Der GTW (für Gelenktriebwagen) von Stadler Rail ist ein Triebzug mit einem fest eingereihten zweiachsigen Antriebsmodul für den Schienenpersonennahverkehr. Die Innovation der dritten Generation besteht in der geschickten Kombination vorhandener Baugruppen. Die Verwendung von Großserienkomponenten ist kostengünstig und verbessert die Verfügbarkeit der Ersatzteile. Die Fahrwerke entsprechen den Seetal-GTW. Die Masse der Wagenkästen der Fahrgastmodule wurde optimiert und die GFK-Führerstandskabinen vergrößert und fertigungstechnisch vereinfacht, was zu einem leicht rundlicheren Erscheinungsbild führt. Die GTW der dritten Generation wurden von 2002 bis 2013 ausgeliefert.

Geschichte mini|links|Die Diesel-GTW ATR 100 der Süd­tiroler STA benötigen eine hohe Traktionsleistung für die 29 ‰ steile Vinschgaubahn. mini|Vierteiliger Diesel-GTW der Sistemi Territoriali in Norditalien mit fast 250 Sitzplätzen, bestehend aus zwei dauernd gekuppelten GTW 2/6 mini|links|Mit den fünf Fahrzeugen der Mont­serrat-Bahn in Katalonien wurde erst­mals ein GTW mit kombinierten Zahn­rad- und Adhäsionsantrieb gebaut. mini|Die beiden wegen ihres auffälligen gelben Anstrichs Canari (Kanarien­vogel) genannten Meterspur-GTW der SNCF verkehren auf der Ligne de Cerdagne. Um von Konkurrenten unabhängiger zu werden, löste Stadler die bisherige Zusammenarbeit mit dem Mitbewerber Adtranz auf und bezog seither die Traktions- und Leittechnik von ABB. Die vom Regionalverkehr Mittelland und von Thurbo bestellten dreiteiligen GTW forderten auch beim elektrischen Mittelteil eine Steigerung auf 800 kW Dauerleistung, wozu ABB neue leistungsfähige Traktionsumrichter entwickelte. Die im Vergleich zu bisherigen Stromrichtern geringere Zwischenkreis­spannung von 740 Volt führt zu niedrigeren Schaltverlusten und einer Reduktion des Energieverbrauchs. Zwei unabhängige Antriebsstränge verhindern einen Totalausfall des Fahrzeugs bei einer Störung. Damit Thurbo ihre GTW grenzüberschreitend nach Deutschland einsetzen kann, erhielten sie nebst der Schweizer auch eine Deutschland-Zulassung.

Die Südtiroler Transportstrukturen (STA) erhielten als erster Kunde Diesel-GTW der dritten Generation, die mit zwei Dieselmotoren mit 380 kW Leistung statt des bisher einzigen 550-kW-Motors ausgestattet waren.Weitere GTW-Exporte. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4/2002, S. 193. Die Vorteile dieses Konzepts sind eine bessere Beschleunigung, eine von 120 auf 140 km/h heraufgesetzte Höchstgeschwindigkeit und wegen des doppelten Antriebsstrangs eine höhere Verfügbarkeit. Erstmals bei einem Triebfahrzeug wurden Asynchrongeneratoren serienmäßig eingesetzt. Gegenüber den bisher üblichen Synchrongeneratoren sind sie kompakter, wesentlich leichter und preiswerter. Den italienischen Vorschriften entsprechend wurden die Südtiroler GTW mit einem Führerstand für zweimännige Besetzung und mit Materialien ausgestattet, die bei einem Brand keine für Menschen schädlichen Gase freisetzen. Das widerspricht der in Mitteleuropa üblichen DIN-Norm, gemäß denen entzündbare Materialien selbstlöschend sein müssen. Sie setzen bei einem Brand Gase frei, die das Feuer ersticken. Die Dieseltriebzüge der STA verkehren seit 2004 auf der topografisch anspruchsvollen Vinschgaubahn.Helmut Petrovitsch, Walter von Andrian: Reaktivierung der Vinschger Bahn Meran – Mals. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12/2003, S. 567–569. Mit der Zulassung des GTW in Italien erhielten kleinere Bahnunternehmungen eine Alternative zum dreiteiligen Alstom Minuetto, was Stadler von der Bahngesellschaft Sistemi Territoriali weitere Aufträge bescherte. Deren vierteiligen GTW bestehen aus zwei dauernd in Doppeltraktion verkehrenden Halbzügen GTW 2/6 mit jeweils nur einem Führerstand.

Zwei auf den Meterspur-GTW der zweiten Generation basierende Fahrzeuge wurden 2004 an die SNCF für deren Ligne de Cerdagne geliefert. Die bis zu 60 ‰ steilen Rampen der auch als „Pyrenäenmetro“ bekannten Meterspurstrecke werden ohne Zahnrad überwunden. Die Triebwagen sind ähnlich aufgebaut wie die Zahnrad-GTW der Montserrat-Bahn auf der katalanischen Seite der Pyrenäen, aber kürzer. Die Traktionsspannung von 850 V Gleichspannung wird über seitliche, von oben bestrichene Stromschienen zugeführt, was zu Anpassungen beim Drehgestell und im Untergestellbereich führte.

