Der GTW (für Gelenktriebwagen) von Stadler Rail ist ein Triebzug mit einem fest eingereihten zweiachsigen Antriebsmodul für den Schienenpersonennahverkehr. Nachdem die SLM im Jahr 1996 die Entwicklung eines eigenen Low-Cost-Triebwagens bekannt gegeben hatte, kündigte Stadler die Zusammenarbeit und die Fahrwerke wurden von Fiat-SIG bezogen. Gleichzeitig wurde das Konzept des dreiteiligen GTW vorgestellt.Walter von Andrian: Neue GTW-Varianten. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12/1996, S. 514. Die GTW der zweiten Generation wurden von 2001 bis 2005 ausgeliefert.
Geschichte mini|links|Die Meterspur-GTW der CJ und der YSteC erhielten wie die von den GTW abgeleiteten MGB BDSeh 4/8 Stirnfronten mit abgerundeten Ecksäulen.
Die Meterspur-GTW für die Elektrische Tatrabahn in der Slowakei, die Chemins de fer du Jura (CJ) und die Chemin de fer Yverdon–Ste-Croix (YSteC) in der Westschweiz bilden eine Serie von 20 Fahrzeugen. Der Mittelteil der mit 15 000 Volt bei 16,7 Hz betriebenen YStC lehnt sich an den Normalspur-GTW der Mittelthurgaubahn an, die Gleichstromvariante der beiden anderen Bahnen basiert auf den Meterspurfahrzeugen der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI). Die GTW für die Slowakei erhielten eine Stirnfront wie die BTI-Triebwagen, die für die Schweiz bestimmten GTW bekamen eine neue, weniger eckig wirkende Front.Theo Stolz: Gelenktriebwagen für Chemins de fer du Jura in Ablieferung. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 6/2001, S. 277.
mini|links|Vor den Olympischen Spielen 2004 beschafften die Griechischen Eisenbahnen 17 normal- und 12 meterspurige (Bild) Diesel-GTW. Bei der abschnittweise als normalspurige Straßenbahn konzipierten Seetalbahn wurden Leitplanken zwischen Straße und Bahngleis installiert, um die Sicherheit des Straßenverkehrs zu verbessern. Seither können nur noch Fahrzeuge mit einer Breite von 2,65 statt wie üblich 3,00 Metern verkehren und die SBB beschafften 17 Schmaltriebwagen RABe 520, die erstmals als dreiteilige GTW ausgeführt wurden. Obwohl die Schmaltriebwagen auch auf Strecken mit Normalprofil zum Einsatz kommen,Die RABe 520 verkehren zusätzlich zur Seetalbahn auch auf anderen ab Lenzburg oder Luzern ausgehenden Linien und kamen dadurch auch auf den Strecken Lenzburg–Suhr–Zofingen, Lenzburg–Brugg und Lenzburg–Rotkreuz und bis zur teilweisen Streckenstilllegung per Fahrplanwechsel 2004 zwischen Aarau und Wettingen zum Einsatz.Seit dem Fahrplanwechsel 2016 trifft man sie auf den Strecken Luzern–Lenzburg (S9), Luzern–Hochdorf (S99) (Zusatzzüge) sowie vereinzelt zwischen Luzern und Brunnen (S3) und von Lenzburg nach Zofingen (S28) an. beträgt die Kastenfestigkeit nur 1200 statt wie bei Normalspurfahrzeugen üblich 1500 kN. Die wegen des schmalen Lichtraumprofils enge Bestuhlung ist besonders für die Reisenden der ersten Klasse nicht attraktiv.Walter von Andrian: Gelenktriebwagen RABe 520 für die Seetal-Linie vogestellt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4/2002, S. 190–192. Die für die schmalen Seetal-GTW erstmals eingebaute Führerkabine aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) wurde in fast allen Stadler-Fahrzeugen verwendet und entwickelte sich zu einem Erkennungs- und Markenzeichen des Schweizer Herstellers.Theo Weiss: Stadler – Von der Stollenlokomotive zum Doppelstockzug. S. 113 Damit die RABe 520 trotz der 37 ‰ Steigung der Seetalbahn und des dritten Fahrgastmoduls den Fahrplan einhalten können, erhielten sie eine Übersetzung mit einer höheren Zugkraft und einer verringerten Höchstgeschwindigkeit. Außerdem kommen neu entwickelte Laufwerke zum Einsatz, die von Stadler selbst gebaut wurden. Zwei in der Drehgestellmitte angeordnete Luftfedern dienen als Sekundärfederung, nehmen die Ausdrehbewegungen bei Gleisbogenlauf auf und können auch die Notlauffederung im Betrieb ohne Luft übernehmen.
