Fianna Fáil [] (Abkürzung FF; irisch für Soldaten des Schicksals oder Soldaten Irlands) ist eine liberal-konservative Partei der politischen Mitte in Irland. Sie ist eine der beiden großen Parteien und hat häufig die Regierung gestellt.

Bei ihrer Gründung lehnte sie den Anglo-Irischen Vertrag radikal ab. Seit den 1930er Jahren entwickelte sie sich zur dominierenden Partei in Irland. Fianna Fáil war seit 1932 die am stärksten im Unterhaus (Dáil Éireann) vertretene Partei und in Europa eine der Parteien mit der längsten Regierungsbeteiligung. 2011 ging sie in die Opposition und verlor ihren Status als stärkste Partei. Seit 2016 unterstützte sie eine Minderheitsregierung der rivalisierenden Fine Gael, seit Juni 2020 stellt sie in einer Koalition mit ihr den Regierungschef. Die Partei ist seit Dezember 2007 in Nordirland registriert.rte news: „FF officially recognised in Northern Ireland“, 7. Dezember 2007, letzter Abruf am 14. September 2010 (englisch)

Die FF ist Mitglied der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa. Ihr einziger Abgeordneter, Brian Crowley, im Europäischen Parlament trat jedoch in der Legislaturperiode 2014 bis 2019 der EU-kritischen EKR-Fraktion bei. Zuvor waren die Abgeordneten der Partei Mitglieder der ALDE-Fraktion und davor Mitglied der Fraktion Union für ein Europa der Nationen. Seit der Wahl 2019 sitzt ihr neugewählter Abgeordneter, Billy Kelleher, wieder in der liberalen Renew-Fraktion (der Nachfolgefraktion von ALDE).

Geschichte Die Partei wurde am 23. März 1926 von Éamon de Valera gegründet. Den heutigen Namen erhielt die Partei am 2. April desselben Jahres. De Valera, von April 1919 bis August 1921 Premierminister und Präsident des Dáil Éireann sowie seit August 1921 Präsident der Irischen Republik, war im Januar 1922 von der Präsidentschaft zurückgetreten, als durch den Anglo-Irischen Vertrag der irische Freistaat beschlossen worden war. De Valera führte die Fraktion der Vertragsgegner in der Partei Sinn Féin von 1922 bis 1926 durch den irischen Bürgerkrieg, bevor er 1926 aus Protest gegen die harte Linie der Partei sowie den irischen Freistaat aus Sinn Féin austrat. Obwohl seine neue Partei Fianna Fáil ebenfalls Gegner des Vertrags war, hatte sie einen eigenen Ansatz zur Republikanisierung des Freistaates – im Gegensatz zur Fraktion der Vertragsgegner innerhalb der Sinn Féin wollte man nicht die „Uhr zurückdrehen“ und den Unabhängigkeitsprozess neu beginnen.

Fianna Fáil verweigerte ursprünglich, wegen des umstrittenen Treueeids gegenüber der Freistaaten-Verfassung sowie dem (britischen) König, die Teilnahme am Unterhaus des Freistaats. Doch schließlich beschloss man, den Eid als „leere Formulierung“ anzusehen und legte ihn ab.

Der erste Parteivorsitzende war Éamon de Valera. Weitere Gründungsmitglieder waren u. a. Seán Lemass, Sean T. O’Kelly und P.J. Ruttledge. Die Zielgruppe der Partei waren zu dieser Zeit die Unterstützer der Vertragsgegner sowie die Arbeiterklasse.

Vorsitzende Éamon de Valera (1926–1959) Seán Lemass (1959–1966) Jack Lynch (1966–1979) Charles J. Haughey (1979–1992) Albert Reynolds (1992–1994) Bertie Ahern (1994–6. Mai 2008) Brian Cowen (7. Mai 2008 bis 22. Januar 2011) Micheál Martin (seit 26. Januar 2011)

De Valera 1926–1959 Am 9. März 1932 wurde de Valera zum Präsidenten des Exekutivrats des irischen Freistaates gewählt – ein Amt, das er 21 Jahre lang ausüben sollte (davon 16 Jahre ununterbrochen). Während seiner ersten Amtszeit schwächte de Valera die Verbindungen zwischen dem Freistaat und dem Vereinigten Königreich, schaffte den Treueeid gegenüber der britischen Krone ab und reduzierte den Posten des Generalgouverneurs auf ein Minimum. Weiterhin startete de Valera 1933 den Anglo-Irischen Handelskrieg, der erst 1938 beigelegt wurde. Irland wurde dadurch zur Republik mit einem gewählten Präsidenten an der Spitze und vollkommen unabhängig vom Vereinigten Königreich.

