mini|Ein Hubschrauber Sikorsky UH-60 nach einem Vogelschlag mit einem Kranich alternativtext=Tote Amsel an einer modernen Glasfront am Bürgerhaus in Pullach im Isarteil.|mini|Tote Amsel an einer modernen Glasfront Vogelschlag oder Vogelanprall bezeichnet den Zusammenprall von Vögeln mit Objekten. Ebenso wie andere Lebewesen übersehen Vögel manchmal natürliche oder von Menschen erbaute Hindernisse in ihrem Flugraum (wie Fensterscheiben, Lärmschutzwände, Flugzeugturbinen und Stromleitungen), missinterpretieren sie oder schaffen es nicht, ihnen auszuweichen. Die Schäden am Hindernis sind bei einer Kollision meist gering (auch wenn Flugzeugturbinen Tests mit der Hühnerkanone für ihre Zulassung benötigen), die Tiere jedoch verletzen sich meist schwer oder sterben.

+ Jährlich getötete Vögel nach Verursacher in den USAThe trouble with turbines: An ill wind. In: Nature, 20. Juni 2012. Abgerufen am 25. Juni 2012. Verursacher Anzahl Todesfälle in Mio. Windkraftanlagen 0,1–0,44 Gebäude 0,1–1000 Sendetürme 5–6,8 Freileitungen 0,1–175 Kraftfahrzeuge 60–80 Pestizide in der Landwirtschaft 67–90 Katzen (Haus- und Wildkatzen) 365–1000

Vogelanprall an ruhenden Objekten mini|hochkant|Mit Glasscheiben abgegrenzter, Vogelschlag provozierender Supermarkt-Parkplatz in Feldkirch-Levis Typische Hindernisse für den Vogelflug sind Freileitungen, oberirdisch geführte Fernsprechleitungen, Lärmschutzwände und Gebäude. Bei letzteren sind insbesondere Glasflächen (Fenster, Fassaden, Wintergärten) problematisch, da diese von fliegenden Vögeln nicht als Hindernis erkannt werden können. Die Zahl der allein in Deutschland an Glasscheiben verunglückten Vögel wird auf mehr als 100 Millionen Tiere pro Jahr geschätzt (Stand 2023). In den USA sollen es bis zu einer Milliarde Vögel pro Jahr sein.

Gefährlich sind für Vögel insbesondere Glasflächen, die freien Blick auf dahinterliegende Landschaften ermöglichen (beispielsweise Schallschutzwände oder gläserne Buswartehäuschen) oder spiegelnde Glasscheiben, wie sie in modernen Gebäuden häufig verwendet werden, durch den einem Spiegel ähnlichen Effekt scheint hier die Landschaft hinter den Scheiben „weiterzugehen“. In beiden Fällen erkennt der Vogel das Hindernis (die Scheibe) nicht. In der Regel treten durch den Anprall Kopfverletzungen, innere Blutungen oder Brüche im Flügelskelett auf. Diese Verletzungen können zum Tod der Tiere führen, der auch erst einige Zeit später eintreten kann (z. B. aufgrund innerlichen Verblutens). Ermittlung der Kollisionszahlen Kollisionszahlen an Gebäuden können über die systematische Suche nach Kollisionsopfen und Anflugspuren ermittelt werden. Da ein wesentlicher Anteil von Kleintierkadavern innerhalb eines Tages abgeräumt wird (Rabenvögel, Säugetiere, in Städten auch Reinigungsdienste), muss beim bloßen Zählen von Kollisionsopfern von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Die Berücksichtigung von Abdrücken und Federresten ermöglicht eine vollständigere Erfassung, auch wenn nicht alle Kollisionen sichtbare Spuren hinterlassen.

Wirksamkeit von Vermeidungsmaßnahmen (Glas) Wie wirksam Vermeidungsmaßnahmen wie Vogelschutzglas oder nachträglich anzubringende Markierungen auf Glas sind, kann über Wahlversuche mit Flugtunneln ermittelt werden. Werden z. B. Singvögel für eine Beringung gefangen, so können diese danach in einem Flugtunnel freigelassen werden, an dessen Ende sie die Wahl haben zwischen einer unmarkierten Referenzfläche und einem Testmuster. Ein Anprall an den Glasflächen wird verhindert, indem davor Japannetze (sehr feinfädige, praktisch nicht wahrnehmbare Netze) aufgespannt werden.

Eine Bewertung von Prüfmustern zur Vermeidung von Vogelanprall aufgrund solcher Wahlversuche wird von der Wiener Umweltanwaltschaft veröffentlicht. Die Wirksamkeit wird dabei nach dem von der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf entwickelten Bewertungsschema klassifiziert: Prüfmuster mit bis zu 10 % Anflügen gelten als „hoch wirksam“ (Kategorie A, „Vogelschutzglas“ gemäß ONR 191040), solche mit mehr als 42 % Anflügen als „unwirksam“ (Kategorie D).

