mini|hochkant|Die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche von Wiesenbronn, im Hintergrund die Steilstufe des Steigerwalds
Wiesenbronn ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Kitzingen, die besonders durch den Weinbau bekannt wurde. Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Großlangheim.
Geografie Gemeindegliederung Außer dem gleichnamigen Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.
Es gibt nur die Gemarkung Wiesenbronn. Sie hat eine Fläche von 10,564 km² und ist in 1334 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7919,26 m² haben.
Lage Wiesenbronn gehört zur Planungsregion Würzburg (Bayerische Planungsregion 2) im Steigerwaldvorland. Es existiert nur die Gemarkung Wiesenbronn. Nachbargemeinden sind von Norden beginnend im Uhrzeigersinn Kleinlangheim, Rüdenhausen, Castell, Iphofen, Rödelsee und Großlangheim.
Die Wüstung Dürrbach befindet sich auf der Gemarkung von Wiesenbronn. Das Dorf war bis zu Beginn des 15. Jahrhunderts bewohnt. Mehrere Wiederansiedlungsversuche in der Folgezeit scheiterten.
Naturräumlich liegt Wiesenbronn im Schwanbergvorland, einem Teil des Steigerwaldvorlandes. Die Landschaft ist durch kleinere Hügel charakterisiert; in Richtung des Steigerwaldes nimmt ihre Höhe zu.
Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Um 800 wurde „Wisibrunnen“ erstmals in der Urkunde über eine Schenkung an das Kloster Fulda urkundlich erwähnt.
Lange Zeit vermutete man das im Jahre 816 gegründete Kloster Megingaudeshausen in der Nähe von Wiesenbronn. Die Abtei soll im Ipfigau an der Mecken, oberhalb des Leimbachs gestanden haben. Auf einen Standort in der Nähe des Koboldsees von Wiesenbronns deuten hin: ein Hügel namens Meggen, die benachbarte Senke Goutsgrom (umgangssprachlich Gottesgraben oder Gutsgraben), der Wiesbach, früher Leimbach Heeresstraße, „Straße nach dem Steigerwald“, entlang des Leimbachs, die alte Flurbezeichnung Dietrichsau (Erinnerung an den ersten Abt Theotgar oder Teutgar), Wiesenbronner Flur- und Siedlungsbezeichnungen wie Hardt, Hohefeld, Bernbuch oder Wisibrunn im Zusammenhang mit Megingaudeshausen.
877 wurde das Kloster aufgelassen und die Benediktiner zogen in das verwaiste Reichskloster der Karolinger nach Schwarzach. Die neuere Forschung verlegt die Abtei eher ins mittelfränkische Oberlaimbach bzw. nach Ullstadt.
Die Geschichte Wiesenbronns konzentriert sich auf drei Herrensitze, das Schloss, den Fuchs’schen und den Castell’schen Burgstall. Die bewegte Vergangenheit der Ortschaft trug sicherlich dazu bei, dass von keinem dieser Bauwerke noch etwas vorhanden ist. Von den Burgställen ist nicht einmal die genaue Lage bekannt. Das Castell’sche Ministerialengeschlecht, das sich dort niederließ, nannte sich „Herren von Wiesenbronn“. Arnolt von Wiesenbrunn dürfte wohl um 1200 in Ermangelung eines Berges die Wasserburg errichtet haben. Der Schutz bestand in einer doppelten Ummauerung, einem tiefen Wassergraben und einer Zugbrücke. „1244 kommt erstmals der Ritter Ulricus de Wisenbrunnen im Gefolge des Grafen Friedrich I. zu Castell vor, und 1268 beurkunden die Brüder Ulrich und Heinrich von … Wisintbronnen … als 'Ritter’ eine Verkaufsurkunde des Grafen Hermann II. zu Castell“.Auf den Spuren der Grafen zu Castell, S. 20. 1330 kann man urkundlich sesshafte Herren von Seinsheim im Ort nachweisen. Das Wiesenbronner Schloss hatten sie vom Markgrafen von Brandenburg zum Lehen erhalten.
