Der GTW (für Gelenktriebwagen) von Stadler Rail ist ein Triebzug mit einem fest eingereihten zweiachsigen Antriebsmodul für den Schienenpersonennahverkehr. Die GTW der ersten Generation wurden von 1995 bis 2007 ausgeliefert.

Die GTW 2/6 mit dieselelektrischem Antrieb werden von der Deutschen Bahn als Baureihe 646 geführt.

Geschichte Elektrische Meterspur-GTW der BTI und CEV mini|links|Die vier GTW der Chemins de fer électriques Veveysans (CEV) wurden zusammen mit den sieben Fahrzeugen der BTI bestellt. Die Initiative zur Entwicklung des Gelenktriebwagens GTW 2/6 ging von der Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI) und den Chemins de fer électriques Veveysans (CEV) aus. Die beiden Schweizer Meterspurbahnen wollten neue Fahrzeuge beschaffen, aber das zunächst von den Ateliers de constructions mécaniques de Vevey (ACMV) und Schindler Waggon angebotene Fahrzeugkonzept sprengte den finanziellen Rahmen der beiden Bahnunternehmungen. Das Pflichtenheft forderte kostengünstige und leichte Fahrzeuge mit mindestens 60 Prozent Niederfluranteil. Auf Traktionsausrüstungen auf dem Dach sollte verzichtet werden, um den Umbau der bestehenden Werkstätten zu vermeiden. Stadler entwickelte daraufhin einen Triebzug, in dem die Antriebselemente in einem zweiachsigen Antriebsmodul zusammengefasst wurden. Für den Aus- und Einbau der Komponenten im Antriebsmodul genügt ein Gabelstapler. Um Energie zu sparen und die Betriebskosten niedrig zu halten, wurde in Zusammenarbeit mit Alusuisse auf Basis der Kofferkuliwagen der Brig-Visp-Zermatt-Bahn (BVZ) ein möglichst leichter Wagenkasten mit geschraubten Seitenwänden entwickelt. An diesen Fahrzeugen lässt sich leicht das Prinzip der modularen Fahrzeugentwicklung von Stadler erkennen. Sie sind im Prinzip baugleich, aber jeder Kunde hat seine Besonderheiten, z. B. bezüglich Fahrzeuglänge, Führerstände oder Kupplungseinrichtung. 1997/98 wurden die Be 2/6 501–507 der BTI und die Be 2/6 7001–7004 der CEV dem Betrieb übergeben.

Dieselelektrische GTW mini|links|Der Triebwagen der OC weckte Interesse in Deutsch­land

1990 lieferte Stadler den zweiachsigen Elektrotriebwagen Be 2/2 14 an die normalspurige Orbe-Chavornay-Bahn (OC). Das Fahrzeug weckte Interesse in Deutschland. Im Rahmen eines Konsortiums mit Alusuisse, SLM, AEG und DWA Bautzen übernahm Stadler die Federführung für die Entwicklung des Dieseltriebzugs GTW 2/6. Das Konzept des dieselelektrischen GTW entspricht weitgehend dem elektrischen. Zudem waren die Wagenkästen des Meterspur-GTW von Beginn weg für die höheren Achslasten der Normalspur ausgelegt worden und mussten für den Diesel-GTW nicht grundlegend neu konstruiert werden.

Im Herbst 1995 wurde der Prototyp in Normalspur in Leipzig präsentiert, im April 1996 Probefahrten bei der Mittelthurgaubahn (MThB) in der Schweiz unternommen und im Mai/Juni Vorführfahrten in Österreich, Slowenien und Tschechien. Trotz des Widerstands des deutschen Eisenbahn-BundesamtsWerner Näf: Die normalspurigen GTW der Schweiz. Loki-Spezial Nr. 42. S. 121 konnte die MThB ab dem 8. September 1996 den Prototyp zusammen mit zwei nachbestellten Dieseltriebzügen auf der deutschen Nebenstrecke Radolfzell–Stockach einsetzen. Bei der DB-Ausschreibung war das Konsortium zunächst nicht erfolgreich.

Elektrische Normalspur-GTW mini|links|GTW der Mittelthurgaubahn (MThB) in St. Gallen. Die erste Generation der GTW sind an den kantigen Fronten erkennbar. mini|Steuerwagen der MThB-Nachfol­ge­rin Thurbo, abgesehen vom Aufkleber noch im MThB-Design. Der nachfolgende GTW trägt bereits den Anstrich von Thurbo. Als die Mittelthurgaubahn (MThB) die Ausschreibung für die Seelinie Schaffhausen–Romanshorn gewonnen hatte, bestellte sie im Herbst 1996 zehn elektrische GTW RABe 2/6 für 15'000 Volt Wechselstrom. Die Triebzüge sollten gleich groß wie eine zweiteilige NPZ-Komposition sein, aber nur halb so schwer und als wichtigstes Kriterium nur halb so teuer. Zudem war der grenzüberschreitende Einsatz in der Schweiz und in Deutschland verlangt. Die preisgünstigen Fahrzeuge sind für eine Lebensdauer von 25 Jahren ausgelegt. Früher erreichten Fahrzeuge ein Alter von 40 und mehr Jahren – mit einer kostenaufwendigen Modernisation in der Mitte der Nutzungsdauer. Ab November 1998 standen die ersten zwei Züge im fahrplanmäßigen Einsatz. Die kantigen Fahrzeuge erhielten den Übernamen „Blumenkistli“. Ab Herbst 1999 nahm die MThB zu den GTW passende Steuerwagen in Betrieb, weil die Fahrgastzahlen laufend stiegen. 2021 wurden alle GTW der 1. Generation ausrangiert und anschließend abgebrochen, mit Ausnahme des 526 683, welcher vom Verein MThB-NPZ übernommen wurde und „historisch“ aufgearbeitet werden soll.

