Peine (niederdeutsch ; frühneuhochdeutsch PeinaDer Stadt Peina Statuta Ihre Policeisachen betreffende, vom Rathe, vier Mannen, Ambt und Gilden sampt ganzer Burgerschaft bewilliget vnd angenommen worden Anno Dni 1597. Peine 1597.; J. S. Ersch, J. G. Gruber: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. 3. Sektion O–Z, 15. Teil, Brockhaus, Leipzig 1841, S. 1) ist eine Stadt und selbständige Gemeinde in Niedersachsen. Die um 1220 gegründete Stadt hat Einwohner (Stand ). Sie ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Bekannt ist die Stadt vor allem für ihre Stahlindustrie. Noch heute ist Peiner oder Peiner Träger in der Bauwirtschaft ein Synonym für breitflanschige Stahlträger.
Geografie Lage Peine liegt in der Geestlandschaft zwischen Hannover und Braunschweig, der sogenannten Burgdorf-Peiner Geest, an die sich südlich der Stadt die Braunschweig-Hildesheimer Lößbörde anschließt. Durchflossen wird es von der Fuhse. Heute liegt Peine zudem zwischen den beiden größten Oberzentren Niedersachsens, der 40 Kilometer westlich gelegenen Landeshauptstadt Hannover und dem 25 Kilometer östlich gelegenen Braunschweig. Weitere größere Städte im näheren Umkreis sind Hildesheim, Salzgitter, Gifhorn, Wolfsburg und Celle.
* Entfernungen sind gerundete Straßenkilometer bis zum Ortszentrum.
Seine Mittellage zwischen Hannover, Braunschweig und Hildesheim machte Peine seit der Gründung bei den umliegenden Herrschern begehrt, weshalb die Stadt in zahlreiche Auseinandersetzungen verwickelt war. Die Stadt hat eine Fläche von 119,51 km² und somit eine Bevölkerungsdichte von 417 Einwohnern pro km². Ihre Höhe über dem Meeresspiegel beträgt etwa 70 Meter über Normalhöhennull. Höchster Punkt im Stadtgebiet ist mit einer Höhe von 88 m über NHN eine namenlose Erhebung, die direkt westlich von Schwicheldt liegt.
mini|Niederschlagsmittelwerte von Peine 1961–1990
Klima Peine liegt innerhalb der gemäßigten Breiten im Übergangsbereich zwischen ozeanisch und kontinental geprägten Gebieten.
Stadtgliederung Zur Stadt Peine gehören 14 Ortsteile: Berkum, Dungelbeck, Duttenstedt, Eixe, Essinghausen, Handorf, Röhrse, Rosenthal, Schmedenstedt, Schwicheldt, Stederdorf, Vöhrum / Landwehr, Wendesse und Woltorf. In diesen Ortsteilen leben etwa 24.600 Einwohner.
In der Kernstadt selbst leben etwa 26.000 Einwohner. Sie besteht aus neun statistischen Bezirken: + Ortsteile von Peine StatistischerBezirk Ortsteil Einwohner(Stand 2017)Stadt Peine: Bevölkerungsstand (31. Dezember 2017) 241 Berkum 294 225 Dungelbeck 1813 215 Duttenstedt 1005 253 Eixe 633 217 Essinghausen 1790 231 Handorf 875 255 Röhrse 250 243 Rosenthal 1059 223 Schmedenstedt 971 245 Schwicheldt 1318 211 Stederdorf 5544 251 Vöhrum / Landwehr 6881 213 Wendesse 165 221 Woltorf 1983 Ortsteile 24.581 Kernstadt 26.080 Stadt Peine 50.661
+ Statistische Bezirke der Kernstadt Peine Nr. Statistischer Bezirk Einwohner(Stand 2017) 101 Innenstadt 4157 111 Maschland 2186 121 Gunzelinfeld 6861 131 Walzwerk 1193 141 Südstadt 7322 151 Simonstiftung 233 161 Südliche Aue 858 171 Telgte 3318 181 Nördliche Aue/Herzberg 6 Kernstadt 26.080
Geschichte Die Gründung mini|hochkant=1.2|Der Schlossberg Peine mit dem früheren Wassergraben der Burg mit Kasematte, Eskarpemauer und Brücke, im Hintergrund das Amtsgericht Peine mini|Bronzestatue des Stadtgründers Gunzelin von Wolfenbüttel in der Fußgängerzone (Fantasiedarstellung)
Eine Urkunde von 1130 erwähnt zum ersten Mal Berthold von Pagin, der ein Ministeriale des römisch-deutschen Königs Lothar III. (1075–1137) war. Vermutlich ließ er Burg Peine in dieser Zeit erbauen. Das genaue Gründungsjahr der Burg ist auf Grund fehlender Urkunden allerdings nicht mehr feststellbar, so dass deren Erbauung auch schon früher erfolgt sein könnte.
