mini|Großlangheim vom Schwanberg gesehen
Großlangheim ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Großlangheim in Bayern.
Geografie Lage Großlangheim liegt in der Planungsregion Würzburg (Bayerische Planungsregion 2) am Fuße des Schwanbergs. Im Süden der Gemarkung fließt der Mainzufluss Bimbach. An diesem reihen sich in Großlangheim die Weiden- und die Kuffenmühle auf.
Gemeindegliederung mini|Blick auf Großlangheim mit St. Jakobus (von Rödelsee kommend) Großlangheim hat zwei Gemeindeteile: Großlangheim (Hauptort) Weidenmühle (Einöde)
Es gibt nur die Gemarkung Großlangheim. Sie hat eine Fläche von 14,758 km² und ist in 2405 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6136,42 m² haben.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Kleinlangheim, Wiesenbronn, Rödelsee, Kitzingen und Schwarzach am Main.
Schutzgebiete In der Gemarkung von Großlangheim befinden sich im Nordosten des Hauptortes zwei Naturschutzgebiete. Der Belkers bei Großlangheim ist Teil eines ausgedehnten Waldgebietes, auf der Feuchtwiese Kranzer wachsen seltene Orchideenarten.
Naturräumliche Lage Naturräumlich gehören Großlangheim und seine Gemarkung vollständig zur sogenannten Mainbernheimer Ebene. Dieser Naturraum bildet eine Untereinheit der Kitzinger Mainebene, die sich durch flachwellige Ebenen zwischen dem Mittleren Maintal und dem Anstieg des Geländes zum Steigerwald auszeichnet.
Geschichte mini|Steinerne Brücke über den Wehrgraben zur Wasserburg Bis zur Gemeindegründung Funde von Mikrolithen bezeugen erste Siedlungen auf Großlangheimer Gemarkung schon vor rund 12.000 Jahren. Urkundlich erschien Großlangheim das erste Mal als „Lanchheim“ im Jahre 816 n. Chr. in der Gründungsurkunde des Klosters Megigaudeshausen (auch Megingaudshausen). Als erste Ministerialen werden die Langheims genannt. Sie waren wohl zunächst Dienstmannen des Frauenklosters Kitzingen. 1189 war die Rede von „Helmericus von Lamheim“, später „Langheim“ oder „Lankheim“. 1270, ging der Hof in „maiori Lanchheim“ an Eberhard Fuchs von Scheinfeld, der ihn 1276 der Zisterzienserabtei in Ebrach schenkte.
1315 erhielt Graf Friedrich von Castell vom Hochstift Würzburg Vogtei und Zehnt in Großlangheim als Lehen. Ab dem 14. Jahrhundert unterstand der größte Teil des Ortes den Grafen von Castell. König Sigismund gestattete am 21. Juli 1414 dem Grafen Linhart von Castell den Ort zu befestigen und Wochenmärkte sowie zwei Jahrmärkte abzuhalten. Der Wochenmarkt fand jeweils am Montag statt, Jahrmärkte gab es an St. Georg (23. April) und St. Jakob (25. Juli). Über dreihundert Jahre später, 1708, erhielt der Ort die Erlaubnis, vier Jahrmärkte abzuhalten. Für die Sicherheit der Untertanen sorgte Graf Linhart durch die Befestigung mit Mauern und Gräben. Die Chronik berichtet von fünf Türmen und vier Toren mit drei Torhäusern und vier Torwächtern. Das Torhaus in Richtung Kitzingen fiel im Schwedenkrieg zusammen mit vielen Dokumenten den Flammen zum Opfer und wurde 1676 durch Blitzschlag restlos zerstört. Bei einer Versteigerung konnten Ortsbewohner 1818 Teile des Grabens erwerben. Der Casteller Torturm in Richtung Kleinlangheim verschwand 1875, das Schwarzacher Tor 1892 und das Brückentor in Richtung Rödelsee 1893. Fragmente der Mauern sind noch um den ursprünglichen Altort zu erkennen.
Für 10.000 Gulden ging der Marktflecken 1447 von dem Casteller Grafen Wilhelm in den Besitz der Grafen von Henneberg-Römhild und Truchseß von Wetzhausen über. In deren Herrschaftszeit gelangten wahrscheinlich die Riemenschneider bzw. seiner Werkstatt zugeschriebenen Kunstwerke zwischen 1510 und 1515 in die Kapelle und die Kirche. Graf Heinz Truchseß zu Langheim war ein Freund des Würzburger Fürstbischofs Lorenz von Bibra, der Riemenschneider förderte. Heintz, Erhard und Philipp Truchseß von Wetzhausen veräußerten 1517 „ihre beiden Hälften an Schloß und Markt Langheim ganz …“ an das Hochstift Würzburg. Als Teil des Hochstiftes Würzburg wurde Großlangheim zugunsten Bayerns im Jahr 1803 säkularisiert und kam 1805 mit dem Frieden von Preßburg an Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg, mit dem es 1814 an das Königreich Bayern zurückfiel.