Die Seetal-GTW waren der letzte Auftrag, den Stadler zusammen mit Adtranz ausführte.Theo Weiss: Stadler – Von der Stollenlokomotive zum Doppelstockzug. S. 77 Von der ersten und zweiten Generation konnte Stadler 246 GTW verkaufen.Sven Klein: Die neue Generation der Diesel-Gelenktriebwagen GTW 2/6. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5/2004, S. 215–218. Nach dem Verkauf von Adtranz an Bombardier im Jahr 2000 übernahm Stadler Rail die alleinige Verantwortung für den Bau der GTW. Die Umstrukturierung der Industrie führte zu Nachteilen bei den Bahnunternehmungen, da fast alle Ansprechpersonen wechselten.Theo Stolz: Meterspurige Gelenktriebwagen für den Jura und die Hohe Tatra. In: Schweizer Eisenbahn-Revue, Nr. 5/2002. S. 230–238.
Kunden und Betreiber
Schweiz Normalspur mini|Ein Schmalprofil-GTW RABe 520 der SBB auf der einer Straßenbahn ähnelnden Seetalbahn Schweizerische Bundesbahnen (SBB) Seetalbahn
RABe 520 000–016 (2003), GTW 2/8 (EVN 94 85 0 520 0xx-x) Die eigens für die Seetalbahn Lenzburg–Luzern beschafften RABe 520 weichen mit dem schmalen Wagenkasten, der doppelten Anzahl Türen und der für die Perronhöhe der Seetalbahn angepassten Einstiegshöhe von nur 35 statt 55 cm von der Standardausführung ab. Der enge Hüllraum unter den schmalen Wagenkästen führt jedoch zu einem harten Wagenlauf. Die engen Sitze in den schmalen Fahrzeugen und der kurze Sitzteiler von nur 1650 mm in der ersten Klasse tragen zusätzlich zum mäßigen Reisekomfort bei.Walter von Andrian: SBB modernisieren Seetalbahn-GTW für die Restlebensdauer. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 4/2019, S. 214–217. Die großzügige Reserve von Exemplaren erlaubt es den SBB, die Züge auch abseits ihrer Stammstrecke einzusetzen. Bis 2020/2021 werden die RABe 520 nach der Hälfte der Nutzungsdauer einer größeren Revision unterzogen. Vorgesehen sind u. a. eine Korrosionsbehandlung der Aluminiumfahrzeuge, eine Neulackierung und ein neues Fahrgastinformationssystem. Zudem wird im mittleren Fahrgastmodul bei einer der beiden Türen der Einstieg auf 550 mm erhöht, damit Rollstuhlfahrer auch an Standardbahnsteigen ohne fremde Hilfe ein- und aussteigen können. Dazu werden die beiden Einstiege im Wageninnern durch eine zweiteilige Rampe verbunden.Matthias Rellstab: SBB planen Umbau der Seetal-GTW. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2017. S. 318 Anfang November 2018 konnte der erste umgebaute und neu lackierte RABe 520 008 auf Probefahrten zwischen Olten und Sursee beobachtet werden.Martin Gut: Neues in Kürze. In: Eisenbahn Amateur. Nr. 12/2018. S. 545 Namen:000-1 Seon, 001-9 Beinwil am See, 002-7 Hochdorf, 003-5 Emmen, 004-3 Mosen, 005-0 Eschenbach, 006-8 Hitzkirch, 007-6 Boniswil, 008-4 Stadt Luzern, 009-2 Schloss Heidegg, 010-0 Staufen, 011-8 Ballwil, 012-6 Hallwil, 013-4 Lenzburg, 014-2 Gelfingen, 015-9 Ermensee, 016-7 Birrwil
Thurbo (Übernahme von den SBB) RABe 520 000 und 016 (zwei Fahrzeuge, 2003) von SBB übernommen Das betriebliche Rückgrat von Thurbo bilden die GTW der dritten Generation. Für den Betrieb der Strecke Bülach–Koblenz–Waldshut kaufte Thurbo zwei Seetal-GTW von den SBB. Trotz der Übernahme werden sie weiterhin im Pool mit den beim Mutterhaus verbleibenden Fahrzeugen eingesetzt.Fabian Scheeder: Refit für Seetal-GTW und Verkauf zweier Züge an Thurbo. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2018, S. 348. Sie sind erkennbar an der Halteranschrift CH-THB.
