mini|Rocca dei Rossi im Schnee mini|Übrig gebliebene Kanonenkugeln unter dem Bergfried, nach einer örtlichen Sage von der Belagerung der Truppen von Ludovico Sforza (1482). Die Rocca dei Rossi ist eine spätmittelalterliche Burg in San Secondo Parmense in der italienischen Region Emilia-Romagna. Sie liegt an der Piazza Manzini 12. Ab dem 15. Jahrhundert war sie die Hauptburg, von der aus die Rossis ihre Lehen verwalteten, sowie zusätzlich Wohnburg der Familie des Grafen Pier Maria II. de’ Rossi.
Geschichte Die Ursprünge: Die Festung aus dem 15. Jahrhundert Die Burg wurde um 1413 im Auftrag von Pier Maria I. de’ Rossi, des Vaters von Pier Maria II. de' Rossi, auf einem Rücken erbaut, und zwar zur Verteidigung der befestigten Siedlung San Secondo, an der die Rossis seit dem 12. Jahrhundert Rechte hatten und seit 1365 ihre Herrschaft als Grafen ausübten. Die Burg wurde am dem Dorf gegenüberliegenden Ufer des Alten Taro errichtet, sodass von diesem zur Speisung der Burggräben Wasser abgeleitet wurde, wie dies die Siedlung bereits seit dem 13. Jahrhundert machte.
Dieser erste Bau wurde vom Dichter Gerolamo Rustici aus Piacenza, wie folgt, beschrieben: “Grande e magnifico, con tutte le mura da basso a cima, grosso di ventiquattro piedi, massiccio con quattro baluardi difesi dalle sue mezze lune con maschio nel mezzo, grosso trentasei piedi tutto massiccio, senza la terra che era tutta cinta di grosse mura con sette baluardi“(dt.: „Groß und großartig, mit all ihren Mauern von der Basis bis zur Krone, 24 Fuß breit, massig mit vier Verteidigungsbollwerken, die von ihren Halbmonden mit dem Bergfried in der Mitte verteidigt wurden, 36 Fuß breit an der sehr massigen Basis, ohne das Gelände, das vollständig mit dicken Mauern und sieben Bollwerken eingefriedet war“.)
Dieses Bild ähnelt dem Gemälde von Benedetto Bembo in der „goldenen Kammer“ des Castello di Torrechiara.
Das Gebäude zeigte sich vorwiegend als für Verteidigungszwecke und nicht für Wohnzwecke errichtet; die Mauern in Form eines Rechteckes hatten an den vier Ecken vorspringende Türme, während der Einlass an der Ostseite mit drei Ravelins ausgestattet war und der Wehrgang auf den Mauern gedeckt war und sich durch die Türme fortsetzte.
Innerhalb des Mauerrings erhob sich der einzeln stehende Bergfried, geschützt durch eine Verdickung in der äußeren Umfassungsmauer; in der Tat wandten sich die Mauern von der eigentlichen Burg ostwärts; diese stammte zusammen mit dem Nordostturm teilweise aus der ersten Periode und zeigte einen Maueraufbau aus Ziegeln mit einer Dicke von 7 Metern.
Was die interne Anordnung der Gebäude betrifft, so scheint es, dass sie im Hof um den Bergfried herum angeordnet waren, jedoch mit Abstand von der Umfassungsmauer.
Der neue Palast von Troilo I. Als 1482 der Krieg der Rossis ausbrach, widerstand die Burg erfolgreich die zahlreichen Belagerungen der Truppen Sforzas unter der Leitung von Gian Giacomo Trivulzio und Sforza Secondo Sforza und ermöglichte den Verteidigern zahlreiche Einsätze, die die Belagerer über die Ufer des Taro und der ‚‘Rovacchia‘‘ hinaus zurückwarfen. Die Burg wurde 1483, während der Wiederaufnahme des Krieges durch Guido de’ Rossi, erneut belagert, musste aber am 21. Juni 1483 schließlich kapitulieren. Schwer beschädigt durch die Truppen Sforzas wurde sie fast zwei Jahrzehnte, also fast bis 1499 nicht mehr genutzt; dann gelang es Giovanni de’ Rossi, sich dank der den Franzosen geleisteten Dienste wieder in den Besitz der Grafschaft und der Burg zu bringen.
Es war der Sohn von Giovanni de' Rossi, Troilo I. de’ Rossi, der die Burg wiederaufbauen ließ, die zur Zeit seiner Machtübernahme in einem schlechten Zustand war, seit fast 20 Jahren aufgegeben und mit durch die Einschläge der Bombardierungen Sforzas schwer beschädigten Mauern.