Im Jahre 1384 wurde der Castell’sche Burgstall zum ersten Mal erwähnt, als Hans Pfaff von Seckendorf ihn und die zugehörigen Besitzungen von den Grafen Castell als Lehen erhielt.Fürstlich Castell’sches Archiv C I c 3 Das Holzrecht aus dem Gemeindewald, das auf ihm ruhte, lässt auf ein längeres Bestehen schließen. 1420 beschädigte Erkinger von Seinsheim, der Besitzer des Schlosses, die Mauer des Burgstalls von Jakob von Seckendorf schwer und zerstörte mehrere Untertanengüter. Von 1504 an besaßen Burkhardt und Jörg von Gnottstadt „die wüste und unbezimmerte Behausung“ sowie die zugehörigen Besitzungen. Diese Linie starb 1533 aus und „Eilf Unterthanen Güter nebst der Area einer ehemaligen Burg“ kamen in Castell’schen Besitz.
Die Herrschaft derer von Seinsheim erlosch 1516. Etwa um 1517 müssen unter Philipp Esel zu Altenschönbach das ehemalige Wasserschloss und der steinerne Burgstall „nebst dem Schloss“ wieder vereinigt worden sein. Schübel erklärt dies so: „Als das auf dem Raum der heutigen Meierei gestandene Schloss nach und nach einging, wurde unmittelbar daneben ein anderes Schloss erbaut, das im Laufe der Zeit in andere Hände überging, während der Grundbesitz immer bei dem Burgstall verblieben war.“ 1521 erhielt Wilhelm Fuchs von Dornheim die Altenschönbacher Besitzungen in Wiesenbronn vom Markgrafen als Lehen. Unter der Fuchs’schen Herrschaft wurde das Schloss im Bauernkrieg völlig zerstört. Fuchs von Dornheim ließ es wieder aufbauen, wie aus den mit einem „F“ versehenen Jahreszahlen „1538“ und „1539“ in einem Fensterstock über dem Eingang hervorging. 1546 kaufte Conrad von Castell das Schloss zu Wiesenbronn von Valentin Fuchs, dem Bruder des Fuchs von Dornheim. Nach 1577 gelangte es in den Besitz des Grafen Heinrich. Dieser Bruder von Conrad baute es um und verewigte sich mit seiner Gattin durch die Wappen und die Jahreszahl „1579“ im Türstock. Der Stein ist noch im Wohnhaus des ehemaligen Meierhofes erhalten geblieben.Auf den Spuren der Grafen zu Castell, S. 21 Als Heinrich starb, kehrten die Lehen größtenteils zur Linie Castell-Rüdenhausen zurück. Das Schloss litt in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Nur Gräfin Luise Juliana und ihr Bruder Graf Heinrich Albrecht bewohnten es noch bis 1687. In diesem Jahr wurde die Gräfin im Ort begraben. Das Wiesenbronner Schloss wurde mehrmals vermietet, ziemlich verfallen verkauft und 1838 von der Rüdenhäuser Linie erneut zurückgekauft. Im Zuge der Flurbereinigung (1964–1973) verlegte der Fürst Castell-Rüdenhausen seinen Grundbesitz in die Rüdenhäuser Gemarkung und verkaufte die Gebäude an Wiesenbronner Bauern.Michael Hofmann, örtlich Beauftragter der Flurbereinigungs-Teilnehmergemeinschaft, Schulgasse 1, Wiesenbronn Das Schloss musste in der Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen werden.
Wiesenbronn wurde im Kondominat von der Grafschaft Castell, dem Hochstift Würzburg und dem Fürstentum Ansbach beherrscht, bis es 1806 an das Königreich Bayern fiel. Bei einer Gebietsbereinigung kam es 1810 zum Großherzogtum Würzburg und kehrte mit ihm 1814 zu Bayern zurück. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
Einwohnerentwicklung 1970: 862 Einwohner 1987: 848 Einwohner 1991: 878 Einwohner 1995: 895 Einwohner 2000: 938 Einwohner 2005: 960 Einwohner 2010: 967 Einwohner 2015: 1052 Einwohner
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 858 auf 1066 um 208 Einwohner bzw. um 24,2 %. Quelle: BayLfStat
Politik Gemeinderat Zur Gemeinderatswahl 2020 trat ausschließlich die „Liste für Wiesenbronn“ an, die bei einer Wahlbeteiligung von 74,24 % alle zwölf Sitze erhielt.