Ob der Name Peines von diesem Pagin abgeleitet wurde oder umgekehrt der Personenname vom Stadtnamen herrührt, bleibt unklar. Dabei hat die indogermanistische Forschung den Ortsnamen zum Teil in eine weitaus ältere Epoche und Sprachschicht versetzt. So ist die mittelhochdeutsche Form Pagin (1154; daneben auch früh Pain, 1143) als Beleg für die „Nordwestblock“-Hypothese gewertet worden, die zuerst Hans Kuhn im Jahr 1959 aufgestellt hat. Angesichts des für das Germanische ungewöhnlichen p-Anlauts wird der Name in vorgermanische Zeiten datiert und mit urgermanisch fakin- „Fischwehr“ sowie dem zugrundeliegenden urindogermanisch *pag- oder *peh₂ǵ- „befestigen“ verknüpft.Hans Kuhn: Vor- und frühgermanische Ortsnamen in Norddeutschland und den Niederlanden. In: Westfälische Forschungen, Band 12 (1959), S. 5–44, hier S. 6 ff.; Wolfgang Meid: Hans Kuhns „Nordwestblock“-Hypothese. Zur Problematik der „Völker zwischen Kelten und Germanen“. In: Heinrich Beck (Hrsg.): Germanenprobleme in heutiger Sicht. Zweite, um ein Vorwort erweiterte Auflage, Walter de Gruyter, Berlin und New York 1999, S. 183–212, hier S. 191. Vgl. auch Reinhold Möller: Nasalsuffixe in niedersächsischen Siedlungsnamen und Flurnamen in Zeugnissen vor dem Jahre 1200. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 1998, S. 119 ff. Der Name wäre dann verwandt mit Latein pango „befestigen“, pagus „Gau, Gauburg“ und pagina „mit anderen zusammengebundener Papyrusstreifen, Buchseite“ sowie griechisch πάγος (págos) „Gipfel, Felshügel, Frost, Rauhreif“ und πάχνη (páchnē) „Rauhreif“.Vgl. den Eintrag *peh₂ǵ- im englischen Wiktionary.
Für das Jahr 1202 berichtet das Chronicon Hildesheimense über eine Fehde zwischen dem Bischof Hartbert von Hildesheim und den Brüdern Ekbert und Gunzelin von Wolfenbüttel (* um 1170; † 2. Februar 1255), der letzte ein Dienstmann und Feldherr Kaiser Ottos IV. (* um 1175; † 19. Mai 1218). Gunzelin ging siegreich aus dieser Fehde hervor und erreichte die Belehnung mit Burg und Grafschaft Peine durch Bischof Hartbert.Helga Brand: Geschichte von Stadt (und Amt) Peine auf der Website des Kreisheimatbunds.
Auf einer Landzunge südlich dieser Burg gründete er um 1220, vermutlich bereits im Jahr 1218,Thorsten Pifan: „Historiker belegt Stadtgründung 1218“, Peiner Allgemeine Zeitung, 22. September 2009. die eigentliche Stadt Peine. Seit 1223 hat Peine Stadtrechte. Unter anderem geht das Peiner Wappen auf dasjenige Gunzelins zurück. 1256 erobert Herzog Albrecht von Braunschweig-Lüneburg die Stadt. Die Söhne Gunzelins verloren nach dem Tod des Vaters das Lehen Peine bereits 1260 wieder an das Hochstift Hildesheim; Otto I. von Braunschweig-Lüneburg, Bischof von Hildesheim, gab Burg, Stadt und Grafschaft Peine dem Grafen Wedekind von Poppenburg zum Lehen. Dadurch gehörte Peine endgültig zum Einflussbereich des Bistums Hildesheim und wurde gleichzeitig Marktort.
Ab 1260 besaß Peine das Münzrecht und war mit Unterbrechungen bis 1428 eine Münzstätte Hildesheims. 1954 und 1956 wurden in Peine (in der Stederdorfer Straße und am Horstweg) zwei der größten mittelalterlichen Silberschätze Deutschlands gefunden. Es handelt sich um 95 flache, runde und zum Teil halbierte Silberbarren, einige von ihnen sind handtellergroß. Das Gesamtgewicht der beiden Funde beträgt 7,5 Kilogramm. Geprägt wurden die Silberstücke vermutlich im 14. Jahrhundert. Einige weisen die Wappen von Hildesheim und Hannover, den Braunschweiger Löwen und andere bisher noch nicht zugeordnete Prägungen auf.Mittelalterlichen Silberfunde in Peine: „Die Chemie des Reichtums“, Peiner Allgemeine Zeitung Der Fund ist ein Hinweis darauf, dass es der Stadt damals wirtschaftlich gut ging und die Peiner Kaufleute viel Einfluss hatten.
