mini|Karel Čapek (um 1936)rahmenlos|zentriert|hochkant|klasse=notpageimage skin-invert-image|Karel Čapek Karel Čapek [] (* 9. Januar 1890 in Malé Svatoňovice, Österreich-Ungarn; † 25. Dezember 1938 in Prag, Tschechoslowakei) war ein tschechischer Schriftsteller, Übersetzer, Journalist und Fotograf.
Er gilt als einer der wichtigsten Autoren der tschechischen Literatur des 20. Jahrhunderts und ist für seine Science Fiction bekannt, darunter der Roman Der Krieg mit den Molchen und Schauspiel R.U.R., auf welches das internationale Wort „Roboter“ zurückgeht. Neben Prosawerken und Dramen verfasste Čapek auch zahlreiche Feuilletons, Kinderbücher und Reiseberichte.
Leben Karel Čapek war der Sohn des Landarztes Antonín Čapek und der Božena Čapková, geborene Novotná. Er wuchs mit seinen älteren Geschwistern Helena und Josef in der ostböhmischen Kleinstadt Úpice auf. Die Geschwister verbrachten die Ferien regelmäßig im nahegelegenen Hronov, wo die Großeltern eine Mühle besaßen. Nach der Grundschule in Úpice besuchte Čapek ab 1901 das Gymnasium in Königgrätz, das er 1905 aufgrund der Gründung eines geheimen antiösterreichischen Schülervereins vorzeitig verlassen musste. Er wechselte nach Brünn, wo seine Schwester mit ihrem Ehemann, dem Rechtsanwalt František Koželuha, lebte. 1907 übersiedelte er gemeinsam mit seinen Eltern an die Prager Kleinseite. In Prag traten er und sein Bruder Josef stets als Einheit auf (Gebrüder Čapek). Sie kleideten sich als exzentrische Dandys und publizierten gemeinsam verfasste Geschichten und journalistische Beiträge. Karel absolvierte 1909 die Matura am Akademischen Gymnasium.
Von 1909 bis 1915 studierte er an der Philosophischen Fakultät der Prager Karls-Universität, dazwischen auch an der Berliner Universität und zusammen mit seinem Bruder an der Sorbonne. Rasch wurden die beiden Brüder Teil des vibrierenden kulturellen Lebens von Paris.Ivan Klíma: Karel Čapek – Life and Work. Catbird Press, 2001, ISBN 0-945774-53-2, S. 18. Ab seinem 21. Lebensjahr litt Karel Čapek an der Bechterewschen Krankheit, weshalb ihn zeitlebens chronische Schmerzen plagten.Ústav vědeckých informací Zweiten Medizinischen Fakultät der Karls-Universität Wegen seiner Krankheit wurde er im Ersten Weltkrieg nicht eingezogen.
Am 29. November 1915 promovierte Čapek mit einer Arbeit über Ästhetik zum Doktor der Dr. phil. Er war kurzfristig 1916/1917 als Erzieher beim Grafen Prokop Lažanský auf Schloss Chyše und als Bibliothekar des Museums des Königreichs Böhmen tätig. Ab 1917 wirkte Čapek als Journalist bei den Národní listy. Da ihn die nationalistischen Tendenzen der Zeitung nach Kriegsende störten wechselte er 1920 als Redakteur zu den Lidové noviny. Čapeks Übersetzungen moderner französischer Poesie wurde von der dichterischen Avantgarde um Vítězslav Nezval begeistert aufgenommen. Daneben war er von 1921 bis 1923 Dramaturg und Regisseur am Prager Theater in den Weinbergen.
Čapek gilt als der Hauptinitiator des Stammtisches Pátečníci, der Freitagsrunde, die sich ab 1925 meist in seiner Wohnung traf und der neben den Gebrüdern Čapek und weiteren Intellektuellen auch der tschechoslowakische Präsident Tomáš Garrigue Masaryk angehörte. Von 1925 bis 1933 gehörte Karel Čapek dem tschechoslowakischen PEN-Klub an. 1923 bereiste er Italien, 1924 England, 1929 Spanien, 1931 Holland, 1936 Dänemark, Schweden und Norwegen.
mini|Olga Scheinpflugová in Norwegen, Foto von Karel Čapek mini|Čapeks letzter Wohnsitz am Strž Čapek heiratete am 26. August 1935 nach 14 Jahren Bekanntschaft die Schauspielerin und Schriftstellerin Olga Scheinpflugová (1902–1968), eine Tochter des Schriftstellers und Journalisten Karel Scheinpflug. Von einer Hochzeit war ihm aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands jahrelang abgeraten worden. Als Hochzeitsgeschenk erhielten die Eheleute vom Generaldirektor der Dobříšer Hüttenwerke Václav Palivec eine Villa am Teich Strž bei Stará Huť zur lebenslangen Nutzung. Die Villa wurde zu Čapeks letztem Hauptwohnsitz.
