mini|Eingangsbereich der ehemaligen DFB-Verwaltung in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise unweit des Deutsche Bank Parks

Der Deutsche Fußball-Bund e. V. (DFB) ist der Dachverband von 27 Fußballverbänden in der Bundesrepublik Deutschland, denen wiederum rund 24.000 Fußballvereine angehören. Seinen Sitz hat der Verein mit zuletzt teilweise ungeklärter Gemeinnützigkeit in Frankfurt am Main. Ordentliche DFB-Mitglieder sind der Bundesliga e. V. (vormals DFL Deutsche Fußball Liga), die fünf Regional- und die 21 Landesverbände. Mit mehr als 8 Millionen Mitgliedern der angeschlossenen Vereine ist der DFB der größte nationale Sportfachverband der Welt.

Gegründet wurde der DFB zur Zeit des Kaiserreiches am 28. Januar 1900 in Leipzig. Seit 1903 richtet er die deutsche Fußballmeisterschaft aus (seit 2001 an den Ligaverband delegiert) und trat dem Fußball-Weltverband FIFA bei dessen Gründung 1904 bei. In der Zeit des Nationalsozialismus ab 1933 wurde auch der DFB gleichgeschaltet und löste sich 1940 auf. Anfang 1950 gründeten die bundesrepublikanischen Verbände den DFB in Stuttgart neu. Seit September 1950 gehört er wieder der FIFA an, seit 1954 auch der europäischen UEFA. 1957 trat der Saarländische Fußballverband dem DFB bei, 1990 der Deutsche Fußball-Verband der DDR als fünfter Regionalverband als Nordostdeutscher Fußballverband. Als nationaler Fußballverband organisiert der DFB die deutschen Fußballnationalmannschaften und bestimmt die Bundestrainer.

Geschichte Deutscher Fußball im 19. Jahrhundert

Im Deutschen Reich des 19. Jahrhunderts hatte Sport nur eine untergeordnete Bedeutung. Unter den aus England übernommenen Mannschaftssportarten dominierte seit Beginn der 1870er-Jahre zunächst Rugby Football. Dieser wurde hauptsächlich von hier lebenden Briten und Amerikanern betrieben.Hans-Peter Hock: Der Dresden Football Club und die Anfänge des Fußballs in Europa. Arete Verlag, Hildesheim 2016, S. 22. Die Anfänge des Association Football, zu Beginn noch eine Mischung aus Fußball und Rugby, finden sich 1874 durch die Einführung des Fußballs in den Schulsport des Gymnasiums Martino-Katharineum durch Konrad Koch in Braunschweig. 1875 führten der Lehrer Wilhelm Görges und der aus Australien stammende Richard E. N. Twopenny das Spiel am Johanneum in Lüneburg ein.Hans-Peter Hock: Der Dresden Football Club und die Anfänge des Fußballs in Europa. Arete Verlag, Hildesheim 2016, S. 19. 1882 wurde vom preußischen Kultusminister ein Spielerlass beim Turnunterricht an den Schulen eingeführt, erst dadurch wurde Fußball einer breiteren Bevölkerungsschicht bekannt.Hans-Peter Hock: Der Dresden Football Club und die Anfänge des Fußballs in Europa. Arete Verlag, Hildesheim 2016, S. 30. Seit Ende der 1880er-Jahre wurde im Deutschen Reich neben Rugby auch immer mehr Association Football gespielt.Hans-Peter Hock: Der Dresden Football Club und die Anfänge des Fußballs in Europa. Arete Verlag, Hildesheim 2016, S. 39.

Wie in ganz Deutschland, so vollzog sich auch die Entwicklung des Fußballsports in Berlin anfangs sehr schleppend. Im Winter 1880/81 trugen Schüler des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums erstmals ein Association-Football-Spiel aus. 1883 spielten Engländer und Deutsche gelegentlich auf dem Tempelhofer Feld bei Berlin, im Hoppegarten, in Pankow (Schönholz) und in Nieder-Schöneweide. Erst zum Ende der 1880er-Jahre setzte sich eine rasante Entwicklung durch die Gründung einer Vielzahl von Fußballklubs ein. Am 15. April 1888 wurde mit dem BFC Germania 1888 der älteste noch heute existierende deutsche Fußballverein gegründet. Die neuen Vereine organisierten sich in vielen verschiedenen Verbänden, dazu gehörten ab 1890 der Bund Deutscher Fußballspieler, der Deutsche Fußball- und Cricket Bund und der Verband Deutscher Ballspielvereine.

