Dorfen ist eine Stadt im Osten des oberbayerischen Landkreises Erding. Die Stadt liegt im mittleren Isental und ist mit rund 15.000 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde des Landkreises.
Geographie mini|Marktplatz Dorfen
Geographische Lage Dorfen liegt im Tal der Isen 45 Kilometer östlich von München und 20 Kilometer östlich der Kreisstadt Erding. Mit einer Fläche von 99,56 km² ist Dorfen die flächenmäßig zwölftgrößte kreisangehörige Gemeinde Oberbayerns. Die Gemarkung Dorfen liegt, wie der gesamte Verlauf des Isentals von Lengdorf in Richtung Osten, am Übergang zweier großräumlicher Landschaftsformen. Nördlich des Tals befindet sich das Isar-Inn-Hügelland, das durch Molasseablagerungen eine leicht hüglige Landschaft mit vielen Bächen und Waldstücken (Erdinger Holzland) formte. Südlich der Isen beginnt eine durch eiszeitliche Moränen geformte Landschaft mit langgezogenen Bergen, tiefen Tälern und viel Wald (Gattergebirge).
Klima Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge sank von 944 mm in den Jahren 1961 bis 1990 auf 831 mm im Zeitraum von 1991 bis 2020. Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 106 mm im Juli. Im Februar fällt der geringste Niederschlag mit durchschnittlich 41 mm.
Gemeindegliederung
Die Stadt Dorfen hat 203 Gemeindeteile (siehe Klappbox unten).
Es gibt die Gemarkungen Dorfen, Eibach (nur Gemarkungsteil 0), Grüntegernbach, Hausmehring, Schiltern, Schwindkirchen, Stollnkirchen, Wasentegernbach, Watzling, Zeilhofen.
Nachbargemeinden
Flächenaufteilung
Nach Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik, Stand 31. Dezember 2020
Geschichte mini|hochkant|Das Kirchtor oder Wesner Tor Bis zum 18. Jahrhundert mini|Kupferstich des Markts Dorfen von Michael Wening, 1723 Dorfen wurde im Jahre 773 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, das trifft auch für Oberdorfen zu, da nicht nach Dorfen und Oberdorfen unterschieden wurde.
Durch Herzog Ludwig den Kelheimer wurde Dorfen um 1230 systematisch angelegt als Stützpunkt gegen das Hochstift Freising (Herrschaft Burgrain) und gegen die Grafschaft Haag und als wirtschaftliches Zentrum für das Gebiet zwischen Erding, Landshut, Wasserburg am Inn und Mühldorf am Inn. Zwischen 1229 und 1237 bekam der Ort wohl durch seinen Nachfolger Herzog Otto II. den Erlauchten das Marktrecht verliehen. Die niederbairischen Herzöge statteten den Markt mit Rechten und Freiheiten aus und verliehen ihm 1331 das Landshuter Marktrecht mit zahlreichen Verbesserungen gegenüber den früheren Privilegien. Dorfen wurde zum Sitz eines Landrichters und bekam 1324 und 1331 die selbständige niedere Gerichtsbarkeit sowie die bürgerliche Selbstverwaltung verliehen – so dass das Dorfen des 13. und 14. Jahrhunderts nach seiner Anlage und seinem Wirtschaftsleben nicht den Städten der damaligen Zeit nachstand.
1422 fand in Dorfen der „Ochsenkrieg“ statt; Graf Georg III. nahm mit seinem Haager Fähnlein das stark befestigte Dorfen ein. Die Ritter plünderten und verwüsteten den Markt, hunderte Menschen starben. mini|Historischer Stadtplan von 1879 Im Dreißigjährigen Krieg besetzten die Schweden 1632 und 1634 den Markt, plünderten, mordeten und brannten die Häuser nieder. In ihrem Gefolge raffte die Pest ein Drittel der noch verbliebenen Bevölkerung hinweg.
Im 17. und 18. Jahrhundert war Dorfen mit der Gnadenmutter von Dorfen eine der meistbesuchten Wallfahrtsstätten Südbayerns.
19. bis 21. Jahrhundert mini|Rathausplatz um 1885 mit dem abgebrochenen Haager Tor Um 1885/90 wurde das Haager Tor abgebrochen und die Wallanlage entfernt sowie der Wassergraben zugeschüttet und als Fußweg angelegt. 1910 fand der Dorfener Bierkrieg statt: Als die Maß Bier aufgrund eines Malzaufschlags von 24 auf 26 Pfennige erhöht werden sollte, kochte die Volksseele. Streik- und Boykottaufrufe heizten die Stimmung weiter an. Die Wirtschaften der beiden Brauereien gingen durch Brandstiftung in Flammen auf, das Feuer griff auf weitere Häuser über. In München wurden Pioniere in Bereitschaft gesetzt, kamen aber nicht zum Einsatz, denn die Preiserhöhung wurde zurückgenommen. Mehrere Verhaftungen und Strafverfahren beendeten die Unruhen.
