mini|hochkant=1.3|Magellanica auf Janssonius’ Karte (1657) Feuerland (spanisch („Land des Feuers“), früher Magellanica und dichterisch Magellanien, nach Ferdinand Magellan) ist eine Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas. Vom Festland ist sie durch die Magellanstraße getrennt. Die Inselgruppe hat eine Landfläche von 73.746 km²; davon entfallen 47.000 km² auf die Hauptinsel Isla Grande de Tierra del Fuego. Feuerland wurde 1881 durch den Meridian 68° 36′ westlicher Länge in einen östlichen Teil für Argentinien (heute die Provinz Tierra del Fuego) und einen westlichen Teil für Chile (heute die Region Magallanes) aufgeteilt. Im argentinischen Teil leben etwa 127.000 Menschen und im chilenischen Teil etwa 8000.
Bei der Erkundung der Magellanstraße im Jahre 1520 fanden Magellan und seine Männer im Norden keine Siedlungen, doch im Süden der Meerenge sahen sie des Nachts vom Schiff aus viele Feuer, wie Antonio de Herrera y Tordesillas in seiner Historia general berichtet. Magellan habe das Land daher „Feuerland“ genannt.
Geographie mini|Gletscher im Beagle-Kanal Das Gebirge Cordillera Darwin bildet mit fast 2500 Meter hohen Bergen den letzten großen Höhenzug der Anden in Südamerika. Häufig liegt südlich der Spitze von Südamerika ein meteorologisches Tiefdruckgebiet. Es hat für Feuerland westlichen Wind zur Folge, der in den unteren Luftschichten jedoch durch die Berge stark abgelenkt und abgeschwächt wird.
Klima
Feuerland liegt nach solaren Kriterien am polnahen Rand der kühlgemäßigten Klimazone der Südhemisphäre, etwa auf dem gleichen Breitengrad wie der Raum zwischen Bremen und Kopenhagen auf der Nordhalbkugel, ist klimatisch jedoch wesentlich kühler.
Aufgrund seiner geringen Ausdehnung herrscht überall ein maritimes Klima mit kurzen, kühlen Sommern und langen, nassen, mäßig milden Wintern. Die klimatischen Unterschiede über das Jahr sind im Allgemeinen gering. In Ushuaia überschreiten die Temperaturen im Sommer kaum 9 °C und im Winter durchschnittlich 0 °C; das Jahresmittel liegt bei 5,6 °C. Auch im Sommer kann es in ganz Feuerland zu Schneefällen kommen. Die kalten und nassen Sommer tragen dazu bei, die alten Gletscher in den Anden zu erhalten.
Lokal herrschen hingegen große Unterschiede: Im Westen werden Regenmengen von bis zu 6000 mm/Jahr gemessen, im Osten dagegen nur etwa 250 mm/Jahr. Die Schwankungsbreite der Niederschläge ermöglicht deshalb sowohl gemäßigte Küstenregenwälder als auch Halbwüsten. Das Wetter kann im Tagesverlauf sehr unbeständig sein und häufig wehen starke Winde, die oft sogar zu heftigen Stürmen anwachsen.
Die thermisch-zonale Zuordnung ist in der Regel ebenfalls kühlgemäßigt, jedoch bisweilen uneinheitlich auch kaltgemäßigt (antiboreal) bis (sub)polar.
Die Klimaklassifikation von Köppen & Geiger bildet diese Unterschiede nur unzureichend ab: Der größte Teil des Archipels liegt im Tundrenklima (ET), obwohl die Vegetation viele verschiedene Typen (einschließlich Wälder) zeigt und „echte“ Tundra lediglich auf den Gipfeln der Andenausläufer vorkommt. Im Nordosten Feuerlands wird „Subpolares Ozeanklima“ (Cfc) ausgewiesen. Die Jahreszeitenklimate nach Troll & Paffen sind wesentlich differenzierter: Die südöstliche Küste und die vorgelagerten Inseln zeigen subpolares, hochozeanisches Klima (I.4), die Andenausläufer hochozeanisches Waldklima (III.1) (die Gebirgsklimate werden nicht untergliedert) und die nördliche Ebene wintermildes Trockensteppenklima (III.10a).
