Der GTW (für Gelenktriebwagen) von Stadler Rail ist ein Triebzug mit einem fest eingereihten zweiachsigen Antriebsmodul für den Schienenpersonennahverkehr. Die GTW der vierten und letzten Generation wurden von 2006 bis 2017 ausgeliefert und erhielten Führerkabinen, die verschärfte Crashnormen erfüllen.
Geschichte mini|links|Ähnliche Diesel-GTW wie Arriva beschaffte Veolia für die Bahnstrecke Nijmegen–Roermond.mini|links|Die sechs im Jahr 2007 gelieferten Diesel-GTW für die amerikanische Capital Metro in Austin erhielten die Wagenkästen der vierten Generation, aber Dieselmotoren von Cummins. 2005 bestellte Arriva für die Bedienung der niederländischen Provinzen Friesland und Groningen 43 zwei- und dreiteilige Diesel-GTW, die in nur 29 Monaten gebaut und geliefert werden mussten. Weil damals in den Niederlanden die verschärften Crashnormen bereits in Kraft waren, mussten die Endwagenkästen mit Führerkabine neu entwickelt werden. Zusätzlich zur Druckfestigkeit von 1500 kN wurde der Wagenkasten auf eine Versagenslast von 3000 kN und das Energieabsorptionsvermögen bei einer Kollision von rund 900 kJ auf 2100 kJ erhöht. Die Frontstruktur und die Seitenwände der Wagenkästen wurden mit den Flirt-Wagenkästen vereinheitlicht, wobei seither eine integrale, komplette geschweißte Bauweise mit Aluminium-Strangpressprofilen zur Anwendung kommt. Damit wird eine höhere Stabilität der Rohbaustruktur erreicht. Zur Vereinfachung der Zulassungen sind die meisten sicherheitsrelevanten Funktionen in Relais-Technik realisiert.
2007/08 erhielt auch Veolia Transport Niederlande zwei- und dreiteilige Diesel-GTW, die weitgehend denen von Arriva entsprechen. Nach den Lieferungen der Diesel-GTW an Arriva und Veolia gewannen beide Unternehmen auch Ausschreibungen für mit 1500 Volt Gleichspannung elektrifizierte Strecken. Die dafür gelieferten GTW sind mit Stromrichtern ausgestattet, die auf Basis der 3-kV-Flirt-Stromrichter entwickelt wurden. Die elektrischen und dieselbetriebenen Züge von Veolia verkehren in gemischter Mehrfachtraktion. Dazu sind alle Züge mit Schaltern sowohl für den Dieselmotorstart als auch für Hauptschalter und Stromabnehmer ausgestattet.
Die 2010/11 an die Graz-Köflacher Bahn, die damaligen Steiermärkischen Landesbahnen (STLB) und an Trenord gelieferten Fahrzeuge sind eine Weiterentwicklung der in die Niederlande gelieferten Fahrzeuge. Sie erfüllen die Anforderungen in Bezug auf die behindertengerechte Gestaltung von Schienenfahrzeugen (TSI PRM). Die Diesel-GTW der STLB können mit deren elektrischen GTW in gemischter Mehrfachtraktion verkehren. Die Wagenkästen der Diesel-GTW wurden im Zweigwerk Siedlce in Polen gefertigt.
Die schmalspurigen Zahnrad-GTW der Transports Publics du Chablais (TPC) und der Transports Montreux–Vevey–Riviera (MVR) erhielten Stirnfronten, die den verschärften Crashnormen entsprechen. Die ersten Schmalspurfahrzeuge von Stadler mit einer solchen Frontpartie sind die Schmalspur-Flirt ABe 4/8 „Diamant“ der BDWM.
Kunden und Betreiber Schweiz mini|Ein Zahnrad-GTW der MVR vor dem Schloss Blonay Transports Montreux–Vevey–Riviera (MVR) ABeh 2/6 7501–7508 (2015–2017)→ zu den Zahnrad-GTW der MVR und der TPC siehe auch Abschnitt Zahnradantrieb im Artikel Stadler GTW Die ABeh 2/6 mit gemischtem Adhäsions- und Zahnradbetrieb verkehren hauptsächlich zwischen Vevey und Les Pléiades, wo sie die kürzeren Be 2/6 mit reinem Adhäsionsantrieb und ältere Fahrzeuge auf dem oberen Streckenabschnitt mit Zahnstange ersetzten. Daneben führen sie Regionalzüge auf dem MOB-Abschnitt Montreux–Les Avants. Namen: 7501 Saint-Légier-La Chiésaz, 7502 Blonay, 7503 Blonay-Chamby, 7504 Vevey Die MVR hatten von 1997 bis 2017 Adhäsions-GTW der ersten Generation in Betrieb.
