Die laotische Sprache (; auch: Lao) ist die Staatssprache der Volksrepublik Laos. Daneben ist sie im Nordosten von Thailand als Isan-Dialekt weit verbreitet. In Laos wird die Sprache mit der laotischen Schrift geschrieben, in Thailand (wenn überhaupt) mit der thailändischen Schrift. Die Differenzierung zwischen der laotischen Sprache und der Isansprache ist eher politisch motiviert. Nach dem Verlust der Gebiete im heutigen Laos an Frankreich versuchte Thailand weitere Gebietsverluste zu verhindern, indem es die thailändische Sprache im Nordosten des Landes propagierte, bzw. eine eigene Isansprache und Kultur. Erst die Schaffung einer Grenze am Mekong führte zur Differenzierung zwischen der laotischen Sprache und der Isansprache. Ursprünglich wurde auf beiden Seiten des Mekong die Tai Noi Schrift zum Schreiben der laotischen Sprache verwendet. Nach dem Sieg der Pathet Lao wurde die laotische Sprache und Schrift in der Volksrepublik umfassend reformiert.Radio Free Asia: Lao is a living language, rich in historyN. J. ENFIELD Lao as a National Language
Klassifikation Laotisch gehört zum Tai-Zweig der Tai-Kadai-Sprachfamilie.
Geografische Verteilung mini|Geografische Verteilung der laotischen Sprache: mini|In großen Teilen der Nordostregion von Thailand wird Laotisch (Isan) gesprochen. Laotisch wird von der Bevölkerung nördlich und südlich des Mekong in Laos und in Thailand gesprochen. Es gibt ein Dialektkontinuum zwischen Thai und Laotisch, zwischen beidem liegt der Isan-Dialekt von Nordost-Thailand.
Phonetik und Phonologie
mini|Laotisch als gesprochene Sprache (Projekt Wikitongues)
Laotisch ist eine Tonsprache.
Vokale
Das Vokalsystem des Laotischen umfasst zwölf Vokalphoneme: neun Monophthonge – //, //, //, //, //, //, //, // und // – sowie drei Diphthonge – //, // und //. Es gibt je nach Silbenstruktur lange und kurze Allophone.Морев/Москалев/Плам 1972 S. 20–22.
Konsonanten
Das Konsonantensystem des Laotischen umfasst 28 Phoneme: Морев/Москалев/Плам 1972 S. 22–25.
Töne
Enfield 2007 (S. 35–36) beschreibt fünf lexialische Töne für das Laotische, wie es in Vientiane gesprochen wird:
Nummer: 1 2 3 4 5 Beschreibung: mittel und eben hoch und steigend niedrig und evtl. scharf ansteigend hoch fallend mittel und fallend Beispiel: khaa1 khaa2 khaa3 khaa4 khaa5 Übersetzung: Galgant feststecken Bein Handel Sklave
Nach Morew/Moskalew/Plam 1972 hat Laotisch sechs Toneme:
Nummer: 1 2 3 4 5 6 Beispiel: kʰa1 kʰa2 kʰa3 kʰa4 kʰa5 kʰa6 Übersetzung: Bein unvollendet bleiben handeln Preis Elefantengras (zum Dachdecken) töten
Tonem 1 wird als steigende Kontur realisiert, die auf derselben Höhe wie Tonem 2 (oder sogar etwas niedriger) beginnt, zunächst etwas fällt und dann in eine steigende Kontur übergeht.
Tonem 2 hat eine ebene Kontur mittlerer (oder leicht über mittlerer) Höhe mit einem leichten Anstieg am Ende. Dieser Anstieg wird nur vor einer Pausa realisiert, sonst fehlt er.
Tonem 3 wird als fallende Kontur realisiert, die anfangs eben oder nur leicht fallend ist. Der fallende Hauptteil der Kontur fällt auf die Höhe des zweiten (ebenen) Tonems ab.
Tonem 4 wird als ebene, halb tiefe Kontur realisiert. Das Register von Tonem 4 liegt etwas tiefer als jenes des mittleren ebenen Tonems 2.
Tonem 5 wird als tiefe, ebene Kontur realisiert und weist in der Regel Glottalisierung auf.
Tonem 6 wird als tiefe, fallende Kontur realisiert, wobei der Abstieg einen geringeren Umfang aufweist als Tonem 3. Es beginnt etwas höher als Tonem 5, aber tiefer als Tonem 4. So wie das tiefe ebene Tonem 5 weist es in der Regel Glottalisierung auf.Морев/Москалев/Плам 1972 S. 28–31.
Auch die Grammatik von Wright,Wright S. 89. die Wörterbücher von Morev/Wassiljewa/Plam (1982), von Marcus (1970) und von Kerr (1972) sowie das Lehrbuch von Hoshino/Marcus (1981) unterscheiden sechs Töne.