Bei der Beseitigung von Hochwasserschäden am Strž zog sich Čapek eine Lungenentzündung zu, an der er verstarb. Am 29. Dezember 1938 wurde er auf dem Vyšehrader Friedhof beigesetzt.
Werk Karel Čapek widmete sich einem breiten Arbeitsfeld: Realismus, Drama und Utopische Literatur. Sein Werk gilt als meisterhaftes Beispiel der tschechischen Sprache. Inhaltlich finden sich eine klare Beobachtungsgabe der Gesellschaft sowie häufig ein satirischer, treffsicherer Humor.
International ist Karel Čapek für seine Werke bekannt, die der Science-Fiction zugerechnet werden. Er steht darin Schriftstellern wie Aldous Huxley und George Orwell nahe.mini|R.U.R.-Inszenierung (um 1935)Viele von Karel Čapeks Werken behandeln ethische Aspekte neuer Entwicklungen, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts absehbar waren. Beispiele sind die industrielle Massenproduktion, Massenvernichtungswaffen oder die Begegnung mit anderen Intelligenzen (Roboter in R.U.R., Amphibien in Der Krieg mit den Molchen). Der Roman Das Absolutum oder die Gottesfabrik zeichnet ein pessimistisches Bild vom Umgang der Menschen mit ungeahnten Möglichkeiten. Bei der Atomspaltung wird nebenbei das „Absolutum“ freigesetzt, die Essenz des Göttlichen. Seine Verfügbarkeit gibt der Menschheit theoretisch Zugang zu Utopia, doch Machtdenken und Selbstsucht führen zu Sektierertum und Missionsbewegungen sowie schließlich zu einem sinnlosen, weltweiten Krieg. Noch düsterer ist Krakatit (1924) mit seinem besessenen, an Dostojewski gemahnenden Helden, der das Zerstörungspotential der Atomkraft entfesselt.
Daneben verfasste Karel Čapek Detektivgeschichten, Romane, Märchen und Schauspiele; auch ein Buch zum Gartenbau stammt aus seiner Feder. Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Frage „Was ist Wissen“, die insbesondere in Das Absolutum oder Die Gottesfabrik und in der Romantrilogie bestehend aus Hordubal, Ein Meteor und Ein gewöhnliches Leben beleuchtet wird.
Čapek war insgesamt sieben Mal für den Nobelpreis für Literatur nominiert.
Philosophische und gesellschaftspolitische Positionen mini|Tomáš Garrigue Masaryk (links) und Karel Čapek In seiner Studienzeit wurde Čapek von der amerikanischen Philosophie des Pragmatismus beeinflusst, der ihn mit seinem Fokus auf die praktischen Wirkungen des Handelns überzeugte.
In seinen Werken warnt Čapek vor kommenden Katastrophen. Zudem sieht er die Macht der Diktaturen voraus, prangert die Übermacht von Industriekonzernen an und mahnt ganz allgemein einen Platz für den Einzelnen an. Ray Bradbury, Salman Rushdie und Brian Aldiss sowie Dan Simmons können zu den literarischen Erben Karel Čapeks gezählt werden.
Seine produktivste Schaffensperiode lag in der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918–1938). Mit Präsident Masaryk verband ihn eine enge Freundschaft.Alexander Eilers: Brüder im Fleisch und im Geiste. Nachwort zu: In die Wolken geschrieben. Aphorismen – Fabeln – Parabeln. Herausgegeben und aus dem Tschechischen übersetzt von Hans-Horst Skupy. Edition Töpfl, Tiefenbach 2019, ISBN 978-3-942592-37-6, S. 113–116, hier S. 114. Diese Beziehung zwischen Schriftsteller und Politiker hat später Václav Havel inspiriert.
In den 1930er Jahren setzte Karel Čapek sein literarisches Talent zunehmend dafür ein, um vor der Bedrohung durch Nationalsozialismus und Faschismus zu warnen. Im Drama Die weiße Krankheit zeigt er die Gefahr aufziehender totalitärer Regimes und ihrer Kriegsabsichten auf. Der „Marschall“, Hitler gemeint, wird dort zitiert: „So eine kleine Nation hat gar kein Recht auf Leben“.
Der Gestapo galt Čapek (nach dem Präsidenten Masaryk) als „Staatsfeind Nummer 2“. Die Zerschlagung der Tschechoslowakei musste er nicht mehr miterleben. Sein Bruder Josef wurde bereits 1939 als einer der Ersten verhaftet. Er durchlitt die KZs in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen, bis er schließlich Anfang April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen an Fleckfieber starb.
Auch zum Kommunismus und seinen totalitären Tendenzen hielt er Abstand.
Nachwirkung Im Drama R.U.R. taucht erstmals der Begriff Roboter (robot) auf, der heute in zahlreichen Sprachen Verwendung findet. Das Wort wurde von Josef Čapek geprägt, der es aus dem westslawischen robota (Fronarbeit bzw. ursprünglich Arbeit allgemein) ableitete.Ivan Margolius: The Robot of Prague. In: Newsletter, The Friends of Czech Heritage. Nr. 17, Herbst 2017, S. 3–6.
