Martinsheim ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen.

Geografie Geografische Lage Der Hauptort ist ein typisches Haufendorf. Die Gemeinde liegt in Unterfranken an der Grenze zu Mittelfranken und ist die südlichste Gemeinde im Landkreis Kitzingen zwischen dem Ochsenfurter Gau und dem Steigerwald.

Gemeindegliederung Es gibt sechs Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Enheim (Pfarrdorf) Enheimermühle (Einöde) Gnötzheim (Pfarrdorf) Martinsheim (Pfarrdorf) Martinsheimermühle (Einöde) Unterickelsheim (Pfarrdorf)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Enheim, Gnötzheim, Martinsheim und Unterickelsheim. Die Gemarkung Martinsheim hat eine Fläche von 8,142 km². Sie ist in 1003 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 8117,23 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Martinsheimermühle.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Marktbreit, Obernbreit, Seinsheim, Ippesheim und Oberickelsheim.

Naturräumliche Lage Martinsheim und seine Gemeindeteile liegen in zwei Naturräumen, die beide Teil des Ochsenfurter und des Gollachgaus sind. In den Norden des Gemeindegebiets ragt der Ifftalbereich mit seinen steilen Bachtälern. Der größere Teil des Areals liegt jedoch in der höhergelegenen Ochsenfurt-Uffenheimer Gäufläche.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Das Gebiet des heutigen Martinsheims scheint bereits vor 3000 Jahren in der Jungsteinzeit besiedelt worden zu sein. Davon zeugt der Fund eines Steinbeils aus der Jungsteinzeit.

Namenspatron des Ortes ist der heilige Martin, einer der wichtigsten Heiligen für Franken und Patron der nicht mehr vorhandenen Martinskapelle einst außerhalb des Dorfes.

Von 1448 bis 1791 gehörte Martinsheim zu den Sechs Maindörfern (Marktsteft, Obernbreit, Martinsheim, Gnodstadt, Oberickelsheim, Sickershausen), die wirtschaftlich eng verbunden waren. Im Jahre 1528 nahm man in Martinsheim das evangelische Bekenntnis an. Im März 1636 wurden während des Dreißigjährigen Krieges durch einen Großbrand 40 Höfe, die Kirche, das Rathaus, das Schulhaus und der Pfarrhof vernichtet. Ursache waren glühende Kohlestücke, die ein Mädchen im Kirchhof verloren hatte. Deshalb existieren aus der Zeit vor dem Krieg nur wenige Urkunden. Die Kirche wurde in den Jahren 1667 bis 1677 neu aufgebaut.

Martinsheim fiel im Vertrag von Paris (Februar 1806) mit dem 1792 preußisch gewordenen Fürstentum Ansbach, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag, durch Tausch an das Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

20. Jahrhundert Am 28. März 1945 fiel die Kirche amerikanischen Bomben zum Opfer. Die heutige Dorfkirche (Burchardiskirche) wurde in den Jahren 1947 bis 1950 im neuromanischen Baustil errichtet.

Im Jahr 1978 kam Martinsheim zur Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit.

Eingemeindungen mini|hochkant=1.4|Karte der Martinsheimer Gemeindeteile Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Enheim, Gnötzheim und Unterickelsheim eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 976 auf 1048 um 72 Einwohner bzw. um 7,4 %. 2006 hatte die Gemeinde 1072 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Martinsheim Das im 9. Jahrhundert in Würzburger Quellen erstmals genannte Dorf mit dem Namen „Mercenesheim“ ging wohl eher auf einen Ortsgründer Merceno aus der Merowingerzeit zurück als auf eine am östlichen Ortsrand abgegangene Martinskirche, die Weigel als Urzelle ansieht. Die erste schriftliche Erwähnung in der Traditionsnotiz des edlen Walah an das Bistum Würzburg trägt kein Datum, sie lässt sich aber aufgrund der Zeugen in die Jahre 815 bis 835 nach Christus datieren.Mercenesheim - Zur ersten urkundlichen Erwähnung von Martinsheim (815/835)W. Stadelmann, In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen (2018) S. 217–223

Nach den Edelherren von Endsee (1226) fassten um 1300 die Herren von Hohenlohe-Brauneck dort Fuß und beherrschten auch die Untertanen der Würzburger Dompropstei. Von ihren Erben kam der Ort 1448 als eines der Sechs Maindörfer mitsamt dem Amt Creglingen zur Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach und mit ihr 1806 zu Bayern. Ein eigener Ortsadel ist von 1290 bis 1357 nur schemenhaft erfassbar. Weitere Adelshöfe der Ehenheim und Tanner lagen in der 1821 abgebrochenen Kirchenburg von St. Burkhard. Dieses mittelalterliche Gotteshaus wurde nach der Reformation und mehrfachen Bränden 1949 weitgehend neu errichtet und gehörte ursprünglich zur Pfarrei Gnodstadt. Auffällig ist seit dem Mittelalter eine relativ große Anzahl von Handwerkern im Dorf. 1857 kam der Ort nach Unterfranken.