Orte auf Feuerland Die bedeutendsten Orte auf der Isla Grande de Tierra del Fuego sind, im argentinischen Teil, Río Grande (ca. 98.000 Einwohner) und Ushuaia (ca. 82.600 Einwohner), im chilenischen Teil Porvenir (ca. 5400 Einwohner). Puerto Williams, auf der Insel Navarino, hat ca. 2300 Einwohner und ist die südlichste Stadt der Welt. (spanisch)
Flora mini|Biberdamm im Nationalpark Tierra del Fuego bei Ushuaia mini|Der Küstenweg führt durch einen Wald mit Lenga-Südbuchen (Nothofagus pumilio). mini|Tundraähnliche Vegetation einer Insel im Beagle-Kanal Pflanzengeographisch gesehen gehört Feuerland (u. a. zusammen mit Neuseeland, den Kerguelen und den Falklandinseln) zum antarktischen Florenreich. Das heißt, diese Gebiete verbindet eine gemeinsame Evolution der Lebewesen. Zudem erstreckt sich das Gebiet von den erdumspannenden Vegetationszonen „Strauch- und Trockensteppe“ über den „sommergrünen Laubwald“ und den „gemäßigten Regenwald“ bis hin zu einer subantarktisch beeinflussten Zone, die der „Tundra“ zugerechnet wird (s. u.).J. Schmithüsen (Hrsg.): Atlas zur Biogeographie. Meyers großer physischer Weltatlas, Bd. 3., Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1976. ISBN 3-411-00303-0Georg Grabherr: "Farbatlas Ökosysteme der Erde", Ulmer, Stuttgart - 1997, ISBN 3-8001-3489-6
In den wärmsten Monaten liegt das Monatsmittel bei 6 bis 10 °C mit einer Vegetationsperiode von zwei bis vier Monaten. Im Westen verhindern heftige Stürme eine Ausbreitung des Waldes über tiefere Muldenlagen hinaus. Trotz milder Temperaturen und hoher Niederschläge liegt die Wald- und Baumgrenze bei 500–700 m Höhe.British Ecological Society: Journal of Ecology, Vol. 88, No. 5 (Oct. 2000), online, S. 840–855, abgerufen am 20. Oktober 2021. Die Artenvielfalt ist recht gering. Folgende Vegetationstypen werden unterschieden:
Im Nordwesten lassen sich vor allem immergrüne Wälder finden, während im Zentrum der Insel hauptsächlich sommergrüne Wälder vorherrschen. Beide werden von der Familie der Südbuchen, Nothofagus (Scheinbuchengewächse) dominiert. Im immergrünen Teil ist es der Guindo (Nothofagus betuloides), im sommergrünen sind es Lenga (Nothofagus pumilio) und Ňire (Nothofagus antarctica). Der generell lichte Wald erreicht im Norden eine Kronenhöhe von etwa 20 Metern, südlich des Beaglekanals – der Meerenge zwischen der Hauptinsel und der südliche Inselgruppe – jedoch nur 6 Meter. Dafür gibt es einen reichen Unterwuchs aus Sträuchern und Kräutern, etwa mit der Johannisbeere Ribes magellanicum (Stachelbeergewächse, Grossulariaceae) und der Fuchsia magellanica (Nachtkerzengewächse, Onagraceae), der Stammform unserer Fuchsie. Die Kronenschicht wird von Kletterpflanzen und Epiphyten besiedelt, es finden sich etwa die kletternde Mutisia (Korbblütler, Asteraceae) oder Farne der Gattung Hymenophyllum (Hautfarngewächse, Hymenophyllaceae). Das Aussehen des Waldes ähnelt daher mehr einem subtropischen Lorbeerwald als den gemäßigten Wäldern in Europa und Nordamerika.
Der Bereich in unmittelbarer Küstennähe bleibt aufgrund der starken Stürme waldfrei, diese Vegetationsgesellschaft wird als Magellan-Moor oder auch als Magellan-Tundra bezeichnet. Die Vegetation hat durchaus tundraähnlichen Charakter, obwohl das mildere Klima und der fehlende PermafrostbodenGoogle-Earth-Datei von Stephan Gruber, Universität Zürich deutlich vom typischen Tundrenklima abweichen. Ursache für die Waldfreiheit sind ständig wehende, starke Winde mit sehr häufigen Stürmen, reichliche Niederschläge und geringe Verdunstung, die zu einer erheblichen Bodenvernässung führen. Die Zuordnung der Vegetation ist in der Literatur uneinheitlich.
Der Ostteil der Insel ist ebenfalls ohne Baumbewuchs, da es dort zu trocken ist. Hier dominieren Gräser wie Festuca gracillima oder Alopecurus magellanicus, deren nahe Verwandte auch in Europa zu finden sind. Oberhalb der Waldgrenze finden sich Krummholzgebüsche aus strauchförmig wachsendem Nothofagus, über der Baumgrenze lediglich alpine Heiden aus Zwergsträuchern, Gräsern und Polsterpflanzen.