Bürgermeister Seit 1. Mai 2026 ist Ulrike Paul (Liste für Wiesenbronn) erste Bürgermeisterin. Ihr Vorgänger war Volkhard Warmdt (Bürgerliste Wiesenbronn), im Amt von Mai 2020 bis April 2026. Er hatte bei den Kommunalwahlen 2026 nicht mehr für das Amt des ersten Bürgermeisters kandidiert, gehört jedoch dem Gemeinderat an und wurde in der konstituierenden Sitzung zum zweiten Bürgermeister gewählt.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 2020 nach der amtlichen Statistik im Bereich Handel und Verkehr 34 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 36 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort wurden insgesamt 479 registriert. Im verarbeitenden Gewerbe und im Bauhauptgewerbe existierten jeweils zwei Betriebe. Im Jahr 2016 wurden 31 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 764 Hektar gezählt; davon waren 611 Hektar Ackerfläche und 93 Hektar Dauergrünfläche. Zusätzlich existiert eine Zweigstelle der Raiffeisenbank Volkacher Mainschleife - Wiesentheid.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2008): 50 Kindergartenplätze mit 36 Kindern (Träger: Evangelischer Kindergartenverein) Tagungs- und Übernachtungshaus der Evangelischen Landjugend: Jugendarbeit und Erwachsenenbildung (Träger: Evangelische Landjugend in Bayern)
Wiesenbronn liegt heute im Sprengel der Grundschule im nahen Kleinlangheim. Ab der 5. Klasse besuchen die Kinder die Nikolaus-Fey-Mittelschule in Wiesentheid. Weiterführende Schulen können mit der Mädchenrealschule in Volkach und mit der Realschule in Dettelbach besucht werden. Gymnasien gibt es in Münsterschwarzach (Egbert-Gymnasium), Volkach-Gaibach (Franken-Landschulheim Schloss Gaibach), Wiesentheid (Steigerwald-Landschulheim) und Kitzingen (Armin-Knab-Gymnasium).
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler
Kirche
mini|Blick zum Chorraum Das Gotteshaus zum Heiligen Kreuz beherrscht von seiner erhöhten Position aus das Ortsbild. Die noch gut sichtbare Ummauerung vom Ortseingang her und die wehrhafte nördliche Mauer weisen auf die Vergangenheit als Flieh- und Kirchenburg hin. Das Kirchenschiff wurde 1603 neu errichtet, woran die Gedenktafel auf der Säule vor dem Altar und ein hölzerner Pfeiler der Empore erinnern. Erst 1972 wurden Fresken entdeckt und freigelegt.
Friedhof mini|Arkaden mit freistehender Kanzel Die Anlage eines Friedhofs mit freistehender Predigtkanzel und Arkadengang ist ebenso in Mainbernheim, Prichsenstadt, Repperndorf, Marktsteft und Abtswind zu finden. 1603 wurde der Friedhof, der innerhalb der Kirchenburg lag, mit dem Neubau der KircheRosmarie Hofmann, Kirche zum Heiligen Kreuz in Wiesenbronn, Festschrift zum 400-jährigen Kirchweihjubiläum, 2003, S. 5 an den Rand des Dorfes verlegt. Der Geist der Reformation fand in der Verlegung seinen baulichen Ausdruck. Vor der Reformation sah man in der unmittelbaren Nähe zum Allerheiligsten, dem Altar, und im geweihten Kirchhof eine Anwartschaft auf die Erlösung der Verstorbenen bei der Auferstehung. Außerhalb der Kirchhofmauern fanden Ausgestoßene ihren Platz in ungeweihter Erde. Durch die Reformation änderte sich das grundlegend. Die Gläubigen verließen sich auf das rettende Leiden und Sterben Christi für jeden Einzelnen.
Bei seiner Neugestaltung Ende des 20. Jahrhunderts versetzte man die Friedhofskanzel von ihrem Standort in der Nähe der Aussegnungshalle an den heutigen Platz, um die Arkaden nutzen zu können.
Synagoge mini|Die Streitenden über der Rathausuhr mini|Hoftor in der Koboldstraße 10
In Wiesenbronn sind erstmals 1548 Juden nachweisbar. 1718 konnte ein Anbau auf dem Grundstück in der heutigen Badergasse 4 als Synagoge genutzt werden. Die jüdischen Einwohner errichteten 1792 dort die neue Synagoge. Weiterhin gab es in Wiesenbronn eine jüdische Schule und ein rituelles Tauchbad. Die Toten fanden im Rödelseer Friedhof ihre letzte Ruhe.
Ihre Blütezeit hatte die Gemeinde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit 192 jüdischen Einwohnern im Jahr 1814 und 160 im Jahr 1837. 1933 wohnten nur noch 22 Juden im Ort. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die jüdischen Einwohner gedemütigt und misshandelt. Die letzten jüdischen Frauen wurden von Würzburg am 24. März 1943 nach Izbica bei Lublin bzw. am 17. Juni 1943 nach Auschwitz gebracht und ermordet.