Der Orjen ist ein stark verkarstetes Hochgebirge mit ausgeprägten pleistozänen Glazialspuren im Westen Montenegros. Es ist ein Teil des Dinarischen Gebirges und bildet mit dem Lovćen und der Rumija das südlichste Element der aus mesozoischen Kalksteinen aufgebauten litoralen Dinariden. Das Gebirge liegt unmittelbar am tiefen Einschnitt der Bucht von Kotor. Hier ist auch die strukturgeografische Nahtstelle an der die Adriatische Platte unter die Eurasische subduziert. Zur seismisch aktive Zonen gehört die vor der Küste gelegene Montenegrinische Störung, die zu den höchsten Erdbeben-Intensitäten im westlichen Balkan führt.

Klimatologisch stellt der Orjen das regenreichste Gebiet Europas und gleichzeitig eine der regenreichsten Regionen der nördlichen Hemisphäre außerhalb der monsunalen Tropen.Hermann Flohn 1948: Zur Kenntnis des jährlichen Witterungsverlaufs im Mittelmeergebiet. Geofisica pura e applicata, 1948, 13, 167-188.(PDF)WMO - WMO Region VI (Europe): Greatest Average Annual Precipitation Mit Jahresniederschlägen von bis über 9000 mm (2010) werden Extremwerte erreicht. Durch den menschengemachten globalen Temperaturanstieg und das wärmer gewordene Mittelmeer werden im klimatologischen Observatorium Crkvice, das seit 1887 besteht, zwar weniger Niederschlagstage und längere Trockenperioden als vor dem Klimawandel beobachtet, die Jahressummen haben aber mit den stärker gewordenen Niederschlagsereignissen mit höheren Intensitäten zu keiner Abnahme der jährlichen Mittelwerte geführt.Dragan Burić, Vladan Ducić, Jovan Mihajlović: THE CLIMATE OF MONTENEGRO: MODIFICATORS AND TYPES - PART ONE . Bulletin of the Serbian Geographical Society, vol 43: 83-102 (PDF)Dragan Burić 2010: Dinamika i mogući uzroci temperaturnih i padavinskih ekstrema na teritoriji Crne Gore u periodu 1951-2010. Dissertation, Universität Belgrad, Departement für Geographie. (PDF)Dragan Burić 2010: Dinamika i mogući uzroci temperaturnih i padavinskih ekstrema na teritoriji Crne Gore u periodu 1951-2010. Dissertation, Universität Belgrad, Departement für Geographie. (PDF) Trotz der orographischen Verstärkung der Niederschlagsintensitäten besitzt das Gebiet keine größeren Fließgewässer oder permanent schüttende Quellen. Alle Abflüsse aus dem Gebiet erfolgen durch eine unterirdische Karstentwässerung; die Ombla bei Dubrovnik ist hierdurch auch zu den am stärksten schüttenden Karstquellen der Erde zu rechnen.

Auf Basis der hohen Niederschlagssummen und der für ein Mittelmeergebirge relativ langen Schneedeckendauer konnten im Gebirge bis heute eiszeitliche Relikte der arktischen Tundrenflora und arkto-alpinen und alpinen Fauna überleben, wie sie erst in den letzten Jahren im Gebiet detektiert wurden.Pavle Cikovac & Katarina Ljubisavljevic 2020: Another isolated relic population of the Alpine Salamander (Salamandra atraLaurenti, 1768) (Amphibia: Caudata: Salamandridae) in the Balkans. Russian Journal of Herpetology, Vol. 27/2: 109-112 (PDF)

Mit 1894 Meter ist der Gipfel des Zubački kabao der höchste Punkt der subadriatischen Dinariden und damit zugleich das höchste Gebirge Dalmatiens. Der Orjen ist für zahlreiche seltene und endemische Pflanzen- und Tierarten eine Zufluchtstätte. In internationaler Kooperation sind diese Ziel von Arten- und Flächenschutzmaßnahmen. Seit 2017 ist der montenegrinische Teil, seit 2019 der bosnische als Naturpark ausgewiesen.

Allgemeines Das eindrücklichste Element der südlichen Adriaküste ist die Bucht von Kotor, ein tief in das Herz der Küstengebirge eingeschnittener überfluteter Canyon. Die inneren Buchten von Risan und Kotor sind von steilen bis 1300 m hohen Wänden umgeben, die über dem schmalen kultivierten Küstenstreifen fast senkrecht überhängen.

