhundert angebaut.
Weitere kleine Eingriffe wurden im 18. Jahrhundert durchgeführt: Die Fenstertüren mit kleinen Balkonen und schmiedeeisernen Geländern wurden in die Fassade und an den Türmen eingesetzt.
miniatur|links|Die Burg im Jahre 1976 Um 1830 ließ Graf Luigi Sanvitale einige Baukörper abreißen, die früher auf der Südwestseite angebaut worden waren, um so auf der Terrasse einen hängenden Garten anzulegen, der der Göttin Flora gewidmet war.
1878 wurde die Burg restauriert, wobei man einige der mittelalterlichen Elemente, die über die Jahrhunderte verlorengegangen waren, wieder anbrachte. Die Arbeiten betrafen insbesondere den Innenhof, wo die Loggias umgebaut und einige Fenster im klassizistischen Stil eingesetzt wurden.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ der letzte Graf, Giovanni Sanvitale, den Südturm in eine Camera obscura umbauen. 1948 verkaufte er die Burg an die Gemeinde Fontanellato, die später Restaurierungsarbeiten einleitete, um sie in den Sitz der Gemeindeverwaltung umzubauen und einige Räume öffentlich zugänglich zu machen.
1999 wurden weitere 11 restaurierte Räume im Erdgeschoss öffentlich zugänglich gemacht, nachdem man die Gemeindebüros und die dort untergebrachten Archive verlegt hatte.
Beschreibung miniatur|links|Eingangsfassade miniatur|Südturm Die Burg, die vollständig von einem Graben umgeben ist, der durch eine Karstquelle mit Wasser versorgt wird, hat einen quadratischen Grundriss, vier Türme, von denen drei zylindrisch sind, und ist um einen Innenhof herum angeordnet.
miniatur|links|Südwestseite miniatur|Westecke Vor der Hauptfassade, die wie der Rest des Gebäudes, vollständig aus Mauerziegeln besteht, liegt die Zugangsbrücke aus dem 17. Jahrhundert, die ebenfalls aus Mauerziegeln besteht und zum hohen Turm in der Mitte führt. Über dem breiten Eingangsportal mit Rundbogen liegen symmetrisch angeordnet zwei Fenstertüren mit kleinen Balkonen und Geländern aus Schmiedeeisen. Ganz oben ist eine große Uhr aus dem 17. Jahrhundert angebracht, die außen und innen Zifferblätter besitzt hat und 1997 restauriert wurde. Der einzige, vergoldete Zeiger, der in der Mitte mit einer Abbildung der Sonne bereichert wurde, ist mit drei Glocken verbunden, die den Lauf der Zeit nach einem komplexen Schema markieren. Das äußere Zifferblatt zeigt die zwölf Stunden mit römischen Ziffern an, die halben Stunden mit Pfeilen und die Viertelstunden mit Strichen. Als Krönung erheben sich am Umfang des Turms und an dem der gesamten Burg ghibellinische Zinnen, teilweise mit Dächern.
Auf der linken Seite des Eingangsturms erhebt sich ein zweiter, vorspringender, kleinerer Turm, der ursprünglich als Bergfried und Eingang zur Burg diente. Das Ziegelmauerwerk zeigt noch auf halber Höhe die Zeichen der verblendeten Schwalbenschwanzzinnen und der verschlossenen Bolzen für die Zugbrücke, die durch das Rundbogenportal in der Mitte mit dem primitiven Eingangsatrium verbunden waren, das später in die Kapelle „San Carlo“ umgewandelt wurde.
miniatur|links|Ostecke miniatur|Nordostseite mit Loggia An der Südecke erhebt sich ein kleiner, zylindrischer Turm mit Konsolen und Abläufen, direkt anschließend an den hängenden Garten. Das kleine, terrassierte Gebäude, das ursprünglich als Gefängnis auf verschiedenen Ebenen diente, beherbergt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Camera obscura des Grafen Giovanni Sanvitale. Daneben liegt hinter der zinnenbewehrten Kurtine der hängende Garten aus dem 19. Jahrhundert, der nach außen durch einige Korbbogenarkaden begrenzt ist, die aus dem Mauerwerk geschnitten wurden. An der Westecke erhebt sich ein zweiter zylindrischer Turm, der dem ersten gleicht.
Rechts neben dem Eingangsturm erhebt sich der Nordostflügel der Burg über drei Stockwerke; er gipfelt an der Ostecke mit einem zweistöckigen, zylindrischen Turm, der mit Fenstertüren mit kleinen Balkonen bereichert ist, die im 18. Jahrhundert angebracht worden sind.
miniatur|links|Die Stallungen der Sanvitales miniatur|Eingangshalle Im ersten Obergeschoss der Nordostflanke gibt es eine Loggia mit Rundbogenarkaden, die auf kleinen Säulen aus Stein und Marmor mit Kapitellen stehen. Die Innenwände sind mit Fresken aus der Renaissance dekoriert. An der Nordecke erhebt sich ein einstöckiger Turm mit rechteckigem Grundriss, gekrönt von einer Terrasse, die sich hinter den Zinnen verbirgt, die entlang der gesamten Nordostflanke weiterlaufen.
