mini|Das römische Gallien und rechtsrheinische Germanien um das Jahr 70 n. Chr. Die Bataver (Aussprache: oder ;Max Mangold: Duden. Band 6: Das Aussprachewörterbuch. Dudenverlag, Mannheim und Zürich 2005 (6., überarbeitete und aktualisierte Auflage), S. 189. , veraltet auch Batavier) waren ein westgermanischer Volksstamm.
Geschichte Aufgrund einer stammesinternen Fehde trennten sie sich von den Chatten und siedelten sich zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt zwischen 55 und 12 v. Chr. an der Rheinmündung in der römischen Provinz Gallia Belgica an. Im Jahre 12 v. Chr. wurden sie dort von den Römern unter Drusus unterworfen und galten von da an als treue Bundesgenossen, mit einer Ausnahme: der Bataveraufstand unter Iulius Civilis im Jahre 69 n. Chr. In diesem Zusammenhang gelang den Germanen erstmals die Eroberung eines römischen Legionslagers (Vetera bei Xanten). Erst nach dem Aufstand von 69/70 n. Chr. erfolgte die Einrichtung einer civitas Batavorum, die in der Nachfolge des oppidum Batavodurum seit Trajan der römische Militärstützpunkt Ulpia Noviomagus Batavorum (das heutige Nijmegen) war. Ab dem 4. Jahrhundert gingen die inzwischen romanisierten Bataver in den Franken auf.
Name Nach Günter Neumann biete die Stelle bei Cassius Dio (Römische Geschichte 55, 24) einen guten und durchsichtigen Ansatz für die Etymologie und Bedeutung des Ethnonyms der Bataver. Dio betont hierin die besondere Eigenschaft der Bataver als hervorragende Reiter. Im Kontext seiner Schilderung über die Lage und Gliederung der Legionen macht die Bemerkung dieser Charakteristik der Bataver und die generelle Stellung germanischer Kontingente in den römischen Auxiliar-Einheiten (Hilfstruppen) verständlich.
Tacitus (Germania 29,1) bemerkte ihre besondere Tapferkeit, die sie gegenüber anderen Stämmen der Region auszeichnete (Omnium harum gentium virtute praecipui Batavi).
Neumann sieht daher mit Rudolf MuchRudolf Much: Die Germania des Tacitus. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. Wolfgang Lange (Hrsg.), Herbert Jankuhn, Hans Fromm Mitarbeiter. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 1966, S. 366. in Batavi einen Wortstamm aus germanisch *bata- wie er beispielsweise in gotisch batiza für „besser“ oder in bōta = „Nutzen“ vorliegt (siehe auch Batimodus oder vergleiche Ndl. baat „Nutzen, Gewinn, Vorteil“). Nach Neumann und Much könnte das kurze a der Mittelsilbe (nach den Wiedergaben der lateinischen Vorlagen) den germanischen Lautstand richtig wiedergeben, sodass im Bataver-Namen ein Nominativ Plural germanisch *batawiz (siehe Chamaver) vorliegen kann, abgeleitet vom Adjektiv *batu- für „gut“, beziehungsweise von batizan = „besser“.Frank Heidermanns: Etymologisches Wörterbuch der germanischen Primäradjektive. (= Studia Linguistica Germanica 33) De Gruyter, Berlin / New York 1993 [Reprint 2013], ISBN 978-3-11-087161-6, S. 118f. Das Suffix wäre in Vollstufe bewahrt und zeigt einen archaischen ablautenden Deklinationstypus.
