mini|Animation zu Angkor – Zentrum des Königreichs der Khmer mini|Angkor Wat mini|Angkor – Satellitenbild und Karte mini|Lage Angkors in Kambodscha mini|Einflussgebiet des Khmer-Reiches und Nachbarstaaten um 900. mini|Das Einflussgebiet des Khmer-Reiches zur Zeit seiner größten Ausdehnung (unter König Jayavarman VII.): etwa in Bildmitte der Tonlé-Sap-See, nördlich davon Angkor mini|Eine NASA-Aufnahme von Angkor: am unteren Bildrand der Tonlé-Sap-See, etwa in Bildmitte der Wassergraben um Angkor Wat, über Angkor Wat Angkor Thom, flankiert vom Westlichen und Östlichen Baray, über Angkor Thom Preah Khan mit seinem nach Osten orientierten Baray Angkor (khmer ក្រុងអង្គរ Krŏng Ângkôr) ist eine Region nahe der Stadt Siem Reap in Kambodscha, die vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja (deutsch Khmer-Reich oder Reich der Khmer) bildete.

Weltbekannt wurde Angkor durch die noch heute sichtbaren Zeugnisse der Baukunst der Khmer in Form einzigartiger Tempelanlagen – allen voran durch den Angkor Wat, den größten Tempelkomplex der Welt.

Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km² wurden nacheinander mehrere Hauptstädte und in deren Zentrum jeweils ein großer Haupttempel errichtet. Bis heute wurden bereits mehr als 1000 Tempel und Heiligtümer unterschiedlicher Größe entdeckt. Es gibt Vermutungen, dass im Großraum von Angkor am Höhepunkt des historischen Königreiches bis zu einer Million Menschen auf etwa 1000 km² gelebt haben könnten.

Das Wort Das Khmer-Wort អង្គរ Ângkôr (von Sanskrit नगर Nagara) heißt wörtlich Stadt. Heute steht die Bezeichnung „Angkor“ vor allem für das historische Hauptstadtgebiet am Fuß des Phnom Bakheng: die Stadt Yasodharapura und ihre Nachfolgerin Angkor Thom mit Umgebung. Oft werden frühere Hauptstadtgebiete (vor allem Hariharalaya, aber auch der Phnom Kulen und Koh Ker) hinzugerechnet. Nicht selten wird auch das historische Khmer-Reich in seiner ganzen Ausdehnung Angkor genannt; von der ursprünglichen Bezeichnung Kambuja oder Kambujadesha leitet sich der moderne Name des Landes Kampuchea her (dt. Kambodscha, en. Cambodia, fr. Cambodge).

Geschichte Die Geschichte Angkors, als dem zentralen Siedlungsgebiet des historischen Kambuja, ist auch die Geschichte der Khmer vom 9. bis zum 15. Jahrhundert.

Aus Kambuja selbst – und somit auch der Region Angkor – sind außer Inschriften an Säulen keine schriftlichen Aufzeichnungen erhalten geblieben. So stammt das heutige Wissen über die historische Khmer-Zivilisation vor allem aus:

archäologischen Ausgrabungen, Rekonstruktionen und Untersuchungen Inschriften an Säulen und auf Steinen in den Tempelanlagen, in denen von den politischen und religiösen Taten der Könige berichtet wird Reliefs an einer Reihe von Tempelwänden mit Darstellungen von Kriegszügen, dem Leben am Königshof, Marktszenen und auch aus dem Alltag der Bewohner Berichten und Chroniken chinesischer Diplomaten, Händler und Reisender.

Siehe auch: Geschichte Kambodschas

Prähistorische Epoche Keramiken und Steinwerkzeuge sowie durch Luftaufnahmen entdeckte prähistorische Siedlungen belegen frühe menschliche Siedlungstätigkeit im Gebiet des späteren Kambuja und südlichen Vietnam bereits in der Jungsteinzeit ab etwa 5000 v. Chr. (Hoa Binh-Kultur). Ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. war der Bewässerungsanbau von Reis bekannt.

Entwicklung vor Angkor Funan

Während des 1. Jahrtausends v. Chr. entwickelten sich aus den Siedlungen eine Reihe früher Reiche und Stadtstaaten. Diese Reiche hatten noch keine festen Grenzen, die größeren und mächtigeren versuchten daher mit wechselndem Erfolg, ihr Einflussgebiet auszuweiten. Im 1. Jahrhundert gewann dabei eines die Oberhand, dessen Name, Funan, nur in der chinesischen Übersetzung überliefert ist. Vermutlich ist Funan die chinesische Transkription von biu nam (phnom in heutigem Khmer), das Berg bedeutet. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass Funan eine wichtige Station auf den Handels- und Pilgerrouten zwischen China im Norden und Indien im Westen war. In Oc Eo im heutigen Vietnam, zu Zeiten Funans ein bedeutender Hafen, wurden neben Gegenständen aus den großen asiatischen Zivilisationen der Zeit sogar solche aus dem Römischen Reich gefunden. Aus dieser Periode stammen auch frühe Einflüsse der indischen Kultur (Hinduismus und Mahayana-Buddhismus, Wissenschaft) auf die sich entwickelnde Zivilisation der Khmer, wobei die einheimische Bevölkerung aber auch ihre eigenen Traditionen in Architektur, Wasserregulation und Landwirtschaft beibehielt und weiterentwickelte.