Vor dem Eingang zur Burg erheben sich die gotischen Stallungen der Sanvitales, die im 15. Jahrhundert aus Verteidigungsgründen gebaut und später in die Ställe der Burg umgewandelt wurden, um die Stallungen zu ersetzen, die bis dahin im Untergeschoss der Burg lagen.
Die Eingangshalle hat eine Tonnengewölbedecke, die mit Fresken vom Beginn des 16. Jahrhunderts verziert ist; damals wurde der Eingang vom ursprünglichen Bergfried hierher verlegt. Die Dekore, die 1840 wiederentdeckt und teilweise neu gemalt wurden, zeigen eine Reihe von Wappen von mit den Sanvitales verwandten Familien.
Innenhof miniatur|links|Nordwestseite des Innenhofes miniatur|Westecke des Innenhofes Der Innenhof, dessen Mauern ganz aus Ziegeln bestehen, hat auf der Nordostseite eine Vorhalle aus dem 15. Jahrhundert mit Rundbogenarkaden, die durch eine Kolonnade, ebenfalls aus Ziegeln, mit gekerbten Würfelkapitellen gestützt werden. Das erste Obergeschoss besitzt eine elegante Loggia mit Bögen, die von dünnen Steinsäulen mit korinthischen Kapitellen getragen werden. Auch das zweite Obergeschoss hat eine Loggia mit Rundbögen, die auf gemauerten Säulen mit gekerbten Würfelkapitellen ruhen.
Die Vorhalle mit Kreuzgewölbe setzt sich auch auf der Nordwestseite fort, und zwar mit Korbbögen, die durch massige, gemauerte Pfeiler mit dünnen Kapitellen in Terrakotta gestützt werden. Das erste Obergeschoss zeigt eine Reihe von Spitzbogenfenstern, begrenzt mit breiten Rahmen aus Terrakotta in neugotischem Stil, wogegen sich im zweiten Obergeschoss kleinere Rundbogenfenster befinden.
Die anderen Seiten haben keine Vorhallen, aber im ersten Obergeschoss ebenfalls breite Zwillingsfenster mit Spitzbögen, flankiert von kleinen Steinsäulen mit Kapitellen, die beim Umbau im 19. Jahrhundert in neugotischem Stil geschaffen wurden.
Loggia miniatur|links|Loggia im ersten Obergeschoss miniatur|Nordostseite des Innenhofes Die Treppe aus dem 15. Jahrhundert auf der Seite der Eingangshalle, die eine Tonnengewölbedecke besitzt, führt zur Loggia im ersten Obergeschoss, die durch eine Reihe von Kreuzgewölben an der Decke gekennzeichnet ist.
Die beiden Lünetten an den Türen auf den Schmalseiten sind mit Zwillingsfresken dekoriert, auf denen ein Putto con festone (dt.: Putto mit Girlande) abgebildet ist und die von Felice Boselli gegen Ende des 17. Jahrhunderts in dem Theater geschaffen wurden, das 1678 auf Initiative von Graf Alessandro III. Sanvitale anschließend an die Stallungen geschaffen und dann um 1800 im Auftrag von Jacopo Sanvitale wieder abgerissen wurde. Die beiden Gemälde wurden dann abgelöst und an ihren heutigen Standort verbracht.
Säle im ersten Obergeschoss Waffensaal Die Loggia im ersten Obergeschoss führt direkt zum großen Waffensaal mit lünettierter Rechteckgewölbedecke, die vollständig mit Fresken aus dem Ende des 16. Jahrhunderts bedeckt ist. Die Dekore, die 1861 teilweise von Giovanni Gaibazzi und Giuseppe Bossi nachgemalt wurden, werden einem unbekannten Maler aus der Emilia im 16. Jahrhundert zugeschrieben.
Die Fresken zeigen in der Mitte ein großes Wappen der französischen Bourbonen, umgeben von verschiedenen pflanzlichen Verflechtungen. Weitere Ovale an den Seiten enthalten Bilder der „Mäßigkeit mit Spiegel“ und des „Ruhmes mit den Wappen der Sanvitales, der Meli Lupis und der Gonzagas“. Die 22 Lünetten sind mit klassischen, mythologischen Darstellungen dekoriert, wie „Merkur mit der Fackel und dem geflügelten Helm“, „Halbnackte Venus mit verbundenen Augen“, „Mars“, „Bacchus“, „Neptun“, „Diana“, „Ceres mit Ohren“, „Vulkan mit Amboss und Hammer“, „Juno“, „Jupiter“, „Europa mit dem Stier“, „Minerva“, „Apollon mit der Leier“, die vier „Jahreszeiten“, eine „Bacchantin“, eine „Nymphe mit Triton“, ein „Mädchen mit Fackel“, ein „König mit Szepter“ und eine „weibliche Figur mit Theatermaske“. Darunter verläuft entlang dem gesamten Umfang ein Epigraph in lateinischer Sprache als Flehen an die Götter des Olymp, der den Schutz unterstreicht, den die „Sanvitales“ durch den König von Frankreich erhielten.
Der offene Steinkamin aus der Renaissance ist an seiner Kappe mit einem großen Relief dekoriert, das die Wappen der Sanvitales und der Grafen von Somaglia zeigt, das nach der Heirat von Luigi Sanvitale und Corona Somaglia Stopazzola gegen Ende des 16. Jahrhunderts dort angebracht wurde.