Rüdenhausen ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Zentrum des Landkreises Kitzingen im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken und ist ausschließlich von Gemeinden des Landkreises umgeben. Rüdenhausen ist Teil der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid, zu der neben Wiesentheid und Rüdenhausen noch Abtswind und Castell gehören. Die Gemarkung liegt in einer Talsenke, aus der lediglich der Kirchturm herausragt. Hier wird überwiegend Ackerbau betrieben, Waldflächen existieren keine. Besondere Bedeutung für die heutige Struktur der Gemarkung hat die Bundesautobahn 3 mit der Anschlussstelle 75, die seit den 1960er Jahren im Norden der Flächeneinheit zu finden ist.
Im Norden grenzt das Gebiet der Gemeinde Wiesentheid an Rüdenhausen, die Gemarkung des Hauptortes bildet die nördliche Begrenzung. Im Osten ist Abtswind zu finden. Südöstlich erhebt sich Greuth, das ein Gemeindeteil von Castell ist. Castell selbst ist im Süden zu verorten, wobei die Einöde Gründleinsmühle Rüdenhausen am nächsten ist. Die Gemarkung Wiesenbronn mit dem gleichnamigen Ort nimmt den Südwesten ein. Im Westen liegt Kleinlangheim. Das Gebiet von Wiesentheid nimmt auch den Nordwesten ein, es ist die Gemarkung von Wiesentheid-Feuerbach, die direkt an Rüdenhausen angrenzt.
Nächstgelegene größere Städte sind Kitzingen mit einer Distanz von etwa 13 Kilometern und Volkach, welches ungefähr 14 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das etwa 30 Kilometer entfernte Würzburg.
Mit einer Fläche von 688 Hektar gehört die Gemarkung von Rüdenhausen zu den kleineren Flächeneinheiten im Landkreis, sie bildet nach Sommerach (567) und vor Sulzfeld am Main (768) die sechstkleinste Gemarkung des Kreises. In Rüdenhausen lebten 2022 919 Einwohner, was den Ort zur drittkleinsten Gemeinde im Landkreis macht, nach Segnitz und Castell. Rüdenhausen hat eine Bevölkerungsdichte von 134 Einwohnern pro Quadratkilometer. Es ist der ländlichen Struktur geschuldet, dass die Gemeinde damit den bayerischen Durchschnitt von 176 Einwohnern pro Quadratkilometern unterschreitet.
Geologie, Hydrologie, Böden mini|hochkant|Schirnbach bei Rüdenhausen Naturräumlich liegt Rüdenhausen am Übergang zweier Räume innerhalb des Steigerwaldvorlandes. Beide Areale sind dem Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland zuzurechnen, wo der Einfluss des Mittelgebirges auf die Landschaft bereits deutlich spürbar ist. Der Süden der Gemarkung kann dem Schwanbergvorland zugerechnet werden. Anders als viele angrenzende Areale profitiert das Gebiet von einer Niederschlagsstraße, die von Ochsenfurt kommend in Richtung des Steigerwaldes verläuft. Dagegen verweisen die Böden in ihrer Zusammensetzung bereits auf das Steigerwaldvorland von Neuses im Norden der Gemarkung.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 25. September 2023.
Der Übergangscharakter wird auch in der Bodenzusammensetzung deutlich. Der Großteil der Gemarkung wird von Sandböden eingenommen, die über einer Schicht von Letten- und Gipskeuperböden anstehen. Die Mächtigkeit dieser Flugsande nimmt aber nach Südosten hin zugunsten von Böden des Unteren Keuper mit Grenzdolomiten und Letten ab. Die Landschaft wurde durch die jahrhundertelange Nutzung durch den Menschen stark verändert. Statt eines Vegetationsmosaiks aus Wäldern und Offenflächen wird der Großteil der Gemarkung heute von Ackerflächen eingenommen.
Hydrologisch wird Rüdenhausen trotz einer mehrere Kilometer weiten Entfernung vom Fluss dem Mainsystem zugeschlagen. Der Ort liegt innerhalb des Flusssystems Schwarzach, sodass alle Bäche in dem Gebiet dem Mainzufluss Schwarzach zustreben, der nördlich von Rüdenhausen verortet wird. Von Norden nach Süden wird die Gemarkung vom Schoßbach, vom Schirnbach und vom Gründleinsbach durchzogen, wobei der letztgenannte die Grenze zu den Gemeinden Castell und Wiesenbronn im Süden der Gemarkung bildet. Der Schirnbach entspringt südlich des Ortes. Daneben befindet sich im Westen des Ortskerns ein Quelltopf, der einen unbenannten Zufluss zum Schirnbach speist.
