mini|Test des thermonuklearen Geräts „Romeo“ der Operation Castle auf dem Bikini-Atoll, gezündet am 27. März 1954. In dieser und den folgenden Testserien wurde das Prinzip dieser gewaltigen Waffen entwickelt, welches nach seinen Erfindern, dem Mathematiker Stanisław Ulam und Physiker Edward Teller bekannt ist. Letzterer war die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung. Die Anweisung dafür wurde 1950 von Präsident Truman autorisiert: „Ich habe die Atomenergiebehörde angewiesen, ihre Arbeit an allen Arten von Atomwaffen, einschließlich der sogenannten Wasserstoffbombe oder Superbombe, fortzusetzen.“ mini|Die Interkontinentalrakete (ICBM) Titan II stehend im Silo. Die Titan-Rakete war bestückt mit einem großen 9-Megatonnen-Sprengkopf (W53) und war eine der mächtigsten Atomwaffen, die die US-Streitkräfte während des Kalten Krieges bereithielten. Die Titan-Rakete wurde durch die Minuteman-Rakete abgelöst. In den letzten drei Jahrzehnten wurden viele weitere Systeme verändert. Insgesamt hat sich die Anzahl der Waffen jedoch seit ihrem Höhepunkt Anfang der 1980er stark reduziert.
Ein Atomkrieg ist ein hypothetischer Krieg, der mit thermonuklearen Waffen ausgetragen würde. Man spricht auch von einem nuklearen Schlagabtausch oder umgangssprachlich „Knopfdruck-Krieg“, da einige Kernwaffensysteme bis auf den Befehl zum Einsatz vollautomatisiert sind. Bevor das Atomzeitalter begann, die Kernenergie militärisch genutzt wurde und Atomwaffenarsenale aufgebaut wurden, wurden Kriege ausschließlich mit konventionellen, d. h. nicht-atomaren Mitteln, geführt.
Ein Atomkrieg wird im Zuge des Dritten Weltkriegs und als Zeichen der Endzeit genannt. Auf die Frage, welche Waffen im Dritten Weltkrieg zum Einsatz kommen würden, antwortete Einstein:
Ein ähnlich fataler Krieg könnte durch den Einsatz anderer Massenvernichtungswaffen (ABC-Waffen) entstehen. Jeder mit konventionellen Mitteln geführte Krieg birgt das Risiko eines Atomkriegs, insbesondere wenn ein Bezug zu den Kernwaffenstaaten besteht. Dem Atomkrieg wird jedoch aufgrund seiner enormen Gewalt und verheerenden Folgen für die gesamte Menschheit eine besonders hohe Bedeutung eingeräumt. Ein Atomkrieg würde das Überleben der Menschheit gefährden, umgangssprachlich auch bekannt als „nuklearer Holocaust“ oder „nuklearer Genozid“.
Die Kernwaffenarsenale der Kernwaffenstaaten sind rund um die Uhr einsatzbereit und werden von sogenannten Atomstreitkräften betrieben. Die fünf Atommächte betonen jedoch, dass ein Atomkrieg nicht zu gewinnen sei und der Schutz vor dem Einsatz dieser Waffen höchste Priorität habe.
Die Theorie des Atomkriegs wird seit Jahrzehnten von Fachleuten im Bereich der Internationalen Beziehungen und Militärstrategie diskutiert. Der mögliche Einsatz von Kernwaffen wird im Rahmen einer Nuklearstrategie analysiert, wobei die nukleare Abschreckung versucht, die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs zu reduzieren.
Genauer gesagt unterscheidet man dabei zwischen den Effekten der Kernwaffe (Kernexplosion) und den Effekten eines Atomkriegs. Letztere sind sehr schwer abschätzbar, weshalb nur verallgemeinerte Empfehlungen möglich sind. Konsens besteht darin, dass der Einsatz von Kernwaffen die Menschheit in eine lebensbedrohliche Situation bringen würde, speziell auch in der Zeit nach dem Atomkrieg.
Die Bezeichnung Nuklearkrieg wird ebenfalls verwendet, und zwar in Anlehnung an den englischen Begriff .
Das Thema „Atomkrieg“ erregt in unterschiedlichen Situationen und zu verschiedenen Weltereignissen Aufmerksamkeit. Siehe dazu die Entwicklungen unten.
Aufgrund der Komplexität des Themas können in diesem Artikel nur einige Hintergründe, Theorien und Folgen eines atomaren Kriegs beleuchtet werden.