Funan, das im 4. Jahrhundert seine Herrschaft gefestigt hatte, gilt als das früheste der indisierten Königreiche Kambodschas.George Michell: Der Hindu-Tempel: Baukunst einer Weltreligion. DuMont, Köln 1991, ISBN 3-7701-2770-6, S. 206

Chenla

In chinesischen Chroniken wird erstmals Mitte des 7. Jahrhunderts ein weiterer Staat in der Nachbarschaft Funans erwähnt, der als Zhenla (auch Chenla) bezeichnet wurde, tatsächlich aber wohl aus mehreren politischen Einheiten bestand. Erst seit Beginn des 7. Jahrhunderts bildete sich hier ein Machtzentrum, besonders unter Isanavarman I. (bezeugt seit 616) mit der Hauptstadt Isanapura (heute in der Provinz Kompong Thom, Kambodscha). Nach den chinesischen Chroniken zerbrach Zhenla im Jahre 707 in zwei Teile, doch war die Zersplitterung vermutlich weitreichender. Nach der chinesischen Sichtweise gab es ein „Zhenla des Landes“, dessen Zentrum sich im Gebiet der heutigen laotischen Provinz Champassak befand, und ein „Zhenla des Meeres“, das im Gebiet des früheren Funan am Mekong-Delta und entlang der Küste lag. Für die Angkor-Region ist im Jahre 713 die Königin Jayadevi, Tochter von König Jayavarman I. (ca. 657–681) bezeugt.

Die Anfänge Angkors Als Gründervater des Khmer-Reiches von Angkor gilt Jayavarman II. (* 8. Jahrhundert; † 9. Jahrhundert). Er ist möglicherweise identisch mit einem von den Historikern als Jayavarman I.[No. 2] oder Jayavarman Ibis bezeichneten Herrscher, der durch Inschriften in den Jahren 770 und 781 bezeugt ist. Jedenfalls heiratete er in eine lokale Herrscherfamilie der Angkor-Region ein, was aus den Inschriften der Tempel Preah Ko vom 25. Januar 880 und Bakong von 881/82 des Königs Indravarman I. (reg. 877–889) hervorgeht. Jayavarman II. selbst hat keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen.

Oft wird als Regierungszeit Jayavarmans II. der Zeitraum von 802 bis 850 angegeben, was aber in keiner zeitgenössischen Quelle belegt ist, sondern auf Inschriften aus dem späten 10. und frühen 11. Jahrhundert zurückgeht. Ebenfalls auf einer späteren Überlieferung, namentlich der Sdok Kak-Thom-Inschrift vom 8. Februar 1053, beruht die Darstellung, Jayavarman II. habe sein Reich gegen die Bedrohung durch das südlich gelegene Reich von „Java“ (vgl. Srivijaya) verteidigt. Diese Erzählung kann aber auch eine Projektion von Konflikten mit „Barbaren“ (java, yvan) im 11. Jahrhundert auf frühere Zeiten sein. Arlo Griffiths (2013) argumentiert hingegen, dass alle auf dem südostasiatischen Festland und auf den Malaiischen Inseln gefundenen Inschriften, die das Wort java oder yavadvīpa enthalten, sich auf die indonesische Insel Java beziehen, sodass es sehr wahrscheinlich sei, dass Jayavarman II. sich tatsächlich zuvor in Java aufgehalten hatte.Arlo Griffiths: The Problem of the Ancient Name Java and the Role of Satyavarman in Southeast Asian International Relations around the Turn of the Ninth Century CE. In: Archipel, Band 85, Nr. 1, 2013, S. 43–81, hier S. 59f

Seine Hauptstadt war, neben Indrapura (Lage noch ungeklärt) und Hariharalaya (am Tonle Sap), die Stadt Mahendraparvata, wahrscheinlich am Tempelberg Rong Chen in den Hügeln Phnom Kulen nördlich der späteren Hauptstadt Angkor gelegen – diese Ansiedlung wurde 2012 entdeckt und liegt im heutigen Phnom-Kulen-Nationalpark.

