mini|hochkant=1.5|Aalto-Theater (2014) Das Aalto-Theater ist seit 1988 das Opernhaus der Stadt Essen und befindet sich im nordöstlichen Teil des Essener Stadtgartens im Stadtteil Südviertel.

1959 stellte der finnische Architekt Alvar Aalto im Rahmen eines Ideenwettbewerbs die ersten Entwürfe für den organischen Bau vor. In den darauf folgenden Jahren überarbeitete Aalto die Pläne mehrmals (unter anderem gemeinsam mit dem Essener Architekten Horst Loy), die Realisierung erlebte der 1976 verstorbene Architekt aufgrund von mehreren Verzögerungen jedoch nicht mehr. Erst zwischen 1983 und 1988 wurde der Bau unter der Leitung des deutschen Architekten Harald Deilmann errichtet.Wulf Mämpel: Chronik der Ereignisse. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 195f.

Neben der Darbietung von Oper und Operette dient das Aalto-Theater auch den Aufführungen von Musicals, Konzerten und Ballett; die Essener Philharmoniker sind das ansässige Orchester.„Das Aalto-Theater“, Theater und Philharmonie Essen

Entstehungsgeschichte Im Zuge der „kulturellen Aufbruchphase“Frank Maier-Solgk: Theater und Philharmonie Essen. Grillo-Theater, Aalto-Theater, Philharmonie. 2012, S. 22. der 1950er Jahre erwies sich das nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Essener Grillo-Theater mit seinen 650 Sitzplätzen für „den gestiegenen Bedarf der am Theater interessierten Bevölkerung“Harald Deilmann: Vom Entwurf zur Ausführung. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 19. als zu klein. Aufgrund dessen konstituierte sich 1955 die Gesellschaft zur Förderung des Theaterneubaus, welche mit Hilfe der Bürger einen weiteren Theaterbau in der Stadt Essen verwirklichen wollte. 1959 gelang es dem Förderverein schließlich, einen „Ideenwettbewerb für den Bau eines neuen Opernhauses in die Wege“ zu leiten. Neben zahlreichen Essener Architekten wurden auch fünf externe Architekten gegen besondere Bezahlung zu diesem Ideenwettbewerb eingeladen. Mit deutlichem Abstand zu den übrigen Beiträgen erhielt der finnische Architekt Alvar Aalto den ersten Preis für seinen Entwurf.Harald Deilmann: Vom Entwurf zur Ausführung. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 25.

Nachdem die Entscheidung auf Aaltos Entwurf gefallen war, erteilte die Stadt Essen dem Architekten 1960 auf Drängen des Fördervereins den offiziellen „Auftrag für die Ausführungsplanungen“Harald Deilmann: Vom Entwurf zur Ausführung. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 41. Daraufhin entwickelte Aalto den Entwurf mehrmals weiter und legte 1964 einen genehmigungsreifen Plan vor. Trotzdem wurden die Arbeiten an den Ausführungsplanungen noch im selben Jahr aus Kostengründen eingestellt.Karl H. Krämer: Opernhaus in Essen. In: Karl. H. Krämer (Hrsg.): AW Architektur und Wettbewerbe. 1983, S. 27. Die Stadt Essen setzte zunächst andere städtebauliche Prioritäten, und so floss ein Großteil der vorhandenen Gelder in den Bau von Wohnungen, Schulen, Straßen und sozialen Einrichtungen.Frank Maier-Solgk: Theater und Philharmonie Essen. Grillo-Theater, Aalto-Theater, Philharmonie. 2012, S. 26.

Zehn Jahre nach dem Wettbewerb entschied der Rat der Stadt Essen, die Planungsarbeit mit veränderten Vorlagen wieder aufzunehmen. Aalto erhielt erneut den Auftrag, die Pläne zu überarbeiten und sie hinsichtlich einer geplanten Umsetzung zu vervollständigen. Vier Monate vor seinem Tod 1976 stellte der Architekt die baureifen Pläne fertig.s. Wulf Mämpel: Chronik der Ereignisse. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 197f.

Nach dem Tod Aaltos wurde das Projekt ein zweites Mal gestoppt. Aufgrund der „beginnenden wirtschaftlichen Strukturkrise im Ruhrgebiet“ wurden erneut andere kommunalpolitische und städtebauliche Prioritäten gesetzt. Erst als sich die wirtschaftliche Lage 1979 zu entspannen schien, legte der Rat der Stadt Essen fest, dass nach der Fertigstellung des Mitte der 1970er Jahre begonnenen Baus des neuen Essener Rathauses mit der Errichtung des neuen Theaters nach den Plänen Aaltos begonnen werden sollte.s. Wulf Mämpel: Chronik der Ereignisse. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 198 f. Aufgrund dessen suchte die inzwischen gegründete Gemeinnützige Theaterbaugesellschaft mbH „einen deutschen Architekten, der Erfahrungen in der Realisierung und Planung von Theaterbauten besaß, ein leistungsfähiges Büro aufweisen konnte [….] und eine Affinität zu Alvar Aaltos Architektur hatte“.Harald Deilmann: Vom Entwurf zur Ausführung. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 46. 1981 wurde die Umsetzung des Projekts schließlich dem Architekten Harald Deilmann übertragen. Dieser änderte den Entwurf Aaltos hinsichtlich „inzwischen veränderter funktioneller und bautechnischer Forderung“Werner Rietdorf: Das Opernhaus in Essen/Aalto, Alvar. In: Architektur der DDR. Bd. 38, 1989, S. 50. wahrte jedoch das „architektonisch-künstlerische Konzept Aaltos“. Drei Jahre nachdem Deilmann das Projekt übernommen hatte, fand am 15. November 1983 die Grundsteinlegung statt„Das Aalto-Theater – Chronologie des Aalto-Baus“, Theater und Philharmonie Essen und am 25. September 1988 die Eröffnung mit einer Aufführung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg.