Einleitung In der Geschichte der Kriege waren die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki durch die USA im August 1945 die ersten und bisher einzigen Kernwaffen-Einsätze. Die Möglichkeit eines Kriegs mit Atomwaffen ist eine Tatsache seit der Anfangszeit des Kalten Krieges. Erst im Zuge des Wettrüstens kam die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines gefährlichen nuklearen Schlagabtauschs auf. Die USA hatten etwa zehn Jahre lang ein Monopol auf diese Waffen, bis die UdSSR aufholte. Beide Nationen (im Kalten Krieg auch als Supermächte bezeichnet) entwickelten neue Trägersysteme, darunter Interkontinentalraketen, die zu einer gegenseitigen Totalvernichtung führen würden.
Aus diesem Grund sind Kernwaffen seit spätestens Ende der 1950er Jahre durch eine Vielzahl von Abkommen in ihrem weiteren Wachstum gehemmt. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) übernimmt im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags (NPT) die Inspektion von Kernanlagen und Kernmaterial. Sie ist dabei weder Betreiber noch Besitzer von Kernreaktoren, Kernmaterial oder Technologie im Zusammenhang mit Kernwaffen.
Nachdem es im Kalten Krieg nicht zu einem Atomkrieg zwischen den Supermächten gekommen war, sank nach dem Zerfall der Sowjetunion zunächst die Gefahr eines Atomkriegs. Es kam jedoch während des Kalten Kriegs zu verschiedenen Stellvertreterkriegen und die „Euro-Raketenkrise“ in den 1980ern war ein zweiter nuklearer Tiefpunkt lange nach dem Beginn des Kalten Kriegs. Neben den strategischen Atomarsenalen der Kernwaffenstaaten sind taktische Atomwaffen heute Teil der Abschreckungsstrategie der NATO. Ihr Einsatz wird im Rahmen der Übung Steadfast Noon simuliert.
Anfang der 1990er Jahre nahmen die Sorgen um „nuklearen Terrorismus“ zu, da die alten Kernwaffenbestände, Kernmaterial, Kerntechnik und Wissenschaftler der Sowjetunion aus dem alten Gefüge gefallen waren. Beide Nationen versuchten, diese Situation durch diverse Abrüstungsabkommen und Initiativen in den Griff zu bekommen. Das Thema „nuklearen Terrorismus“ verschärfte sich weiter mit den Terroranschlägen am 11. September 2001 und wurde in die Kriegsplanung mit aufgenommen. Ab 2010 gab es die Nuklearen Sicherheitsgipfel, die sich mit diesem Thema befasst haben.
Die weltweite Sicherheit in Bezug auf Atomwaffen wird seit den letzten Jahrzehnten angeführt von der Arbeit zur Nichtverbreitung der Waffen und speziell den beiden damit verbunden „nuklearen Krisenfällen“, den Atomprogrammen Nordkoreas und dem Atomprogramm des Iran. Andere Länder, die im Besitz von Kernwaffen sind, aber nicht zu den fünf Kernwaffenstaaten (vgl. auch Great Power) gezählt werden, sind individuellen Risiken eines nuklearen Konflikts ausgesetzt. Beispiele hierfür sind Indien und Pakistan.
Seit etwa 1996 dominiert zudem der Kernwaffenteststopp-Vertrag (CTBT), durch den das aktive Testen von Kernwaffen vollständig eingestellt wurde und auf einen Laborbetrieb beschränkt wurde. Dennoch sind die beteiligten Einrichtungen in bestimmten Bereichen der Forschung und Entwicklung weiterhin tätig und produzieren unter anderem neue Waffenvarianten, beispielsweise die B61, aus Alterungsgründen. In Bezug auf die Entwicklungen in der Rüstungskontrolle ist der im Februar 2026 erloschene New-START-Vertrag zu erwähnen, der sich seit ca. 2019 in einer schwierigen Verlängerungsphase befindet. Auch der INF-Vertrag und dessen Status sei in dem Zuge erwähnt, siehe dort für die Details. Der Atomwaffenverbotsvertrag (TPNW) verfolgt das Ziel alle Atomwaffen vollständig (im Sinne von Abrüstung) zu verbieten.
Siehe auch die Entwicklungen weiter unten.