Jayavarmans II. Sohn Jayavarman III. starb möglicherweise früh. Ihm folgten mit Rudravarman und Prithivindravarman Angehörige aus der Familie, in die Jayavarman II. eingeheiratet hatte.

Yasodharapura – die erste Stadt in Angkor

Indravarman I. (regierte 877–889), der Sohn des Prithivindravarman, ist der eigentliche Gründer des Angkor-Reiches. Ihm gelang es, das Königreich ohne Kriege zu vergrößern, und er begann dank des durch Handel und Landwirtschaft erworbenen Reichtums mit umfangreichen Bautätigkeiten, vor allem der Tempel Preah Ko, eingeweiht am 25. Januar 880, und Bakong (881/82) sowie Bewässerungsanlagen. Ihm folgte sein Sohn Yasovarman I. (regierte 889 – ca. 910), der eine neue Hauptstadt, Yasodharapura, errichten ließ – die erste Stadt in Angkor.

Der Haupttempel der Stadt wurde auf dem Phnom Bakheng erbaut, einem Hügel, der etwa 60 m über der Ebene von Angkor liegt. Unter Yasovarman I wurde auch der östliche Baray (Yasodharatataka) angelegt, ein gewaltiges Wasserreservoir von 7,5 km Länge und 1,8 km Breite (Siehe auch: Baray).

928 wurde Jayavarman IV. Herrscher des Khmer-Reiches. Zumindest seit 921 hatte er bereits als lokaler König in Chok Gargyar, dem heutigen Koh Ker, etwa 100 km nordöstlich von Angkor regiert. Als er auf den Thron gelangte, machte er Koh Ker kurzzeitig zur Hauptstadt des Reiches (928–944) und residierte dort bis zu seinem Tod (928–941). Auch sein Sohn Harshavarman II blieb in Koh Ker, starb aber bereits nach drei Jahren (941–944).Csaba Kàdas: Koh Ker, Shortguide, Hunincor 2010, ISBN 978-963-08-0470-7, S. 15. Sein Nachfolger Rajendravarman II. (944–968) brachte den Königshof zurück nach Yasodharapura. Er nahm die umfangreichen Bauvorhaben früherer Könige wieder auf und ließ eine Reihe von Tempeln im Gebiet von Angkor errichten; nicht zuletzt den östlichen Mebon auf einer Insel in der Mitte des östlichen Baray und mehrere buddhistische Tempel und Klöster (eingeweiht am 28. Januar 953). 950 kam es zu einer ersten kriegerischen Auseinandersetzung Kambujas mit dem Reich der Cham im Osten (im heutigen zentralen Vietnam).

Von 968 bis 1001 regierte der Sohn von Rajendravarman II., Jayavarman V. Seine Regentschaft war, nachdem er sich gegen die anderen Prinzen als neuer König durchgesetzt hatte, eine weitgehend friedliche Periode, geprägt von Wohlstand und einer kulturellen Blütezeit. Er ließ in der unmittelbaren Nachbarschaft Yasodharapuras eine neue Hauptstadt errichten, Jayendanagari. Am Hof von Jayavarman V. lebten Philosophen, Gelehrte und Künstler. Auch neue Tempel wurden errichtet; die bedeutendsten davon sind Banteay Srei (eingeweiht am 22. April 967), der als einer der schönsten und kunstvollsten von Angkor gilt, und Ta Keo, der erste ganz aus Sandstein gebaute Tempel Angkors.

Nach dem Tod Jayavarmans V. folgte ein Jahrzehnt der Unruhe. Könige regierten nur wenige Jahre und wurden nacheinander gewaltsam von ihren Nachfolgern vertrieben, bis schließlich Suryavarman I. (regierte 1002–1049) den Thron eroberte. Seine Regentschaft war bestimmt von wiederholten Versuchen seiner Widersacher, ihn zu stürzen, und von militärischen Eroberungen. Im Westen erweiterte er das Reich bis zum heutigen Lop Buri (Thailand), im Süden bis zum Isthmus von Kra. Im Großraum von Angkor lebten zu dieser Zeit rund 1 Million Menschen. Suryavarman I. begann mit dem Bau des westlichen Baray, des zweiten und noch größeren Wasserreservoirs (8 km × 2,2 km) nach dem östlichen Baray. Mit einer Wassertiefe von 2 bis 3 m hatte es ein Fassungsvermögen von 40 Mio. m³. Die künstliche Bewässerung erlaubte drei Ernten pro Jahr und einen Ertrag von schätzungsweise 2,5 t Reis/ha. Zum Vergleich: Im Mittelalter erntete man in Europa ca. 0,3 t Getreide pro Hektar. Heute liegen gute Ernten bei 4-5 t/ha, Reis bei 5-12 t/ha.

Suryavarman II. – Angkor Wat