In den Jahren 1961 und 1962 wurde die alte Schule durch einen Neubau ersetzt. Er bildete damit 1978 eine der Grundlagen für die Aufwertung als Sitz einer neuen Gemeinde mit vier Dörfern.H. Bauer: Landkreis Kitzingen, Ein Kunst- und Kulturführer. Kitzingen 1986, S. 96E. Bünz Die Herren von Endsee in: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte 59, Heft 2, 1996, S. 420, 441F. Mägerlein: Das Maindorf Martinsheim in: Im Bannkreis des Schwanbergs 1981, S. 213–222 und 1982, S. 210–218O. Selzer: Martinsheim in: H. Bauer: Landkreis Kitzingen. Kitzingen 1984, S. 583 f.W. Stadelmann: Die Herren von Ehenheim. Teil I (1230–1450), MS, S. 608 f.H. Weber: Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken Heft 16, Kitzingen, München 1967, S. 19, 22 f., 50, 70, 169, 218A. Wendehorst: Das Bistum Würzburg. Teil I, Die Bischofsreihe bis 1254. Berlin 1962, S. 41

Enheim

Die Gründung der frühfränkischen Siedlung Ehenheim im 6. Jahrhundert ist seit den Ausgrabungen des zugehörigen Reihengräberfeldes 1994/96 archäologisch gesichert. Das Dorf selbst wurde 1230 mit seinem Ortsadel der Familie von Ehenheim erstmals urkundlich erwähnt. Diese Familie breitete sich von ihrem (verschwundenen) Stammsitz als Hohenloher, später Würzburger und Ansbacher Dienstmannen weit in Franken aus (um 1350 19 Linien) und erlosch 1645 im Mannesstamm.

Der Ort selbst kam von den Herren von Hohenlohe (1308) auf noch ungeklärtem Weg 1448 an Brandenburg-Ansbach und wurde von den Markgrafen 1474–1599 an die Herren von Ehenheim verliehen, bevor er bis 1806/1857 vom Amt Uffenheim aus verwaltet wurde.

Die Kirche St. Maria wurde 1366 eine eigene Pfarrei. 1860 wurde das Kirchengebäude durch ein großes neugotisches Gotteshaus ersetzt und gehört heute wieder zur Mutterpfarrei Gnodstadt. Das Dorf erlebte nach der Reformation (1552) als Rittergut und dann wieder im 18. Jahrhundert eine gewisse Blüte, aus der noch einige Bauten im Markgrafen-Rokoko erhalten sind (Pfarrhaus 1756, Rathaus 1786).

Das Bild des Ortes, der seit 1857 zu Unterfranken gehört, ist heute geprägt von den großen Sandsteinhäusern eines im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ortsansässigen Bauunternehmens mit eigenem Steinbruch. Der nahe Anschluss an die Autobahn A 7 und die Erschließung eines Baugebietes an der Gnodstadter Straße hat die Einwohnerzahl in den letzten 30 Jahren wieder steigen lassen.O. Selzer: Enheim, in: H. Bauer: Landkreis Kitzingen. Kitzingen 1984, S. 584 f.W. Stadelmann: Ein Gang durch die Geschichte Enheims. Schwarzenbruck 1994W. Stadelmann: Von Ehenheim zu Enheim. Heft-Dokumentation zur 775-Jahrfeier 2005, Schwarzenbruck 2006H. Weber: Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. Heft 16, Kitzingen, München 1967, S. 51, 63 f., 70, 161, 218

Gnötzheim

1137 wurde der Ort als Erbe des Willanzheimer Edelherrn Gerung erstmals im Streit mit dem Würzburger Domkapitel genannt und bildete um 1300 ein Amt der Dompropstei. Der Großteil des Ortes gehörte jedoch zum Rittergut der Adelsfamilien von Seinsheim (1300/1327–1387), von Seckendorff (1390–1426) und von Rosenberg (1426–1632), bevor er nach deren Aussterben 1646 an die Grafen von Schwarzenberg kam.

mini|Nachträglich colorierter Holzschnitt von Hans Wandereisen: Älteste Darstellung des Burgkomplexes Vom mehrfach zerstörten Schloss Gnötzheim (1418, 1523, 1645) steht noch die 1562 erbaute Zehntscheune und ein Rundturm. Die älteste Ansicht des Baukomplexes ist der Holzschnitt von 1523 von der Belagerung durch den Schwäbischen Bund.

Die bedeutende romanische Johanneskirche des 12. Jahrhunderts wurde spätgotisch und in der Renaissancezeit umgestaltet und enthält noch zwei Rosenberg-Grabsteine des 16. Jahrhunderts.