Grammatik Laotisch ist eine isolierende Sprache, die weder Deklination noch Konjugation kennt. Tempus und Numerus etc. verändern die Wörter nicht. Laotisch kennt keine Artikel und kein grammatisches Geschlecht. Die grundlegende Wortstellung im Satz ist Subjekt–Verb–Objekt.
Wortschatz Der Wortschatz des Laotischen enthält viele Lehnwörter aus dem Pali und dem Sanskrit. Erbwörter im Grundwortschatz sind meist einsilbig. Daneben gibt es eine Vielzahl von Wörtern, die ursprünglich aus dem Französischen oder Vietnamesischen stammen.
Schrift Es gibt eine eigene laotische Schrift.
Beispiele Laotisch ALA-LC-Transkription Deutsch Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.
Aus den folgenden Beispielen geht klar hervor dass die Isansprache mit der laotischen Sprache verwandt ist, es dagegen große Unterschiede zur thailändischen Sprache gibt.
Deutsch Isan Laotisch Thailändisch Ich liebe dich koi hak djau koi hak djau chan rak kun Hast du bereits gegessen? djau gin khao la bo djau gin khao läo bo khun gin khao rü yang Das schmeckt sehr gut säp lai säp lai aroi mak Ich vermisse dich koi kit hod djau koi kit hod djau chan kit tüng khun Woher kommst du? djau ma dtä sai djau ma dtä sai khun ma djak nai Wohin gehst du? djau si bai sai djau gamlang dja baai sai khun gamlang dja bai nai Macht nichts! bo bpen jang bo bpen jang mai bpen rai Wie alt bist du? djau aju tau dai djau aju djak bpi khun aju tau raiIch verstehe nicht koi bo hu lüang dok koi bo hu lüang chan mai ru rüang Wie heißt du? djau sü jang djau sü jang khun djü arai Hast du Spaß? muan bo man muan bo sanuk mai Ich gehe nach Hause zurück koi gamlang gap baan koi gamlang gap baan djan gamlang dja glap baan
Siehe auch Unicode-Block Laotisch
Literatur
Allgemein Лев Николаевич Морев, Алексей Алексеевич Москалев, Юрий Яковлевич Плам: Лаосский язык. Moskau: Наука, 1972.
Grammatik Boike Rehbein; Sisouk Sayaseng: Laotische Grammatik: Phonologie, Formenlehre und Pragmatik. Hamburg 2004, ISBN 3-87548-322-7. Julien Joseph Hospitalier: Grammaire laotienne. Imprimerie National, P. Geuthner, Paris 1937. Pamela Sue Wright: A Lao grammar for language learners. Thammasat University, Bangkok, ISBN 1-131-15788-5.
Wörterbücher Boike Rehbein; Sisouk Sayaseng: Wörterbuch Laotisch-Deutsch, Deutsch-Laotisch. Hamburg 2000, ISBN 3-87548-185-2 (8.000 Stichwörter Laotisch–Deutsch, 11.000 Stichwörter Deutsch–Laotisch) Marc Reinhorn: Dictionnaire laotien-français. 2 Bde. Paris: Centre National de la Recherche Scientifique, 1970/1971. Лев Николаевич Морев, Валентина Хоновна Васильева, Юрий Яковлевич Плам: Лаосско-русский словарь. Moskau: Русский язык, 1982 (25.000 Stichwörter). Allen D. Kerr: Lao–English Dictionary. Bangkok: White Lotus, 1972. Russel Marcus: English–Lao, Lao–English Dictionary. Rutland/Tokyo: Charles E. Tuttle, 1970.
Lehrbücher Tatsuo Hoshino; Russell Marcus: Lao for beginners: an introduction to the spoken and written language of Laos. Boston 2000, ISBN 0-8048-1629-8. Benjawan Poomsan Becker, Buasawan Simmala: Lao For Beginners. Paiboon Publishing, Chulalongkorn University, 2009, ISBN 978-1-887521-87-1 (Second Edition) An Intermediate-Advanced Level Laotian Refresher Course. Book 1. Washington: English Language Services, 1960.
Weblinks zur Transkription Lao (PDF; 77 kB) In: Report on the current status of United Nations romanization systems for geographical names - this document refers to the Lao Commission Nationale de Toponymie. There is no Lao romanization system officially adopted by the UN. Lao. (PDF; 151 kB) Library of Congress romanization table Lao. (PDF; 107 kB) Unicode code chart
Weblinks
Omniglot (auf Englisch) SEAsite Laos (auf Englisch) AbcdLaos (auf Spanisch) Rosetta Project (auf Englisch)
Einzelnachweise und Anmerkungen
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