mini|hochkant=1.33|Volker Schlöndorff (2015) in Wiesbaden rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.7| Unterschrift Volker Schlöndorff Volker Schlöndorff (* 31. März 1939 in Wiesbaden) ist ein deutscher Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent, der vor allem für seine Literaturverfilmungen bekannt ist. 1980 wurde sein Spielfilm Die Blechtrommel mit dem Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.
Leben Volker Schlöndorff ist der zweite von drei Söhnen des Facharztes für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde Georg Schlöndorff.Jan Schulz-Ojala: Volker Schlöndorff. Der Vaterlose. In: Tagesspiegel, 31. März 2009. Seine Mutter kam 1944 bei einem Küchenbrand ums Leben. Sein älterer Bruder war der ebenfalls als HNO-Arzt tätige Georg Schlöndorff, sein jüngerer Bruder Detlef Schlöndorff war Ordinarius für Innere Medizin und Direktor am Klinikum der Universität München.
Volker Schlöndorff wuchs in Schlangenbad im Taunus auf und besuchte später das Gymnasium in seinem Geburtsort. Im Anschluss an einen Schüleraustausch, vermittelt durch den französischen Jesuitenpater Arnaud de Solages, setzte er ab 1955 seine schulische Ausbildung in Frankreich fort. Er ging zunächst auf ein liberales jesuitisches Internat im bretonischen Département Morbihan und schloss dann die Schule in Paris am renommierten Lycée Henri IV mit dem Baccalauréat ab. Sein Mitschüler und Sitznachbar war der spätere Regisseur Bertrand Tavernier. Während seine Brüder beruflich dem Vater folgten und Ärzte wurden,Traueranzeige: Prof. Dr. med. Georg Schlöndorff. In: Aachener Zeitung, 7. Januar 2012. studierte er in Paris zwecks Stipendiengewährung Jura bis zum Staatsexamen.Dieter Krusche: (Auszüge) in: Reclams Filmführer, 1996, S. 717–792 (PDF; 75 S., 1.001 kB), hier auf PDF-Seiten 58–60; Nebenbei ging er, so erzählt er später, bis zu dreimal täglich in die Cinémathèque française und lernte dort die Regisseure der Nouvelle Vague kennen. Nach einer einjährigen Vorbereitungszeit auf das Studium an der Filmhochschule Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC) wurde er als einer von elf aus 300 Bewerbern ausgewählt, doch nahm er nicht mehr am Studium teil, da er mit Louis Malle als dessen Regieassistent bei Zazie dans le Métro (1960) arbeiten konnte.
Nach dem Oscar-Erfolg seiner Verfilmung des Romans Die Blechtrommel von Günter Grass arbeitete er in den USA mit der Absicht, auch den Rest seines Lebens dort zu verbringen. Mit dem Fall der Mauer änderte er seine Lebensplanung und zog von New York nach Berlin bzw. Potsdam. Im Alter von 60 Jahren begann er mit dem regelmäßigen Lauftraining für ein bis zwei Marathonläufe im Jahr.Volker Schlöndorff: Vor dem Berlin-Marathon: Helden für einen Tag, jeder Einzelne von ihnen. In: FAZ, 28. November 2013.Lars Grote: Oscar-Regisseur Volker Schlöndorff wird 80. In: Märkische Allgemeine, 27. März 2019.
Privatleben mini|Volker Schlöndorff und seine Frau Angelika Gruber auf dem roten Teppich beim Eröffnungsfilm der Berlinale 2017 Von 1971 bis 1991 war Volker Schlöndorff mit der Schauspielerin und Regisseurin Margarethe von Trotta verheiratet. Zu Beginn der Ehe arbeitete sie mit ihm als Schauspielerin, Regie-Assistentin, Co-Regisseurin und Co-Autorin. Bei der Verfilmung des Romans Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll führten sie gemeinsam Regie. Seit 1992 war Schlöndorff in zweiter Ehe mit der Schnittmeisterin Angelika Gruber (1953 – 24. Dezember 2018teleschau: Volker Schlöndorff: Trauer um Ehefrau Angelika. In: Focus online, 11. Januar 2019.) verheiratet, mit der er eine Tochter (* 1992) hat.