mini|GTW der Hessischen Landesbahn mit eleganter Kunststoff-Stirnfront. Die Linzer Lokalbahn (LILO) beschaffte in zwei Serien acht und sechs GTW, die weitgehend den Zügen der MThB entsprechen. Sie verfügen jedoch über eine Zweisystemausrüstung für 750 V Gleich- und 15 kV Wechselspannung, um die Verbindung über den Streckenabschnitt der ÖBB zum Bahnhof Linz zu ermöglichen. Die ersten acht Züge stehen seit 2000 in Betrieb, die zweite Serie folgte 2005.

Weitere Entwicklungen Nachdem die Hessische Landesbahn (HLB) dreißig Triebwagen geordert hatte, bestellte im Jahr 1999 auch DB Regio 14 und im Folgejahr nochmals 30 Stück. Diesem schloss sich die DB-Tochter Usedomer Bäderbahn mit 14 und später 9 Exemplaren an. Diese deutschen Aufträge wurden von den Konsortialpartnern AEG und DWA Bautzen abgewickelt. Diese Fahrzeuge haben Stirnfronten aus glasfaserverstärktem Kunststoff.Walter von Andrian, Rüdiger Block: Erste Nahverkehrstriebwagen GTW 2/6 für Deutschland vorgestellt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1–2/1999, S. 38–39. Sie erlauben ein schwungvolleres Design, sind aber an bestimmte Kastenbreiten gebunden, weil neue Gussformen erhebliche Zusatzkosten verursachen würden.

Kunden und Betreiber Schweiz Normalspur mini|RABe 526.6 in Kreuzlingen Thurbo, ehemals Mittelthurgaubahn (MThB) Bm 596 671–673 (1995), GTW 2/6 DMU (Seehäsle) Prototypen-Serie; von SBB GmbH übernommen, 2007 der Ferrovie del Sud Est (FSE) verkauft RABe 526 680–689 (1996), GTW 2/6 Seelinie Name: 682-0 Amriswil Das betriebliche Rückgrat von Thurbo bilden die GTW der dritten Generation.

Meterspur mini|Kreuzung zweier GTW-Komposi­tionen der ASm auf der Strecke Biel–Täuffelen–Ins Aare Seeland mobil (ASm), ehemals Biel-Täuffelen-Ins-Bahn (BTI) Be 2/6 501–507 (1997) Be 2/6 509–510 (2007) Be 2/6 511–513 (ehemals CEV Be 2/6 7001–7003) Seit 1997 wird die Strecke Biel–Täuffelen–Ins vollständig mit GTW betrieben, die eine Steigerung der Höchstgeschwindigkeit von 65 auf 80 km/h erlaubten. Die Qualitätsverbesserungen führten zu einem Frequenzzuwachs von jährlich 3 bis 4 %.Daniel Fankhauser: Rollmaterialbeschaffung der Aare Seeland mobil AG. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 3/2006, S. 146–147. Die zweite Serie ist bereits seit der Ablieferung mit Klimaanlage ausgerüstet, die erste Serie wurde nachgerüstet.Daniel Fankhauser: Neuer GTW in Ins. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 11/2007, S. 525. Nach 20 Einsatzjahren erhielten die Fahrzeuge ein umfassendes Refitprogramm mit einem roten Neuanstrich wie die Be 4/8. Die nachgebauten Fahrzeuge 509–510 erhielten nur den Neuanstrich und ein neues Fahrgastinformationssystem. Die von den MVR übernommenen Züge wurden in das Refitprogramm einbezogen, an die Oberleitungsspannung von 1300 statt 900 Volt angepasst und mit Klimaanlagen ausgestattet. Die Modernisierung verzögerte sich um mindestens ein Jahr, weil der unterlegene Anbieter Railmaint gegen die Vergabe rekurrierte. Das mit der ersten Serie beschaffte Traktionsmodul 508 wird nicht in die Modernisierung einbezogen und mittelfristig ausgemustert. mini|Golden-Pass MVR Be 2/6 7003 Blonay im Jahr 2012 Transports Montreux–Vevey–Riviera (MVR), ehemals Chemins de fer électriques Veveysans (CEV) Be 2/6 7001–7004 (1997), 2017 verkauft an ASm und MIB Ab 2011 erhielten die inzwischen zu den MVR gekommenen Fahrzeuge einen neuen Anstrich im Golden-Pass-Design.Mathias Rellstab: GTW im Golden-Pass-Design. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 12/2011, S. 575. Namen: 7001 Vevey, 7002 St-Légier-La Chiésaz, 7003 Blonay, 7004 Montreux 2015–2017 nahmen die MVR Zahnrad-GTW der vierten Generation in Betrieb. Trogenerbahn (TB) mini|x61px|links|Projekt eines GTW Be 2/6 für die Trogenerbahn mini|Be 2/6 13 der Meiringen-Innertkirchen-Bahn (MIB) 1997 wollte die Trogenerbahn zwei GTW ähnlich den Fahrzeugen der BTI beschaffen, was vom Bundesamt für Verkehr im Hinblick auf den damals geplanten Riethüslitunnel und dem damit möglichen Durchlauf nach Teufen abgelehnt wurde. Im Jahre 2000 konnten dann zwei neue Triebzüge ausgeschrieben werden. Die Verzögerung ermöglichte es, für die Steilstrecke der Trogenerbahn besser geeignete Be 4/8 mit vier statt zwei Triebachsen zu beschaffen (siehe auch Abschnitt Vom GTW abgeleitete Fahrzeuge im Artikel Stadler GTW).