Schmalspur mini|Chemins de fer du Jura (CJ)
Travys, ehemals Chemin de fer Yverdon–Ste-Croix (YSteC) ABe 2/6 2000–2001 (2001) 20016/17 erhielt der Be 2/6 2000 anlässlich einer Revision ein ErstklassabteilMathias Rellstab: TRAVYS-GTW zur Revision. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11/2016, S.542. und einen neuen Anstrich.Fabian Scheeder: TRAVYS-GTW revidiert. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 2/2017, S.64. Namen: 2000 L’Arnon, 2001 La Thièle Chemins de fer du Jura (CJ) ABe 2/6 631–634 (2001) Am 16. Dezember 2012 kollidierte der ABe 2/6 631 zwischen Orange und Tramelan-Dessous nach einem Sturm mit einem großen, auf das Gleis gestürzten Baumwipfel. Der Triebwagen entgleiste und fuhr ein steiles Waldstück hinunter. Nach der anspruchsvollen BergungTheo Stolz: Anspruchsvolle Bergung eines entgleisten CJ-Zuges. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 2/2012, S.110–111. wurde der Zug in der RhB-Werkstätte Landquart repariert.Theo Stolz: Unfall-GTW fährt bereits wieder. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2012, S.330. Namen: 631 Pouillerel, 632 Mont Soleil, 633 La Gruère, 634 Le Tabeillon
Griechenland mini|Normalspuriger GTW von Proastiakos im Bahnhof Thessaloniki
Organismos Sidirodromon Ellados (OSE), Peloponnesbahn 4501–4512 (2003–2004), GTW 2/6 (Meterspur) Organismos Sidirodromon Ellados (OSE) 560 101–117/901–917/201–217 (2004), GTW 2/6 (Normalspur) Die OSE bestellten 1999 normal- und meterspurige Dieseltriebwagen. Während die Normalspurfahrzeuge den Mehrverkehr der Olympischen Sommerspiele im Großraum Athen bewältigen sollten, bestand für die Schmalspurzüge kein Einsatzkonzept. Die Peloponnes-Bahn war wegen schlechten Gleiszustands teilweise außer Betrieb.Hans-Bernhard Schönborn: GTW 2/6 für die Griechischen Staatsbahnen OSE. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11/2002, S. 524. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Verantwortlichen bei der OSE für den Kauf der Meterspur-GTW. Sie sind für die Gleise und Brücken zu schwer, obwohl durch diverse Anpassungen die Masse verringert wurde. Die Toilette fehlt und die Treibstofftanks sind nur halb so groß wie bei den normalspurigen GTW.Griechenland: Ermittlungen wegen GTW-Kauf. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11/2005, S. 540. 2006 waren sie ohne technische Veränderung in Betrieb. Weil keine stehenden Fahrgäste mitgenommen werden dürfen, verkehren sie oft in Doppeltraktion.Hans-Bernhard Schönborn: Schmalspur-GTW im Fernverkehr. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1/2007, S. 39. Am 12. Juli 2007 wurden bei einer Frontalkollision eines Güterzuges mit dem GTW 560 103/903/203 am Stadtrand von Athen 53 Fahrgäste leicht verletzt.Hans-Bernhard Schönborn: OSE-GTW bei Kollision beschädigt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/2007, S. 497.
Slowakei mini|Diesel-GTW 840.005 in Tatranská Lomnica
Železničná spoločnosť Slovensko (ŽSSK), Elektrische Tatrabahn, Meterspur 425.951–964 (2001–2002), GTW 2/6 (1500 V =), Lizenzbau bei ŽOS Vrútky (EVN 94 56 0 425 9xx-x) 425.965 (2005), GTW 2/6 (1500 V =), gebaut bei ŽOS Vrútky Im Zusammenhang mit der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2006 bestellten die damaligen Eisenbahnen der Slowakischen Republik (ŽSR) neue Triebwagen für die in der Hohen Tatra gelegene Elektrische Tatrabahn (TEŽ). Die ab 2000 gelieferten Meterspur-GTW lösten innerhalb kürzester Zeit die überalterten Triebwagen der Baureihe 420.95 ab.
2018 bestellen ŽSSK GTW der vierten Generation mit gemischten Adhäsions- und Zahnradbetrieb. mini|Die Diesel-GTW für New Jersey Transit mussten den US-amerikanischen Vorschriften entsprechend im Frontbereich verstärkt werden. Zwei der Züge wurden mit einer An-124 in die USA geflogen.Hans-Jürgen Barteld, Walter von Andrian: Gelenktriebwagen GTW 2/6 auf den Luftweg in die USA geliefert. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/2002, S. 471. Železničná spoločnosť Slovensko (ŽSSK), Normalspur ŽSSK 840.001–006 (2002–2003), GTW 2/6; Dieseltriebwagen (EVN 95 56 7 840 00x-x) Wegen der guten Zusammenarbeit erhielt Stadler einen weiteren Auftrag für die dieselgetriebene Reihe 840. Der Bau der Endwagen erfolgte bei ŽOS Vrútky.Werner Näf: Die normalspurigen GTW der Schweiz. Loki-Spezial Nr. 127. S. 37 Im Jahr 2006 wurden die Diesel-GTW von Zvolen nach Poprad umstationiert.M. Dujnič: Diesel-GTW nach Poprad. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12/2006, S. 619.
USA New Jersey Transit, River Line (Camden–Trenton) 3501–3520 (2002–2003), GTW 2/6 (Dieseltriebwagen)