mini|hochkant|Königstitulatur von Amenophis III. als Inschrift auf einer Statue

Amenophis III. (griechisch), auch Amenhotep bzw. ägyptisch Amenhetep/Imenhetep (babylonisch Nimmuria)Es liegen verschiedene Schreibweisen vor: Ni-im-mu-u-re-ja, Ni-im-mu-re-ja, Ni-mu-wa-re-ja, Nim-mur-ja. Vgl. hierzu Manfred Görg: Nimmuria. In: Dietz Otto Edzard (Hrsg.): Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 9: Nab – Nuzi. de Gruyter, Berlin / New York, 1998–2001, ISBN 3-11-017296-8, S. 320. war altägyptischer König (Pharao) und der neunte der 18. Dynastie (Neues Reich), der von etwa 1388 bis um 1351 v. Chr. regierte (nach Helck 1379–1340, nach Krauss 1390–1353 v. Chr.).

Familie Vater: Thutmosis IV. Mutter: Mutemwia Geschwister: Amenemhet, Amenhotep-Meri-chepesch, Tiaa, Amenemipet, Tent-Amun und Petepihu Ehefrauen: Teje (siehe Statuetten), Kiluchepa (Tochter von Šuttarna II.), Taduchepa (Tochter von Tušratta), seine Töchter Sitamun und Isis und weitere Söhne: Echnaton und Thutmosis Töchter: Sitamun, Isis, Henuttaunebu und Nebet-tah, sowie eventuell Nubemtech

Seine Hauptfrau Teje war „bürgerlicher“ Herkunft. Die Königin erscheint auf vielen Denkmälern neben dem Herrscher. Ihre Eltern werden mehrmals genannt. Sie erscheinen vor allem auf den Gedenkskarabäen: („[…] der Name ihres Vaters ist Juja, der Name ihrer Mutter ist Tuja. Sie ist die Gemahlin eines starken Königs […]“). Ihre Eltern waren Juja, „Minpriester“ und „Vorsteher der Pferde“, „Vater des Gottes“, und Tuja (18. Dynastie), „oberste Haremsfrau des Amun“, „oberste Haremsfrau des Min“, aus dem oberägyptischen Achmim. Sie besaßen ein Korridorgrab im Tal der Könige (KV46), das 1905 inklusive Grabinventar von Theodore M. Davis entdeckt wurde.Lawrence M. Berman: Overview of Amenhotep III and His Reign. In: David O’Connor, Eric H. Cline (Hrsg.): Amenhotep III, Perspectives on His Reign. Ann Arbor 1998, S. 5–6.

Biografie Jugend Um 1403 v. Chr. wurde Amenophis III. als Sohn von Thutmosis IV. und einer Nebenfrau Mutemwia geboren. Es ist kaum etwas von ihr bekannt, ihre Herkunft bleibt im Dunkeln. Den Titel „Königsmutter“ trug sie seit der Thronbesteigung von Amenophis III. Sie erscheint auf den sogenannten Memnonkolossen, die erst am Ende der Regierungszeit des Herrschers errichtet wurden. Dies mag andeuten, dass sie damals noch lebte.Lawrence M. Berman: Overview of Amenhotep III and His Reign. In: David O’Connor, Eric H. Cline (Hrsg.): Amenhotep III, Perspectives on His Reign. Ann Arbor 1998, S. 3–5.

Sein Vater Thutmosis IV. regierte sein Reich von der Stadt Memphis aus. Amenophis III. wuchs im sogenannten Haremspalast in Gurob, in der Nähe der Oase Fajum, auf. Hier lernte er die hieratische und die Keilschrift, Lesen und Mathematik. Daneben erhielt er auch eine militärische Ausbildung.

Weil sein älterer Bruder früh verstorben war, wurde Amenophis III. im Alter von acht Jahren zum Thronerben ernannt, und er begleitete seinen Vater in den nächsten Jahren auf dessen Kriegszügen. Auch hatte Thutmosis IV. bereits begonnen, durch eine Ehe mit der Tochter des Königs Artatama I. ein Friedensbündnis mit Mitanni zu schließen, und Amenophis III. sollte diese diplomatische Taktik später erfolgreich fortführen.

Regierungsbeginn Nach dem Tod von Thutmosis IV. in dessen 10. Amtsjahr wurde Amenophis III. bereits im Alter von 12 Jahren am 27. Schemu II zum König erhoben.Siegfried Schott: Altägyptische Festdaten. Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz / Wiesbaden 1950, S. 94. Sein Vorgänger Thutmosis IV. müsste unter Berücksichtigung der Einbalsamierungszeit Ende des dritten oder Anfang des vierten Peretmonats verstorben sein. Sein Thronname lautete „Neb-maat-Re“ und bedeutet „Der Herr der Wahrheit ist Re“. Vermutlich im Jahr seiner Krönung heiratete er die ebenfalls noch sehr junge Teje, die Tochter eines Provinzbeamten aus Achmim. Tejes Vater Juja trug die Titel „Priester und Rindervorsteher des Min“ und „Herr von Achmim“. Ihre Mutter Tuja war „Sängerin des Amun“, „Sängerin der Hathor“, „Oberste Haremsdame des Amun“ und „Oberste Haremsdame des Min“.