Politisches Engagement Von der CDU/CSU sowie von Printmedien des Axel-Springer-Verlags wurde Schlöndorff 1977 wegen seiner Unterstützung des „Rechtshilfefonds für die Verteidigung politischer Gefangener“ sowie aufgrund der politischen und gesellschaftlichen Aussagen seines 1975 veröffentlichten Films Die verlorene Ehre der Katharina Blum heftig angegangen. Die Kritik zog seinen Ausstieg aus dem Verwaltungsrat der Filmförderungsanstalt nach sich,vgl. Chronik des deutschen Films 1977. November – Schlöndorff verlässt die FFA. In: Deutsches Filmhaus, aufgerufen am 1. Dezember 2019. dem er, auf Vorschlag der SPD-Bundestagsfraktion vom Deutschen Bundestag benannt, von 1974 bis 1978 angehört hatte. Der SPD stand Schlöndorff über Jahrzehnte nahe, eine Mitgliedschaft wurde von ihm jedoch verneint.Willi Winkler: „Ich war ein Kofferträger“. In: Süddeutsche Zeitung, 8./9. September 2007, Interview mit Schlöndorff.
Nach einer Bitte von Fritz Teufel unterstützte er mit seiner Frau in den 1970er und 80er Jahren den früheren Fremdenlegionär und späteren Anarchisten Peter Schult, der wegen Homosexualität und Pädophilie mehrfach inhaftiert worden war.
Trotz seiner SPD-Nähe und der Kritik der CDU an seiner Person im Zusammenhang mit dem Deutschen Herbst bekannte sich Schlöndorff Jahre später (2005) öffentlich zur CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel während deren Wahlkampf.N.N.: Früherer SPD-Anhänger Schlöndorff unterstützt Merkel. In: Der Spiegel, 3. September 2005, Nr. 36.
Im Januar 2007 sprach er sich für die Haftentlassung des ehemaligen RAF-Angehörigen Christian Klar aus, der seit 1982 inhaftiert war und zu jenem Zeitpunkt ein Gnadengesuch beim Bundespräsidenten eingereicht hatte.Martin Wolf: „Begnadigt wird nicht die Tat, sondern der Mensch.“ In: Spiegel Online, 31. Januar 2007.
2009 unterstützte Schlöndorff im Wahlkampf erneut Angela Merkel. Im ARD-Morgenmagazin äußerte er sinngemäß, wer nach 1989 noch links sei, müsse ein Brett vor dem Kopf haben. Er bezog diese Aussage allgemein auf „die linke Ideologie“ und im Besonderen auf die „Planwirtschaft“, welche die Menschen „unselbständig“ und „unmündig“ gemacht habe, was er während der Privatisierung der DEFA selbst habe erleben können.Video: In: ARD Mediathek / WDR, 29. September 2009, 2:49 Min., vgl. Bundestagswahl. Volker Schlöndorff erklärt, wen er nicht wählt. In: Die Welt, 16. September 2009. Merkel werde die Gesellschaft nicht spalten, sondern sozialpartnerschaftlich handeln. Im Jahr 2010 empfahl er Merkel in einem offenen Brief in der Zeitschrift Cicero eine Rückkehr in ihren „eigentlichen Beruf“ nach Ablauf ihrer Amtszeit.Volker Schlöndorff: Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela. In: Cicero, 29. Juli 2010.ddp / csr: Regisseur Schlöndorff. Merkel zur Rückkehr in die Wissenschaft geraten. In: Rheinische Post, 27. Juli 2010.
Werk mini|Schlöndorff mit Dustin Hoffman beim Filmfestival Venedig, 1984 1960 drehte Schlöndorff unter dem Pseudonym Volker Loki den Kurzfilm Wen kümmert’s über Algerier in Frankfurt, der wegen „Parteinahme gegen eine befreundete Nation“ keine Freigabe der FSK erhielt. Noch 2007 bekannte er sich dazu, ein aktiver Unterstützer („Kofferträger“) der algerischen Befreiungsbewegung gewesen zu sein.
Zudem arbeitete er als Assistent von Ludwig Berger, Louis Malle, Jean-Pierre Melville (Eva und der Priester, 1961) und Alain Resnais. 1963/64 schrieb er nach dem Roman Die Verwirrungen des Zöglings Törleß von Robert Musil sein erstes Drehbuch. Er drehte den Film ab 1965 unter dem Titel Der junge Törless. Das Werk erhielt Anerkennung und zahlreiche Prämierungen und wurde in den Kategorien Drehbuch, Regie und bester Film mit dem Deutschen Filmpreis (Goldenes Band) ausgezeichnet. Außerdem wurde es mit dem Kritikerpreis des Filmfestivals von Cannes ausgezeichnetAuszeichnungen des Films „Der junge Törless“. In: Deutsches Filminstitut, aufgerufen am 23. Januar 2016. und gilt als der erste internationale Erfolg des Neuen Deutschen Films.
Im Jahr 1969 gründet Schlöndorff mit Peter Fleischmann die Produktionsfirma Hallelujah-Film GmbH und 1974 mit Reinhard Hauff die Bioskop-Film GmbH, mit der er seither unter Leitung von Eberhard Junkersdorf seine Produktionen realisiert. Mit dem Film Die verlorene Ehre der Katharina Blum nach der gleichnamiger Erzählung von Heinrich Böll produzierte Schlöndorff 1975 erstmals gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau, Margarethe von Trotta, einen großen Publikumserfolg.
