Remchingen (Aussprache: , ) ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg an der Grenze zwischen Kraichgau und Nordschwarzwald.

Geographie Geographische Lage Remchingen liegt im Pfinztal zwischen den Städten Karlsruhe und Pforzheim auf ca. 150 m bis ca. 275 m ü. NHN.

Natur und Landschaft mini|Umgebung von Remchingen Remchingen liegt im Süden des Kraichgaus am Rande des Nordschwarzwaldes in einer Hügellandschaft. Der Nordschwarzwald endet etwa 10 km südlich in der Gemeinde Straubenhardt. Statt des im Schwarzwald typischen Tannenwalds prägt hier Laubwald die vielen Wälder. Das relativ milde Klima in Remchingen ist durch das Rheintal (Nähe zu Karlsruhe) sowie durch das Pfinztal geprägt. Dadurch kann hier Wein angebaut werden, was allerdings nur auf wenigen Parzellen geschieht.

Aufgrund ihrer landschaftlichen Schönheit, des typischen Streuobstbestandes und seltener Pflanzen sind drei Flächen als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen.

Gewässer Remchingen wird von der Pfinz durchflossen. In Nöttingen münden der Auerbach und der Rannbach in die Pfinz. In Wilferdingen mündet der Seebach und der Stockwiesengraben in die Pfinz. In Singen mündet der Kämpfelbach in die Pfinz. In Wilferdingen gibt es die Stockmühlenseen.

Klima Remchingen besitzt ein relatives mildes Klima. Dieses ist geprägt durch das Pfinztal und das Rheintal. JANFEBMRZAPRMAIJUNJULAUGSEPOKTNOVDEZ ø Temperatur (°C)0,92,46,010,014,217,419,318,715,810.65,42,1 Min. Temperatur (°C) - 1,7 - 0,81,64,98,712,113,813,310,56,32,3 - 0,5 Max. Temperatur (°C)3,65,710,515,219,722,824,924,221,115,08,54,7 Niederschlag (mm)494945567386717457516156 Quelle: climate-data.orgKlima Remchingen (Deutschland), auf de.climate-data.org

Gemeindegliederung Die Gemeinde Remchingen besteht aus den ehemaligen Gemeinden Nöttingen, Singen und Wilferdingen. Zur ehemaligen Gemeinde Nöttingen gehören die Dörfer Nöttingen und Darmsbach und die Häuser Dietenhäuser Mühle. Zu den ehemaligen Gemeinden Singen und Wilferdingen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wilferdingen liegen die Siedlung Sperlingshof (1977 von Kämpfelbach umgemeindet) und die Wüstungen Remchingen (die Ortschaft wurde 1160 als Remchinga erstmals genannt, bereits im Hochmittelalter bestanden nur noch Burg und Kirche, 1784 wurde die Kirche abgebrochen)Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 576–578 und die der Wallfahrtskapelle Unserer lieben Frau zur Eich etwas nordwestlich des SperlingshofsDie Ausgrabungen am Sperlingshof : das RMR-Interview. In: RMR aktuell : Geschichte und Archäologie im Enzkreis (2/2016) S. 12–13. Zwischen Wilferdingen und Darmsbach liegt zudem die 779 ersterwähnte Wüstung Mönchshofen.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden der Gemeinde Remchingen sind Pfinztal, Königsbach-Stein, Kämpfelbach, Keltern und Karlsbad. Remchingen lag im ehemaligen Landesteil Baden, die Grenze zum ehemaligen Württemberg verläuft durch den Nachbarort Keltern, dessen Ortsteile Dietlingen, Ellmendingen und Dietenhausen badisch waren, Niebelsbach dagegen württembergisch.