Von der Kleinstadt Risan im innersten geschützten Winkel der Bucht führt eine Serpentinenstraße zum 1600 m hohen Pass im Orjen-Gebirge. Von hier sind vielfältige Wanderungen ins Gebirge möglich, die eindrucksvolle Ausblicke auf das Meer sowie die umgebenden bleichen Kalksteinberge ermöglichen. Glazialspuren sowie die endemische Vegetation (Dinarische Karst-Blockhalden-Tannenwald, Schlangenhaut-Kiefern-Felswald) sind im Naturraum beachtenswert.

Aufgrund der Bedeutung der Küstenorte für die historische Entwicklung der Region und der Einmaligkeit des Zusammenwirkens der Naturlandschaft und der menschlichen Kulturgeschichte wurde die historische Seefahrtstadt Kotor mit der gleichnamigen Bucht, die auch das Gebirgsterritorium zwischen Orjen und Lovćen mit einschließt, von der UNESCO als Welterbe der Menschheit ausgewiesen.

Als Besonderheit des subtropischen Gebirges gilt seine sehr eindrückliche Vergletscherung während der letzten Eiszeit (Würmeiszeit) sowie die im mediterranen Raum äußerst hohen Niederschlagssummen, die an der klimatologischen Messstation Crkvice mit fast 5000 mm Niederschlag pro Jahr gleichfalls den europäischen Rekord bedeuten. Geomorphologisch ist der tiefe Einschnitt der Bucht von Kotor markant. Hierüber wurde das Gebiet in historischer Zeit von Illyrern, Griechen und Römern geherrscht. In der Neuzeit verlief über dem Vučji zub das Dreiländereck zwischen Österreich-Ungarn, Osmanischem Reich sowie Montenegro. Historisch bildete der Montenegrinische Volksaufstand in der Krivošije 1869 sowie 1882 gegen die Truppen der k.k.-Monarchie ein markantes nationales Ereignis. Die militärischen Anstrengungen zur strategischen Fortifikation der Bucht von Kotor haben sich im Orjen bis heute durch zahlreiche Forts und aufgelassene Militärpfade erhalten.

Geographie mini|Blick vom Kar Pavlovica zur Adria

Lage und Topographie Der Orjen ist das einzige Hochgebirge Dalmatiens. Der Gebirgskörper grenzt sich durch eine eindrucksvolle 800 bis 1300 Meter hohe Steilstufe zum Meer („Megakliff“) und die Glazialprägung des Hochgebirges von der Umgebung ab. Als tektonisch gehobene Bruchscholle überragt der Orjen das 800 bis 900 Meter ü. NN liegende montenegrinisch-herzegowinische Karsthochland zudem um 1000 Meter.

Niederschlags- und reliefbegünstigt war der Orjen ein Zentrum der pleistozänen Vergletscherung der Balkanhalbinsel. Im Stau des Orjen-Gebirges steigt der Jahresniederschlag auf über 5000 mm jährlich an. Dies sind zugleich Europas höchste Niederschlagssummen, die eher für tropische Regenwaldregionen oder dem vom Monsun geprägten Ost-Himalaya typisch sind, als für den sommertrockenen mediterranen Raum. Insbesondere profitiert die Vegetation von den häufigen Niederschlägen, denn selbst großflächige Hochwälder sind auf dem ansonsten trockenen Kalkboden möglich.

Evolution des Reliefs mini|Velje leto vom Pazua-Kamm gesehen Geomorphologie und morphologische Evolution im Orjen und der Bucht von Kotor haben vielfach Interesse erregt. Die regionale morphologische Charakteristik bestimmt der geologische Bau. Raumzeitlich unterschiedliche Prozesse der geologischen Geschichte wirkten in der Formung des Reliefs, Entwicklung und Effekt kontrollierten endogene neotektonische Bewegungen. Ältere Strukturen prädisponierten diese Bewegungen – die regionalen Decken. Die zentrale Zone vom Orjen wurde dabei relativ gehoben, die Küste gesenkt. Größte Hebungsraten erfährt das Gebiet vom Orjen, mit 6 mm/a.

Im Würm und wahrscheinlich auch im Riss bildete sich eine lokale Gebirgsvergletscherung. Als Prädisposition fungierte das durch Karstprozesse zu Beginn der Risseiszeit inaktive fluviale Ausgangsrelief.

Geologie Montenegro ist in vier stratigraphisch-geologische Zonen eingeteilt. Über zwei Drittel Montenegros gehören dabei zum Karst. Die tektonischen Einheiten der Küste gehören dem neotektonisch aktiven Bereich an, was zu Katastrophen-Erdbeben führte (1556, 1666, 1979 – 7,0 auf der Richterskala). Geologisch kennzeichnend sind die mindestens 4,3 Kilometer mächtigen kreide- und jurazeitlichen Kalke. Aufgrund der Eintönigkeit der massigen mesozoischen Kalke und der hohen Niederschlagssummen ist die Region extrem verkarstet.