Kunden und Betreiber Schweiz mini|GTW 2/6 in Rorschach Thurbo RABe 526 701–751 (2003–2005), GTW 2/6 (EVN 94 85 7 526 7xx-x), 720–751 mit Zulassung in Deutschland RABe 526 752–780 (2005–2007), GTW 2/8 (EVN 94 85 7 526 7xx-x) RABe 526 781–790 (2008, Umbau/Verlängerung aus 526 709–718), GTW 2/8 (EVN 94 85 7 526 7xx-x) RABe 526 791–805 (2012–2013), GTW 2/8 (EVN 94 85 7 526 xxx-x) Die SBB-Tochter Thurbo ist im Regionalverkehr in der Ostschweiz tätig. Ihr Fahrzeugpark besteht ausschließlich aus GTW und vier dazu passenden Steuerwagen. Bei der Nachbestellung der zwölf RABe 526 791–802 der dritten Generation im Jahr 2010 für die S-Bahn St. Gallen wurde Thurbo kritisiert, dass Fahrzeuge beschafft werden, die in verschiedener Hinsicht nicht mehr dem neusten technischen Stand entsprechen. Vorteilhaft ist eine einheitliche Flotte für den Unterhalt und die Ersatzteillagerung. Für den Betrieb der neu elektrifizierten Strecke Schaffhausen–Erzingen der S-Bahn Schaffhausen bestellte Thurbo mit den RABe 526 803–805 drei weitere Züge.Drei zusätzliche Thurbo-GTW für Verkehr Schaffhausen–Erzingen. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5/2013, S. 210. Zwei Thurbo-GTW waren am 10. Januar 2013 am Eisenbahnunfall von Neuhausen am Rheinfall beteiligt. Der stark beschädigte RABe 526 750 erhielt einen neuen Wagenkasten.Christian Frauenknecht: Unfall-GTW fährt wieder. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4/2014, S. 166. Für den Betrieb der Strecke Bülach–Koblenz–Waldshut kaufte Thurbo zwei Seetal-GTW von den SBB. Trotz der Übernahme werden sie weiterhin im Pool mit den beim Mutterhaus verbleibenden Fahrzeugen eingesetzt. Bis 2034 ersetzt Thurbo die GTW durch 107 Flirt Evo von Stadler. 93 der gebrauchten GTW werden von Stadler übernommen, für den Betrieb mit 25 kV modernisiert und an die ungarische Staatsbahn MAV verkauft. Namen:701-8 Kanton Thurgau, 702-6 Frauenfeld, 703-4 Kanton St. Gallen, 705-9 Säntis-Express, ehemals 706-7 Spieleland-Express (heute 720-8 ohne Name), 706-7 (ehemals 720-8) Simone Niggli, 707-5 Top-Blitz, 708-3 Steinach, 722-4 Märwil, 724-0 Conny-Land-Express, 726-5 Rorschach/Rorschacherberg, 727-3 Napoleon III.,Der spätere französische Kaiser Napoleon III. lebte von 1818 bis zum Tod seiner Mutter Hortense de Beauharnais im Jahr 1837 im Schloss Arenenberg. 728-1 Läufelfingerli,Die Züge des lokalen Personenverkehrs auf der alten Hauensteinstrecke werden umgangssprachlich als Läufelfingerli bezeichnet. Der Name leitet sich ab von der an der alten Hauensteinstrecke liegenden Gemeinde Läufelfingen ab. 729-9 Kanton Aargau, 730-7 Wil, 731-5 Waldshut-Tiengen, 735-6 Rümikon, 742-2 Flawil, 744-8 früher Säntis-Express, 745-5 Stein am Rhein, 746-3 Sirnach, 747-1 Elgg, 748-9 Elsau, 749-7 Neunkirch, 750-5 Zürcher Weinland752-1 Steckborn, 755-4 Rheinfall, 757-0 St. Galler Rheintal, 758-8 Sargans, 760-4 myblueplanetBürgerbewegung gegen den Klimawandel in Winterthur, 761-2 Untersee und Rhein, 767-9 Kreuzlingen, 769-5 Maienfeld, 770-3 Bazenheid, 771-1 Kanton Luzern, 773-7 thurgau-bodensee.ch,Tourismusorganisation für den Kanton Thurgau mit Sitz in Amriswil 776-0 Insel Mainau, 777-8 Turbenthal, 779-4 Sympany, 780-2 Bussnang, 781-0 Kanton Schaffhausen, 782-8 Altstätten, 783-6 Bodensee, 785-1 Gemeinde Eschlikon, 786-9 Zurzach, 787-7 Barockes Bischofszell, 788-5 Romanshorn, 789-3 Aadorf, 790-1 Zihlschlacht-Sitterdorf, 791-9 Spieleland-Express, 792-7 Euregio Bodensee, 794-3 Chur, 795-0 Leila Lawrizy, seit 2017 Nick SchärGewinnerin und Gewinner des Malwettbewerbs einer Thurbo-Werbekampagne, 800-8 100. Thurbo-GTW Auf der Website von Thurbo, abgerufen am 23. Juni 2018 (PDF; 70 kB) Thurbo betreibt auch GTW der ersten und zweiten Generation.

