mini|Idealgebiss mini|Instrumente eines Zahnarztes Zahnmedizin oder Zahnheilkunde (häufig gleichgesetzt mit Stomatologie), auch als Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bezeichnet, ist ein die Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich umfassendes medizinisches Fachgebiet.

Das Fachgebiet überschneidet sich teilweise mit der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, aber auch mit anderen Fachgebieten, da sich krankhafte Veränderungen der Mundhöhle auf den restlichen Körper auswirken können. Umgekehrt zeigen viele Krankheiten (z. B. Bluterkrankungen, Krebs, Infektionen) Symptome, oftmals als Erstsymptome in der Mundhöhle. Die Forensische Zahnmedizin dient der Identifizierung von Leichen anhand des Gebisses.

Der Zahnarzt erwirbt mit seiner Approbation das Recht zur Ausübung der Zahnheilkunde. Er kann seinen Beruf als Vertragszahnarzt, Privatzahnarzt oder als angestellter Zahnarzt in einer Klinik oder einer Zahnarztpraxis ausüben. Der Zahnarzt ist im Gegensatz zum Arzt nicht zur Ausübung der gesamten Heilkunde berechtigt, sondern auf sein Fachgebiet beschränkt.

Für den Erwerb der Fachbezeichnung Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie in Deutschland sind abgeschlossene Studien in Human- und Zahnmedizin erforderlich. Die fünfjährige Facharztweiterbildung kann schon während des Studiums der Zahnmedizin begonnen werden. Durch eine mindestens vierjährige Weiterbildung können die Gebietsbezeichnungen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie oder Zahnarzt für öffentliches Gesundheitswesen, bzaek.de erworben werden – sowie im Kammerbereich Westfalen-Lippe der Fachzahnarzt für Parodontologie.Musterweiterbildungsordnung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. zahnaerzte-wl.de

Historisches

mini|150px|Hesire, ältester historisch überlieferter Zahnarzt, Steinpaneele (CG 1426), Nekropole von Sakkara, Ägypten, Altes Reich, 3. Dynastie (ca. 2700 bis 2620 v. Chr.)R. J. Forshaw: The practice of dentistry in ancient Egypt. In: British Dental Journal, 2009, 206, S. 481–486. Macmillan Publishers, part of Springer Nature. mini|150px|„Der Zahnwurm“, Handillustration aus einem zahnmedizinischen Buch, Osmanisches Reich, 18. Jahrhundert Bereits 3000 v. Chr. wurden im Gebiet der Indus-Kultur Zähne behandelt. Zu den ersten belegbaren zahnmedizinischen Eingriffe gehören vor allem die Therapie von Zahnschmerzen, aber auch die Schließung von Frontzahnlücken.Werner E. Gerabek: Zahnheilkunde. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1518–1523; hier: S. 1518. Im 16. Jahrhundert vor Christus gab der Papyrus Ebers aus Ägypten unter anderem Anweisungen zu Zahnbehandlungen. Nicht erst seit dem Mittelalter hatten die Menschen die Vorstellung, ein Wurm, der sich durch den Zahn frisst, verursache die Zahnerkrankungen.Liselotte Buchheim: Der älteste Zahnwurmtext – in babylonischer Keilschrift. In: Zahnärztliche Mitteilungen, 1964, 54, S. 1014–1018. Quälende Zahnschmerzen kurierte man bis 1829 mit dem Brenneisen zum Kautern der Karies und der Nerven. Die meisten Patienten verloren bei dieser Behandlung das Bewusstsein. Um die offenliegende Pulpa (im laienhaften Sprachgebrauch: Nerv) abzutöten, verwandte man Arsenpaste. Dem Patienten konnte man so die Schmerzen nehmen. Auch Äther, Chloroform und Lachgas waren bekannt. Kokain ergänzte später die Mittel zur Schmerzbehandlung. 1905 brachte die spätere Hoechst AG das von Alfred Einhorn entwickelte Novocain auf den Markt, das für lange Zeit eine beherrschende Stellung in der Lokalanästhesie (Zahnmedizin) hatte.Heinz Nord: Über Lokalanästhesie, insbesondere das Lokalanästhetikum Anaesthi-norm. Med. Dissertation, Marburg, 1937.