Meiringen-Innertkirchen-Bahn (MIB) ehemals Chemins de fer électriques Veveysans (CEV) Be 2/6 13 (ehemals CEV Be 2/6 7004) Der Be 2/6 für die MIB ist zusammen mit den für die ASm bestimmten GTW modernisiert worden, erhielt aber eine blaue Außenlackierung.Fabian Scheeder: MIB-Triebwagen in Blau. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2018, S. 347. Er ersetzt den Be 4/4 8, den die MIB im Jahr 2012 revidieren ließ. Dessen Elektronik blieb damals jedoch unverändert und erweist sich zunehmend als störungsanfällig.

Deutschland SBB GmbH, ehemals Euro Thurbo Seehäsle Bm 596 671–673 (1995), Diesel-Prototypen von 1996, ehemals MThB Die Prototyp-Serie sorgte lange Zeit für negative Schlagzeilen, bis sie 2005/2006 aufwendig saniert wurden. Gewartet wurden sie wie bisher im SBB-Depot Weinfelden, was für teure Leerfahrten sorgte.Seehäsle wieder mit GTW. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 10/2006, S. 506. 2007 wurden die drei Züge der Ferrovie del Sud Est (FSE) verkauft. mini|Zwei GTW der Hessischen Landes­bahn in Butzbach Ost Hessische Landesbahn (HLB) Baureihe 646 400–430 (1999–2001), GTW 2/6 DMU 508 101–103 (1999, ursprünglich KNE, mit WC, bis Ende 2008 nur Wabern–Bad Wildungen) 509 104–112 (1999, ursprünglich BLE, ohne WC; Nr. 106 und 109 ab Ende 2023 s. u. Westerwaldbahn) 508 113–115 (1999, ursprünglich BLE, ohne WC) HLB 119–130 (2000–2001, ursprünglich BLE, mit WC) Einsatz bis Mitte 2024 gemischt auf den Bahnstrecken Betzdorf–Haiger, Beienheim–Schotten, Friedberg–Mücke, Friedrichsdorf–Friedberg, Gießen–Gelnhausen und der Ländchesbahn, selten auch auf anderen Strecken. Der GTW 509 108 war bis zur Neustrukturierung der HLB im Jahr 2005 Eigentum der Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn (FKE), lief aber meistens bei der BLE. Der Triebwagen 508 101 wurde im März 2007 an die Tochtergesellschaft Vectus Verkehrsgesellschaft mbH verliehen und dort vom Standort Altenkirchen (Ww) aus eingesetzt. Im Frühjahr 2011 kamen die HLB-GTW 123, 127 und 128 hinzu, später auch der 125. Einsatzgebiet war die Oberwesterwaldbahn vom Standort Altenkirchen und Westerburg aus (je zwei bzw. drei Triebwagen). Ein Zugpaar auf der Lahntalbahn wurde am Morgen werktags außer samstags gefahren. Nach betrieblicher Auflösung der Vectus Verkehrsgesellschaft wurden alle Wagen in die HLB reintegriert. Im ehemaligen vectus-Verkehrsgebiet laufen nun die GTW 116 (von der Hellertalbahn, s. u.) und 121 bis 130, wobei der GTW 122 im Sommer 2015 bereits zum zweiten Mal einen schweren Unfall an einem Bahnübergang mit einem Traktorgespann bei Altenkirchen erlitt und eine weitere Reparatur zunächst in Frage gestellt wurde. Einsätze finden im gesamten Westerwaldbereich südlich von Altenkirchen statt (wegen fehlender Notbremsüberbrückung für den nördlich von dort gelegenen Marienthaler Tunnel), sowie zwischen Limburg und Wiesbaden. mini|Einer der beiden modernisierten GTW der Westerwaldbahn im Endbahnhof Daaden.