Mona Lisa ist ein weltberühmtes Ölgemälde von Leonardo da Vinci aus der Hochphase der italienischen Renaissance Anfang des 16. Jahrhunderts. Das auf Italienisch als La Gioconda (‚die Heitere‘) – davon abgeleitet ihr französischer Name La Joconde – bekannte Bild wurde vermutlich nach der Florentinerin Lisa del Giocondo benannt. Der unter anderem im deutschsprachigen Raum gebräuchliche Titel Mona Lisa beruht auf einem Rechtschreibfehler, denn Mona leitet sich von der italienischen Kurzform Monna (für ‚Frau‘) ab, und ist demnach also kein Vorname, sondern der Titel, mit dem Lisa als Ehefrau (madonna) von Francesco del Giocondo angeredet wurde.

Das Originalgemälde ist seit dem Ende des 18. Jahrhunderts im zentralen Pariser Kunstmuseum Musée du Louvre ausgestellt und gilt auch dadurch, dass es am 21. August 1911 vom Kunstdieb Vincenzo Peruggia gestohlen wurde, als eines seiner bekanntesten Exponate. Es ist auf der Fläche von 77 cm × 53 cm (ca. 0,4 m²)Dies sind die ›offiziellen‹ Größenangaben, die sich auch auf der Internetpräsenz des Louvre finden. Umfassende Untersuchungen des Bildes mit naturwissenschaftlichen Mitteln (Streiflichtfotografie, Röntgen-, UV-, Infrarot-Aufnahmen usw.) ergaben unter anderem: „Die Tafel der Mona Lisa (79,4 × 53,4 cm, 1,4 cm dick) ist im Parallelschnitt zugeschnitten.“ ( auf dünnes Pappelholz gemalt und entstand wahrscheinlich in den Jahren 1503 bis 1506. Andere ForschungenFrank Zöllner: Leonardo da Vinci, Mona Lisa: das Porträt der Lisa del Giocondo, Legende und Geschichte. Fischer, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-11344-X. kommen zu einem Entstehungszeitraum zwischen 1502 und 1503. Bei Leonardos Tod, im Jahr 1519, befand sich das Bild in seinem Besitz, wurde also niemals dem Auftraggeber abgeliefert.

Beschreibung links|mini|Details von Lisas Händen, ihre rechte Hand ruht auf ihrer Linken. Leonardo wählte diese Geste anstelle eines Eherings, um die porträtierte Frau als tugendhafte und treue Ehefrau darzustellen rechts|mini|Details im Hintergrund (rechte Bildseite)

Mona Lisa hat eine starke Ähnlichkeit mit vielen Renaissance-Darstellungen der Jungfrau Maria, die damals als Ideal der Weiblichkeit angesehen wurde. Die Frau sitzt betont aufrecht in einem -Sessel mit verschränkten Armen. Ihr Blick ist auf den Betrachter fixiert. Die Frau erscheint in einem ungewöhnlichen Ausmaß lebendig, was Leonardo durch seine Methode des Nichtzeichnens von Umrissen (sfumato) erreichte. Die weiche Überblendung erzeugt eine mehrdeutige Stimmung „hauptsächlich in zwei Merkmalen: den Mundwinkeln und den Augenwinkeln“.

Die Dargestellte ähnelt im Dreiviertelprofil Werken von Lorenzo di Credi und Agnolo di Domenico del Mazziere aus dem späten 15. Jahrhundert. Frank Zöllner merkt an, dass die Haltung von Mona Lisa auf flämische Vorbilder zurückgeführt werden kann und dass „insbesondere die vertikalen Säulenscheiben auf beiden Seiten der Tafel Präzedenzfälle in der flämischen Porträtmalerei hatten.“ Joanna Woods-Marsden vergleicht die Verwendung der Loggia mit anderen Werken aus jener Zeit: Hans Memlings Porträt von Benedetto Portinari (1487) oder italienische Nachahmungen wie Sebastiano Mainardis Porträts. Die Verwendung von Loggien haben laut Woods-Marsden den Effekt, zwischen den Dargestellten und der fernen Landschaft zu vermitteln; ein Merkmal, das in Leonardos im Bildnis der Ginevra de’ Benci fehlt.