Geschichte Ältere Geschichte 1. Jahrtausend v. Chr. Keltische Besiedlung (Grabfunde 1947 in Singen). Zwischen 80 und 90 n. Chr. Römische Besiedlung (Zahlreiche Funde, u. a. zwei Leugensäulen aus Nöttingen, zwei in die Kirchen Nöttingens eingemauerte Viergöttersteine, Inschriftenplatte von der Siedlung Vicus Senotensis). Nach dem fluchtartigen Abzug der Römer um das Jahr 260 n. Chr. besiedelten Alamannen das Land rechts des Rheins, wurden aber etwas über zwei Jahrhunderte später nach einer großen Schlacht im Jahre 496 von dem Stamm der Franken gezwungen, den Kraichgau aufzugeben und die Landschaft bis zur Murg zu räumen. Die ersten schriftlichen Nennungen von Remchinger Ortsteilen stammen aus dem 8. Jahrhundert: Am 1. Juni 769 schenkten in „Sigincheim im Pfinzgau“ (erstmalige Erwähnung von Singen) vier Franken dem Kloster Lorsch eine Hofraite, 34 Morgen Ackerland, eine Wiese und ein Stück Wald. Der Abt dieses Klosters vertauschte nun zwischen 888 und 893 weiteren Besitz dieses Klosters in „Vulvirincha“, dem heutigen Wilferdingen, gegen die gleiche Fläche in Illingen südöstlich von Maulbronn (erstmalige Erwähnung von Wilferdingen). Um 825 schenkte ein gewisser Noting, vermutlich mit den Grafen von Calw verwandt, nach einer Quelle des 16. Jahrhunderts dem Kloster Reichenau Güter in Nöttingen, Dietenhausen und Singen, die damals wie das ganze nördliche Pfinztal im Ufgau lagen. 1160: Erste Nennung der Herren von Remchingen, einem Niederadelsgeschlecht. Sie erbauten vermutlich eine Wasserburg, die Burg Remchingen, aus Holz auf dem Gelände des heutigen Freibads. 1278: Erste Erwähnung von Darmsbach, eine erst im Hochmittelalter entstandene Ausbausiedlung. kurz nach 1300: Die Herren von Remchingen verkauften ihre Wasserburg. Später erwarben sie zeitweilig wieder Anteile an der Burg zurück, verkauften diese dann aber 1568 endgültig an die Markgrafen von Baden. Um 1460 wurde nahe dem heutigen Sperlingshof die Wallfahrtskapelle unserer lieben Frau zur Eich erbaut, aber zwischen 1520 und 1540 bereits wieder aufgegeben. 1568 gingen Rechte der ehemaligen Kapelle vom Kloster Herrenalb an die Markgrafschaft Baden-Durlach über. Von den einstigen Gebäuden (Kapelle und Nebengebäude) zeugen heute nur noch Bodenfunde im Gewann „Kloster“. 16. Jahrhundert: Nöttingen, Singen und Wilferdingen beteiligten sich am Bundschuhaufstand (1502) und am Bauernkrieg (1525). 14. April 1604: Markgraf Ernst Friedrich von Baden starb bei einem calvinistisch-lutherischen Glaubenskriegszug gegen Pforzheim bei der Burg Remchingen an einem Schlag. Auslöser für den Streit war das Stafforter Buch von 1599 und die frühere Verlegung der badischen Residenz nach Durlach.

Ereignisse im 19. und 20. Jahrhundert 12. Juli 1806 Gründung des Großherzogtums Baden 1861: Nöttingen wehrte sich erfolgreich gegen den Eisenbahnanschluss an der Strecke Bahnstrecke Karlsruhe–Mühlacker, der dann über Wilferdingen-Singen erfolgte. 21. März 1919 Verfassung der demokratischen Republik Baden trat in Kraft 25. Juni 1939 Gründung des Landkreises Pforzheim 1945 Bestandteil der Amerikanischen Besatzungszone 19. September 1945 Gründung des Landes Württemberg-Baden 25. April 1952 Gründung des Landes Baden-Württemberg 1. Januar 1973 Gründung des Enzkreises gemäß der Kreisreform in Baden-Württemberg

Gemeindereformen Die Gemeinde Remchingen wurde am 1. Januar 1973 durch Vereinigung der beiden Gemeinden Singen und Wilferdingen gebildet. Der Name der ehemaligen Herren von „Remchingen“ wird zum Ortsnamen der neuen Gemeinde gewählt.

Am 1. Januar 1975 wurde die Gemeinde Nöttingen nach Remchingen eingemeindet.

Es wurden keine Ortschaftsräte eingerichtet; im Gemeinderat sind die Ortsteile verschieden stark repräsentiert.

Einwohnerentwicklung +JahrEinwohner17. Mai 19393.91313. September 19595.0966. Juni 19616.05427. Mai 19707.65025. Mai 19879.40931. Dezember 199511.11031. Dezember 200011.45231. Dezember 200511.69431. Dezember 201011.71331. Dezember 201511.74831. Dezember 202011.979 Einwohnerverteilung OrtsteilEinwohnerWilferdingen5.218 (30. Juni 2020)Singen3.807 (30. Juni 2020)Nöttingen2.472 (30. Juni 2020)Darmsbach558 (30. Juni 2020)Gesamt12.055 (30. Juni 2020)

Ortsteile Remchingen besitzt vier Ortsteile.