Troilo I., der sich der prekären Lage seiner Lehen, die durch die expansionistischen Ziele der Erben Guido de’ Rossis gefährdet wurden, bewusst war, konzentrierte sich auf den Umbau der Verteidigungsanlagen und ließ die befestigte Siedlung San Secondo mit neuen Mauern ausstatten, aber gleichzeitig auch die Umfassungsmauern der Burg restaurieren, wo möglich, durch den Erhalt und den Wiederaufbau der Mauern aus dem 15. Jahrhundert und den Wiederaufbau der Eckbastionen.
Was die Gebäude im Inneren angeht, so wurden diese zunächst restauriert: Der wichtigere Wohnbereich befand sich um den Bergfried, wo sich ein kleiner Hof ergab, in dem ein Brunnen lag, der heute in der Nähe des Eingangs steht. Aus dieser Zeit stammt auch der gesamte Ostflügel der Burg und das erste Obergeschoss zur Mauer hin (in dem der Sala di Adone, der Sala di Latona und der Sala dei Giganti liegen), das vermutlich aus der Umwandlung einiger Diensträume entstand, die in der Nachbarschaft des Wehrgangs lagen.
Der konsequenteste Eingriff aber war der Neubau des kompletten Nordflügels, des sogenannten „Palazzo Novo“, in dem sich die Wohnräume befinden. Im ersten Obergeschoss wurden die Räume um eine Galerie herum angeordnet, die sich im Westen auf eine Loggia hin öffnet, die später in die Galleria di Esopo, in die Sala di Momo und die Sala delle Favole umgewandelt wurde. In der Mitte des Palastes befand sich die große Aula, die mit dem heutigen Ehrenhof korrespondiert, um den herum eine Vorhalle mit sechs Säulen und Rundbögen, die den Zweck hatten, als Trennung und Abgrenzung zwischen den gemeinsam genutzten Räumen und denen für Wohnzwecke der Grafen zu dienen.
Am Ende der durch „Troilo I.“ veranlassten Arbeiten erschien der Wohnbereich ziemlich begrenzt, der links vom heutigen Eingang bis zu dem für die allgemeine Nutzung, der mit einem großen Platz korrespondierte, der von den Mauern eingeschlossen war.
Die Erweiterungen von Pier Maria III. Die Burg wurde von Bernardo und Filippo Maria de’ Rossi nach dem Tode Troilos I. am 3. Juni 1521 angegriffen und eingenommen. Nach der siegreichen Schlacht von San Secondo wurde sie von Giovanni dalle Bande Nere befreit. Der abschnittsweise Umbau von einer Verteidigungsfestung zu einem verschwenderischen Palast erfolgte, seit die Rossis glückliche Ehen mit den bedeutenden Adelsfamilien, von den Riarios bis zu den Sforzas und von den Medici bis zu den Gonzagas eingingen. Von diesen Eheschließungen kennt man heute noch die zwischen Pier Maria III. de’ Rossi und Camilla Gonzaga, die am 13. Februar 1523 erfolgte und an die jedes Jahr mit dem Palio delle Contrade di San Secondo erinnert wird.
Aus dieser Zeit stammen die Erweiterungen im Auftrag von Pier Maria III. de’ Rossi: Schon 1528, während bei ihm eine in der Schlacht erlittene Beinwunde heilte, begann der Markgraf mit der Beauftragung einiger Erweiterungsarbeiten, unter denen ein großer Turm und eine Mauer der Burg hervorstechen, Arbeiten, die von 1530 bis 1534 dauerten und durch von Pier Maria III. selbst unterschriebene Verträge dokumentiert sind.
Auch wenn in den Dokumenten keine Details der Arbeiten zu ersehen sind, so sind dort erstmalig das Oratorio di Santa Caterina, die Camera d’Oro (das Geburtszimmer von Pier Maria III.), der Archivsaal des Markgrafen (Sala dei Cesari) und die Ställe, vor allen Dingen aber der Große Saal mit 20,5 Metern Länge, 11,2 Metern Breite und 14 Metern Höhe (Sala delle Gesta Rossiane) erwähnt, der sich nördlich an die Außenmauern der Burg anlehnt, wie man heute noch an der unterschiedlichen Färbung der Ziegelsteine erkennen kann, die den unteren und den oberen Teil der Nordmauer der Burg bilden.
Neben dem Großen Saal wurde die Ehrentreppe aus Marmor aus Verona gebaut und ebenfalls der Nordostturm der Burg abgeändert, um ihn an die veränderten Verteidigungsbedürfnisse anzupassen.
