Andre Kirk Agassi (* 29. April 1970 in Las Vegas, Nevada) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Tennisspieler. Heute ist er als Stifter und Unternehmer tätig.
In seiner 20 Jahre dauernden Karriere gewann er 60 Einzeltitel, acht davon bei Grand-Slam-Turnieren. Er gewann viermal die Australian Open, zweimal die US Open und jeweils einmal Wimbledon und die French Open. Damit sicherte er sich die Titel bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens einmal und war dabei der erste Spieler der Tennisgeschichte, dem dies auf drei verschiedenen Belägen gelang; seinen Karriere-Grand-Slam komplettierte er 1999 mit dem Sieg bei den French Open.
Bei den Olympischen Spielen 1996 gewann er die Goldmedaille im Einzel; er führte die USA zu drei Davis-Cup-Siegen. Er zählt zu den dominierenden Spielern der 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Er ist seit 2001 mit Steffi Graf verheiratet.
Tenniskarriere Jugendzeit Agassi wurde bereits in jungen Jahren von seinem Vater auf eine Tenniskarriere vorbereitet. Der Vater sorgte z. B. dafür, dass Agassi schon früh mit Tennisspielern wie Jimmy Connors und Roscoe Tanner trainieren konnte. Mit 13 Jahren wurde Agassi in die Tennisakademie von Nick Bollettieri in Florida aufgenommen. Dort erwarb er sich bereits den Ruf eines Rebellen, durch den er in seinen ersten Profijahren weltbekannt wurde – unter anderem wegen seiner langen, wilden Haare und seiner Vorliebe für bunte und schrille Spielbekleidung. Bereits 1986 im Alter von 15 Jahren verließ Agassi die Akademie, um der Profitour beizutreten.
Rebellenimage und erste Erfolge (1986–1991) Sein erstes Match der Profitour gewann Agassi im Februar 1986 gegen den Amerikaner John Austin. Im Saisonverlauf konnte er unter anderem beim Turnier in Stratton Mountain das Viertelfinale erreichen. Er beendete seine erste Saison als Profi auf Platz 91 der Weltrangliste. Zum Abschluss der Saison 1987 sicherte er sich seinen ersten Profititel in Itaparica in Brasilien. Schon zuvor waren ihm einige Viertelfinal- und Halbfinalteilnahmen sowie ein Finaleinzug gelungen. Er beendete die Saison auf Platz 25 der Weltrangliste.
In der Saison 1988 hatte Agassi erstmals nennenswerte Erfolge bei wichtigen Turnieren. So erreichte er bei den French Open und den US Open jeweils das Halbfinale; damit schaffte er den endgültigen Sprung unter die besten Spieler der Welt. Er beendete das Jahr mit sechs Turniersiegen auf Platz drei der Weltrangliste und sorgte mit seinem Rebellenimage weiter für Aufsehen. Ab der Saison 1988 verzichtete er drei Jahre lang auf die Teilnahme am prestigeträchtigen Turnier in Wimbledon. Nach außen kritisierte er die starre Kleiderordnung der traditionsbewussten Veranstaltung. Es gab aber auch berechtigte Zweifel, ob Agassis Spielweise für den schnellen Rasen der British Open überhaupt geeignet sei.
In der Saison 1989 wurde Agassis Aufstieg an die Spitze des Welttennis erstmals gebremst. Er gewann erst im Oktober des Jahres seinen ersten Saisontitel und scheiterte bei den French Open bereits in der dritten Runde. Bei den US Open spielte sich Agassi dagegen erneut ins Halbfinale vor, wo er wiederum Ivan Lendl unterlag. In der Weltrangliste rutschte Agassi auf Platz sieben ab. Die Saison 1990 brachte ihn aber wieder nach vorne; so konnte er bei den French Open erstmals das Finale eines Grand-Slam-Turniers erreichen. Dort musste er sich allerdings Andrés Gómez geschlagen geben. Auch bei den US Open erreichte Agassi das Endspiel, dieses Mal unterlag er seinem jungen Landsmann Pete Sampras. Diese Niederlage bildete den Auftakt für eine jahrelange, medienwirksame Rivalität, die sich Agassi und Sampras auf und neben den Tennisplätzen boten. Zum Saisonende gelangen Agassi noch zwei große Erfolge mit dem Gewinn des Davis Cups und dem Sieg bei der ATP-Weltmeisterschaft im Finale gegen Stefan Edberg. Damit beendete Agassi die Saison 1990 mit insgesamt vier Titeln auf Platz vier der Weltrangliste.
