mini|Plan zur Operation Downfall Die Operation Downfall war der alliierte Plan zur Invasion der Hauptinseln Japans zum Ende des Pazifikkrieges im Zweiten Weltkrieg.

Der Plan war in zwei Teile gegliedert, die Operation Olympic, welche die Invasion von Kyūshū im November 1945 vorsah, sowie die Operation Coronet, welche die Invasion von Honshū nahe bei Tokio im Frühjahr 1946 beinhaltete. Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und der Sowjetischen Invasion der Mandschurei kapitulierten die Japaner jedoch, bevor die Pläne umgesetzt wurden.

Vorgeschichte Schon 1943 kamen die Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte darin überein, dass die Japaner spätestens ein Jahr nach den Deutschen kapitulieren sollten. Darin wurden sie bestärkt, als britische Pläne bekannt wurden, die die Einnahme des japanischen Heimatlandes nicht vor dem Frühjahr 1947 vorsahen. Durch einen solchermaßen verlängerten Krieg sahen die Amerikaner die Kampfmoral der eigenen Bevölkerung in Gefahr. Zudem hatte die Sowjetunion auf der Sextant-Konferenz Ende November 1943 eine verpflichtende Erklärung abgegeben, sich dem Krieg im Fernen Osten anzuschließen, sobald der Krieg mit Deutschland beendet sei.

Im Sommer 1944 kam es dann auch zu der lang erwarteten hohen Opferzahl des Zweiten Weltkriegs, mit der Invasion in der Normandie in Europa und der Schlacht um die Marianen-Inseln im Pazifik. Amerika litt spätestens ab diesem Zeitpunkt an einem Mangel an Soldaten. Dies machte sich auch auf der politischen Bühne bemerkbar, wo Kriegsminister Henry Stimson und der Armeestabschef George C. Marshall konträre Meinungen zu dem Problem vertraten. Während Stimson sich große Sorgen um die Truppeneinsatzmöglichkeiten an den Fronten machte, sah Marshall die Sache wesentlich optimistischer. Die Kompromisslösung bestand darin, bis Mitte Februar die letzten neun ungebundenen Divisionen über den Atlantik zu schicken, darunter zwei, die speziell für die Invasion Japans ausgebildet worden waren. In der Zwischenzeit rückten die Anforderungen für genau diese Operation aber in den Vordergrund, als Briefe, die den kritischen Personalbedarf des Militärs umrissen, von Präsident Roosevelt, Marshall und dem Chef der Marineoperationen Ernest J. King an den Militärausschuss des Repräsentantenhauses geschickt und in der New York Times und anderen Zeitungen am 17. Januar 1945 veröffentlicht wurden. Es folgte Stimsons Ankündigung, dass die monatliche Einberufung des Wahldienstes der Armee, die bereits im Januar 1945 von 60.000 auf 80.000 erhöht worden war, im März noch einmal in Erwartung der Invasion von Japan auf 100.000 Mann pro Monat gesteigert werden muss. Gleichzeitig wurden die AGFAGF → Army Ground Forces-Ersatzausbildungszentren ausgebaut und erreichten im Juni, Monate nachdem US-Divisionen an der Elbe zum Stillstand gekommen waren, einen Kriegshöchststand von 400.000.

Planung

Im weiteren Kriegsfortschritt sahen sich die Joint Chiefs of Staff (JCS) immer mehr mit der Aussicht konfrontiert, dass eine bedingungslose Kapitulation von Japan eine Invasion des japanischen Heimatlandes erfordern könnte.

Für die Operationsplanung zur Operation Downfall zeichneten die USA verantwortlich. Da zu diesem Zeitpunkt die Entwicklung der Atombombe innerhalb des Manhattan-Projekts noch ein streng gehütetes Geheimnis war und auch in Führungskreisen nur sehr wenige eingeweiht waren, spielte sie bei der Planung keine Rolle.

Einige wichtige Offiziere der US-Navy und der Army Air Force, angeführt von Flottenadmiral Ernest J. King, Chief of Naval Operations, und General Henry H. Arnold, Chief of the Army Air Force, argumentierten, dass eine Kombination aus Seeblockaden und Luftangriffen eine Japanische Kapitulation ohne die Notwendigkeit einer Bodeninvasion ermöglichen würde. Der Chief of Staff of the Army, General George C. Marshall, und seine Armeeplaner glaubten jedoch, dass Japans Kapitulation zu den von den Alliierten geforderten Bedingungen nur durch eine Invasion seines Heimatgebiets sichergestellt werden könne. Beide Seiten hatten legitime Argumente vorgebracht, aber die Debatte schien auch den organisatorischen Wettbewerb zwischen den Streitkräften widergespiegelt zu haben.