Mona Lisa ist eines der ersten Porträts, das die Dargestellte vor einer imaginären Landschaft zeigt, und Leonardo war einer der ersten Maler, der die Luftperspektive verwendete. Die rätselhaft Anmutende sitzt in einer scheinbar offenen Loggia mit dunklen Säulenbasen auf beiden Seiten. Hinter ihr weicht eine weite Landschaft zu eisigen Bergen ab. Gewundene Pfade und eine entfernte Brücke geben nur die geringsten Hinweise auf menschliche Anwesenheit. Leonardo hat sich entschieden, die Horizontlinie nicht wie bei Ginevra de' Benci am Hals zu platzieren, sondern auf Augenhöhe, wodurch die Figur mit der Landschaft verbunden und der geheimnisvolle Charakter betont wird. Mona Lisa hat keine deutlich sichtbaren Augenbrauen oder Wimpern, obwohl Giorgio Vasari zu seiner Lebzeit die Augenbrauen der Mona Lisa detailliert beschrieb. 2007 gab der französische Ingenieur Pascal Cotte bekannt, dass seine ultrahochauflösenden Scans des Gemäldes Beweise dafür liefern, dass Mona Lisa ursprünglich mit Wimpern und Augenbrauen gemalt wurde, aber dass diese im Laufe der Zeit verschwanden. Cotte entdeckte, dass das Gemälde mehrmals überarbeitet worden war, wobei Änderungen an der Größe des Gesichts und der Richtung ihres Blicks vorgenommen wurden. Er fand auch heraus, dass Mona Lisa mit zahlreichen Haarnadeln und einem mit Perlen geschmückten Kopfschmuck dargestellt war, der später ausgewaschen und übermalt wurde.

Über das Modell und die Landschaft des Gemäldes wurde viel spekuliert. Einige Kunsthistoriker in der östlichen Kunst, wie Yukio Yashiro, argumentieren, dass die Landschaft im Hintergrund des Bildes von chinesischer Malerei beeinflusst wurde, aber diese These wurde mangels eindeutiger Beweise bestritten. Von Silvano Vinceti wurde die Brücke im Hintergrund als die in Laterina, Arezzo liegende etruskisch-römische Romito-Brücke, von der (Stand 2023) nur noch Reste als Ruine erhalten sind, identifiziert. Forschungen im Jahr 2008 durch einen Professor für Geomorphologie an der Universität Urbino und einen Künstlerfotografen ergaben Ähnlichkeiten der Landschaften von Mona Lisa mit einigen Gegenden in der historischen Landschaft Montefeltro. 2024 identifizierte die Geologin und Kunsthistorikerin Ann Pizzorusso die Landschaft von Lecco als Hintergrund.

Untersuchungen von Margaret Livingstone von der Harvard University aus dem Jahr 2003 ergaben, dass das Lächeln der Mona Lisa verschwindet, wenn das Bild fokussiert wird (foveales sehen): Aufgrund der Art und Weise, wie das menschliche Auge visuelle Informationen verarbeitet, ist es in der Sichtfeldmitte weniger geeignet, Schatten direkt wahrzunehmen; durch peripheres Sehen können Schatten jedoch gut wahrgenommen werden.

Identifizierung des Modells Einige Forscher nehmen zwar an, dass Leonardo keine reale, sondern eine ideale Person gemalt habe, die Mehrheit vertritt jedoch andere Theorien:

Lisa-del-Giocondo-Theorie Die traditionelle Identifizierung des unsignierten und nicht datierten Porträts als das der Lisa del Giocondo geht auf Giorgio Vasari zurück,Charles Nicholl: Leonardo da Vinci – Die Biographie. Frankfurt am Main 2006, S. 457–469. den ersten Biografen der neuzeitlichen Kunstgeschichte aus dem 16. Jahrhundert. Er hielt fest, dass Leonardo nach seiner Rückkehr nach Florenz, also in den Jahren zwischen 1500 und 1506, ein Porträt der Lisa del Giocondo, der dritten Gemahlin des Florentiner Kaufmanns und Seidenhändlers Francesco di Bartolomeo di Zanobi del Giocondo, gemalt habe. Ferner behauptet er, dass Leonardo das Porträt vier Jahre später immer noch nicht vollendet und das noch unfertige Bild auch nicht an seinen Auftraggeber Francesco del Giocondo übergeben, sondern für sich behalten habe. Lisa del Giocondo wurde 1479 als Tochter von Antonio Maria di Noldo Gherardini geboren und heiratete Francesco am 5. März 1495. Das Gemälde wäre nach dieser Theorie im Frühjahr 1503 von Francesco del Giocondo anlässlich des Kaufs eines neuen Hauses und der komplikationslosen Geburt eines Kindes in Auftrag gegeben worden. mini|Randbemerkung in der Heidelberger Inkunabel, die 2008 Aufsehen erregte|alternativtext=Farbfotografie von einem Ausschnitt aus einer alten Inschrift in Latein. Auf dem vergilbten Papier ist links eine Druckschrift und rechts eine handschriftliche Notiz.

Gestützt wird der Bezug zu Lisa del Giocondo durch eine Entdeckung, die man 2008 machte: Bei der Katalogisierung eines Frühdrucks der Universitätsbibliothek Heidelberg (Signatur D 7620 qt. INC) wurde von Armin Schlechter der handschriftliche Eintrag des florentinischen Kanzleibeamten Agostino Vespucci vom Oktober 1503 gefunden, der unter anderem davon berichtet, dass Leonardo ein Porträt der Lisa del Giocondo angefertigt habe.Armin Schlechter (Bearb.): Die edel kunst der truckerey. Ausgewählte Inkunabeln der Universitätsbibliothek Heidelberg. Winter, Heidelberg 2005, Kat. 20, S. 28–29, .Armin Schlechter: Vom Hineinschreiben in Bücher. Glossen und Marginalien als Teil der Überlieferung. In: Handschriften des Mittelalters. Die großen Bibliotheken in Baden-Württemberg und ihre Schätze. Hrsg. vom Staatsanzeiger-Verlag. Stuttgart 2007, S. 20–21.

Allerdings haben einige Historiker auch nach dem Fund dieses Eintrags die Identifizierung der Mona Lisa als Lisa del Giocondo in Frage gestellt und nach anderen Fährten gesucht. Diese Skepsis erklärt sich aus der Tatsache, dass die Randnotiz des Agostino Vespucci nicht belegt, dass wirklich die Rede von dem als „Mona Lisa“ bekannten Gemälde ist; sie könnte sich auf andere Gemälde beziehen, sogar auf solche, die der Wissenschaft nicht bekannt sind oder einem anderen Maler zugeschrieben wurden.

Nach Ansicht von Pascal Cotte, der das Gemälde einer technischen Analyse unterzog, zeigt das Porträt gar nicht Lisa del Giocondo, denn die ursprünglich 1503 begonnene Lisa wurde nicht vollendet und später von Leonardo übermalt, um eine andere Florentinerin im Auftrag von Giuliano de’ Medici darzustellen, die auf dem Bild im Louvre zu sehen ist.Siehe Pascal Cotte: Lumière on the Mona Lisa: Hidden Portraits. Vinci Editions, Paris 2016, ISBN 978-2-9548258-4-7, S. ?.

Isabella-d’Este-Theorie Im aktuellen Werkverzeichnis Leonardo da Vinci wird lediglich Isabella d’Este als plausible Alternative dokumentiert.

Isabella d’Este (1474–1539) war Markgräfin von Mantua und die berühmteste Kunstmäzenin ihrer Zeit. Leonardo da Vinci war der Hofmaler ihrer Schwester Beatrice d’Este im Herzogtum Mailand. 1499 floh Leonardo nach der Vertreibung der Sforza (seiner Arbeitgeber) an den Hof von Isabella d’Este. Die Stelle des dortigen Hofmalers war allerdings durch Andrea Mantegna besetzt. In einem Zeitraum von drei Monaten fertigte Leonardo mehrere Porträtzeichnungen von Isabella an (durch Briefe dokumentiert).Francis Ames-Lewis: Isabella & Leonardo — The Artistic Relationship between Isabella d’Este and Leonardo da Vinci, 1500-1506. Yale University Press, New Haven und London 2012, Anhang Letters to and from Isabella d’Este concerning works for her by Leonardo da Vinci, S. 225f (Brief vom 13. März 1500), S. 227f (Brief vom 27. Mai 1501), S. 235f (Brief 14. Mai 1504). Eine dieser Zeichnungen, eine Profilzeichnung, ist im Louvre erhalten und zeigt optische Übereinstimmungen.

mini|x200px| Die drei farbigen Porträts Isabella d’Este im Kunsthistorischen Museum in Wien – vielleicht inklusive Verwechslung?|alternativtext=Collage aus drei Renaissanceporträts in Öl gemalt, die sich im unteren Bildbereich befinden, und ihre vergrößerten Gesichtsausschnitte im oberen Bildbereich.

Aus den anschließenden Jahren 1501 bis 1506 sind mehrere Briefe überliefert, in denen Isabella – direkt und über Agenten – Nachfragen zur versprochenen Ausführung eines (Öl-)Porträts an da Vinci richtete (und ihre Agenten Leonardos Beginn versprachen bzw. bestätigten)Francis Ames-Lewis (2012), S. 223–240 (Briefe vom 27. März 1501, 14. April 1501, 31. Juli 1501, 14. Mai 1504 (2 x), 3. Mai 1506). – die Mona Lisa fällt genau in diesen Zeitraum. 1504 erklärte Isabella d’Este ihr Interesse an einem weiteren Motiv, was mit dem späteren Verbleib des Mona Lisa genannten Bildes bei Leonardo übereinstimmt.Francis Ames-Lewis (2012), S. 235f (Brief vom 14. Mai 1504).

Auch die Landschaft wäre als Gardaseeberge (Mantua am Mincio unterhalb des Gardasees) statt als Toskana interpretierbar. In der Symbolsprache der Renaissance sprechen das übergroße Bildformat (analog der Profilzeichnung), Hintergrundlandschaft im Allgemeinen und die Armlehne („Herrschersessel“) zudem gegen ein bürgerliches Porträt.

Brandani-Theorie