Schutzheilige der Zahnmediziner ist die Hl. Apollonia. mini|150px|„Zahnbrecher“ im Jahre 1568 Jahrhundertelang benutzte man am Ende aufgefaserte Holzstäbchen, bestreut mit alkalischer Asche, Ingwer, Bengalpfeffer oder getränkt in Alaun zur Reinigung der Zähne. Die ersten Zahnbürsten stammen wahrscheinlich aus dem frühen 16. Jahrhundert, oft in Form von knöchernen Stäben, an deren vorderem Ende steife Schweineborsten befestigt waren. Im Mittelalter und den folgenden Jahrhunderten wurden Zähne nicht von akademisch ausgebildeten Ärzten gezogen, sondern von Handwerkern, meist von Badern oder, vor allem seit dem 14. Jahrhundert, als Wanderheiler auftretende „Zahnbrecher“ oder „Zahnreißer“. Spezialisten übten ihren Beruf mit Hilfe von verschiedenen Instrumenten aus, es gab aber auch Marktschreier und Scharlatane, deren Interesse in der Hauptsache im Geldgewinn lag und deren Ruf zweifelhaft war. Bevor die Möglichkeit der Narkose (Betäubung) des Patienten zur Verfügung stand oder eine Lokalanästhesie seiner Zähne möglich war, musste der Behandler sehr schnell arbeiten.

Zahnmedizinische Teildisziplinen

Befunderhebung mini|Moderne zahnärztliche Behandlungseinheit mini|Milchgebiss und Erwachsenengebiss im Vergleich Einleitend erfolgt die Anamnese, die Erhebung der Krankengeschichte in Form eines persönlichen Gesprächs zwischen Zahnarzt und Patient. Allgemeinerkrankungen können Auswirkungen auf die Zahngesundheit haben und spezielle Behandlungsrisiken beinhalten. Zur Bestimmung des individuellen Kariesrisikos kann ergänzend ein Ernährungsfragebogen ausgefüllt werden.

Es folgt die intra- und extraorale Befunderhebung, die Feststellung des Ist-Zustandes der Zähne, des Parodontiums (Zahnfleisch), der übrigen Mundschleimhaut, der Kaumuskulatur und der Kiefergelenke. In Einzelfällen wird die Speichelfließrate bestimmt, die in einer Dokumentation, dem Zahnstatus, festgehalten wird.

Zahnstatus

Als Zahnstatus wird die Erfassung des Gebisszustandes bezeichnet. Hierbei werden fehlende Zähne, ersetzte Zähne, Kariesbefall, Füllungen, Zahnersatz einschließlich Inlays, Onlays, Implantaten, Zahnfleischerkrankungen sowie Fehlstellungen der Zähne und sonstige Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich in schriftlicher Form festgehalten. Ergänzend kann eine Photodokumentation mittels intra- und extraoralen Aufnahmen durchgeführt werden. Zur Diagnostik gehören die Sensibilitätsprüfung der Zähne, bei Bedarf Röntgenaufnahmen mittels Einzelaufnahmen, Röntgenstatus, Panoramaröntgenaufnahmen oder einer Digitalen Volumentomographie (DVT). Zu den ergänzenden speziellen Diagnosemaßnahmen zählen die Erhebung des Parodontalstatus und die Funktionsdiagnostik. Letztere ermöglicht die Diagnostik von Kiefergelenkserkrankungen und Okklusionsstörungen (Störungen des Zusammenbisses).

Prophylaxe

Die zahnmedizinische Prophylaxe beschäftigt sich mit vorbeugenden Maßnahmen, die die Entstehung bzw. Verschlimmerung von Krankheiten der Zähne und des Zahnhalteapparates verhindern sollen. Neben allgemeinen Empfehlungen zur Kariesprophylaxe leitet der Zahnarzt oder eine speziell in der Prophylaxe oder Dentalhygiene ausgebildete Fachkraft zur richtigen Zahnputztechnik an und nimmt professionelle Zahnreinigungen vor. Eine allgemein gute Mundhygiene verringert das Kariesrisiko und das Risiko der Folgeerkrankungen von Zähnen und Zahnhalteapparat. Zahnarztbesuche in regelmäßigen Abständen sind sinnvoll, um bereits entstandene Karies frühzeitig erkennen und behandeln zu können und so die Folgeschäden zu minimieren.

Kinderzahnheilkunde

Die Kinderzahnheilkunde ist ein Teilgebiet der Zahnmedizin zur speziellen Behandlung aller Krankheiten im Zahn-, Mund- und Kieferbereich während der Kindheit, also von der Geburt bis zur Pubertät.

Konservierende Zahnheilkunde Die konservierende Zahnheilkunde beschäftigt sich mit der Zahnerhaltung, sie lässt sich untergliedern in:

Kariologie und Füllungstherapie Die Kariologie ist die Lehre von den Ursachen, der Entstehung und den Folgen der Karies. Dabei werden alle Faktoren, die Demineralisationsvorgänge auslösen, berücksichtigt, zum Beispiel der Einfluss von Nahrungsmitteln auf die Demineralisation der Zähne. Bei der Behandlung der Karies durch eine Füllungstherapie gilt es meist, die durch Kariesbakterien infizierte und zerstörte Zahnhartsubstanz zu entfernen und den Zahn mit einem Füllungsmaterial zu rekonstruieren.