Dank des feuchten Klimas sind Moore im Westen Feuerlands häufig und lassen sich in drei Gruppen einteilen. Die Moore der sommergrünen Waldzone, die weitgehend mitteleuropäischen Hochmooren gleichen. Besonders im Westen der Insel sind sie weit verbreitet und füllen häufig ganze Talsohlen aus. Hier dominiert das Torfmoos Sphagnum magellanicum (Sphagnaceae), das auch in Europa verbreitet ist. Daneben wachsen der insektenfangende Sonnentau Drosera uniflora (Droseraceae), Torfmyrten (Pernettya, Heidekrautgewächse, Ericaceae), Seggen und Binsen wie Marsippospermum grandiflorum (Binsengewächse, Juncaceae). Einige Heidekrautgewächse erinnern verblüffend an mitteleuropäische Heidelbeeren. Nothofagus antarctica wächst auch in Mooren, erreicht aber nur Höhen von 20–100 cm. Die Moore der immergrünen Waldzone beherbergen Torfmoose, aber auch Laubmoose. Bisweilen sind hier auch Arten der baumlosen Magellan-Moortundra zu finden. Diese Moore im Bereich der Westküste werden dominiert von Polsterpflanzen und Laubmoosen wie Calliergon (Braunmoose, Drepanocladaceae). Die sonst in Mooren so typischen Torfmoose fehlen. Dieser Vegetationstyp hat kein Gegenstück in Europa.
Aus Wäldern und Mooren wird Holz und Torf gewonnen. Weil sie jedoch nur langsam nachwachsen, stellt die Nutzung ein erhebliches Umwelt- und Ressourcenproblem mit teils verheerenden Folgen dar. Vor allem der 1946 von der argentinischen Regierung importierte Kanadische Biber stellt aufgrund seiner immensen Verbreitung eine Gefahr für die Wälder und Ökosysteme Feuerlands dar. Um die Artenvielfalt zu schützen, wurde nahe Ushuaia der Nationalpark Tierra del Fuego eingerichtet.
Fauna mini|Eine Braune Skua überfliegt einen Magellanpinguin Zu den Säugetieren, die auf Feuerland vorkommen, gehören Guanakos, Andenschakale, Mähnenrobben, Küstenotter, Südliche Flussotter, Mausohren, Kammratten und Kanadische Biber, die 1946 zur Pelztiernutzung angesiedelt wurden. Bei den Vögeln sind hervorzuheben Andenkondore, Chileflamingos, Schwarzbrauenalbatrosse, Riesensturmvögel, Magellangänse, Antarktische Kormorane, Falklandkarakaras, Schopfkarakaras, Braune Skuas, Dominikanermöwen, Königspinguine, Magellanpinguine, Sumpfohreulen, Smaragdsittiche, Rotbrustfischer und Chilekolibris, sowie Darwinnandus die 1936 von Menschen angesiedelt wurden.
Da es auf Feuerland weder Bären noch Wölfe gibt, fehlen die Fressfeinde, die wie in Nordamerika den Biberbestand regulieren. So haben sich seit 1946 die 50 angesiedelten Biber auf über 200.000 Exemplare im Jahre 2011 vermehren können, mittlerweile besiedeln sie auch das südamerikanische Festland.Juan Forero: Imported Beavers Gnaw Away At Argentina's Forests. In: npr vom 8. Juni 2011. Abgerufen am 4. Januar 2014. Die Tiere sind zu einer ernsten Gefahr für die Baumbestände Feuerlands geworden. Im Gegensatz zu vielen nordamerikanischen Bäumen treiben südamerikanische Bäume, wie die weit verbreiteten Südbuchen auf Feuerland, wenn sie von Bibern gefällt worden sind, häufig nicht wieder aus, sondern sterben ab. In Nordamerika haben sich die Bäume zusammen mit den Bibern entwickeln können und verfügen oft über die Fähigkeit, allein aus dem Baumstumpf wieder auszutreiben.Charles Choi: Tierra del Fuego: the beavers must die. In: nature vom 18. Juni 2008. Abgerufen am 4. Januar 2014.
Geschichte Feuerland vor der Ankunft der Europäer (9800 v. Chr.–1520 n. Chr.), Paläo-Indianer mini|Indios vor 1900 Zwischen 9800 v. Chr. und 8280 v. Chr. siedelten erstmals Jägergruppen vom amerikanischen Festland aus auf Feuerland. Man nimmt an, dass die Ankunft dieser Paläoindianer im Zuge des Rückgangs der Vergletscherung im Pleistozän über noch bestehende Landbrücken erfolgte, bevor die Magellanstraße endgültig von Wasser geflutet war. Archäologische Spuren dieser Indianergruppen finden sich beiderseits der Magellanstraße: auf dem amerikanischen Festland in der Cueva del Milodón bei Puerto Natales (im südlichen Chile) oder in Pali Aike (im östlichen Bereich der Magellan-Straße) und auf Feuerland in Tres Arroyos und Alero Marazzi etwa 20 Kilometer südwestlich von San Sebastian. Maritime Fundstätten finden sich am Beagle-Kanal (Tunel und Lancha Packeweia) und im Süden der Isla Navarino (Seno Grandi). Der älteste Skelettfund wurde 2004 im argentinischen Teil der Nordküste Feuerlands entdeckt.4000 Jahre altes Skelett auf Feuerland gefunden