Der Orjen liegt in einer neotektonisch aktiven Zone die durch den Rand der Adriatischen Platte sowie die Überschiebung der Hochkarst-Decke über den schmalen Flyschbereich der Budva-Cukali Zone geprägt ist. Die Budva-Cukali Zone trennt dabei die beiden Karbonatplattform der äußersten Dalmatinische Zone von der etwas weiter innen liegenden Hochkarst-Decke. Die Zentrale Zone der Hochkarst-Decke wird durch einförmige Karbonate der Kreide bis Tertiär gebildet. Westlich der zentralen Zone bildet der Graben von Grab eine markante meridionale Störung. Von Nord nach Süd verläuft eine weitere Störung die südlich des Grahovo Polje und westlich des Dragaljsko Polje bis in die Bay von Risan und weiter bis Tivat verfolgt werden kann. Somit liegen alle Poljen im Orjen an diesen beiden Störungen. Die Nördliche Zone überschiebt sich an der Störung über die zentrale Zone. Für die nördliche Zone ist Dolomitgestein charakteristisch. Diese bedingen ein ruhigeres, weniger stark verkarstetes Relief. Im Einschnitt der Nudoljska reka ist hier auch der einzige aktive Fluss im Orjen ausgebildet.

Tektonisch und geomorphologisch ausgeprägt ist der Kontrast zur tief an den Rand der Hochkarst-Decke eingemeißelten Bucht von Kotor. An der Grenze dreier geologischer Einheiten von löslichen und unlöslichen Sedimenten ist diese Bucht durch erosive und tektonische Prozesse entstanden. So reicht die Hochkarst-Decke im Bereich der inneren Baien von Risan und Orahovac direkt an die Küste. Der Mittelteil der Bucht von Kotor wird durch stark gefaltete Flyschfazien der Budva-Cukali Zone (Vramac Halbinsel). Nach außen folgt die Dalmatinische Zone. Eine zur Hochkarst-Decke weniger stark verkarstete Karbonatplattform.

Günstigere Verhältnisse herrschen dort, wo wasserhaltende Flysch-Fazies der Trias, Jura, Kreide und des Paläozäns liegen. Sie sind als stark erodierte Reste im Mittelteil der Bucht von Kotor erhalten, wo die kurzen Bäche für Mühlen genutzt werden.

Allgemein zur Geologie des Orjen ist von Antonijević, Pavić und Karović die Geologische Basiskarte Kotor (K34-50, Maßstab 1:100.000) erarbeitet worden.Antonijević, R., Pavić, A., and Karović, J., 1969. Osnovna geološka karta, List Kotor, K34-50. Beograd, Srbija: Savezni geološki zavod, scale 1:100,000.

Strukturgeologie Der Gebirgsraum des Orjen liegt an der frontalen Subduktionszone der Adriatischen Platte unter die Hochkarst-Decke. Die schmalen geologischen Einheiten die vor der Hochkarstdecke liegen, Pinuds-Cukali Zone und Dalmatinische Zone sind daher stark eingeengt. Während die Dalmatinische Zone noch aus Karbonaten des Mesozoikums aufgebaut ist, so wird die Pindus-Cukali Zone durch megelige Kalksteine sowie Flysch geprägt. Der geologische Wechsel zur Hochkarst-Decke ist sowohl topographisch als auch hydrographisch markant. Die Hochkarst-Decke steigt in einer 1000 m hohen Stufe abrupt auf. Sie ist hier überwiegend durch eintönige Kalksteine und Dolomitsteine der Oberen Kreide (Cenoman und Turon) gegliedert. Die stark gefalteten, nur dünn geschichteten Kalksteine haben zumeist mergelige Schichten. Diese sind an der Buganja greda sowie der Gnjila greda durch Kalkschuttfluren, die insbesondere nordseitig auftreten, besonders auffällig. Massive kreidezeitliche Kalksteine kommen am Vučji zub und der Reovačka greda vor. In der Regel kann ein Einfallen der Kalkschichten von 45° beobachtet werden. Im Gripfelaufbau der Subra liegen horizontal geschichtete massige Kalksteine. Sie sind Grundlage der hohen und eindrucksvollen Subra-Ostwand. Im sanften Jastrebica-Kamm liegen dünn geschichtete, saiger stehende Kalksteine, durch Glazialerosion entstanden auf der Jastrebica alpine Korridore.

Allgemein sind die kreidezeitlichen Karbonatserien im Orjen sehr viel stärker gefaltet als es die jurazeitlichen Kalksteine im benachbarten abgerundeten Lovčen oder etwa im Velebit sind. Da diese massiven jurazeitlichen Karbonate wenig geschichtet sind, wurden sie viel weniger stark gefaltet.