Jüdische Gemeinde
Im Jahre 1830 hatten die Großlangheimer Juden die Erlaubnis erhalten, eine Synagoge und eine Schule zu errichten. Beim Novemberpogrom 1938 blieben diese Gebäude vom Feuer verschont. Der Grund war die Angst vor einer Ausweitung des Brandes. Die Einrichtung der Synagoge und die Schule der jüdischen Gemeinde am Schloßhof wurden jedoch durch SA-Männer verwüstet.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 144 Während des Krieges waren in der Synagoge Kriegsgefangene untergebracht und am Schluss beherbergte sie ein Lazarett. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten sie die Großlangheimer als Feuerwehrhaus. Als dieses in einen Neubau umzog, wurde das Gebäude grundlegend renoviert und ist heute Kulturhaus. Dort finden Vorträge, Theater und Kabaretts sowie Kinovorführungen statt. Außerdem ist es Vereinsheim des Männergesangvereins Sängerlust Großlangheim.
Eine kupferne Gedenktafel erinnert an den Pogrom und die ehemalige jüdische Gemeinde.
Religionen Es gibt in Großlangheim eine katholische Kirche, die regelmäßig für Gottesdienste genutzt wird. Im Pfarrhaus lebte der katholische Pfarrer der Gemeinden Großlangheim, Kleinlangheim, Wiesenbronn, Mainbernheim und Rödelsee.
Einwohnerentwicklung Jahr 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 Einwohner 1341 1293 1411 1471 1580 1577 1620 1606
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 1294 auf 1598 um 304 Einwohner bzw. um 23,5 %. 2009 hatte der Markt 1633 Einwohner. Quelle: BayLfStat
Politik mini|Rathaus (Baudenkmal) Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: Partei/Liste20202014%Sitze % Sitze CSU/Freie Bürger 32,554 42,5 5 Freie Wähler 26,403 25,5 3 Junge Liste 15,672 17,1 2 Unabhängige Langemer Kandidatur14,522–– Großlangheimer Liste10,861–– SPD/Großlangheimer Liste –– 14,9 2 Wahlbeteiligung 75,02 %60,9 %
Bürgermeister Seit 1. Mai 2020 ist Peter Sterk (CSU/Freie Bürger) Erster Bürgermeister; er wurde am 15. März 2020 mit 57,9 % der Stimmen gewählt. Sein Vorgänger war vom 1. Mai 1996 bis 30. April 2020 Karl Höchner (CSU/Freie Bürger); er hatte bei der Wiederwahl 2014 erneut mit 60,5 % der abgegebenen Stimmen die Mehrheit erreicht.
Haushalt Großlangheim ist eine der wenigen Gemeinden in Bayern, die völlig schuldenfrei sind und trotz Dorferneuerung schon seit Jahren einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Reste der ehemaligen Wasserburg mit Graben
Baudenkmäler
Wasserburg Nach der Infotafel an der Brücke wurde die Wasserburg Großlangheim im 14. Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt als Eigentum der Grafen von Castell. Von diesen ging sie an die Truchseß von Wetzhausen. Danach kam sie in den Besitz des Hochstifts Würzburg. Im Bauernkrieg plünderten die Bauern am 5. Mai 1525 zusammen mit Ortsansässigen das Schloss und zündeten es an. Nach Kriegsende bezahlten einige Ortsbewohner dies mit dem Leben, andere mussten beim Aufbau Unterstützung leisten. Ab 1660 konnte das Schloss nicht mehr als Wohnung genutzt werden und die Räume standen leer. Von 1694 an verfiel es und diente der Bevölkerung als Steinbruch. Nur Reste der Grundmauern, die steinerne Brücke und der Wehrgraben, der zum Teil mit Wasser gefüllt ist, lassen die ursprüngliche Größe der Anlage erahnen.
St.-Antonius-Kapelle Die St.-Antonius-Kapelle wurde von den Grafen von Castell in der Mitte des 14. Jahrhunderts gestiftet und bis ins Jahr 1399 errichtet. In der Spätgotik erhielt das Kirchlein einige der wertvollen Ausstattungsgegenstände, die der Riemenschneider-Werkstatt zugerechnet werden. Nach der Säkularisation wurde der Abriss der Kapelle diskutiert, nach einer umfassenden Renovierung am Ende des 19. Jahrhunderts konnte dies jedoch verhindert werden.