Auch „Ur-Länderspiele“ gab es bereits mit Auswahlmannschaften, in denen Berliner Spieler dominierten. Nach Berlin folgte 1893 der Süden mit seiner Süddeutschen Fußball-Union, die aber wegen interner Streitigkeiten und geringer Zahl von Klubs nur zwei Jahre lang existierte. Danach folgten Hamburg und Altona mit dem Hamburg-Altonaer Fußball-Bund, Leipzig mit dem Verband Leipziger Ballspiel-Vereine, der Verband Süddeutscher Fußball-Vereine sowie der Rheinische Spiel-Verband im Westen. Mit den Jahren gab es noch weitere lokale und regionale Fußballverbände.

Von der Gründung 1900 bis 1933 mini|Die erste Geschäftsstelle des DFB, Gutenbergstraße 43 in Dortmund mini|hochkant|links|Gedenktafel anlässlich des 100-jährigen Bestehens des DFB an seinem Gründungsort in Leipzig (2015) mini|hochkant=0.5|Erstes DFB-Logo von 1900 bis 1926

Am 28. Januar 1900 trafen sich in der Gaststätte „Zum Mariengarten“ in der Büttnerstraße 10 in Leipzig 36 Vertreter von 86 Vereinen zur Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds, darunter auch zwei deutschsprachige Vereine aus Prag. Ferdinand Hueppe vom DFC Prag wurde anschließend zum ersten Präsidenten des Verbandes gewählt. Eine Plakette am Gründungsort unweit des Hauptbahnhofs erinnert an das historische Ereignis.

Mit der Gründung des DFB durch die 86 Gründungsvereine gab es einen deutschlandweiten Führungsverband, der ab 1903 Endrunden um die deutsche Meisterschaft ausspielte – zuvor waren noch Zwistigkeiten zu klären gewesen, da die Regionalverbände ihre Meisterschaften ungern unterordnen und abwerten wollten. Der erste deutsche Fußballmeister war der VfB Leipzig. Am 21. Mai 1904 trat der DFB per Telegramm noch an dessen Gründungstag dem Weltfußballverband FIFA als achtes Mitglied bei. Auch wenn er nicht zu den sieben Gründungsmitgliedern gehörte, die sich in Paris zur Gründungsversammlung trafen, war er laut Homepage der FIFA „nichtsdestoweniger in der ersten Stunde mit dabei“. Mit dem Beitritt zur FIFA mussten ausländische Vereine aus dem DFB ausgeschlossen werden, womit auch Präsident Hueppe aus dem Verband ausschied. Zu seinem Nachfolger wurde Friedrich Wilhelm Nohe vom Karlsruher FV gewählt.

1910 beschloss der DFB die Einrichtung einer Geschäftsstelle, denn die Verwaltungsaufgaben waren inzwischen stark angewachsen. 1905 waren dem Verband 254 Vereine mit rund 13.000 Spielern angeschlossen. Zum 31. Dezember 1910 zählte man bereits 1.361 Fußballvereine in 641 Orten und 109.577 Mitglieder. Als erster hauptamtlicher Geschäftsführer wurde der Dortmunder Walter Sanß eingesetzt, wodurch die erste Geschäftsstelle des DFB in seinem Haus in der Gutenbergstraße 43 Dortmund eingerichtet wurde.

Bis zum Ersten Weltkrieg gab es viele lokale Verbände und Ligen, die sich (noch) nicht dem DFB, bzw. den Regionalverbänden angeschlossen hatten. Der Aufschwung des Fußballs, der von etwa 1910 an deutlich zunahm, wurde so statistisch erst nach 1919 erfasst.Für Norddeutschland: Arnd Krüger: Ergänzungen zu den Vereinslisten zur Geschichte des Sports zur Geschichte des Sports in Niedersachsen bis 1914, in: Jahrbuch des Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte (NISH) 4 (2001), 184–189. Auch entsprach der Zuschnitt der Regionalverbände noch lange nicht dem heutigen. So reichte z. B. der Westdeutsche Spielverband bis nach Osterode und Göttingen im Osten.

mini|hochkant=0.5|Zweites Logo von 1926 bis 1995

1926 wurde das Logo des Deutschen Fußball-Bunds nach einem Entwurf von Ernst Fuhry neu gestaltet. Die drei Buchstaben DFB wurden in Anlehnung an germanische Runen deutlich schärfer und gezackter gezeichnet und ineinander geschoben. Die Farbe der Buchstaben wurde einheitlich in Rasengrün gehalten. Der äußere Kreis fiel weg.