Amenophis III. erhob seine Schwiegereltern zu neuen Ehren: Juja wurde zum „Vorsteher der Pferde“ und Stellvertreter „Seiner Majestät bei der Streitwagentruppe“ ernannt, Tuja wurde als „Königliche Mutter der Großen königlichen Gemahlin“ gehuldigt. Tejes Bruder Aanen erhielt ein hohes Priesteramt und wurde einer der Vertrauten des jungen Pharao. Aufgrund seiner Jugend wurde seine Mutter Mutemwia zunächst zur Regentin ernannt, später übernahm er dann selbst die Regierungsgewalt.

Bauprojekte Wie seine Vorgänger betätigte sich der neue Pharao auch als Bauherr. Bereits in seinem zweiten Amtsjahr wurde mit dem Bau seines Grabes im Tal der Könige (WV22) begonnen. Außerdem ließ er die Bauten seines Vaters fertigstellen und den Tempel von Karnak erweitern. Er ließ auch den zehnten Pylon des Tempels errichten und an dessen Südfassade die größte Statue, die es je in Ägypten gab. Von der ehemals 21 Meter hohen Statue sind nur noch die Füße erhalten.

Am gleichen Ort ließ er einen Tempel mit 700 Statuen der Göttin Sachmet zur Abwehr von etwas äußerst Gefährlichem erbauen. Forscher sind der Ansicht, dass damit die Pest gemeint war. Als Beweise für diese Annahme dienen ihnen damals im Lande hastig verscharrte Tote und Pestgebete der Nachbarvölker, in denen erkrankte Ägypter beschrieben werden.

Auch wurde in Kom el-Hetan ein Totentempel für Amenophis III. erbaut – der größte jemals in Ägypten errichtete Tempelkomplex. Ägyptologen haben erst kürzlich berechnet, dass dieser Totentempel sogar noch größer gewesen sein muss als der Tempel von Karnak. Kolossalstatuen schmückten den Tempel, und auch heute noch stehen die berühmten Memnonskolosse am alten Ort, wo sie den östlichen Eingangspylon des Tempels markieren.

Im Februar 2010 wurde durch die Antikenverwaltung und die Grabungsleitung des Amenhotep III Temple Conservation Project mitgeteilt, dass im Bereich des Totentempels ein Kolossalkopf des Pharao aus rotem Granit gefunden wurde. Dieser gehört zusammen mit anderen gefundenen Bruchstücken zu einer Sitzstatue des jungen Pharao. Abgerufen am 23. November 2015.

In seinem 11. Regierungsjahr ließ Amenophis III. einen monumentalen See für Königin Teje in der Stadt Djar-wecha anlegen. Früher wurde davon ausgegangen, dass es sich dabei um den Bark el-Mahari östlich von Malqata handelt. Mittlerweile sind Ägyptologen der Ansicht, dass Djar-wecha die Heimatstadt von Teje war und der See somit in der Nähe von Achmim zu verorten ist. Die Anlage des Sees ist ebenfalls auf Gedächtnisskarabäen überliefert. Es handelte sich um ein 3700 mal 600 Ellen großes Bassin, das durch Dämme und Kanäle das Überschwemmungswasser des Nils zurückhielt. Die Dämme wurden Anfang Oktober verschlossen, damit es sich mit Nilwasser füllen konnte. Anschließend wurde die Zeremonie der Dammöffnung abgehalten, bei der der König mit dem Staatsschiff über den See ruderte. Durch Öffnung der Schleusen und Dämme wurden die umliegenden Felder bewässert, wobei sich auch am Grund des Bassins fruchtbarer Nilschlamm ablagerte, sodass sich der See in eine riesige Ackerfläche verwandelte. Die gesamte Zeremonie stellte wahrscheinlich ein Fruchtbarkeitsritual dar.Thomas Kühn: Amen-hotep III. – König der Könige. In: Kemet. Heft 4/2003. S. 9. Die Anlage des Sees scheint wohl ein Gunstbeweis des Pharaos an seine Hauptgemahlin gewesen sein, um ihr zu zeigen, dass ihre Position als Königin unanfechtbar sei. Teje besaß zu diesem Zeitpunkt bereits große Macht und Einfluss.