Im Mai 1936 schaffte de Valera den Seanad Éireann ab und verkündete den Entwurf einer neuen Verfassung. Am 1. Juli 1937 nahm das irische Volk unter der Regierung von Fianna Fáil die neue Verfassung an.

1939, vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, verkündete de Valera die Neutralität Irlands – ein Schritt, der die Briten sehr verärgerte.

Bei der Wahl 1948 verlor Fianna Fáil (obwohl sie stärkste Partei war) die Macht an die erste Mehrparteienregierung. Drei Jahre später, von 1951 bis 1954 stellte Fianna Fáil wieder die Regierung, aus der jedoch keine frischen Ideen kamen. Daraus resultierte von 1954 bis 1957 die zweite Mehrparteienregierung ohne Fianna Fáil.

1957 übernahm de Valera, mittlerweile 75 Jahre alt und nahezu blind, letztmals das Amt des Taoiseach. Er gestattete jedoch seinem „zweiten Mann“ Seán Lemass, sein Programm für wirtschaftlichen Aufschwung umzusetzen. Am 23. Juni 1959 wurde de Valera zum dritten Präsidenten von Irland gewählt und Lemass wurde am selben Tag sein Nachfolger als Parteivorsitzender von Fianna Fáil.

Lemass 1959–1966 Lemass kümmerte sich während seiner Amtszeit hauptsächlich um wirtschaftliche Belange, zu denen auch sein Programm für wirtschaftlichen Aufschwung aus dem Jahr 1958 gehörte. Der Protektionismus wurde abgeschafft und Freihandel eingeführt. Weiterhin wurden Firmen, die sich in Irland niederließen, Steuervergünstigungen und Subventionen gewährt. Ein Ergebnis dieses Programms war ein jährliches Wachstum der Wirtschaft um 4 %. Ein zweites (noch ehrgeizigeres) Programm dieser Art wurde 1963 gestartet.

Der Erfolg von Lemass in wirtschaftlichen Belangen führte Fianna Fáil zum Sieg bei der Wahl 1961 und Lemass begann weitergehende Änderungen durchzuführen. Dieses Vorgehen umfasste auch neue Personalien im Kabinett, u. a. Brian Lenihan, Charles J. Haughey, George Colley und Patrick Hillery. Obwohl Fianna Fáil eine Minderheitsregierung führte, wird diese Amtszeit von vielen als produktivste und beste in Irland angesehen.

Während der Zeit großer Veränderung in Irland in den 1960er Jahren, begann die Fianna-Fáil-Regierung unter Lemass sich mit Nordirland auszusöhnen. Am 9. Januar 1965 reiste Lemass im Geheimen nach Stormont, um sich mit dem nordirischen Premierminister Terence O’Neill zu treffen. Im Februar reiste O’Neill im Gegenzug nach Dublin.

Im November 1966 verkündete Lemass seinen Rücktritt als Vorsitzender von Fianna Fáil sowie als Taoiseach – nach 50 Jahren Dienst für Irland.

Lynch 1966–1979 Jack Lynch wurde am 10. November 1966 zum dritten Vorsitzenden der Partei sowie zum neuen Taoiseach gewählt und Frank Aiken, langjähriger Außenminister und letzter Minister aus de Valeras erstem Kabinett, wurde Tánaiste.

Während seiner ersten Amtszeit musste Lynch diverse Krisen durchleben. 1969 brachen in Nordirland die Unruhen aus und Lynch war damit beschäftigt das Übergreifen auf die Republik zu verhindern.

Ein Jahr später, 1970, entdeckte Lynch, dass zwei seiner Minister, Charles J. Haughey und Neil Blaney, in einen Plan verwickelt waren, Waffen für die IRA zu importieren – diese Tat ging als Waffen-Krise in die irische Geschichte ein und führte zu einer Spaltung innerhalb von Fianna Fáil.

Am 1. Januar 1973 wurde Irland Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft – eine der größten Errungenschaften von Fianna Fáil unter Jack Lynch (die bereits von seinem Vorgänger Lemass vorbereitet wurde).

Von der Wahl 1973 bis zur Wahl 1977 befand sich Fianna Fáil in der Opposition. Die Wahl 1977 entschied Fianna Fáil mit einem Rekordergebnis (fast 57 % der Stimmen) für sich – ein Sieg, der auf der Wirtschaftspolitik der Partei, der Unzufriedenheit mit der Koalitionsregierung, der großen Popularität Lynchs sowie auf dem Versuch von Minister Tully beruhte, die Wahlbezirke zum alleinigen Vorteil seiner Partei Fine Gael zu verändern.