Im Dritten Reich Die Gleichschaltung des Sports ließ den DFB noch bis 1940 formal weiter bestehen, kostete ihn aber seine föderative Struktur – alle sieben Regionalverbände mussten sich auflösenSo zum Beispiel der Norddeutsche Fußball-Verband am 16. Juli 1933, vgl. Jankowski/Pistorius/Prüß: Fußball im Norden, Bremen und Barsinghausen 2005, Seite 72 – und reduzierte ihn auf eine „kameradschaftliche Vereinigung“, so Felix Linnemann als Bundesvorsitzender und nun auch Chef des neuen, deutlich wichtigeren Fachamtes Fußball, dem fast alle operativen Aufgaben übertragen wurden.„Die wichtigsten Aufgaben in der Leitung und Verwaltung des Fußballsports sind vom Bund auf das Fachamt übergeleitet, so die Durchführung der Meisterschaften und der Vereinspokalspiele mit allen notwendigen Arbeiten technischer und verwaltungsmäßiger Art“ (ausdrücklich werden Rechtsprechung, Schulungsarbeit und Finanzierung genannt, J.C.) „(…) Der Deutsche Fußball-Bund ist als kameradschaftliche Vereinigung bestehen geblieben. Es sind ihm neben der Verwaltung der übernommenen Werte die Leitung und Durchführung des Auslandsverkehrs geblieben.“ – Felix Linnemann: Die neuen Ordnungen für Fußball, in: Deutscher Fußball-Sport Nr. 13 vom 28. Juni 1935, Seite 293 (Beginn einer mehrteiligen Serie). Länderspiele blieben zunächst in der Zuständigkeit des DFB, solange er „noch sieben Jahre lang als Logo, als Verbindungsglied zur FIFA und anfangs zur Vermögensverwaltung existierte.“Jankowski/Pistorius/Prüß: Fußball im Norden, Bremen und Barsinghausen 2005, Seite 72.

Eine kritische Vergangenheitsaufarbeitung des DFB wurde erstmals im Jubiläumsband 100 Jahre DFB, erschienen im Jahr 2000, vorgenommen. In ihm setzte sich der Co-Autor Karl-Adolf Scherer mit dem damaligen Präsidenten Felix Linnemann und dem Geschäftsführer des Westdeutschen Spiel-Verbandes Josef Klein kritisch auseinander. Für weiterführende Recherchen und Aufbereitungen haben die Verantwortlichen des DFB eine Studie in Auftrag gegeben, deren Autor Nils Havemann das Buch Fußball unterm HakenkreuzNils Havemann: Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006. Vgl. den Überblicksaufsatz Nils Havemann: Fußball unterm Hakenkreuz. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 19/20006, 8. Mai 2006, S. 33–38. unter Zuhilfenahme umfangreicher Archive und Nachlässe verfasste; er erhielt auch Zugang zu bis dahin verschlossenen DFB-Archiven. Der DFB stellte sich damit zirka 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs in direkter Weise dem Fehlverhalten seiner Funktionäre in der Zeit des Nationalsozialismus, wie dies den Ergebnissen der Studie von Havemann zu entnehmen ist.

Der DFB war Anfang der 1930er-Jahre stark dem bürgerlichen Lager verbunden und mit ihm in allen seinen Gremien verwurzelt. Auch auf den herannahenden Nationalsozialismus hatte er sich nur sehr ungenügend vorbereitet. Die sportpolitische Situation erlaubte es insbesondere Guido von Mengden, Josef Klein, Georg Xandry, Wilhelm Erbach sowie dem damaligen DFB-Präsidenten Felix Linnemann ihre nationalsozialistischen Gedanken und Überzeugungen in die Verbände einzubringen. Vor allem mit Hilfe des Vorsitzenden des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (damit dominierend in allen deutschen Sportverbänden wie DFB und auch NOK), dem Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, konnte das Idealbild der Nazis im gesamten deutschen Sport implantiert werden. Der Historiker Hajo Bernett bezeichnete Mengden, welcher 1935 auch Pressereferent und 1936 schließlich Generalreferent von Tschammers wurde, in dessen Biographie 1976 als „Generalstabschef des deutschen Sport“. Eine weitere dominante Rolle im vollkommenen Gehorsam Hitler gegenüber spielte der 1931 ernannte Schatzmeister des DFB, der Bankier Arthur Strenzel. Insbesondere während des Weltkriegs führte dieser als zweiter Präsident den DFB von Berlin aus, als Linnemann sich weitgehend zurückzog. Die nationalistische Riege innerhalb des DFB war allerdings auch viel größer als diese und wurde weitgehend von einem Triumvirat aus dem Deutschen Reichsausschuss und dem Reichsbund für Leibesübungen, Lewald-Dominicus-Linnemann, insbesondere durch dessen Generalsekretär Carl Diem, dominiert.