Nach dem Februarumsturz 1948 tat sich das kommunistische Regime der Tschechoslowakei schwer, Karel Čapek anzuerkennen, da er nie von der Überlegenheit einer Diktatur des Proletariats gegenüber anderen Gesellschaftsformen überzeugt gewesen war. (deutsch: Warum ich kein Kommunist bin) in: Přítomnost. 4. Dezember 1924 (tschechisch). Zudem war er eine Symbolfigur der „bourgeoisen“ Ersten Republik. Trotzdem stellte das Regime den weltweit bekannten Erfolgsautor und Antifaschisten nicht ganz ins Abseits. Ab 1954 erschienen Čapeks Werke stark zensiert in mehreren Auflagen in der Tschechoslowakei, übersetzt auch im Aufbau-Verlag in der DDR sowie in anderen Ländern des Ostblocks. Ideologisch nicht konforme Werke wurden dabei außen vor gelassen.
Der Asteroid (1931) Čapek trägt seinen Namen. In seinem letzten Wohnsitz bei Stará Huť befindet sich seit 1963 eine Gedenkstätte, in seinem Geburtsort Malé Svatoňovice im Okres Trutnov ein Museum.
Seit 1994 wird der Karel-Čapek-Preis vergeben.
Werke Prosa Zářivé hlubiny. 1916. Boží muka. Novellen. 1917. (Gottesmarter. (Erster Teil), S. Fischer, Berlin 1918.Gottesmarter Katalog DNB und Kreuzwege. (Zweiter Teil), Kurt Wolff, Leipzig 1919.Kreuzwege. Katalog DNB Übersetzung: Otto Pick.) Krakonošova zahrada. 1918. Kritika slov. 1918. Překřtění ulic. Prag 1918. Trapné povídky. 1921. Továrna na absolutno. Roman. 1922. (Das Absolutum oder die Gottesfabrik. 1924. Auch: Die Fabrik des Absoluten.) Krakatit. Roman. 1922 (deutsch 1949). O nejbližších věcech. 1925. Skandální aféra Josefa Holouška. 1927. Povídky z druhé kapsy. 1929. (Aus der einen Tasche in die andere. 1936.) Zahradníkův rok. 1929. (Das Jahr des Gärtners. 1932.) Marsyas čili na okraj literatury. 1931. Apokryfy. 1932. Wie in alten Zeiten. Das Buch der Apokryphen. 1958. O věcech obecných čili Zoon politikon. 1932. Hordubal. Roman. 1933. (Hordubal. 1933.) Povětroň. Roman. 1934. (Der Meteor. 1980.) Obyčejný život. Roman. 1934. (Ein gewöhnliches Leben. 1980.) Válka s mloky. Roman. 1936. (Der Krieg mit den Molchen. 1937); Dramatisierung: Pavel Kohout, 1963; Der Krieg mit den Molchen; aus dem Tschechischen von Eliška Glaserovà; mit einem Nachwort von Marko Martin, Coesfeld: Elsinor-Verlag, 2025, ISBN 978-3-942788-84-7. První parta. Roman. 1937. (Die erste Kolonne. 1938.) Život a dílo skladatele Foltýna. Roman. 1939. (Leben und Werk des Komponisten Foltýn. 1954.)
Dramen Lásky hra osudná. 1910. Loupežník. Komödie 1920. (Der Räuber. 1934); Verfilmung 1931. R.U.R. (Rossumovi Universální Roboti. 1920.) (deutsch v. Otto Pick: W.U.R. 1922.) Ze života hmyzu. 1921. (Aus dem Leben der Insekten.) Věc Makropulos. 1922. (Die Sache Makropulos, 1927); Vertonung von Leoš Janáček: Die Sache Makropulos. Oper, 1926; Verfilmung: Tschechoslowakei 1958 (TV). Adam stvořitel. 1927. (Adam der Schöpfer. 1967.) Bílá nemoc. 1937. (Die weiße Krankheit. 1937.) Verfilmung: Tschechoslowakei 1937 (Regie: Hugo Haas). Matka. 1938. (Die Mutter. 1957.)
Reiseberichte Italské listy. 1923. (deutsch Was mir in Italien gefiel und nicht gefiel. 1961.) Briefe aus Italien. Lenos Verlag, Basel 2024, ISBN 978-3-85787-841-1. Anglické listy. 1924. (Seltsames England. 1936.) Seltsames England. Lenos Verlag, Basel 2021, ISBN 978-3-85787-821-3. Výlet do Španěl. 1930. (Ausflug nach Spanien. 1961.) Ausflug nach Spanien. Lenos Verlag, Basel 2022, ISBN 978-3-85787-831-2. Obrázky z Holandska. 1932. (Liebenswertes Holland. 1954.) Bilder aus Holland. Lenos Verlag, Basel 2026, ISBN 978-3-85787-856-5. Cesta na sever. 1936. (Die Reise nach dem Norden. 1938.)