mini|Der SBB RABe 526 265 trug bis zur Übernahme durch Thurbo noch den roten Anstrich des Regionalver­kehrs Mittelland (RM) BLS AG, ehemals Regionalverkehr Mittelland (RM), 2013 verkauft an SBB und 2018 weiter an Thurbo RABe 526 260–265 (2003), GTW 2/6, ab 2009/10 GTW 2/8 RABe 526 280–286 (2004), GTW 2/8 (EVN 94 85 0 526 2xx-x) Die durch die Fusion des Regionalverkehrs Mittelland mit der BLS Lötschbergbahn zu der BLS AG gekommenen GTW waren ein Fremdkörper in der Flotte der neuen Bahngesellschaft. Die BLS AG ließ die sechs zweiteiligen Züge um ein Modul verlängern, um eine einheitliche Serie zu erhalten. Sie behielten ihren bisherigen roten Anstrich, da im Rahmen der Flottenbereinigung ein Käufer gesucht wurde.Mathias Rellstab: BLS investiert in die S-Bahn-Flotte. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5/2009, S. 242–243. Die 13 nun dreiteiligen Fahrzeuge wurden durch Nina ersetzt und 2013 an die SBB verkauft, die die Züge für die mit Flügelzugkonzept betriebene Biel–Sonceboz–La Chaux-de-Fonds/Moutier benötigten.Mathias Rellstab: SBB übernehmen BLS-GTW – aber erst 2013. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12/2009, S. 10. 2018 übernahm die SBB-Tochter Thurbo die GTW vom Mutterkonzern, da sie in einigen Jahren die an ihr Einsatzende gekommenen RABe 526 680–689 ersetzen muss. Bis dahin werden die Züge an die SBB rückvermietet und revidiert.Thurbo übernimmt SBB-GTW – und vermietet sie zurück an die SBB. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1/2018, S. 10. ehemalige Namen (wurden teilweise bei der Übernahme durch die SBB entfernt, teilweise erst mit der Neulackierung):260-5 Luzerner Hinterland, 261-3 Gotthelf, 262-1 Weissenstein, 263-9 Emme, 264-7 Napf, 265-4 Wankdorf280-3 Aare, 281-1 Pierre-Pertuis, 282-9 Oberaargau, 283-7 Willisau

Frankreich Ligne de Cerdagne, Meterspur, Z 151–152 (2004), GTW 2/6 (850 V Gleichspannung über eine seitliche, von oben bestrichene Stromschiene)→ siehe auch Abschnitt Geschichte

Italien mini|2010 wurde ein Südtiroler GTW von einer Mure erfasst. mini|Das Design der FUC-GTW setzt die Tradition der Vorgängergesellschaft Società Veneta fort. mini|ATR 120 der Sistemi Territoriali Südtiroler Transportstrukturen (STA) Vinschgaubahn ATR 100 001–012 (2004–2006), GTW 2/6 zweimotorige Dieseltriebwagen Die Autonome Provinz Bozen reaktivierte 2004 die Vinschgaubahn, deren Betrieb 1991 von den Italienischen Staatsbahnen FS aufgegeben wurde. Neben Investitionen in die Infrastruktur waren auch neue Fahrzeuge notwendig. Bis dahin war es in Italien üblich, Rollmaterial bei einheimischen Herstellern zu beschaffen.Weitere GTW-Exporte In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4/2002, S. 193. → siehe auch Abschnitt Geschichte Am 12. April 2010 wurde ein GTW der Vinschgerbahn zwischen Latsch und Kastelbell von einer 400 Kubikmeter umfassenden, einer undichten Bewässerungsleitung ausgelösten Schlammlawine erfasst und aus dem Gleis gedrückt. Das Geröll drang auch in das Innere der Wagen. Neun Menschen starben, 28 wurden verletzt.Schweres Zugunglück im Vinschgau. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5/2010, S. 246–247. Vier Jahre später war der schwer beschädigte Zug von der italienischen Staatsanwaltschaft immer noch beschlagnahmtProbleme mit Vinschgau-GTW In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9/2014, S. 416. und musste später ausgemustert werden. Sistemi Territoriali (ST) Adria–Mestre–Venezia Santa LuciaMathias Rellstab: Im GTW nach Venezia. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5/2008, S. 243. ATR 110 201–202 (2006), GTW 2/6 zweimotorige Dieseltriebwagen ATR 120 401–404 (2006), GTW 2/6 zweimotorige Dieseltriebwagen, Halbzüge zu GTW 4/12 gekuppelt Sistemi Territoriali betreibt in Venetien mehrere Bahnlinien. Die GTW von Stadler verkehren als erste Fahrzeuge im blau-weißen Design im Großraum Venedig. Sistemi Territoriali beschaffte auch GTW der vierten Generation. Ferrovie Udine–Cividale (FUC) ATR 110 001–002 (2006), GTW 2/6 zweimotorige Dieseltriebwagen