Transports Publics du Chablais (TPC) Beh 2/6 541–547 (2016) Die TPC ersetzten im Rahmen der Umstellung auf die einheitliche Oberleitungsspannung von 1500 Volt mit den ABeh 2/6 541–547 einen Großteil der Flotte. Die 2016 in Dienst gestellten Zahnrad-GTW verkehren auf der Strecke Aigle–Ollon–Monthey–Champéry, sind aber auch auf den anderen von Aigle ausgehenden Meterspurstrecken einsetzbar. Die Fahrzeuge verfügen über kein Erstklassabteil, sind aber bezüglich Sitz- und Fensterteiler für eine spätere Umrüstung vorbereitet.Jürg D. Lüthard: Zweikraftlokomotiven für TPC, MVR und MOB. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12/2014, S. 643. Namen: 541 Cime de l’Est, 542 La ForteresseFelsgipfel der Dents du Midi, siehe auch Artikel Dents du Midi in der französischsprachigen Wikipedia, 543 La Cathédrale, 544 L’Éperon, 545 La Dent Jaune, 546 Les Doigts, 547 La Haute CimeNouveau matériel roulant AOMC. Caractéristiques techniques. Medienmitteilung der Transports Publics du Chablais (TPC) vom 26. Februar 2016 (PDF; 0,1 MB; französisch).
Deutschland mini|Die Fahrzeuge der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) tragen einen weiß-gelben Anstrich. Hier beim Trilex-Ersatzverkehr für die RE1 in Dresden Hauptbahnhof Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) Baureihe 646 040–045 (2011), GTW 2/6 (mit zwei Dieselmotoren)Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG). Auf Alexanders Privat- und Museumsbahn-Seiten, abgerufen am 20. Dezember 2020 Im Dezember 2011 übernahm die Ostdeutsche Eisenbahn den Betrieb des Streckenabschnitts Rathenow–Brandenburg (Havel) (RB 51) und auf der Bahnstrecke Berlin-Wannsee–Beelitz Stadt–Jüterbog (RB 33). Die Fahrzeuge wurden bis zum 6. Juni 2023 sukzessiv durch Neufahrzeuge der Baureihe Alstom Lint 54 ersetzt und sind nun im ganzen Liniennetz, auf welchen mit Dieselzügen gefahren wird, als Ersatzzüge eingesetzt.www.laenderbahn.com: Einsatz der GTW-Fahrzeuge GTW 2/6 als RE 1 vom 07.09.2026 an
Österreich mini|VT 5063 der Graz-Köflacher Bahn als S61 der S-Bahn Steiermark Graz-Köflacher-Bahn- und Busbetrieb (GKB) VT 5063.001–013 (2010–2011), GTW 2/8 (mit zwei Dieselmotoren) Wegen steigender Fahrgastzahlen und um teilweise nahezu 30 Jahre alte Fahrzeuge zu ersetzen beschaffte die Graz-Köflacher-Bahn 13 dreiteilige GTW.Gelenktriebwagen und Zahnradlokomotiven für Österreich. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4/2009, S. 176–177. mini|ET 4062 003 der Steiermarkbahn in Übelbach Steiermarkbahn und Bus (StB), bis 2018 Steiermärkische Landesbahnen (STLB) VT 5062.001–003 (2010–2011), GTW 2/6 (mit zwei Dieselmotoren) für die Strecke Graz–Gleisdorf–Weiz ET 4062.001–003 (2010–2011), GTW 2/6 (15 kV, 16,7 Hz) für die Strecke Graz–Peggau–Übelbach Für den Einsatz im S-Bahn-Verkehr des Großraums Graz beschafften die Steiermärkischen Landesbahnen drei elektrische und drei dieselelektrische GTW 2/6. Mit Ausnahme von Antrieb und Heizung sind beide Fahrzeugtypen baugleich. Bis zu vier Fahrzeuge können gekuppelt werden, wobei auch ein Mischbetrieb von elektrischen und dieselbetriebenen Zügen möglich ist.Mehr GTW für die Steiermark. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2009, S. 364. Wegen Verzögerungen bei der Zulassung konnten die VT 5062 erst im November 2011 dem Betrieb übergeben werden, was zu Unstimmigkeiten zwischen Hersteller und Kunde führte.Werner Näf: Die normalspurigen GTW der Schweiz. Loki-Spezial Nr. 42. S. 122 Am 6. Mai 2015 stieß beim Eisenbahnunfall von Waldstein der ET 4062.001 frontal mit dem ET 4062.002 zusammen. Zwei Personen wurden getötet und acht verletzt. Stadler kam in die Kritik, weil die horizontal gerippten Puffer bei der Kollision ein Aufklettern des 4062.001 auf den Rahmen des 4062.002 hätten verhindern sollen. Weil dies nicht funktionierte, waren die im Rahmen unter den Führerkabinen eingebauten Stoßverzehrelemente wirkungslos und der Überlebensraum des Triebfahrzeugführers beeinträchtigt.Nachlese zum GTW-Unfall in der Steiermark. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2015, S. 338. Der Hersteller wies nach, dass die verunfallten GTW ihre verschärfte Crashtauglichkeit erfüllt hätten und das Aufklettern auf die hohe Kollisionsgeschwindigkeit von 70 statt den genormten 36 km/h zurückzuführen sei.Alois Starlinger, Benedetto Castelli: Kastenfestigkeit und Kollisionsgeschwindigkeit beim Unfall der STLB. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9/2015, S. 392–594. Der schwer beschädigte ET 4062.002 wurde 2016 von Stadler instand gestellt. Ob der andere GTW auch repariert oder durch ein Neubaufahrzeug ersetzt werden soll, war zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt.STLB-GTW zurück in Österreich. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/2016, S. 481.