Klima Rüdenhausen liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Zonen Deutschlands zählt. Dies ist auch ein Grund für den Weinanbau in der Region. Klimaerhebungen für Rüdenhausen werden in der Wetterwarte in Würzburg durchgeführt.
Die Klimaklassifikation von Köppen rechnet die Gemeinde zur Cfb-Kategorie. (Klimazone C: warm-gemäßigtes Klima, Klimatyp: f: feucht-gemäßigtes Klima, Untertyp b: warme Sommer). Zwischen dem trockensten Monat Februar und dem niederschlagsreichsten Monat Juni liegt eine Differenz von 21 mm. Um im Durchschnitt 18,5 °C ist der Juli (wärmste Monat im Jahr) wärmer als der Januar (kältester Monat im Jahr).
Flächennutzung + Flächennutzung 2020Bayerisches Landesamt für Statistik: Statistik kommunal Rüdenhausen, PDF-Datei, S. 13, abgerufen am 23. September 2023. Nutzung Hektar Siedlungsfläche 57 Verkehrsfläche 79 Vegetationsfläche 549 Wasserfläche 3 Gesamtfläche 688
Die Gemeinde Rüdenhausen nimmt eine Fläche von insgesamt 688 Hektar ein und ist damit flächenmäßig fast halb so groß, wie die zweitkleinste Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft, Abtswind mit 1281 Hektar. Größten Anteil an der Fläche hat die Vegetationsfläche mit 549 ha. Davon entfallen 507 ha (73,7 %) auf landwirtschaftlich genutzte Fläche, wobei die landwirtschaftliche Fläche seit 2003 (589 Hektar) kontinuierlich abnahm. Die Waldfläche von 20 ha kommt vor allem durch den Baumbestand des Schlossparks im Süden der besiedelten Fläche zustande.
Zweitgrößte Teilfläche bildet die Siedlungsfläche mit 57 ha und damit 8,3 % der Gesamtfläche, davon sind immerhin 25 ha Wohnbaufläche, auf Industrie- bzw. Gewerbeflächen entfallen 6 ha. Sie liegen dezentral über das Gemeindegebiet verteilt, da Rüdenhausen kein klassisches Industriegebiet besitzt, lediglich in der Nähe der Bundesautobahn verdichten sich Industriebetriebe. Straßen, Wege und Plätze nehmen eine Fläche von 79 ha und damit einen Anteil von 11,5 % der Gesamtfläche ein.
Der geringe Anteil von Gewässerflächen von lediglich 3 ha und damit 0,4 % der Gesamtfläche ist durch die Lage Rüdenhausens im trockenen Steigerwaldvorland erklärbar. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche schwankte seit dem Jahr 2003 mehrfach. Waren 2003 noch 589 ha als landwirtschaftlich genutzte Fläche ausgewiesen, ging dieser Anteil bis 2010 auf 577 ha zurück. Die Siedlungsfläche stieg dagegen seit 2019 um 1 % an, wobei der Ort von der Nähe zu der wichtigen Verkehrsachse profitierte.
Gemeindegliederung Es gibt sieben Gemeindeteile:
Gemeindeteil Siedlungstyp Einwohner(Stand 25. Mai 1987) Koordinate Bodenmühle Einöde 9 () Dinkelmühle Einöde 3 () Eselsmühle Einöde 6 () Fallmeisterei Einöde 4 () Kratzermühle Einöde 2 () Pulvermühle Einöde 7 () Rüdenhausen Hauptort 657 () Ehemalige Ortsteile Leyermühle Lohmühle
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Rüdenhausen. Sie hat eine Fläche von 6,876 km². Sie ist in 1041 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 6605,04 m² haben.
Zentral in der Rüdenhäuser Gemarkung ist das Haufendorf selbst zu finden. Es entstand als Ansiedlung um ursprünglich drei Herrensitze, von denen sich lediglich noch einer in Form des Schlosses der Grafen zu Castell-Rüdenhausen erhalten hat. Das Schloss im Südwesten des Dorfes bildet den historischen Ortsmittelpunkt, auf den alle strahlenförmig angeordneten Straßen zulaufen. Der Schlosspark, der im 19. Jahrhundert erweitert wurde, fasst in etwa die Fläche des Ortskerns und schließt südwestlich des Schlosses an. Zentraler Platzraum ist der Kirchplatz, der im Osten des Altortes zu finden ist.