Doch mangels Konzepten wurde die Regierung unter Lynch mehr und mehr unbeliebt. Schlechte Ergebnisse in den Europawahlen und zwei Nachwahlen, die Fianna Fáil verlor, erhöhten den Druck auf Lynch, der am 5. Dezember 1979 zurücktrat. Zwei Nachfolger standen bereit: George Colley und Charles Haughey.

Haughey 1979–1992 Neun Jahre nachdem die Waffenkrise seine politische Karriere nahezu beendet hatte, wurde Charles Haughey zum 4. Vorsitzenden von Fianna Fáil und gleichzeitig zum Taoiseach gewählt. Haugheys erste Amtszeit war von wirtschaftlichen Problemen dominiert; neben der Ölkrise stiegen die Auslandsschulden immer weiter an. Dies führte dazu, dass Fianna Fáil die 2. Wahl im Jahr 1981 (im November) mit dem bis dato schlechtesten Wahlergebnis der Parteigeschichte (ca. 45 %) verlor und sich in der Opposition wiederfand.

Parteiintern war Haughey umstritten und er musste sich 1982 und 1983 insgesamt 3 Vertrauensfragen stellen – doch er konnte alle 3 für sich entscheiden.

Die Wahl 1987 gewann Fianna Fáil, jedoch ohne eine absolute Mehrheit zu erreichen. Haughey wurde knapp zum Taoiseach gewählt. In seiner 2. Amtszeit konzentrierte er sich mit seiner Partei auf die Lösung der dramatischen wirtschaftlichen Probleme. Zu dieser Zeit war Irland das Sorgenkind der Europäischen Gemeinschaft und stand kurz davor, wirtschaftlich vom Internationalen Währungsfonds übernommen zu werden. 1989 überraschte Haughey alle mit einer vorgezogenen Wahl, um eine absolute Mehrheit zu erreichen. Doch anstatt Sitze zu gewinnen, verlor Fianna Fáil Sitze und wurde zur Koalition mit den Progressive Democrats gezwungen, um an der Macht zu bleiben. Bisher schloss Fianna Fáil Koalitionsregierungen kategorisch aus und viele in der Partei waren mit Haugheys Entscheidung unzufrieden. Dies war der Beginn vom Ende Haugheys.

1991 musste sich Haughey erneut einer Vertrauensfrage stellen, die von Albert Reynolds initiiert wurde, und erneut gewann Haughey – jedoch zeigte das Ergebnis den schwindenden Rückhalt Haugheys in seiner Partei. 1992 stand Haughey im Mittelpunkt eines Skandals, der bereits 10 Jahre zurücklag – das Abhören zweier Journalisten. Obwohl Haughey immer behauptete, davon nichts gewusst zu haben, deuteten die Indizien darauf hin und Haughey trat zurück. Neuer Parteivorsitzender von Fianna Fáil und Taoiseach wurde am 11. Februar 1992 Albert Reynolds.

Reynolds 1992–1994 Das neue Kabinett um Reynolds enthielt einige neue Gesichter. Reynolds hoffte auf eine Fortsetzung der Koalition mit den Progressive Democrats, doch nach dem so genannten Beef Tribunal (Rindfleisch-Tribunal, ein Tribunal, dass 1991 geschaffen wurde, um Ungereimtheiten im Exporthandel für Rindfleisch aufzuklären, vor allem inwieweit Politiker verstrickt waren) zogen sich die Progressive Democrats aus der Regierung zurück und eine Neuwahl wurde notwendig.

Bei der Wahl 1992 mussten sowohl Fianna Fáil als auch Fine Gael Niederlagen einstecken und schließlich ging Fianna Fáil eine Koalition mit der Irish Labour Party unter Dick Spring ein.

Einer der wichtigsten Punkte während der Regierungszeit unter Reynolds war das Fortschreiten des Friedensprozesses mit Nordirland und am 15. Dezember 1993 wurde die so genannte Downing-Street-Deklaration von beiden Regierungen unterzeichnet.

1994 gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Koalitionsparteien bezüglich der Einsetzung eines Richters am Supreme Court. Der Streit darüber führte schließlich zum Rücktritt von Reynolds im November 1994.

Ahern 1994–Mai 2008 Am 19. November 1994 wurde Bertie Ahern zum 6. (und jüngsten) Vorsitzenden von Fianna Fáil gewählt. Ahern war bereit die Koalition mit der Labour Party fortzuführen, doch diese zog sich aus der Regierung zurück und nach diversen Verhandlungen (die aufgrund von Nachwahlen möglich geworden waren) bildete eine Koalition aus Fine Gael, Labour Party und Democratic Left mitten in der Amtszeit eine neue Regierung und Fianna Fáil war in der Opposition.