Bataverhelm mini|Fragmente eines Reiterhelms aus Eisen. Der Bataverhelm stammt aus dem frühen 1. Jahrhundert und wurde bei Xanten ausgegraben mini|Bataverhelm (Replik)
Die Krieger der Bataver, auch als Reiter-Legionäre in römischen Diensten, trugen spezielle Helme, von denen bisher nur wenige am Niederrhein im Gebiet zwischen Nijmegen und Xanten gefunden wurden. Er bestand aus Eisen und hatte einen dichten geflochtenen Besatz aus Pferdehaar, der mit Pechkleber befestigt war. Außerdem besaß er ein Visier, innen aus Eisen, außen aus Silber, das das Gesicht vollständig bedeckte. Ein solcher Helm wurde 2008 im Museum Het ValkhofMuseum Het Valkhof in Nijmegen mit Hilfe von Kollegen aus Bonn und Mannheim rekonstruiert. Dabei entdeckte man auch die Zusammensetzung des Klebers, der Eisen- und Silberschicht verband: Baumteer, Bitumen und Rindertalg.Forschung Aktuell 69 n. Chr., nach dem Aufstand der Bataver, verschwand dieser Helmtyp. Er tauchte erst hundert Jahre später als Metallnachbildung im gesamten Römischen Heer wieder auf. Die geflochtenen Zöpfe wurden nun in Metall getrieben.Furchteinflösende Helme. In: epoc – Geschichte, Archäologie, Kultur. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft, Heidelberg 2009, S. 8. und Angst vor Römischen Helmen. (online) Das rekonstruierte Exemplar wird im Römermuseum Xanten dauerausgestellt.
Rezeption Unter niederländischen Humanisten war der Mythos verbreitet, die Batavier seien nicht unterworfen, sondern freie Verbündete der Römer gewesen. Als Beleg diente vor allem eine angeblich um 1500 bei Zoeterwoude gefundene Inschrift . Arnoldus Buchelius (1565–1641) beurteilte diese Inschrift als Fälschung und schloss aus römischen Legionsstempeln und Münzen, die er zusammen mit Johannes de Witt (1565–1622) in der Umgebung von Utrecht gefunden hatte, dass die Nordgrenze des Römischen Reiches entlang der römischen Militärlager Arenacum – Vada (von Buchelius mit Wageningen identifiziert) – Grinnes – BatavodorumVgl. Tacitus, Historiae 5,20; heute teilweise als Militärplätze im Hinterland verstanden, siehe Niedergermanischer Limes. am Rhein verlief.Vgl. Sandra Langereis: Geschiedenis als ambacht, Oudheidkunde in de Gouden Eeuw: Arnoldus Buchelius en Petrus Scriverius (Hollandse Studien 37), Hilversum: Verloren 2001, ISBN 90-70403-48-X (Online-Ressource der Dissertation, abgerufen am 9. August 2011), bes. S. 232–235.
Batavia ist eine im humanistischen Latein gängige Bezeichnung für die Niederlande. Während der niederländischen Kolonialzeit hieß die heutige Hauptstadt Indonesiens, Jakarta, ebenfalls Batavia.
Der 1795 durch Revolutionsexport errichtete Nachfolgestaat der Republik der Vereinigten Niederlande nannte sich Batavische Republik.
Die am „nassen Teil“ des rätischen Limes im 1. Jahrhundert stationierte Bataver-Cohorte gilt heute als Namensgeberin für die Stadt Passau.
Römische Auxiliareinheiten In der frühen Kaiserzeit wurden die folgenden Auxiliareinheiten auf dem Gebiet der Bataver rekrutiert:
Ala I Batavorum Cohors I Batavorum (Pannonia) Cohors I Batavorum (Britannia) Cohors I Batavorum milliaria Cohors II Batavorum Cohors III Batavorum Cohors IX Batavorum
Siehe auch Gelduba
Literatur Horst Callies, Günter Neumann: Bataver. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 2, De Gruyter, Berlin / New York 1976, ISBN 3-11-006740-4, S. 90–91.
Nico Roymans: Ethnic Identity and Imperial Power: The Batavians in the Early Roman Empire. (= Amsterdam Archaeological Studies 10). Amsterdam University Press, Amsterdam 2004, ISBN 90-5356-705-4.
Weblinks
Der Bataveraufstand
Einzelnachweise
Kategorie:Germanischer Stamm
Kategorie:Chatten Kategorie:Westgermanen