Um den Siedlungskern entstanden im 19., 20. und 21. Jahrhundert mehrere Siedlungsgebiete. Ältestes Neubaugebiet ist das Areal westlich der Marktstraße. Hier ist auch der Friedhof der Gemeinde zu finden. Ein weiteres Friedhofsareal schließt sich südlich an das Schloss an. Hier ist die Gruft der Grafen ebenso zu finden, wie ein zwischen 1951 und 1972 belegter Landkreis-Friedhof des Landkreises Gerolzhofen. Aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammt die Siedlung um die Jahnstraße. Hier wurde eine katholische Kirche für die zugezogenen Ortsbürger errichtet. Außerdem entstand der Kindergarten, die Sportanlagen der örtlichen Vereine und ein modernes Feuerwehrhaus hier.
Als reine Wohngebiete präsentieren sich die Areale um die Straße Am Goldbrunnen im Osten und um die Rosenstraße im Westen des Altortes. Einzelne Siedlungsgebiete sind auch an der Raiffeisenstraße im Nordwesten von Rüdenhausen zu finden. Im Süden und Norden der bebauten Fläche siedelten sich einzelne Industrieunternehmen an, hier wurden Industriegebiete ausgewiesen. Durch die Nähe zur Bundesautobahn 3, die den Norden der Gemarkung einnimmt, entstand ein großer Autohof im Norden der Marktgemeinde.
Um Rüdenhausen bestehen mehrere Mühlen und Aussiedlerhöfe, die teilweise eine lange Tradition aufweisen und heute als Gemeindeteile ohne eigene Gemarkung verzeichnet sind. Sie entstanden entlang des Gründleinsbachs im Süden bzw. entlang des Schirnbachs im Nordwesten von Rüdenhausen. Die Leyermühle und die Ziegelhütte sind durch den Bau des Autohofs bereits mit dem Kernort zusammengewachsen. Viele der Mühlen um Rüdenhausen sind heute noch in Betrieb, was eine angesichts des Mühlensterbens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Besonderheit darstellt.
Die Gemarkung von Rüdenhausen weist nur wenige Schutzgebiete der unteren Naturschutzbehörden auf. Lediglich entlang der Bäche wurden Biotope ausgewiesen, die die Gehölzsäume, Röhricht und Staudensäume an den Ufern der Schwarzachzuflüsse unter Schutz stellen. Mit dem Schlosspark und der Schirnbachquelle existieren darüber hinaus zwei Naturdenkmäler um Rüdenhausen, der Gehölzbestand des Parks ist außerdem ebenfalls als Biotop geschützt. Ganz im Westen der Gemarkung ragt außerdem das Vogelschutzgebiet Südliches Steigerwaldvorland in die Flächeneinheit hinein. Einzige Erhebung ist der 293 Meter hohe Lerchenberg, der sich im äußersten Süden der Gemarkung befindet.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte In der Rüdenhäuser Gemarkung wurden kaum vor- oder frühgeschichtliche Funde gemacht. Entlang der kleinen Bäche im Steigerwaldvorland siedelten allerdings bereits seit der Jungsteinzeit vereinzelt Menschengruppen, wenn sich die Siedlungsschwerpunkte auch auf die Ufer des Mains weiter im Westen konzentrierten. Am Oberlauf des Gründleinsbach, bereits auf Kleinlangheimer Gemarkung, konnten Siedlungsspuren aus der Hallstattzeit aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert gemacht werden. Die Siedlung blieb auch während der Latènezeit durchgehend bewohnt. Ein wohl zugehöriger Grabplatz konnte in der Nähe des Schirnbachufers bei Feuerbach entdeckt werden.
Nach der Zeitenwende drangen im 2. Jahrhundert vermehrt germanische Stammesverbände nach Westen vor. Die Kelten, die bisher als Hauptsiedler im Vorland des Steigerwalds ausgemacht werden können, zogen sich in dieser Situation immer weiter zurück. Die germanischen Stämme der Markomannen, der Alemannen und der Thüringer prägten dagegen die zukünftige Entwicklung. Diese germanischen Bevölkerungsteile mussten im 6. und 7. Jahrhundert den Franken weichen. Mit den fränkischen Kolonisten setzte eine, von einer kleinen Oberschicht aus König und Adel getragene, staatliche Entwicklung ein.