Wiesentheid ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Die Gemeinde ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid.
Geographie Lage Wiesentheid liegt in der Planungsregion Würzburg (Bayerische Planungsregion 2). Durch den Ort fließen der Sambach (Castellbach) und der Fasanenbach.
Gemeindegliederung Es gibt zehn Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Historisch war Wasenmeisterei ein Gemeindeteil.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Feuerbach, Geesdorf, Reupelsdorf, Untersambach und Wiesentheid.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Volkach, Prichsenstadt, Geiselwind, Abtswind, Rüdenhausen, Kleinlangheim und Schwarzach am Main.
Naturräumliche Lage Naturräumlich liegen Wiesentheid und seine Gemeindeteile im Steigerwaldvorland. Wiesentheid selbst ist in der sogenannten Keuperlandstufe zu verorten, die von mehreren 10 bis 20 m tiefen Taleinschnitten geprägt wird. Im Osten beginnt der Anstieg in Richtung des Steillands.Emmert, Ulrich: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern 1:25.000, S. 7 Weite Teile des Gemeindegebietes sind im Schwanbergvorland mit seinen kleinen Hügeln zu finden. Um Reupelsdorf schließt sich westlich das Dimbacher Flugsandgebiet an, das wesentlich flacher in Richtung des Mains orientiert ist.
Geschichte mini|Schloss Wiesentheid
Im Jahre 918 wurde der Ort als „wiesenheida“ erstmals urkundlich erwähnt. Wiesentheid war ehemals Sitz der reichsunmittelbaren Herrschaft Wiesentheid. Sie wurde 1681 von Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach zu Bamberg und Würzburg mit Unterstützung des Kaisers Leopold gegründet. Erster Inhaber der Herrschaft war der Neffe des Fürstbischofs, Johann Otto von Dernbach († 1697). Seine beiden ersten Ehefrauen starben und auch die gemeinsamen Kinder. Seinen Tod ahnend, setzte er seine erst 17-jährige dritte Ehefrau, Eleonore Charlotte geb. Gräfin von Hatzfeld-Gleichen, als Alleinerbin ein. Über sie kam die Herrschaft Wiesentheid an den Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn, den sie 1701 heiratete. Die Herrschaft lag im Fränkischen Reichskreis und wurde mit der Rheinbundakte 1806 durch Bayern mediatisiert, von diesem im Zuge von Grenzbereinigungen an das Großherzogtum Würzburg abgetreten, mit dem es 1814 endgültig an das Königreich Bayern zurückfiel.
In den Jahren von 1614 bis 1617 war Wiesentheid Schauplatz von 91 Hexenprozessen, wobei 1617 vier Frauen und ein Mann auf dem dortigen Trudenplätzlein hingerichtet wurden. Einer der größten Hexenbrenner von Franken, Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, wurde im Schloss Wiesentheid geboren.
Gebietsveränderungen Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde. Bis zum 30. Juni 1972 gehörte Wiesentheid zum Landkreis Gerolzhofen, den man bei der Kreisreform auflöste. Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Reupelsdorf eingegliedert. Am 1. Januar 1977 kam die Gemeinde Geesdorf hinzu. Die Gemeinde Feuerbach folgte am 1. Januar 1978 und die Gemeinde Untersambach am 1. Mai 1978. Das gemeindefreie Gebiet Obersambacher Wald wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1980 in die Gemeinde Wiesentheid eingegliedert.