1979 gelang Schlöndorff der internationale Durchbruch mit der Verfilmung von Günter Grass’ gleichnamigem Roman, Die Blechtrommel. Ausgezeichnet sowohl mit der Goldenen Palme in Cannes 1979 als auch mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film markiert Die Blechtrommel einen Höhepunkt der internationalen Anerkennung des deutschen Films nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Dreharbeiten fanden unter anderem in Danzig statt. 2005 kehrte Schlöndorff dorthin zurück, um die Geschichte von Anna Walentynowicz zu verfilmen. Dieser Film kam 2007 unter dem Titel Strajk – Die Heldin von Danzig in die Kinos.
Als eine der interessantesten Literaturverfilmungen Schlöndorffs gilt Die Fälschung (1981) nach dem Roman von Nicolas Born. Die Dreharbeiten mit Bruno Ganz und Hanna Schygulla fanden während des libanesischen Bürgerkriegs in Beirut statt.
Schlöndorff inszenierte zudem die Oper Katja Kabanova von Janáček.Schlöndorff, Volker. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1082–1083, hier: S. 1082.
Am 21. März 1991 feierte seine Verfilmung von Max Frischs Roman Homo faber Premiere. Während diese bei deutschen Cineasten große Anerkennung erntete, fiel die Kritik in den USA negativ aus. Zwei Monate nach den Dreharbeiten starb Max Frisch, kurz vor seinem Tod schenkte er Schlöndorff seine Limousine, einen Jaguar 420.Juliane Primus: Wie fährt sich Max Frischs Jaguar, Herr Schlöndorff? In: Bild, 13. November 2014.
mini|Schlöndorff auf der Frankfurter Buchmesse 2011 Schlöndorffs nächste internationale Regiearbeit sollte 2007 die Verfilmung des Romans Die Päpstin sein. Das Projekt hatte er seit sieben Jahren zum Teil privat, zum Teil mit der Produktionsfirma Constantin Film erarbeitet.bos/dpa/ddp: Wer kritisiert, fliegt. In: SpOn, 23. Juli 2007. Schlöndorff kritisierte jedoch im Juli 2007 in der Süddeutschen Zeitung eine „unheilige Allianz“ von Film- und Fernsehproduzenten, die zwecks Kostensenkung die unterschiedlichen Dramaturgien eines Kinofilms und Fernsehfilms immer öfter zu einem „Amphibienfilm“Klaus Raab: Kann Fernsehen Kino sein? In: die tageszeitung, 22. Dezember 2008, zum Streit über „Amphibienfilme“. vermischten.Volker Schlöndorff: Vorhang auf, Vorhang runter. Die Artenvielfalt ist groß, aber es droht eine immer stärkere Vermischung: Für die Trennung von Film und TV. In: SZ, 12. Juli 2007. Daraufhin wurde ihm von Constantin Film gekündigt, da seine Kritik der Produktion geschadet habe.Fritz Göttler: . In: Süddeutsche Zeitung, 23. Juli 2007, Interview mit Schlöndorff. Schlöndorff nutzte die freie Zeit für die Niederschrift seiner Memoiren, Licht, Schatten und Bewegung, die er auf Grundlage seiner Tagebücher und Notizzettel verfasste.Wilfried Mommert: „Es floss mir aus der Feder.“ In: dpa / Potsdamer Neueste Nachrichten, 21. August 2008.Josef Schnelle: „Ich hatte zuviel Material.“ In: artechock, 8. Oktober 2008, Interview zu Schlöndorffs Autobiographie.
2008 bereitete Schlöndorff den Spielfilm Gigola über die Glitzerwelt der Pariser Revuetheater vor. 2009 inszenierte er Leo Tolstois letztes Theaterstück, Und ein Licht leuchtet in der Finsternis (Bühnenraum: Mark Lammert), auf dem brandenburgischen Schloss Neuhardenberg mit Angela Winkler und Hans-Michael Rehberg.
Der Medienwissenschaftler Thomas Koebner hob in einer Laudatio auf Schlöndorff zur Verleihung der Carl-Zuckmayer-Medaille 2009 hervor, dass seine Filme von einem großen Gerechtigkeitsempfinden getragen seien. Er setze sich stets für Benachteiligte ein, doch in dezenter, unaufdringlicher Weise. Seine Figuren wüssten sich immer selbst zu helfen und stünden dabei „immer kurz vor ihrer Verwandlung“.. In: StaatsZeitung, 26. Januar 2009, (PDF; 417 kB).