Frankreich Panoramique des Dômes, meterspurige Zahnradbahn 1–4 (2011–2012), GTW 2/6 (1500 V Gleichspannung, Fahrleitung)→ siehe auch Abschnitt Zahnradantrieb im Artikel Stadler GTW
Italien mini|Vierteiliger ATR 125 der Trenord in Iseo Sistemi Territoriali (ST) Adria–Mestre–Venezia Santa LuciaMathias Rellstab: Im GTW nach Venezia. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5/2008, S. 243. ATR 126 001–004 (2012), GTW 2/6 zweimotorige Dieseltriebwagen, Halbzüge zu GTW 4/12 gekuppeltMathias Rellstab: Italien-Auftrag für Stadler und Ansaldobreda.. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12/2009, S. 631. Sistemi Territoriali betreibt in Venetien mehrere Bahnlinien. Die GTW von Stadler der dritten Generation verkehren als erste Fahrzeuge im blau-weißen Design im Großraum Venedig. Trenord (TN), ehemals Ferrovie Nord Milano (FNM) ATR 115 001–008 (2011–2012), GTW 2/6 zweimotorige Dieseltriebwagen (Bahnstrecke Brescia–Iseo–Edolo) ATR 125 001–011 (2011–2012), GTW 4/12 viermotorige Dieseltriebwagen (Strecke Mailand–Molteno–Lecco) ATR 125 101–105 (2015), GTW 4/12 viermotorige Dieseltriebwagen ATR 125 106–109 (2017), GTW 4/12 viermotorige Dieseltriebwagen Ferrovie Nord beschaffte 19 dieselelektrische GTW. Der Auftrag war insofern bemerkenswert, als auf der Strecke Brescia–Edolo seit 2009 zwei neue Pesa-Triebwagen im Einsatz standen.Mathias Rellstab: Ferrovienord bestellen GTW. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/2009, S. 519. 2015 wurden weitere fünf GTW 4/12 geliefert.Mathias Rellstab: Weitere GTW für Trenord. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/2015, S. 508. 2016 wurden die ATR 125 101–103 im Depot Cremona stationiert, für die Strecken von Padua nach Vercelli, Alessandria und Codogno. Die ATR 125 104 und 105 kamen nach Iseo, um auf der Strecke Brescia–Edolo die ATR 115 zu unterstützen. Die vier ATR 125 106–109 der neuesten Generation sind mit MAN-Dieselmotoren ausgestattet.Einsatz der neuen Trenord-GTW. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 3/2016, S. 140.
Niederlande mini|Dreiteiliger Arriva-Spurt 10301 bei Charlottenpolder mini|Der erste Spurt im neuen Design für die Provinzen Groningen und Friesland mini|Spurt 10501 bei Probefahrten auf der damals mit 1500 Volt Gleichstrom elektrifizierten Strecke Genève–La Plaine in der Schweiz.P. Morandi: Arriva-GTW auf Probefahrt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4/2008, S. 187. mini|Im Gegensatz zu anderen Arriva-Zügen verkehren die Vechtdallijnen-GTW mit einem blau-weißen Anstrich. mini|Die Ablieferung des 400. GTW am 6. März 2008 durch Stadler Rail nahm Veolia zum Anlass, den Zug mit dem Porträt des Schweizer Freiheitskämpfers Wilhelm Tell zu versehen. mini|Elektrischer Veolia-GTW im Jahr 2009 bei Valkenburg mini|Die Züge 10391 und 10281 im neuen Anstrich von Arriva mini|Breng-GTW 5048 nach der Ankunft von Doetinchem im Bahnhof Arnhem mini|Connexxion GTW 5037 im Sommer 2013 bei Amersfoort
Arriva → 2017 von Veolia übernommene Fahrzeuge siehe Abschnitt Niederlande / Andere Betreiber
Arriva, Heerenveen (Provinzen Groningen und Friesland) 10228–10244, 10247–10251 (2006–2010), GTW 2/6 (zweimotorige Dieseltriebwagen) davon 10228–10230 und 10244 mit Deutschland-Paket (PZB) 10301–10327, 10345–10346 (2006–2010), GTW 2/8 (zweimotorige Dieseltriebwagen) davon 10301–10305, 10345 und 10346 mit Deutschland-Paket Die ins deutsche Leer verkehrenden Fahrzeuge sind zusätzlich zu den Schiebetritten auf 800 mm über SOK auch mit solchen auf 550 mm Höhe ausgestattet, um sowohl deutsche als auch niederländische Bahnsteighöhen komfortabel zu bedienen.