In den 1920er-Jahren wurde nach einer verheerenden Überschwemmung die Isen begradigt, die vorher in Schleifen um den Markt verlaufen war. In den Jahren nach 1945 entwickelten sich die Moosener Siedlung, die Isener Siedlung und die Lerchenhuber Siedlung, die heute zusammen etwa 2500 Bewohner zählen.
Am 10. November 1954 wurde Dorfen durch den bayerischen Innenminister Wilhelm Hoegner zur Stadt erhoben. In Dorfen erscheint das deutschlandweit letzte Anzeigenblatt mit dem Namen Intelligenzblatt.
1998 wurden die historisch wertvollen Häuser Diemer und Heilmeier abgebrochen und durch den Marienhof ersetzt.
Am 25. Mai 2009 verlieh die Bundesregierung der Stadt den Titel Ort der Vielfalt.
Eingemeindungen mini|rechts|Gemarkungen der Stadt Dorfen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinde Watzling und ein Teil der Gemeinde Eibach eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Hausmehring und Schwindkirchen (mit dem am 25. November 1864 eingegliederten Stollnkirchen) hinzu. Die am 1. Januar 1972 aus dem Zusammenschluss der damaligen Gemeinden Grüntegernbach und Wasentegernbach neu gebildete Gemeinde Tegernbach wurde am 1. Mai 1978 fast vollständig in die Stadt Dorfen eingegliedert. Die Gemeindeteile Endsberg und Stetten mit insgesamt elf Einwohnern wurden an die Gemeinde Schwindegg (Landkreis Mühldorf) abgetreten. Außerdem wurde die Gemeinde Zeilhofen eingegliedert. Die eingemeindeten Gemeinden bestehen in den heutigen Gemarkungen der Stadt Dorfen fort, auch wenn deren Flächen nicht mehr komplett deckungsgleich sind.
Einwohnerentwicklung Gemäß Bayerischem Landesamt für Statistik haben sich die Einwohnerzahlen jeweils zum 31. Dezember eines Jahres wie folgt entwickelt:
Stand Einwohner Stand Einwohner Stand Einwohner Stand Einwohner 1960 9.423 2005 13.515 2015 14.407 2021 14.992 1970 10.053 2010 13.723 2016 14.494 2022 14.703 1980 10.124 2011 13.943 2017 14.664 2023 14.729 1990 10.942 2012 14.052 2018 14.650 2024 14.759 1995 11.707 2013 14.120 2019 14.697 2025 14.727 2000 12.742 2014 14.171 2020 14.790
Seit 1972, dem Jahr der Gemeindereform, hat sich die Einwohnerzahl bis 2016 um 4189 erhöht. Das entspricht einem Wachstum von 40,65 Prozent.
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 10.602 auf 14.650 um 4.048 Einwohner bzw. um 38,2 Prozent.
Politik Stadtrat
Der Dorfener Stadtrat besteht aus 24 ehrenamtlichen Stadtratsmitgliedern sowie dem Ersten Bürgermeister.
Die Stadtratswahl am 8. März 2026 führte bei einer Wahlbeteiligung von 70,3 % (2020: 66,24 %) zu folgendem Ergebnis:
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 24,4 % 6 Überparteiliche Wählergemeinschaft (ÜWG) 15,4 % 4 Grüne 13,5 % 3 Alternative für Deutschland (AfD) 9,0 % 2 SPD 8,6 % 2 Liste Gemeindewahl Tegernbach (TEG) 7,0 % 2 Landliste Dorfen West (LDW) 6,8 % 2 Gemeinwohl Schwindkirchen 6,1 % 1 Eibacher Wählergemeinschaft (EWG) 5,2 % 1 Die Linke 4,0 % 1
Bürgermeister
Seit 1. Mai 2026 ist Claudius Siebert (ÜWG/LDW/SPD/Die Grünen) Erster Bürgermeister.
Sein Vorgänger war Heinz Grundner (CSU), der erstmals in der Stichwahl 2008 mit 56,06 % der gültigen Stimmen gewählt wurde. Bei den Kommunalwahlen 2014 wurde er mit 57,0 % der Stimmen wiedergewählt. Zum zweiten Mal wiedergewählt wurde er 2020 mit 53,5 % der Stimmen. Bei der Bürgermeisterwahl 2026 unterlag Grundner im zweiten Wahlgang mit 42,8 Prozent gegen Claudius Siebert, der auf 57,2 Prozent kam. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,6 Prozent.