Endodontie

Endodontologie ist die Lehre vom Zahnmark (Pulpa), dessen Erkrankungen, deren Diagnostik und Therapien; Endodontie ist die praktische Anwendung dieser Lehre. Sie wird als Wurzelkanalbehandlung bezeichnet.

Parodontologie

Die Parodontologie ist die Lehre vom Zahnhalteapparat, des Parodontiums, seiner Erkrankungen und deren Behandlung.

Zahnärztliche Chirurgie

Zur Zahnärztlichen Chirurgie (Oralchirurgie) gehören chirurgische Eingriffe: z. B. operative Zahnentfernungen, Zahnfreilegungen, die Parodontalchirurgie, die chirurgische Endodontie (Wurzelspitzenresektion), die Implantologie, die Behandlung von Kieferfrakturen, Tumoren und Zysten.

Kleinere Eingriffe dieser Art führt der Zahnarzt unter Lokalanästhesie (örtlicher Betäubung) durch. Ist er chirurgisch nicht ausreichend versiert, überweist er größere Eingriffe an einen Oralchirurgen oder einen Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.

Prothetik

Durch Karies, Parodontitis oder Verletzungen kann es zum Zahnverlust kommen. Die fehlenden Zähne durch Brücken, Voll- oder Teilprothesen zu ersetzen ist das Behandlungsgebiet der Prothetik. Die genetische Nichtanlage von Zähnen (Hypodontie) kann Zahnersatz erforderlich machen. mini|Kieferorthopädie: Mit Brackets versehene Ober- und Unterkieferzähne

Kieferorthopädie

Die Kieferorthopädie befasst sich mit der Verhütung, Erkennung und Behandlung von Fehlstellungen der Kiefer und der Zähne (Zahn- bzw. Kieferregulierung) – im Volksmund durch Zahnspangen.

Forensische Zahnmedizin

Die Forensische Zahnmedizin dient der individuellen Identifizierung von Leichen anhand des Vergleichs ihrer Gebisse (Zähne/Kiefer) ante und post mortem (vor und nach dem Tod). Angewendet wird sie bei Opfern von Natur-, Brand-, Flugzeug-, Schiffs-, Zug- und Verkehrskatastrophen sowie bei Verbrechen. Daneben beschäftigt sie sich mit der Zuordnung von Bissspuren, der Altersdiagnostik, mit Missbrauchsopfern und im weitesten Sinne mit Behandlungsfehlern.Klaus Rötzscher: Forensische Zahnmedizin. Books on Demand, Norderstedt u. a. 2005, ISBN 3-8334-0372-1.

Ethno-Zahnmedizin

Die Ethno-Zahnmedizin beschäftigt sich mit den Zähnen und der Mundgesundheit indigener Kulturen. Ebenso gehört die Erforschung der verschiedenen Prozeduren der Zahn- und Lippenveränderungen zum relativ neuen Fachgebiet.

Trends in der Zahnmedizin

Digitalisierung der Zahnmedizin Wie auch andere medizinische Disziplinen steht die Zahnmedizin unter dem starken Einfluss der Digitalisierung der Medizin. Prozesse verändern sich grundlegend und wirken sich auf die Effektivität und Genauigkeit der Patientenbehandlung aus.

In der Zahnmedizin kommen verschiedene Technologien zum Einsatz, darunter zum Beispiele CAD/CAM-Systeme in Verbindung mit 3D-Druck, Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Patientenakten.

Der Implementierungsgrad solcher Technologien in Zahnarztpraxen variiert derzeit deutlich. In Deutschland zeigt sich, dass die Einführung digitaler Lösungen in größeren zahnmedizinischen Zentren schneller voranschreitet. Jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie diejenigen, die regelmäßig an digitalen Fortbildungsprogrammen teilnehmen, weisen eine höhere Bereitschaft zur Implementierung auf. Finanzielle Einschränkungen sowie das Fehlen flächendeckender Schulungsangebote zur Digitalisierung der Zahnmedizin stellen aktuell noch zentrale Hürden dar.

Mit der Zahnheilkunde verwandte Disziplinen

Traumatologie Die Traumatologie ist die Lehre von den Verletzungen und Wunden sowie deren Behandlung. Hierzu gehört die Versorgung betroffener Zähne, der Kiefer und der umgebenden Gewebe.

Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie