mini|Mao Zedong (1950) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|150px mini|Mutter und Vater von Mao Zedong
Mao Zedong oder Mao Tse-tung (; * 26. Dezember 1893 in Shaoshan, Kaiserreich China; † 9. September 1976 in Peking, Volksrepublik China) war ein marxistisch-leninistischer Revolutionstheoretiker und diktatorisch regierender Politiker als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas sowie Präsident der Volksrepublik China mit den Titeln „Überragender Führer“ und „Großer Steuermann“.Mao Zedong – Chinas „großer Steuermann“. Mao und Millionen Tote. Bayerischer Rundfunk, BR2, 21. November 2011.
Mao gehörte 1921 zu den Mitbegründern der Kommunistischen Partei, die er von 1935 an dominierte. Er führte die Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg und festigte seine Macht auf dem Langen Marsch. Er wurde 1943 Vorsitzender des Zentralkomitees der KP Chinas, rief 1949 die Volksrepublik China aus und verkündete 1954 die erste Verfassung der Volksrepublik China, deren erster Staatspräsident er wurde.Biografie: Mao Tse-Tung, Deutsches Historisches Museum LeMO.
Im beginnenden Kalten Krieg unterstützte Mao Nordkorea im Koreakrieg militärisch. Zur gleichen Zeit startete er zur Festigung der Kontrolle der Kommunistischen Partei die Chinesische Landreform, die Kampagne zur Unterdrückung von Konterrevolutionären, die Drei-Anti- und Fünf-Anti-Bewegung, die Sufan-Bewegung und die Anti-Rechts-Bewegung. Diese Bewegungen führten zum Tod von Millionen Chinesen und machten China zu einem Einparteienstaat. 1958 startete Mao die Kampagne Großer Sprung nach vorn, die versuchte, China rasch und mit brutalen Mitteln in ein mächtiges Industrieland zu verwandeln, was jedoch schließlich zum Tod von 15–55 Millionen Menschen in der Großen Chinesischen Hungersnot führte. Nachdem Mao 1962 das Machtzentrum teilweise verlassen hatte, startete er 1963 die Sozialistische Erziehungskampagne. Um sich an der Macht zu halten, begann er im Jahr 1966 die Kulturrevolution. In der Folge wurden unzählige Intellektuelle und politische Gegner von den Roten Garden ermordet und Kulturschätze vernichtet. Mao wird insgesamt für bis zu 40–80 Millionen Tote verantwortlich gemacht, die aufgrund von vermeidbaren Hungersnöten, Bestrafungsaktionen und politischen Säuberungen starben.
Maos aus dem Marxismus-Leninismus entwickelte Ideologie wurde als Maoismus bekannt und auch in der westlichen Welt rezipiert. Das als „Mao-Bibel“ bekannte Buch Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung, eine Zusammenstellung von Zitaten und kurzen Aufsätzen Maos, wurde weltweit über eine Milliarde Mal gedruckt. Seine gesellschaftspolitischen Ansätze wurden von seinen Nachfolgern (vor allem Deng Xiaoping) größtenteils rückgängig gemacht; sein Porträt hängt aber weiterhin am Tor des Himmlischen Friedens. Während seiner Zeit erlebte China ständige Machtkämpfe, insbesondere den Koreakrieg, das Chinesisch-sowjetische Zerwürfnis und Nixons Besuch in China.
Frühe Jahre (1893–1918) mini|Geburtshaus von Mao Zedong in Shaoshan, heute vor allem für Chinesen eine Touristenattraktion.
Familie Mao Zedong wurde am 26. Dezember 1893 im Dorf Shaoshan (Gemeinde Shaoshan) in der zentralchinesischen Provinz Hunan in eine wohlhabende Bauernfamilie geboren. Sein Vater Mao Yichang (, 1870–1920) sah sich in der 20. Generation des Mao-Clans und führte seine Abstammung auf den Armeeführer Mao Taihua zurück, der bis 1368 gegen die Mongolen kämpfte und sich nach Etablierung der Ming-Dynastie in der Region des heutigen Xiangtan niederließ. Maos Großvater hatte im Taiping-Aufstand, der als schrecklichster Krieg des 19. Jahrhunderts gilt, gekämpft.
Maos Vater hatte nur zwei Jahre Schulbildung und war hart und arbeitsam. Er schaffte es, sich aus den Schulden zu befreien, die ihm sein Vater hinterlassen hatte. Mit dem Geld, das er sich während seines Dienstes in der Armee angespart hatte, kaufte er zwischen 15 und 20 Mu Land, das er mit Hilfe von Landarbeitern bewirtschaftete. Später wurde er Großhändler, der trotz Hungers in Shaoshan Reis aufkaufte und in die großen Städte weiterverkaufte. 1885 heiratete er im Alter von 15 Jahren Maos Mutter Wen Qimei (, geb. Wen Suqin, 1867–1919), die aus einem Nachbarort von Shaoshan stammte. Qimei bekam sieben Kinder, von denen nur drei Söhne überlebten. Maos Brüder hießen Zemin und Zetan. Sie war eine sehr religiöse Buddhistin. Während Maos Kindheit und Jugend nahm Qimei ihn oft zu einem buddhistischen Tempel mit und hoffte, dass Mao einmal Mönch werden würde. Ihr Buddhismus beeinflusste Mao Zedong für sein ganzes Leben.
mini|hochkant|Mao, ca. 1910er
Maos Verhältnis zu seinem Vater war schwierig. Es gab oft Streit mit seinem Vater, weil dieser Mao für faul und respektlos hielt und ihn auch beschimpfte. Die Streits endeten meistens mit Prügelstrafen für Mao, weil der Vater es nicht duldete, dass er ihm widersprach. Die Mutter versuchte, Mao vor den Strafen zu bewahren, was allerdings in der Regel nicht half. Die Härte seines Vaters machte Mao immer harscher, bitterer und eigensinniger. Mao sagte im Juli 1936 in einem Interview mit Edgar Snow über seine Beziehung zu seinem Vater: „Ich lernte ihn zu hassen.“ Maos Beziehung zu seiner Mutter war sehr viel positiver. Mao sagte später über seine Mutter: „Ich verehrte meine Mutter... Ich folgte ihr überallhin... ging zum Tempel, verbrannte Räucherstäbchen und Papiergeld, huldigte Buddha... Weil meine Mutter an Buddha glaubte, glaubte ich auch daran.“ Nach lokalen Maßstäben sind die Maos zu ihrer Zeit eine wohlhabende bäuerliche Familie gewesen.
Die Situation Chinas in Maos Kindheit Das China seiner Kindheit befand sich in einer tiefen Krise. Die Hundert-Tage-Reform war gescheitert, der Boxeraufstand hatte zu noch größeren Zugeständnissen an die ausländischen Mächte geführt. Die Bevölkerung verarmte, weil die traditionellen Manufakturen gegen die Fabrikware aus den ausländischen Pachtgebieten nicht bestehen konnten. Während der Selbststärkungsbewegung waren aber auch die Anfänge eines modernen Bildungssystems und einer modernen Armee entstanden. Die zahlreichen Aufstände und Reformen hatten auch im einfachen Volk ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass die Qing-Dynastie früher oder später stürzen würde, im traditionellen Denken zahlreicher Chinesen hatte das Kaiserhaus das Mandat des Himmels verwirkt. Mao erlebte die Auswirkungen des Ping-Liu-Li-Aufstandes und die Unsicherheit, die die Aktivitäten der Geheimgesellschaften wie der Gelaohui verbreiteten, am eigenen Leib.
Schulzeit Vater Mao, der aus seinem Sohn einen gelehrten Mann machen wollte und ihm den Namen Zedong (Wohltäter des Ostens) gegeben hatte, schickte ihn auf eine private konfuzianische Schule in Shaoshan. Mao lernte dort den Stoff auswendig, die ethisch-moralischen Konzepte blieben ihm jedoch fremd. Im Interview mit Snow sagte er über die Moralphilosophie von Konfuzius: „Ich kannte die Klassiker, liebte sie aber nicht.“
Im Alter von 13 Jahren verließ Mao die Schule aufgrund der Gewalttätigkeit des Lehrers. Da die Beamtenprüfungen abgeschafft worden waren und Bildung somit nicht mehr automatisch Eintritt in die kaiserliche Bürokratie bedeutete, hoffte sein Vater, dass Mao im väterlichen Geschäft mithelfen würde. Gegen den Willen des Vaters befasste sich Mao jedoch hauptsächlich mit Lektüre, so las er etwa die Werke des einflussreichen Reformers Zheng Guanying. Im Alter von 16 Jahren begann Mao zusammen mit seinem 9 Jahre älteren Cousin, eine Schule zu besuchen, die moderne Fächer unterrichtete. In dieser Schule blieb er jedoch nur ein Jahr, weil er unter dem Hass und der Arroganz seiner Mitschüler litt: er wurde wegen seiner bäuerlichen Herkunft und dem Dialekt der Xiang-Sprache, die man in seinem Heimatdorf sprach, ausgegrenzt. Im Alter von vierzehn Jahren wurde Mao mit der achtzehnjährigen Luo Yigu verheiratet, deren Clan der Familie Mao über entfernte verwandtschaftliche Beziehungen verbunden war. Mao lehnte diese Ehe ab und versteckte sich bei einem Freund in Shaoshan, Luo Yigu starb bereits 1910.
mini|hochkant|Mao Zedong im Jahre 1913
Erster Kontakt mit der Politik Anfang 1911 ging Mao ins 70 km entfernte Changsha – damals ein Umschlagplatz für Güter und Nachrichten aus aller Welt –, um dort eine neue Schule zu besuchen. Dort lag eine Revolte gegen die Qing-Dynastie bereits in der Luft und Mao gehörte zu jenen, die sich als Zeichen der Rebellion die Zöpfe abschneiden ließen. Nachdem die Nachricht über den erfolgreichen Wuchang-Aufstand Changsha erreicht hatte, wurde Maos Schule geschlossen.
Die Provinz erklärte sich für unabhängig, Mao trat in die Hunan-Armee ein, ohne jedoch einen Einsatz militärischer Natur zu absolvieren. Mao sah jedoch die Leichen der Führer des lokalen Aufstands, Jiao Defeng und Chen Zuoxin – sein erster Kontakt mit der Machtpolitik. Er verließ die Armee wieder und probierte verschiedene Schulen, bis er im Frühling 1913 auf der Lehrerbildungsanstalt der Provinz Hunan angenommen wurde. Dort war er zwar nur in den Fächern fleißig, die ihn interessierten, trotzdem respektierten ihn die Lehrer. Durch einen Zeitungsbericht im Frühjahr 1913 kam Mao zum ersten Mal mit dem Sozialismus und Kommunismus in Kontakt. Im Jahre 1917 wurde er zum besten Schüler der Schule ernannt. Er gründete eine Vereinigung der Schüler aus Xiangtan und wurde Vorsitzender der Schülervereinigung. In dieser Funktion belebte er die Abendschule für Arbeiter neu. Im November 1917 organisierte er Freiwillige, die die Schule mit Hilfe der Polizei vor marodierenden Soldaten verteidigten. Im April 1918 gründete er die Studiengesellschaft des Neuen Volkes mit, an der auch He Shuheng beteiligt war. Das Ziel dieser Vereinigung war es, China und die ganze Welt zu erneuern. Aus dieser Zeit stammen die ersten Schriften von Mao Zedong. Sie zeigen Maos Bewunderung für Shang Yang, die Theorien des Vitalismus und der Kraft des menschlichen Willens, aber auch für den erfolgreichen Provinzgouverneur Zeng Guofan. Unter jenen Chinesen, die damals ihr Land vor den westlichen Kolonisierungsbestrebungen retten wollten, waren dies sehr verbreitete Ansichten. Als Mao die Schule abschloss, hatte er zwar große Ambitionen, war jedoch orientierungslos. Während seiner Schulzeit hatte er eine Freundschaft zum Lehrer Yang Changji aufgebaut, der Maos Standpunkte stark beeinflusste und seine Aufmerksamkeit auf radikale Positionen wie jene von Miyazaki Tōten lenkte. Auch Mitschüler wie Cai Hesen, einer der Führungskräfte der Kommunistischen Partei Chinas in ihrer Anfangszeit, beeinflussten ihn. Im Unterschied zu anderen Politikern seiner Zeit besuchte Mao keine der neugegründeten Universitäten. Seine Positionen erarbeitete er sich im Selbststudium in der Stadtbibliothek von Changsha. Er blieb stärker in den kulturellen Traditionen verwurzelt als andere, spätere kommunistische Revolutionäre.
Außenseiter in der Kommunistischen Partei (1918–1934) Gründung der KP-Zelle in Hunan links|mini|hochkant|Mao Zedong im Jahr 1924