Für eine Invasion in Japan musste eine gemeinsame Führung aus den bisher geteilten Pazifikkommandos gebildet werden. Nach einigem Kompetenzgerangel zwischen den verschiedenen Führungsebenen der unterschiedlichen Waffengattungen einigte man sich auf US-General Douglas MacArthur.

Die Gesamtplanung für Downfall wurde den höchsten Ebenen der US-Kommandostruktur unternommen. Verantwortlich zeichneten neben General MacArthur:

Fleet Admiral Chester W. Nimitz – Oberbefehlshaber der alliierten Marineeinheiten im Pazifik und Commander in Chief, Pacific Ocean Areas (CINCPOA), Fleet Admiral Ernest J. King – Chief of Naval Operations (CNO), Fleet Admiral William D. Leahy – Vorsitzender der Combined Chiefs of Staff, General of the Army George C. Marshall – Chief of Staff of the Army, General of the Army Henry H. Arnold – Oberbefehlshaber der United States Army Air Forces

Mitte 1944 begann sich dann ein Konsens über die Notwendigkeit zu bilden, eine Invasion zumindest zu planen und vorzubereiten. Daher bereitete die Armeeabteilung des Joint War Plans Committee (JWPC) eine Studie über das damals umstrittene Thema der Operationen gegen Kyūshū vor, wobei sie völlig unabhängig von den Marinemitgliedern des Komitees arbeitete.

Anfang Juli des Jahres genehmigten die Joint Chiefs of Staff einen Bericht seines Joint Planning Staff (JPS), wonach die bedingungslose Kapitulation durch die Untergrabung der Fähigkeit und des Willens Japans zum Widerstand durch See- und Luftblockaden, intensive Luftangriffe und die Zerstörung der japanischen Luft- und Seestreitkräfte erreicht werden sollte; und letztendlich auch durch die Invasion und Eroberung von Zielen im japanischen Industriekern.

Dieser Bericht forderte die Invasion der Ryūkyū-Insel Okinawa und der japanischen Heimatinsel Kyūshū, um Stützpunkte für eine entscheidende Bodeninvasion in der Tokio-Ebene zu starten, der Region um die japanische Hauptstadt auf der zentralen Insel Honshū. Er wurde die Grundlage für eine vereinbarte Erklärung bei der Octagon-Konferenz in Québec zwischen US-Präsident Franklin D. Roosevelt und dem britischen Premierminister Winston Churchill.

Die Pläne für Downfall wurden von den Combined Chiefs of Staff erstmals Anfang 1945 auf der Argonauten-Konferenz auf Malta erarbeitet. Am 9. Februar 1945, nur wenige Tage vor dem historischen Drei-Mächte-Treffen in Jalta, wurden US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill über die Schlussfolgerungen von Argonaut informiert. Damals postulierte das strategische Konzept der zukünftigen Operationen im Pazifik die Niederlage Japans innerhalb von 18 Monaten nach der Kapitulation Deutschlands.

Am 3. April 1945 wurden von den Joint Chiefs of Staff General Douglas MacArthur und Admiral Chester Nimitz beauftragt Pläne zu entwickeln und mit den Vorbereitungen für eine Invasion von Kyūshū zu beginnen. Dies war aber nur eine reine Planungsrichtlinie, kein Ausführungsauftrag.

Selbst zu diesem Zeitpunkt zögerten Admiral King und Admiral Leahy, die Invasionsentscheidung als vollendete Tatsachen zu behandeln. Obwohl sie sich nicht direkt gegen eine Invasion aussprachen, befürworteten sie weiterhin Zwischenziele entlang der chinesischen Küste. Aber mit der Invasion von Okinawa Anfang April 1945 verspürten die militärischen und zivilen Führer der USA eindeutig einen wachsenden Druck, den nächsten Schritt in der Pazifikstrategie festzulegen. Ende April einigte man sich darauf, Anweisungen für pazifische Kommandeure zu formulieren, die darauf abzielten, mit einer Invasion auf Kyūshū fortzufahren.