Verhütungsmethoden bei Glas

Greifvogelsilhouetten mini|Greifvogelsilhouette an der Fensterscheibe eines Wohnhauses Greifvogelsilhouetten (auch als Warnvögel bezeichnet) sind auf Glasflächen angebrachte Aufkleber, die verhindern sollen, dass Vögel gegen (durchsichtige oder stark reflektierende) Scheiben fliegen. Große Fensterscheiben wurden ab den 1970er-Jahren häufig mit Aufklebern in Form von Silhouetten von Greifvögeln beklebt. Kleinere Vögel, die zu den Beutetieren der Greifvögel gehören, sollten dadurch von der Scheibe ferngehalten werden. Die dahinter stehende These besagt, dass Singvögel die Umrisse ihrer natürlichen Feinde erkennen und aus Angst ausweichen würden. Dies gelingt in geringem Umfang mit bunten, kaum jedoch mit schwarzen oder weißen Silhouetten. Studien haben gezeigt, dass die Greifvogelsilhouetten nicht zu einer statistisch signifikanten Verringerung des Vogelschlags führen.TrybusTödliches Glas Die Vögel nehmen den Aufkleber zwar als Hindernis wahr, versuchen jedoch nur, diesen zu umfliegen und prallen in unmittelbarer Nähe der Silhouette gegen die Glasfläche.

Streifenmuster, engmaschige Beklebung mini|Fenster im Abendlicht. Zur Vermeidung von Vogelschlag wurde außen ein Punktstreifenmuster aus Aluminiumplättchen aufgeklebt. Die Punkte haben einen Durchmesser von 9 mm und einen Abstand von jeweils 9 cm; sie bedecken insgesamt 0,8 % der Fensterfläche. Stattdessen hat sich erwiesen, dass Glasflächen Vögel effektiv fernhalten, wenn sie von außen (vorteilhaft bei Durchscheinen und Spiegelung) mit einem engmaschigen Streifenmuster versehen sind (Quer- oder Längsstreifen im Abstand von höchstens 10 cm).. Auch andere außen an der Scheibe angeklebte Objekte vermindern – sofern die Objektdichte groß ist – die Gefahr des Vogelanpralls. Grundsätzlich gilt, auch für Greifvogelsilhouetten, dass die Beklebung der Glasfläche sehr dicht sein muss, damit Vögel die Scheibe sicher als Hindernis wahrnehmen.

Spinnennetz-Effekt Die für Vögel noch wahrnehmbare Lichtfrequenz liegt höher als bei Menschen; viele Vogelarten sind in der Lage, für den Menschen unsichtbares UV-Licht zu sehen. So können sie z. B. UV-Licht (matt) reflektierende Oberflächen, Gefiederzeichnungen und Ausscheidungen von Beutetieren erkennen.

Dieser Umstand schützt Spinnennetze vor der Zerstörung durch Vögel. Die Netze reflektieren das UV-Licht, weshalb sie für Vogelaugen sichtbare Hindernisse sind, denen Vögel ausweichen. Den „Spinnennetz-Effekt“ kann man gegen Vogelschlag an Fensterscheiben nutzen:

Folien, Aufkleber o. ä., die im für Menschen sichtbaren Spektrum durchsichtig sind, aber im UV-Bereich (vorzugsweise matt) reflektieren oder absorbieren, können Vögeln Sichthilfen geben, ohne die menschliche Sicht zu beeinträchtigen. Ein kontrastierendes Muster aus UV-absorbierenden und -reflektierenden Flächen auf der Scheibe, die für Menschen nach wie vor transparent und farblos ist, kann die Vögel vor dem Hindernis Glasscheibe warnen.

Effekte durch UV-Absorption UV-Strahlung-absorbierende Fensterflächen erzeugen für den Vogel einen „Farbstich“ in dem gespiegelten oder dem durchscheinenden Bereich und können daher dazu beitragen, dass der gespiegelte/durchscheinende Bereich vom herannahenden Vogel gemieden wird. Sind nur Teilflächen des Fensters im UV-Bereich absorbierend, können sie durch ihre UV-Absorption dann einen „Farbkontrast“ zu dem ansonsten gespiegelten/durchscheinenden Bereich erzeugen – das Bild ist für den Vogel teilweise „farbstichig“, teilweise nicht. Durch Parallaxe während des Anflugs des Vogels kann dieser dann die Fensterscheibe selbst wahrnehmen.