Hildesheimer Stiftsfehde mini|Die Burg Peine 1521, Stich aus dem 19. Jahrhundert, Herzog August Bibliothek
Im Jahre 1518 begann die Hildesheimer Stiftsfehde, die bis 1523 dauern sollte und unter der Peine besonders zu leiden hatte. Einige Jahre lang war es zwischen der Stadt und dem Hildesheimer Bischof bereits zu Streitigkeiten um zusätzliche Steuern und an den Stiftsadel verpfändete Rechte gekommen. Im Januar 1518 verbündete sich Bischof Johannes IV. von Hildesheim, mit Herzog Heinrich I. von Lüneburg-Celle gegen Bischof Franz von Minden und Herzog Erich I. von Calenberg. Der offene Kampf begann 1519. Im Juni desselben Jahres kam es schließlich zur ersten Belagerung Peines. Nach dem ersten Angriff brannte der Südteil der Stadt ab, später stand die ganze Stadt in Flammen, doch die Burg konnte gehalten werden. Insgesamt wurde die Peiner Burg drei Mal jeweils für einige Monate belagert. Die zweite Belagerung erfolgte im Herbst 1521, die dritte im Sommer 1522. Die Burg Peine konnte zwar jedes Mal verteidigt werden – das so genannte „Eulennest“ wurde als uneinnehmbar bezeichnet –, doch überstand sie die Angriffe keineswegs unbeschadet. „Aus Gottes Gnad und Hülf allein, hat festgehalten das Haus Pein“.
Im Juli 1967 stieß man bei Arbeiten zur Verlegung einer Fernheizleitung am Marktplatz auf menschliche Schädel und Knochen, gefallene und verscharrte Braunschweiger Söldner, die in der Stiftsfehde 1521 die Burg vergeblich gestürmt hatten.
Der Friedensschluss durch den „Quedlinburger Rezess“ im Mai 1523 führte dazu, dass dem Hildesheimer Bischof nur noch das „kleine Stift“ blieb, zu dem auch Peine gehörte. Da Bischof Johann für die Kriegskosten aufkommen musste, ging Peine 1526 in den Pfandbesitz der Stadt Hildesheim über. Nach dem Tod Hans Wildefüers, des Hildesheimer Bürgermeisters und Anführers der katholischen Partei, entschied sich der Rat der Stadt Hildesheim am 27. August 1542, der lutherischen Lehre zu folgen. Da die Stadt Hildesheim immer noch Pfandinhaberin Peines war, wurde damit auch in Peine die Reformation durchgeführt. Im Jahre 1553 wurde Peine wieder an das Hildesheimer Hochstift zurückgegeben.
Stadtbrände Am 18. März 1510 gab es einen Stadtbrand, bei dem ein großer Teil der Stadt vernichtet wurde. Es hieß: „de stat, de kerke unde de vörborch to Peine al ut in ver stunden“: Die Stadt, die Kirche und die Vorburg waren in vier Stunden ein Raub der Flammen geworden.
Am 15. Mai 1557 kam es zu einem weiteren verheerenden Stadtbrand, bei dem das Rathaus und auch die auf dem Marktplatz stehende Pfarrkirche St. Jacobi zerstört wurden. Alle Urkunden der Stadt wurden dabei vernichtet. Die Geschichte Peines vor 1600 lässt sich deshalb fast ausschließlich aus Hildesheimer und Braunschweiger Urkunden rekonstruieren.
1592 brannten noch einmal 66 Häuser nieder.
Der Dreißigjährige Krieg mini|Die Burg Peine, 1675 mini|Burg und Stadt aus der Vogelperspektive, 1725
Der Dreißigjährige Krieg griff im Jahr 1623 erstmals auf das Gebiet des heutigen Niedersachsens über, was in Peine zur Vorbereitung auf Kampfhandlungen durch Stationierung einer Hildesheimer Kompanie führte. Die Wallanlagen und der Stadtgraben wurden ausgebessert. Ab 1625 fanden erste Kämpfe im Hildesheimer Stiftsgebiet statt, Peine wurde im August 1626 für kurze Zeit von den dänischen Truppen König Christians IV. besetzt. Graf von Tilly belagerte Peine und nahm es noch im August 1626 ein, bevor Tilly Christian bei Lutter am Barenberge schlug. Bis zum Sommer 1627 verlegte Tilly sein Hauptquartier nach Peine, was für die Stadt zusätzlichen Schutz bedeutete. Außerdem beließ er Peines protestantische Konfession.
1629 wurde das kaiserliche Restitutionsedikt erlassen, das die Gegenreformation durchsetzen sollte. In diesem Jahr kam auch Friedrich Spee von Langenfeld im kaiserlichen Auftrag; er blieb, bis ein Mordanschlag auf ihn verübt wurde. Die Peiner Bürger hatten die Wahl, den katholischen Glauben anzunehmen oder innerhalb von drei Monaten die Stadt zu verlassen. Zahlreiche Bürger verließen Peine. Ihren Grundbesitz hatten sie zuvor verkaufen müssen.