Eine Besonderheit der Kapelle ist die gotische Türbekrönung mit den Figuren des heiligen Georg, des Patrons Antonius und der heiligen Muttergottes. Daneben existiert im Inneren ein Freskenzyklus über das Leben des heiligen Antonius. Er gilt als der besterhaltene seiner Art in Deutschland. Einige spätgotische Reliefs des 16. Jahrhunderts wurden in den neugotischen Hochaltar eingefügt.
Katholische Pfarrkirche St. Jakobus mini|Katholische Kirche St. Jakobus in Großlangheim Die Kirche St. Jakobus ist an der heutigen Stelle erst von der Mitte des 15. Jahrhunderts an überliefert. Zuvor war der Gottesdienst in einer anderen Pfarrkirche im Ort gefeiert worden, die bereits als frühchristliche Taufkirche aus dem 10. Jahrhundert überliefert war. Bei einem Umbau im 19. Jahrhundert wurden zwei Rotunden an das spätgotische Kirchenschiff angebaut.
Im Inneren des Gotteshauses sind eine Vielzahl an Ausstattungsgegenständen unterschiedlicher Epochen vorhanden. Insbesondere der Umbau in den Jahren 1820/1821 brachte neugotische Elemente ins Kircheninnere. Besondere Schätze sind die Holzplastiken aus der Schule von Tilman Riemenschneider. Es handelt sich um ein Vesperbild, mehrere Heiligenskulpturen und ein Relief und dem Maria zwei weiteren Heiligen.
Friedhof Ursprünglich umgab der Gottesacker mit einem Beinhaus die Kirche. 1622 wurde er im Zusammenhang mit dem Kirchenneubau erweitert. Lutheraner und Fremde wurden in dem Fremden-Friedhof vor dem Schwarzacher Tor bestattet. Ab 1732 beerdigte man nur noch im Fremden-Friedhof.
Marterlesweg In Großlangheim und auf seiner Flur gibt es zahlreiche Bildstöcke, die auf einem Rundgang, dem Großlangheimer Marterlesweg, erwandert werden können. Der älteste Bildstock von 1501, auf dem Engel das Blut Christi auffangen, schmückt den Kirchplatz.
Sagen Vom verdeckten Brunnen In der Nähe der Pfarrkirche St. Jakobus befand sich einst ein Brunnen, der die meiste Zeit mit einem Holzdeckel abgedeckt war. Die Kinder aus dem Dorf fürchteten sich vor dem Brunnen, insbesondere die jungen Mädchen mieden ihn. Einmal an Fasching war er aufgedeckt und die Dorfjugend stand maskiert um den Brunnen herum. Die Jungen kamen auf die Idee, von der einen Seite des Brunnens auf die andere zu hüpfen. Immer schneller erfolgten die Sprünge und immer knapper kamen die Buben auf der anderen Seite an. Einer der Jungen spornte die anderen an, immer riskantere Sprünge zu wagen. Einem anderen fiel auf, dass der Haufen Zuwachs bekommen hatte. Er sagte den anderen, sie sollten mit dem Springen aufhören und stattdessen einmal durchzählen. Statt zehn Kindern standen nun elf um den Brunnen. Da wurde es ihnen unheimlich und sie verließen den Platz. Der elfte Knabe war aber nicht mehr zu sehen.
Die Wäscherinnen am Roten Graben Zwischen Großlangheim und Haidt führt ein Weg über einen kleinen Bach, den Rodenbach oder Roten Graben. Eine Furt bildete in der Vergangenheit den wichtigsten Übergang. Um Mitternacht konnte man in der Nähe der Furt mehrere weiße Frauen sehen, die eifrig ihre Wäsche wuschen. Das Geräusch der Wäscherinnen konnte man schon in einiger Entfernung hören. Wenn jemand beim Übergang das Wasser trübte, es also zum Waschen ungeeignet machte, kamen die Wäscherinnen und gaben ihm Ohrfeigen.
Der Geisterförster im Klosterforst Im tiefen Wald zwischen Großlangheim und Dettelbach stand früher ein Jägerhaus. Dort lebte ein uralter Jäger mit seinen zwei Hunden. Er wurde von allen Menschen gemieden, weil er nie die Kirche besuchte und die Holzsucher grausam verfolgte. Als er starb, waren alle Menschen aus Großlangheim froh. Im Winter nach seinem Tod aber tauchte der Jäger als Geist wieder im Wald auf. Er brachte Wanderer vom rechten Wege ab und erschreckte die Menschen mit seinen schaurigen Rufen.