Beiderseits gewährleistete Vernichtung („MAD“-Doktrin)
Im August 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, unterzeichnete Physik-Nobelpreisträger Albert Einstein einen Brief an den US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, der vor der Gefahr einer „Bombe neuen Typs“ warnte, die Hitlerdeutschland möglicherweise entwickle und womöglich bald besitzen könne. Einstein und andere US-amerikanische Physiker erhofften sich vom Besitz von Atombomben nicht deren Einsatz, sondern eine wirksame Abschreckung gegen diesen, wenn nicht nur Hitlerdeutschland eine solche Waffe besäße. Tatsächlich wurden im August 1945 von den USA zwei Atombomben gegen Japan eingesetzt, um den Pazifikkrieg zu beenden. Das angestrebte „Gleichgewicht des Schreckens“ gab es damals noch nicht, weil es Deutschland bis 1945 nicht gelungen war, Kernwaffen herzustellen. Die USA hatten ein Atomwaffenmonopol, bis die stalinistische Sowjetunion am 29. August 1949 ihre erste Atombombe zündete. In dem Maße, in dem Atommächte ein Overkill-Potenzial entwickelten, kristallisierte sich die Einsicht heraus, dass Atombomben nicht den Zweck hätten, wirklich in militärischen Kampfsituationen eingesetzt zu werden, sondern „politische Waffen“ seien, durch die kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Atommächten verhindert werden sollten. Zentrales Merkmal der „nuklearen Abschreckung“ sei die Fähigkeit beider Kernwaffen besitzenden Kontrahenten in einem Konflikt, eine „beiderseits gewährleistete Vernichtung“ () herbeiführen zu können. Das Akronym „MAD“ (= wahnsinnig) ist nicht Zufall, sondern Ausdruck von Selbstironie, indem die „MAD“-Befürworter zugeben, dass die „garantierte Vernichtung der Menschheit“ „verrückt“ sei.
Kritiker bewerten die „MAD“-Doktrin als „inkonsistent“. Karl-Heinz Kamp, seinerzeit Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, wies 2015 darauf hin, dass „MAD“ zufolge „Atomwaffen einsetzbereit sein müssen und ein möglicher Einsatz auch glaubhaft sein muss, damit sie ihre Abschreckungswirkung entfalten können. Wäre ein Gebrauch prinzipiell ausgeschlossen, wären sie wirkungslos.“ Die Drohung mit einer Folge, die auf keinen Fall eintreten dürfe, sei aber Bluff. Es müsse also auf der Gegenseite Zweifel daran geben, ob der Gegner tatsächlich nicht so „verrückt“ sei, dass er die Drohung ernst meine. Dennoch ist die Auffassung weit verbreitet, dass aus der „MAD“-Doktrin spätestens nach der Kuba-Krise 1962 ein „nukleares Tabu“ abgeleitet worden sei, demzufolge sich zumindest die großen Atommächte einig seien, dass sie keine Kernwaffen verwenden sollten. Dieses Tabu habe aber spätestens mit der Erweiterung des Kreises der Atommächte im 21. Jahrhundert zu „wackeln“ begonnen.
In den USA kam in den 1980er Jahren eine Diskussion darüber auf, ob es möglich sei, „begrenzte Atomkriege“ zu führen, bei denen Atomwaffen tatsächlich eingesetzt würden, ohne dass es zu einer Vernichtung der Menschheit käme. Spurgeon M. Keeny jr. und Wolfgang K.H. Pankofsky erklärten es 1981 für extrem unwahrscheinlich, dass ein in Europa mit konventionellen Waffen geführter Krieg nach einem erfolgreichen Vormarsch von Truppen des Warschauer Paktes durch den Einsatz taktischer Nuklearwaffen der NATO auf dieser Eskalationsstufe beendet werden könne, ohne dass anschließend strategische Atomwaffen ins Spiel kämen. Die einzig sinnvolle „Feuerschneise“ in der modernen Kriegführung bestehe zwischen nuklearen und konventionellen Waffen, nicht zwischen „selbsterklärten Kategorien atomarer Waffen“. Am 23. August 1982 bestritt der US-amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger, dass die Regierung der USA die Fähigkeit zur Führung eines Atomkriegs anstrebe. Gleichwohl fiel in seine Amtszeit der Beginn des SDI-Projekts, mit dem die USA den Versuch unternahmen, ihr Territorium gegen sowjetische Interkontinentalraketen unverwundbar zu machen, um so einen sowjetischen Erst- oder Zweitschlag zu vereiteln.
Im Jahr 1999 erklärte der spätere Präsident George W. Bush, es sei das Ziel der USA, „nutzbare“ Kernwaffen zu entwickeln, die ggf. auch tatsächlich eingesetzt werden sollten. Das entsprechende Projekt erhielt den Namen „Nuclear Utilization Target Selection“ (NUTS). „NUTS“ bedeutet dabei umgangssprachlich auf Deutsch „bescheuert“.