Im September 2008 wurde das Aalto-Theater in der Fachzeitschrift Opernwelt nach einer Umfrage unter fünfzig unabhängigen Kritikern aus verschiedenen Ländern als bestes Opernhaus im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet und trägt nun den Titel Opernhaus des Jahres 2008. In der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift theater pur konnte das Aalto-Theater seinen ersten Preis 2009 behaupten.

Ideenwettbewerb 1959 leitete die Gesellschaft zur Förderung des Theaterneubaus einen Wettbewerb zur Ideenfindung für einen neuen Essener Theaterbau in die Wege.

Im Auslobungstext des Wettbewerbes wurde festgehalten, dass der Wettbewerb die Planungen eines Hauses zum Ziel hatte, welches primär den Darbietungen musikalischen Theaters (Oper und Operette) dienen sollte, in besonderen Fällen, aber auch für Schauspielaufführungen ausgestattet sein sollte. Die Wettbewerbsteilnehmer sollten ein entsprechendes Gebäude für ein im Norden des Stadtgartens („Ecke Huyssenallee, Roland- und Rellinghauser Straße“) gelegenes Baugelände konzipieren. Dabei legten die Verantwortlichen insbesondere auf die städtebauliche und verkehrstechnische Lösung wert. Das Theater sollte für die Besucher sowohl mit der Straßenbahn als auch mit dem PKW zu erreichen sein, weshalb Parkmöglichkeiten für 350 bis 500 Autos und verschiedene Wege für Fußgänger vorzusehen waren. Im Innenraum galt es einen Zuschauerraum mit etwa 1300 Plätzen, einem wandelbaren Orchestergraben für rund 100 Musiker, eine moderne Raumbeleuchtung und ein Bühnenhaus mit Haupt-, Hinter- und Seitenbühnen zu konzipieren. Zwar sollte kein bühnentechnisches Programm ausgearbeitet werden, dennoch sollten veränderliche Bühnenöffnungen und -böden sowie „Platz für elektroakustische Einrichtungen“Harald Deilmann: Vom Entwurf zur Ausführung. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 21. erkenntlich gemacht werden. Weiterhin war ein großes Foyer mit zentraler Garderobe, ein Restaurant, ein abgetrennter Raucherbereich und entsprechende Wirtschaftsräume, Beheizungen und Lüftungen vorgesehen. Neben einem Orchesterprobesaal, einem Chorprobesaal, einem Ballettsaal, zwei Probebühnen, mehreren Musikprobezimmern und einem kleinen Magazin für Kostüme sollten ebenfalls Personalräume, Werkstätten, Betriebs- und Lagerräume in den Entwürfen enthalten sein.

Neben einigen in Essen ansässigen Architekten, die am Wettbewerb teilnahmen, wurden die externen Architekten Alvar Aalto, Otto Apel, Fritz Bornemann, Werner Frey und Jacques Schader, Gerhard Graubner, David Helldén, Hans Schwippert und Weber „gegen besondere Vergütung“ eingeladen. Zwar hatten alle Teilnehmer die oben genannten Anforderungen weitestgehend erfüllt und konnten teilweise mit interessanten Ansätzen aufwarten, dennoch entschied das Preisgericht einstimmig, dass der Entwurf Aaltos aufgrund seiner „hervorragenden künstlerischen Qualitäten in großem Abstand zu den anderen Arbeiten“ den ersten (und einzigen) Preis erhalten sollte. Für fünf weitere als gut befundene Beiträge vergab das Preisgericht lediglich gleich gewertete Ankäufe.

Entwurf Bis es 1983 zur Ausführung des neuen Theaterbaus kommen sollte, wurde der 1959 eingereichte Ideenentwurf Alvar Aaltos mehrmals überarbeitet. Zunächst änderte Aalto seinen Entwurf in zwei Etappen (1960–1964 und 1969–1976) selbst ab und nach seinem Tod passte der Architekt Harald Deilmann die Pläne den zwischenzeitlich veränderten Bauvorgaben an.s. Wulf Mämpel: Chronik der Ereignisse. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 195ff.

Alvar Aaltos Ideenentwurf von 1959 In seinem Entwurf stellte der finnische Architekt Alvar Aalto einen organischen Bau vor, welcher im äußersten nordöstlichsten Winkel des vorgesehenen Grundstücks, an der Kreuzung Rolandstraße/Rellinghauserstraße platziert werden sollte.Harald Deilmann: Vom Entwurf zur Ausführung. In: Dietmar N. Schmidt (Hrsg.): Das Theater von Alvar Aalto in Essen. 1988, S. 28. Indem Aalto die Grundform des Gebäudes den Flächen und Formen des Parks anpasste, ließ er den Bau „zu einem plastischen Ausdrucksträger der Geländestruktur werden“Gerhard Storck: Probleme des modernen Bauens und die Theaterarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland. 1971, S. 477..