Wilferdingen

Wilferdingen ist mit 5.218 Einwohnern der größte Ortsteil von Remchingen. In Wilferdingen findet sich das Gymnasium Remchingen, die Carl-Dittler-Realschule, die Peter-Härtling-Grundschule und mehrere Kindergärten vor. Außerdem findet sich in Wilferdingen mit der Kulturhalle und dem Rathaus Remchingen die Remchinger Ortsmitte. In Wilferdingen befindet sich ebenfalls der Remchinger Bahnhof und Busbahnhof. In Wilferdingen gibt es mehrere Kirchen und einen Fußballverein. Mit dem Schlossbad Remchingen existiert in Wilferdingen ebenfalls ein Freibad. Das Römermuseum Remchingen, das Telefonmuseum und das Puppenmuseum liegen ebenfalls in Wilferdingen. Wilferdingen grenzt an Nöttingen, Darmsbach und Singen.

Singen

Singen hat 3807 Einwohner und ist damit der zweitgrößte Ortsteil von Remchingen. In Singen gibt es mehrere Kirchen. Außerdem gibt es mit der Bergschule Singen eine Grund- und Werkrealschule. Singen hat einen Fußballverein und ein Hallenbad. Der Ortsteil liegt direkt neben Wilferdingen im Norden Remchingens.

Im Juli 2015 brannte ein als Flüchtlingsunterkunft geplantes Gebäude nach einem Brandanschlag nieder. 2016 wurde ein damals 42-jähriger Mann, der 2015 eine weitere Brandstiftung verübt hatte, zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt.

Nöttingen

mini|Nöttingen Nöttingen ist mit 2472 Einwohnern der drittgrößte Ortsteil von Remchingen. Er ist der südlichste Ortsteil von Remchingen. Nöttingen ist in der Geschichte ein wichtigere Durchgangspunkt zwischen Karlsruhe und Stuttgart gewesen. Nöttingen besitzt eine Kirche und mit der Bertha-Benz-Schule eine Grundschule. Am bekanntesten ist der Nöttinger Fußballverein FC Nöttingen, der in der Oberliga Baden-Württemberg spielt. 2004/05 spielte der Verein in der damals drittklassigen Regionalliga Süd. Mit Spielen wie gegen den FC Bayern München erreichte der Club bundesweit Aufmerksamkeit.

Darmsbach

Darmsbach ist der kleinste Ortsteil in Remchingen. Er hat 558 Einwohner und liegt direkt an der BAB 8 im Südwesten von Remchingen. Darmsbach besitzt einen Fußballverein, einen Kindergarten und eine Ortsmitte.

Religionen mini|Dreieinigkeitsgemeinde der SELK am Sperlingshof 1556 wurde die Reformation in Remchingen eingeführt. Heute existieren drei Kirchengemeinden, die zum Kirchenbezirk Badischer Enzkreis der unierten Evangelischen Landeskirche in Baden gehören: Nöttingen (Martinskirche), Singen (Kreuzkirche) und Wilferdingen (Christuskirche). Darüber hinaus gibt es die lutherische Dreieinigkeitsgemeinde Sperlingshof, die dem Kirchenbezirk Süddeutschland der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche angehört.

In Wilferdingen steht die Alte Evangelische Kirche Wilferdingen, welche heute als Kulturraum genutzt wird.

Katholiken sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in nennenswerter Zahl nach Remchingen gekommen. Den inzwischen über 2 500 Gläubigen steht die 1957 eingeweihte Kirche St. Peter und Paul in Wilferdingen zur Verfügung. Die Gemeinde gehört zur Seelsorgeeinheit Kämpfelbachtal im Dekanat Pforzheim des Erzbistums Freiburg.

In Nöttingen und Singen gibt es je eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland, in Singen außerdem die Christus-Gemeinde, die dem Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden angehört.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Remchingen besteht aus den 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 37,63 8 35,1 8 FWV Freie Wählervereinigung 24,85 6 19,7 4 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,19 3 14,0 3 BL Bürgerliste für Umwelt, Transparenz und Fortschritt 11,46 3 14,8 3 Grüne BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 10,87 2 16,4 4Gesamt 100 22 100 22Wahlbeteiligung 67,0 % 63,4 %

Bürgermeister Bürgermeisterin ist seit dem 18. September 2023 Julia Wieland. Sie wurde am 18. Juni 2023 mit 69,9 Prozent der Stimmen gewählt.

Bürgermeister von 2010 bis 2023 war Luca Wilhelm Prayon (CDU). Er ist seit Juni 2023 Landrat des Bodenseekreises. Prayons Vorgänger war Wolfgang Oechsle, der von 1973 bis 2010 amtierte.

Wappen von Remchingen Beschreibung: In Rot zwei silberne gekreuzte Glevenstangen überdeckt mit einem silbernen Schild, darin eine grünbespitze, rote Rose mit blauen Butzen.

Wappen der ehemaligen Gemeinden

Partnergemeinde