In der Saison 1991 musste er seine dritte Niederlage in einem Grand-Slam-Finale hinnehmen. In seinem zweiten French-Open-Finale musste er sich Jim Courier beugen. Daraufhin entschied sich Agassi, erstmals seit drei Jahren wieder beim Turnier in Wimbledon anzutreten. In traditioneller weißer Sportbekleidung spielte er sich dort bis ins Viertelfinale. Die zweite Saisonhälfte verlief weniger erfolgreich mit einer Niederlage im Davis-Cup-Finale und dem Scheitern im Halbfinale der Weltmeisterschaft. Zwei Saisonsiege reichten gerade noch für das Verbleiben in der Top Ten der Weltrangliste.
Durchbruch und Etablierung in der Weltspitze (1992–1996)
Die Saison 1992 sollte den endgültigen Durchbruch für den mittlerweile 21-Jährigen bringen. Nach mäßigem ersten Saisondrittel scheiterte er zunächst bei den French Open im Halbfinale an Courier. In Wimbledon spielte sich Agassi dagegen mit Siegen gegen ehemalige Titelträger wie Boris Becker und John McEnroe ins Finale, in dem er Goran Ivanišević in fünf Sätzen bezwang, womit er den ersten Grand-Slam-Titel seiner Karriere gewann. Bei den US Open unterlag Agassi im Viertelfinale erneut seinem Landsmann Courier. Im Dezember gelang ihm dann der zweite Davis-Cup-Sieg mit der amerikanischen Mannschaft. In der Weltrangliste konnte sich Agassi zum Saisonende durch seine drei Titel um einen Platz auf Position neun verbessern.
Statt der erwarteten weiteren Steigerung brachte die Saison 1993 vor allem Verletzungssorgen und relativ frühe Niederlagen bei den wichtigen Turnieren. Agassi konnte in diesem Jahr nicht an den French Open teilnehmen und scheiterte in Wimbledon schon im Viertelfinale an Pete Sampras. Bei den US Open schied er bereits in der ersten Runde aus, und im Winter musste er sich einer Handgelenksoperation unterziehen. Mit zwei Saisontiteln im Frühjahr beendete er die Saison auf Platz 24 der Weltrangliste.
Nachdem Agassi 1994 trotz eines guten Saisonstarts mit seinem ersten Turniersieg in Scottsdale aus den Top 30 der Weltrangliste herausgefallen war, gab sein langjähriger Trainer Nick Bolletieri die Trennung bekannt. Agassi arbeitete nun mit Brad Gilbert zusammen, der ihm zu einem neuen, fokussierteren Spiel verhalf. In Miami erreichte Agassi das Finale, musste sich aber sowohl bei den French Open als auch in Wimbledon in der ersten Turnierwoche geschlagen geben. In der Hartplatzsaison gelang ihm ein Comeback mit dem zweiten Saisontitel in Toronto. Bei den US Open musste er dennoch als ungesetzter Spieler antreten und er konnte im Finale Michael Stich bezwingen. Bei seinem zweiten Grand-Slam-Titel war Agassi so der erste Spieler seit 1966, der die US Open als ungesetzter Teilnehmer gewinnen konnte. Seine Saisontitel vier und fünf brachten Agassi zum Saisonende auf Platz zwei der Weltrangliste, für ihn die bis dahin höchste Position.
Die Saison 1995 brachte Agassi noch weiter nach vorne. Für Aufsehen sorgte seine Entscheidung, sich die langen Haare, sein bisheriges Markenzeichen, abzurasieren. 2009 gab Agassi allerdings preis, dass es sich zu diesem Zeitpunkt längst nur mehr um ein Haarteil handelte, nachdem er immer mehr Haare verloren hatte. Zu Jahresbeginn nahm er erstmals in seiner Karriere an den Australian Open teil und konnte diese auf Anhieb (im Finale gegen Pete Sampras) gewinnen. Im Saisonverlauf erreichte die Rivalität zwischen Agassi und Sampras ihren Höhepunkt. Bei insgesamt fünf Endspielen trafen die beiden aufeinander, und Agassi konnte drei Spiele für sich entscheiden. Im April 1995 stand er erstmals an der Spitze der Tennisweltrangliste. In Paris und in Wimbledon musste sich Agassi dann zweimal überraschend vorzeitig geschlagen geben.