Wappen und Flagge
Das Wappen der Stadt ist historisch und geht auf Siegel aus dem 14. Jahrhundert zurück: „In Blau drei, zwei zu eins gestellte silberne Häuschen mit goldenen Dächern.“ Neben dem Wappen führt die Stadt eine Flagge in den Farben Blau-Rot.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Marktplatz
mini|Marktplatz von Dorfen Sehenswert ist die aus vier kreuzförmig angelegten Plätzen gestaltete Dorfener Innenstadt (angelegt im 13. Jahrhundert) mit drei mittelalterlichen Stadttoren und stattlichen Bürgerhäusern mit Fassaden aus Barock und Biedermeier. Frühklassizistische Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt. 1783/84 wurde sie nach dem Langhausgewölbe-Einsturz unter Einbeziehung der spätgotischen Gebäudeteile neu errichtet. Die Marienleben-Deckenfresken wurden von Johann Huber angefertigt. Der original vorhandene Asam-Altar wurde 1868 abgebrochen und durch einen neugotischen Altar ersetzt. Die Verwendung von kirchlichen Spendengeldern für den Rückbau des Altars nach den alten Plänen führte 1971 zu Jugendprotesten.
Wallfahrtsstätte Mariä Himmelfahrt Nach Altötting galt Mariä Himmelfahrt in Dorfen bis vor 100 Jahren als der zweitgrößte Marienwallfahrtort Bayerns. Bis zu 300.000 Pilger kamen pro Jahr, um die Gnadenmutter von Dorfen zu grüßen. Auch heute noch machen sich bayernweit viele Wallfahrer auf den Weg dorthin. mini|Das Isener Tor
Weihnachtskrippe Die Dorfener Krippe mit prächtig ausgestattete Krippenfiguren (Gliederpuppen mit spätbarocken Schnitzköpfen) von 1720, restauriert 1990–1995, wird jährlich zur Weihnachtszeit in der Kirche Maria Dorfen ausgestellt.
Weitere Sakralbauten Weitere Sakralbauten sind Marktkirche St. Veit, Pestkirche St. Sebastian und die Etzkapelle.
Kulturzentren und Veranstaltungshäuser Der Jakobmayersaal ist der Ballsaal im ersten Stock eines nach dem Bierkrieg von 1910 errichteten Großgasthauses. Das Gebäude wurde von der Stadt Dorfen gekauft. Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen wurde der Saal im Oktober 2011 wieder eröffnet, ein Kinogebäude wurde in Form eines Kubus im nördlichen Teil des Jakobmayeranwesens angebaut.
Hemadlenzn mini|Hemadlenzfasching in Dorfen
Überregional bekannt ist der „Hemadlenzn-Umzug“, der seit 1891 am Unsinnigen Donnerstag durchgeführt wird. Der Name „Hemadlenz“ ist vom Heiligen Laurentius abgeleitet, weil dieser auf alten Abbildungen ein „Hemad“ (ein Hemd) trägt.
Bei dem Umzug, der eigentlich als konjunkturelle Maßnahme eingeführt wurde, kam es 1952 zu umfassenderen Änderungen, als die Verbrennung der Hemadlenz-Puppe eingeführt wurde und erstmals Frauen zum Umzug zugelassen wurden. Heutzutage ziehen rund 5000 Dorfener und Touristen in weißen Nachthemden singend und feiernd durch die Straßen der Innenstadt. Nach einem Rundgang wird der Hemadlenz kurz vor 12 Uhr am Marienplatz dem Feuer übergeben. An diesem Tag, der in Dorfen schulfrei ist, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen.
Dorfner Liedertafel Im Jahre 1875 entschlossen sich 22 Bürger, einen Männergesangsverein, die Liedertafel zu gründen. Es wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Theaterstücke mit Gesang und Operetten aufgeführt. Mit der Zeit nahm der Verein auch Frauen auf. Die 1200-Jahr-Feier der Stadt Dorfen wurde 1973 mit einem Festkonzert der Liedertafel geschmückt. Heute ist die Liedertafel Dorfen ein gemischter Chor mit 50 Mitgliedern.
Bierkrieg
Bekannt ist der sogenannte Bierkrieg: Im Jahre 1910 wurde angekündigt, dass das Bier um 2 Pfennig teurer wird. Die aus der Wut der Bürger entstandenen Folgen waren abgebrannte Häuser sowie ein Streit mit der Brauerei Bachmayer. Ein Theaterstück über diese Ereignisse wurde 1995, 1999 und 2010 als Festspiel aufgeführt.
Freizeit mini|Maria Dorfen Vereine