Während eine Markterhebung Mitte des 14. Jahrhunderts am Einspruch der Hohenlohe-Brauneck scheiterte, erhielt der Ort durch den Anschluss an die Bahnlinie Würzburg-Ansbach 1867 eine größere wirtschaftliche Bedeutung.

Bis zur Kreisgebietsreform, die am 1. Juli 1972 wirksam wurde, gehörte Gnötzheim zum Landkreis Uffenheim (Mittelfranken). Gnötzheim besitzt seit 1976 ein Freibad.H. Bauer: Landkreis Kitzingen, Ein Kunst- und Kulturführer. Kitzingen 1986, S. 97H. Gräf, H. Wilhelm: 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Gnötzheim. 1980E. Fuchshuber: Historisches Ortsnamenbuch Bayern, Lk Uffenheim. S. 72 ff., Nr. 46Monumenta Boica, Band 37, Nr. 82; Band 38, Nr. 140Regesta Herbipolensa III, Nr. 326O. Selzer: Gnötzheim. in: H. Bauer: Landkreis Kitzingen. Kitzingen 1984, S. 585 f.Staatsarchiv Würzburg: Standbuch 823, fol. 39; Standbuch 834, fol. 314f; Standbuch 835, fol. 194Th. Steinmetz: Conterfei etlicher Kriegshandlungen von 1523 bis 1527. In: Beiträge zur Geschichte des Odenwaldes. IV, Breuberg 1986, S. 375 f. und Abb. VIII

Unterickelsheim

Die gemeinsame Urzelle der Nachbarorte Ober- und Unterickelsheim war das im 9. Jahrhundert genannte „Itolfesheim“, das damals zum Kloster Fulda gehörte. Um 1170 kamen Güter der Edelfreien von Endsee und von Neuenburg an das Kloster Kitzingen, das 1245 ein Vorwerk und eine Mühle in Unterickelsheim betrieb. Der Besitz des Würzburger Domkapitels in Oberickelsheim (8 große Höfe) und Unterickelsheim (2 große Höfe) könnte auf die umfangreiche Schenkung des Edelherrn Gerung von Willanzheim vor 1137 zurückgehen.Monumenta Boica 37, Nr. 82 Denn er übergab den Domherren Zubehör in Gnötzheim, das dann um 1270 der Amtssitz für die Ober- und Unterickelsheimer Höfe war.W. Engel: Das älteste Urbar der Würzburger Dompropstei, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter. 18/19 (1956/57) S. 25 Nach derzeitigem Forschungsstand wurden die beiden Ickelsheim-Orte erst um 1250 wurden in den Schriftquellen klar voneinander getrennt.E. Fuchshuber: Historisches Ortsnamenbuch Bayern, Lk Uffenheim. S. 152, Nr. 105 und S. 204, Nr. 143 Wie in den anderen Maindörfern konnten die Edelherren von Hohenlohe-Brauneck bis um 1300 zumindest in Oberickelsheim die Vogtei und Dorfherrschaft erringen, in Unterickelsheim hatten sie 1365 zumindest Zoll- und Geleitsrechte.E. Fuchshuber: Historisches Ortsnamenbuch Bayern, Lk Uffenheim. S. 204, Nr. 143. Auf bisher ungeklärtem Weg kam das Dorf bis 1390Staatsarchiv Würzburg, Standbuch 832, fol. 174 als Rittergut an die Zobel und von diesen 1431 an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und wurde bis 1806/1972 von Uffenheim aus verwaltet.

Die ursprünglich spätromanische Nikolauskirche wurde gotisch verändert und 1453 eine eigene Pfarrei. Nach der Reformation mit Geißlingen verbunden, wurde sie 1759 vergrößert; zur selben Zeit wurde ein Pfarrhaus erbaut.H. Bauer: Landkreis Kitzingen, Ein Kunst- und Kulturführer. Kitzingen 1986, S. 97 f.E. Bünz: Die Herren von Endsee. In: Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. 59, Heft 2, 1996, S. 416 f., 441E. Fuchshuber: Historisches Ortsnamenbuch Bayern, Lk Uffenheim. S. 204 f., Nr. 143. Die Belege von 1171, 1178 und 1245 beim Ortsartikel Oberickelsheim, S. 152, Nr. 105 beziehen sich in Wirklichkeit auf Unterickelsheim, weil es nur dort eine Mühle gab und nur hier später Besitz des Klosters Kitzingen nachweisbar istLeikert: Für unsere Gemeinden im Dekanat Uffenheim. Heft 2, 1995O. Selzer: Unterickelsheim. in: H. Bauer: Landkreis Kitzingen. Kitzingen 1984, S. 586 f.Staatsarchiv Würzburg, Standbuch 832, fol. 174; Standbuch 839, fol. 187

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