Die Wahl des Oberbefehlshabers der Gesamtoperation fiel zwischen MacArthur und Nimitz. Unterdessen gaben beide eine gemeinsame Empfehlung in einem Punkt ab, in dem sie sich einig waren. Dies war das Zieldatum für die Invasion von Kyūshū, das der 1. November 1945 sein sollte. Die Planungsrichtlinie vom 3. April hatte noch den 1. Dezember als Invasionsdatum für Kyūshū und den 1. März 1946 für Honshū angegeben. Sowohl MacArthur als auch Nimitz argumentierten, dass die Planung der Invasion von Kyūshū bis zum 1. Dezember die Operation Wetterunwägbarkeiten aussetzen würde, die dazu führen könnten, dass sie auf das Frühjahr 1946 verschoben wird, was zu einer erheblichen Verzögerung der Beendigung des Krieges führen würde.

Am 25. Mai 1945 schickten die Joint Chiefs of Staff schließlich eine Anweisung, in der MacArthur die „Hauptverantwortung für die Durchführung der Operation OLYMPIC“ (Deckname für die Kyūshū-Invasion) zugewiesen und der 1. November als Datum festgelegt wurde. Die Invasion von Honshū (Deckname CORONET) blieb für den 1. März 1946 geplant.

Die vorgeschlagenen Ziele waren:

Nach der Okinawa-Operation (Operation Iceberg) zusätzliche Positionen zu besetzen um die Bombardierungen Japans zur Blockade zu intensivieren, um eine günstige Situation zu schaffen für: Einen Angriff auf Kyūshū mit dem Ziel, die japanischen Möglichkeiten weiter zu reduzieren, indem große feindliche Streitkräfte eingedämmt und zerstört werden und die Blockade und Bombardierung weiter intensiviert werden, um eine taktische Bedingung zu schaffen, die günstig ist für: Die entscheidende Invasion des industriellen Herzens Japans durch die Tokyo-Ebene.

Japan selbst bot landschaftlich viele Möglichkeiten für Landungstruppen. Die geeignetsten Strände lagen auf der südlichen Insel Kyūshū und der Kanto-Ebene südwestlich und südöstlich von Tokio. Daher wurde eine Invasion in zwei Schritten beschlossen. Mit der Operation Olympic sollte zuerst Kyūshū eingenommen werden, damit dort Militärflugplätze errichtet werden konnten. Mit diesen wäre es möglich gewesen, der folgenden Operation Coronet verstärkte Luftunterstützung in der Bucht von Tokio zu gewähren.

mini|Geschätzte japanische Truppenstärke auf Kyūshū (9. Juli 1945) mini|Geschätzte japanische Truppenstärke auf Kyūshū (2. August 1945) Zur Vorbereitung gehörte auch das Ausspähen der japanischen Einheiten, die zur Verteidigung des Mutterlandes bereitstanden. Basierend auf Anfang 1945 gewonnenen geheimdienstlichen Berichten lauteten die Voraussagen wie folgt: Der Invasion wird sich nicht nur das japanische Militär entgegenstellen, sondern auch eine fanatische, feindlich gesinnte Zivilbevölkerung. Zu Beginn der Operation Olympic werden drei feindliche Divisionen im südlichen Kyūshū stationiert sein und noch einmal drei im Norden der Insel. Die gesamte feindliche Streitmacht gegen die Operation Olympic wird acht bis zehn Divisionen nicht übersteigen. Diese Anzahl kann aber schnell erreicht werden. Auf Honshū werden zu Invasionsbeginn 21 feindliche Divisionen stationiert sein, davon allein 14 in der Kanto-Ebene. Die Japaner werden höchstwahrscheinlich ihre landbasierte Luftwaffe auf das asiatische Festland verlegen, um sie vor amerikanischen Angriffen zu schützen. Unter diesen Umständen ist es möglich, dass eine Flotte von 2.000 bis 2.500 Kampfflugzeugen bei einer stetig weiter produzierenden Industrie aufgebaut werden kann und diese auch bei der vorgesehenen Invasion auf Kyūshū gegen die Landungstruppen eingesetzt werden wird. Als Zwischenstützpunkte können einheimische Flughäfen genutzt werden. Die Operation Downfall sollte mit Ausnahme eines Teils der British Pacific Fleet eine rein amerikanische Operation sein. Sie forderte den Einsatz des gesamten Marine Corps, der gesamten Pazifikflotte, Elemente der Seventh Air Force, die Eighth Air Force, die erst kürzlich aus Europa verlegt worden war, die Tenth Air Force und die American Far Eastern Air Force. An den Kämpfen wären mehr als 1,5 Millionen Kampfsoldaten, davon 3 Millionen weitere als Unterstützung oder mehr als 40 % aller Soldaten, die 1945 noch Uniform trugen, direkt beteiligt. Es wurde mit extrem hohen Verlusten gerechnet.