Ringen um die religiöse Macht mini|hochkant|Altägyptische Dekane auf einer Wasseruhr seiner Zeit1: Tepi-a-Kenmut2: Cheri-cheped-Kenmut3: Pehui-djat und Hat-djat4: Temat-heret-cheret5: Weschati-Bekati6: Chentet-heret7: Chentet-cheret8: Tjemes-ni-chentet9: Septi-chenwi10: Heri-ab wia

Wie bereits sein Vater und sein Großvater förderte er den Sonnenkult der 5. Dynastie und ließ beispielsweise das Sed-Fest ausdrücklich entsprechend alter Schriften feiern. In Heliopolis ließ er einen Kalksteintempel für den Sonnengott errichten. Langsam und geschickt leitete Amenophis III. einen Kurswechsel in der Religion ein. Dies war insofern wichtig, als die Amun-Priester damals beinahe soviel Reichtum und Macht besaßen wie der König selbst. Außerdem hatten die Priester in den Jahren zuvor so viel Macht gewonnen, dass sie sogar Einfluss auf die Thronfolge nehmen konnten. Erst Thutmosis IV. bestimmte sich vor dem Sphinx zum Pharao und fragte nicht die Priester Amuns.

Amenophis III. wollte nunmehr den Sonnenkult um Aton der Macht der Amunpriester entgegensetzen. Auch indem er hohe religiöse Ämter von seinen Vertrauten besetzen ließ, versuchte er, die Priesterschaft des Amun unter Kontrolle zu halten. Dabei wurde auch sein engster Vertrauter und Namensvetter Amenophis (Sohn des Hapu) mit höchsten politischen Ämtern geehrt. Später verlegte der Pharao seinen Palast nach Theben. Die Forscher sind heute mehrheitlich der Ansicht, dass der Herrscher damit die nach wie vor starke Macht der Priester des Amuntempels entschiedener beschneiden wollte. In zahllosen Tempeln ließ er von sich eine Statue neben denen der anderen Götter aufstellen. Die Inschriften darauf beginnen mit „Amenophis, geliebt von …“, gefolgt vom jeweiligen Götternamen. Seinen Machtanspruch ließ er auch dadurch ausdrücken, dass Götterstatuen sein Gesicht erhielten.

Weiterhin fällt auf, dass der Pharao zahlreiche weibliche Götterstatuen aufrichten ließ. Grund dafür war seine Verehrung der Göttin Maat, der Tochter des Sonnengottes, die für Ordnung und Harmonie verantwortlich war und als Symbolfigur für die Macht des Pharao galt.

Der Pharao erschien in den Reliefs häufig in Begleitung von Göttinnen. Auch die weiblichen Mitglieder der Familie wurden mit ihm auffallend oft dargestellt.

Familienpolitik Im 10. Regierungsjahr vermählte sich Amenophis III. mit der Prinzessin Kiluchepa, Tochter des mitannischen Königs Šuttarna II. Diese traf, als erste von mehreren ausländischen Bräuten, mit einem Gefolge von 317 Frauen in Ägypten ein. Diese Heirat festigte erneut das Bündnis zwischen Mitanni und Ägypten.

Das 13. Amtsjahr kann man als Höhepunkt seiner Herrschaft bezeichnen. Die Bevölkerungszahl betrug damals schätzungsweise drei bis vier Millionen. Die Verwaltungshauptstadt war zwar Memphis, doch die größte Stadt des Landes war Theben. Amenophis III. hatte sich wohl schon immer zu dieser Stadt hingezogen gefühlt. Während seiner Regierung ließ er mehrere Teile von Theben neu gestalten und ordnen. Nach fast dreißig Regierungsjahren zog Amenophis III. mit seinem Hofstaat endgültig nach Theben und ließ dort am Westufer den „Palast der leuchtenden Sonne“ erbauen. Später wurde der Palast mit dem arabischen Namen Malqata benannt, der „Ort, an dem man Dinge aufsammelt“. Damit war der antike Schutt gemeint, der überall auf dem 30 Hektar großen Gebiet zu sehen ist. Das gigantische Bauprojekt war zur Zeit von Amenophis III. Tod offenbar noch nicht abgeschlossen.

mini|hochkant| In seinem 30. Regierungsjahr ließ Amenophis III. das erste seiner drei großen Feste, das sogenannte Sed-Fest zum Regierungsjubiläum feiern. Zu diesem Anlass erklärte er sich auch zum lebenden Gott Ägyptens, zum Ebenbild und Stellvertreter des Sonnengottes Aton auf Erden. Gleichzeitig nahm er seine Tochter Sitamun zur Frau und verlieh ihr den Rang einer Großen Königlichen Gemahlin. Diesen Titel trugen ebenfalls seine Frau Teje und seine Mutter Mutemwia. Dass drei königliche Frauen diesen Titel trugen, hatte folgenden Grund: Als Sonnengott musste Amenophis III. mit der vereinten Macht dreier Generationen von königlichen Gemahlinnen umgeben sein. Diese Gruppe symbolisiert die Rollen der Göttin Hathor – als Mutter, Ehefrau und Tochter. Daher wird auch vermutet, dass die Ehe zwischen Amenophis III. und seiner Tochter nicht vollzogen wurde.