Effekte durch UV-Reflexion Nimmt der Vogel das UV-reflektierende Fenster vorwiegend durchscheinend (nicht-reflektierend) wahr, so überlagert das im UV-Bereich reflektierte Bild den durchscheinenden Bereich, und der Vogel meidet diesen verwirrenden Raum. Erscheint dem Vogel das Fenster vorwiegend reflektierend, so erhöht die UV-Reflexion den Realismus des Abbilds und wirkt somit eher kontraproduktiv. Sind nur Teilflächen des Fensters im UV-Bereich reflektierend, so können sie einen „Farbkontrast“ (Fall „spiegelnd“) oder einen „Reflexionskontrast“ (Fall „durchscheinend“) zu dem sonstigen gespiegelten/durchscheinenden Bereich erzeugen – das Bild ist für den Vogel teilweise „farbstichig“/„spiegelnd“, teilweise nicht. Durch Parallaxe während des Anflugs des Vogels kann dieser dann die Fensterscheibe selbst wahrnehmen.

Methoden der UV-Reflexion/-Absorption Vogelschutz-Filzstift

Mit einem speziellen Filzstift, der einen für Menschen unsichtbaren UV-Farbstoff enthält, ist es möglich, Fensterscheiben entsprechend zu markieren, um den Vogelschlag deutlich zu reduzieren, ohne dass das für den menschlichen Betrachter störend ist. Diese Methode eignet sich besonders gut für Privathaushalte und bereits vorhandene Fensterscheiben. Die Wirksamkeit des Filzstiftes gegen Vogelschlag an Fensterscheiben wurde im Max-Planck-Institut für Ornithologie (Vogelwarte Radolfzell) unter Laborbedingungen experimentell bestätigt. Allerdings wird der dabei ermittelte Vermeidungsfaktor von ca. 70:30 (50:50 bedeutet „gar kein Effekt“) von Kritikern als zu gering erachtet.http://70085.forumromanum.com/member/forum/entry.user_70085.2.1108643231.birdpen_wie_wirksam_ist-bird_at.html?onsearch=1

Vogelschutz-Glas

Zum Festeinbau gibt es ein 2005 entwickeltes Vogelschutzglas, das denselben Effekt hat. Vogelschutzglas ist ein handelsübliches Fensterglas mit einer speziellen Beschichtung, welche das UV-Licht reflektiert. Geeignet ist dieses Glas vor allem für große Glasfassaden, die dann für Vögel zum erkennbaren Hindernis werden.http://www.bauletter.de/archiv/2007/2007-09-20.php Auf das Glas wird bereits in der Fabrik eine Schicht aufgetragen, die das für Vögel wahrnehmbare UV-Licht reflektiert.http://www.vogelabwehr.de/vogelschutzglas.php Die Vögel erkennen die Glasscheiben als Hindernis und weichen aus. Für den Menschen ist dieses Glas wie gewöhnliches Glas fast durchsichtig. Die Wirksamkeit des Glases wurde im Max-Planck-Institut für Ornithologie (Vogelwarte Radolfzell) unter Laborbedingungen experimentell bestätigt. Doch auch hier beträgt der Vermeidungsgrad nur 76:24 (50:50 bedeutet „gar kein Effekt“), was von Kritikern (wie auch beim Vogelschutz-Filzstift) als zu gering erachtet wird.http://70085.forumromanum.com/member/forum/entry.user_70085.2.1108643231.birdpen_wie_wirksam_ist-bird_at.html?onsearch=1 Auch das Bayerische Landesamt für Umwelt rät von „Vogelschutz-Glas“ ab und empfiehlt Alternativen.

UV-Schutzfolie

Folien und Aufkleber, die im Menschen-sichtbaren Spektrum durchsichtig sind, aber im UV-Bereich strahlen oder absorbieren.

Vogelschlag an sich bewegenden Objekten mini|Vogelschlag am ICE 3 Moderne Verkehrsmittel stellen für Vögel eine zum Teil erhebliche Gefahr dar. Aufgrund der hohen Geschwindigkeiten führt eine Kollision in der Regel zu schweren Verletzungen, meist jedoch zum Tod des Vogels.

Das Auftreffen von Vögeln auf Luftfahrzeuge, Automobile oder Hochgeschwindigkeitszüge ist aber auch eine Gefahr für die Fahrzeuge selbst sowie deren Insassen, da der Fahrzeugführer im einfachsten Fall durch den Aufschlag abgelenkt und erschreckt wird, im schlimmsten Fall durch das Bersten der Windschutzscheibe verletzt werden kann und dann nicht mehr in der Lage ist, das Fahrzeug weiter zu steuern.

Flugzeuge (wie auch die meisten Hochgeschwindigkeitszüge) werden daher in speziellen Versuchseinrichtungen auf ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Vogelschlag untersucht. In zunehmendem Maße wird die Auswirkung eines Vogelschlags auch mit Computerberechnungen simuliert. Beispielsweise werden am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart Flugzeugstrukturen sowohl im Versuch als auch in der Computeranalyse einem künstlichen Vogelschlag ausgesetzt und die Folgen für das Flugzeug untersucht. Dabei kommen künstliche Ersatzvögel zum Einsatz.