Die Erweiterungen der Burg blieben aber nicht unbeachtet, weder von Seiten der Farneses noch von Seiten des Papstes Paul III., der, nachdem Giovan Girolamo de’ Rossi, Bischof von Pavia, in Ungnade gefallen war, und nach den Skandalen um Giulio Cesare de’ Rossi mehrmals forderte, dass die Burg von San Secondo genauso abgerissen würde, wie dies mit der von Basilicanova im Lehen von Giulio Cesare de’ Rossi geschehen war. 1539 versuchten die Inspektoren immer noch, zu verstehen, ob die von Pier Maria III. de’ Rossi durchgeführten Erweiterungen angemessen oder übertrieben seien, und, vielleicht genau aus diesem Grund, geheim gehalten würden, um Rache und Vergeltungsmaßnahmen zu verhindern.
Der Adelspalast von Troilo II. Im 16. Jahrhundert, als jeder kriegerische Ehrgeiz der Rossis mit der Unterwerfung unter die Farneses ausgelöscht wurde, widmeten sich die Markgrafen der Dekoration ihres Wohnpalastes; dieser Aspekt traf vor allen Dingen auf Troilo II. de’ Rossi zu, der die Ausschmückung aller Repräsentationsräume in Auftrag gab.
In architektonischer Hinsicht ließ Troilo II. den Ostflügel errichten, der um den Bergfried herum entstand, der früher isoliert und nur über den Wehrgang auf den Mauern verbunden war. Er wurde nun in einen Block von Räumen integriert, die die Wohnung der Frauen enthielt und später abgerissen wurde. Ebenso ließ der Markgraf die Loggia auf der Ostseite, zum großen Innenhof hinaus, bauen und den Gefängnisblock errichten. Um 1570 wurde das neue Oratorio di Santa Caterina gebaut, das vom Bruder Troilos II. gesegnet wurde. Dies war Ippolito de’ Rossi, Bischof von Pavia und späterer Kardinal. Das Oratorium ersetzte die frühere Kultstätte, die ebenfalls der Heiligen Katharina geweiht war und am Ende der Loggia immer noch bestand, wie die Existenz eines Glockenturms im 19. Jahrhundert bezeugt, der neben dieser Loggia stand und später abgerissen wurde.
Troilo II. werden übrigens der größte Teil der Aufträge für Bilder und Fresken zugeschrieben, die die Repräsentationsräume und die Adelsresidenz bereichern, ebenso wie der Bau zahlreicher offener Kamine, die es heute in der Burg gibt.
Nach der Konfiszierung durch die Farneses 1633 verschoben sich die Interessen der Rossis in die Lombardei und, auch wenn das Lehen 1653 an Scipione I. de’ Rossi zurückgegeben wurde, verlor die Burg schließlich ihre zentrale Lage in den Besitzungen der Rossis, die allerdings inzwischen extrem reduziert worden waren, und wurde für lange Zeit eine luxuriöse Residenz auf dem Lande, aber von Interesse für die Familie, die jetzt hauptsächlich jenseits des Po residierte, und zwar im Palazzo di Farfengo im Gebiet von Cremona.
Dennoch wurden im 18. Jahrhundert unter der Markgrafschaft von Friedrich II. de’ Rossi letzte Erweiterungsarbeiten durchgeführt, und zwar wurde auf der linken Seiten des alten Eingangs, anschließend an die Umfassungsmauer, das Hoftheater mit angrenzendem Vorraum erbaut und ebenfalls im 18. Jahrhundert mit dem Bau des Appartamento dei Guasti (dt.: Apartment der Fehler) begonnen, (so genannt, weil es nie fertig wurde) das unter Einbeziehung eines Raumes im Bergfried sich entlang der Ostfassade der Burg bis zum Theater erstreckte. Die Arbeiten mit der Eroberung durch die Franzosen unterbrochen.
Mit dem Tod von Scipione II. de’ Rossi 1802 in Venedig starb der Familienzweig in direkter Linie von Troilo I. de’ Rossi aus und die Burg wurde, nachdem sie erst konfisziert worden war, 1803 durch Urteil des Magistrats von Parma an Giovan Girolamo de’ Rossi, einen Vetter von Scipione II., zurückgegeben. Giovan Girolamo, der fest in Padua residierte, hatte auch keinen Sohn und hinterließ in seinem Testament von 1813 die Burg von San Secondo zusammen mit seinen anderen Gütern dem Grafen Ferdinando Vaini aus Padua als Erbe, wobei er den Bruder Guido, Kämmerer am Hof von Herzogin Marie-Louise, als Nutznießer benannte.
Nach dem Tod von Giovan Girolamo de’ Rossi, dem letzten Markgrafen, im Jahre 1817 bestätigte die herzogliche Liegenschaftsverwaltung Vaini als rechtmäßigen Erben, aber nach dem Tod des Nutznießers Guido 1825 forderte die Regierung des Herzogtums die Rückübertragung des Lehens und so auch der Burg.