Rechtzeitig zur amerikanischen Hartplatzsaison nahm das Duell zwischen Agassi und Sampras noch einmal an Intensität zu. Agassi galt als Turnierfavorit beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres, da er seine vier Vorbereitungsturniere auf die US-Meisterschaften gewonnen hatte und mit einer Siegesserie von 20 Spielen bei den US Open antrat. Sampras dagegen hatte nach seinem Turniersieg in Wimbledon nur ein weiteres Finale erreichen können und dieses gegen Agassi in Montreal verloren. Wie von der Öffentlichkeit erhofft, spielten sich Agassi und Sampras relativ problemlos ins Finale der US Open vor. Agassi musste nur in seinem Zweitrundenmatch gegen den Spanier Àlex Corretja über die volle Distanz von fünf Sätzen gehen. In einer engen Partie konnte Sampras schließlich mit 6:4, 6:3, 4:6 und 7:5 triumphieren. Erst im Oktober griff Agassi wieder ins Turniergeschehen ein und verlor im November die Führung in der Weltrangliste wieder an Sampras.
In der Saison 1996 konnte Agassi seinem Landsmann Sampras nicht die erhoffte Konkurrenz bieten. Agassi erreichte im Saisonverlauf zwar bei den Australian Open und US Open jeweils das Halbfinale, musste sich jedoch jeweils Michael Chang geschlagen geben. Mit insgesamt drei Saisontiteln beendete Agassi die Saison auf Platz acht der Weltrangliste. Bei den Olympischen Spielen in Atlanta gelang ihm dann sein größter Saisonerfolg mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille gegen den Spanier Sergi Bruguera.
Absturz und Rückkehr (1997–1999) Die Saison 1997 bildete den Tiefpunkt in Agassis Karriere. Bei den Australian Open, den French Open und in Wimbledon konnte er nach einer erneuten Handgelenkverletzung nicht antreten. In San José hatte er noch das Halbfinale erreicht, danach dauerte es jedoch bis zu den US Open im August, bis er wieder drei Matches in Folge gewinnen konnte. Dazwischen lagen insgesamt sieben Erstrundenniederlagen. Nach dem Aus bei den US Open im Achtelfinale fiel Agassi aus den Top 100 der Weltrangliste und musste im November an zwei Challenger-Turnieren teilnehmen, um sich mit einem Turniersieg und einer Finalteilnahme von Platz 141 wieder langsam nach vorne zu arbeiten.
Ab der Saison 1998 konzentrierte sich Agassi wieder ganz auf seine Tenniskarriere. Er begann mit konsequentem Fitnessprogramm, auch veränderte er nach und nach sein Verhalten auf dem Platz. Damit wurde Agassi in den folgenden Jahren sogar zu einem Vorbild für jüngere Spieler. Die Umstellungen zahlten sich relativ schnell auch sportlich aus. Bereits im Januar 1998 erreichte Agassi wieder ein Halbfinale auf der ATP Tour und das Achtelfinale bei den Australian Open, im Februar gelang ihm in San José wieder ein Turniersieg auf der ATP Tour. Bei den weiteren drei Grand-Slam-Turnieren blieb Agassi zwar der große Erfolg verwehrt, aber mit insgesamt fünf Saisontiteln spielte er sich zurück in die Top Ten der Weltrangliste. Er beendete die Saison auf Platz sechs.
1999 war sein erfolgreichstes Jahr, mit dem er auch Tennisgeschichte schrieb. Im Juni gelang ihm bei seiner dritten Finalteilnahme der erste Sieg bei den French Open. Im Endspiel bezwang er den Ukrainer Andrij Medwedjew, nachdem er bereits mit zwei Sätzen zurückgelegen hatte. Damit war Agassi der insgesamt fünfte Tennisspieler der Geschichte (nach Fred Perry, Don Budge, Rod Laver und Roy Emerson), der alle Grand-Slam-Turniere in seiner Karriere mindestens einmal gewinnen konnte. Zuletzt war dies Rod Laver dreißig Jahre zuvor gelungen. Er war dabei allerdings der erste Spieler, der auf drei verschiedenen Belägen siegreich war. Auch in Wimbledon konnte Agassi das Finale erreichen, in dem er allerdings seinem Dauerrivalen Sampras klar unterlegen war. Dennoch eroberte Agassi mit dem Finaleinzug erneut die Spitzenposition der Weltrangliste, musste diese in der von Sampras dominierten Hartplatzsaison allerdings wieder abgeben.