Einwohnerentwicklung mini|Einwohnerentwicklung von Wiesentheid 1961–2018
1961: 3153 Einwohner 1970: 3476 Einwohner 1987: 3806 Einwohner 1991: 4032 Einwohner 1995: 4338 Einwohner 2000: 4696 Einwohner 2005: 4815 Einwohner 2010: 4764 Einwohner 2015: 4775 Einwohner 2018: 4820 Einwohner
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 3888 auf 4820 um 932 Einwohner bzw. um 24 %. Quelle: BayLfStat
Politik mini|hochkant|Historisches Pfarrhaus Wiesentheid mini|hochkant|Neues Schloss
Gemeinderat Die Sitze im Marktgemeinderat von Wiesentheid sind nach der Gemeinderatswahl vom 8. März 2026 wie folgt verteilt: Parteien und Wählergemeinschaften202620252020AnteilSitzeSitzeAnteilSitzeFWBürgerblock Wiesentheid – Die Freien Wähler29,96529,006CSUChristlich-Soziale Union in Bayern29,55425,804GrüneBündnis 90/Die Grünen7,0118,301SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands5,8117,101UWGWählergemeinschaft Reupelsdorf6,2117,101UWGBürgervereinigung Geesdorf7,3116,601UWGWOW-Junge Liste2,7015,801UWGChristliche Wählergemeinschaft Wiesentheid5,4115,701UWGFreie Wählergemeinschaft Feuerbach6,1114,601FRAFraktionslos––1––Gesamt100,01717100,017Wahlbeteiligung in % 67,764,3
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit Mai 2020 Klaus Köhler (Bürgerblock), er wurde am 15. März 2020 mit 50,2 % der gültigen Stimmen gewählt.https://www.statistik.bayern.de/wahlen/ Bei der erneuten Wahl konnte Köhler sich in der Stichwahl am 22. März 2026 erneut gegen seinen Vorgänger Werner Knaier (CSU) durchsetzen und erhielt 52,8 % der Stimmen.
AmtNamePartei1. BürgermeisterKlaus KöhlerFreie Wähler2. BürgermeisterHarald RößnerFreie Wähler3. BürgermeisterHelma SchugCSU
Finanzen Die Steuereinnahmen betrugen im Jahr 2014 6.322.639,07 €, davon waren 3.040.199,87 € Gewerbesteuereinnahmen. Für das Jahr 2014 beträgt der Gesamthaushalt 14.144.904,74 €, mit enthaltenem Investitionsvolumen von rund 5.406.527,23 Euro.Main-Post zum Haushalt 2014
Wappen
Städtepartnerschaften Wiesentheid pflegt seit 1972 eine lebendige Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Rouillac im Département Charente. Bis 2008 fanden unter der Regie des Partnerschaftskomitees und der örtlichen Schulen und Vereine über 50 offizielle und unzählige private Begegnungen statt.
Am 29. April 2008 unterschrieb Altbürgermeister Walter Hahn als letzte Amtshandlung eine Freundschaftsbekundung mit der Stadt Hagenbach in der Pfalz. Viele Einwohner Hagenbachs waren während des Zweiten Weltkrieges bei Familien in Wiesentheid untergebracht., Stadt Hagenbach, abgerufen am 23. Oktober 2013
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Nächtliches Wiesentheid mit Rathaus und Historischem Pfarrhaus Baudenkmäler
Ensemble Schloss Wiesentheid
Gräflich Schönborn’sches Schloss Wiesentheid Kanzleistraße mit historischen Verwaltungsgebäuden: Fasanenhof und Seehof Barockes Rathaus Schlosspark Katholische Pfarrkirche St. Mauritius von Balthasar Neumann Historisches Pfarrhaus Kreuzigungsgruppe von Lucas van der Auvera Bedeutende Privathäuser des Barock: Balthasar-Neumann-Straße 5, Neßtfellplatz 2, Neßtfellplatz 8
Weitere Bauten Historische Mariensäule am denkmalgeschützten Marienplatz Templerhaus, ehemalige Amtskellerei des Deutschen Ordens, Renaissancebau von etwa 1613 Planmäßig angelegte Schönbornstraße im Süden des Ortes Kreuzkapelle (Grablege der gräflichen Schönborn-Familie) Freundsmühle südlich des Schlossparks Schlösschen, ehemaliger Witwensitz der Sophie von Schönborn Ehemaliger Schafhof der Grafen von Schönborn in der Bahnhofstraße 9
Mühlen
mini|hochkant|Die Untere Papiermühle bei Feuerbach Das Wiesentheider Gemeindegebiet wird von mehreren kleinen Bächen durchzogen, die alle dem Castellbach zufließen. Sie eigneten sich besonders gut für die Anlage von Mühlen. Insgesamt zwölf Mühlen säumten die Ufer im heutigen Gebiet der Marktgemeinde. Die ältesten Mühlen versorgten Wiesentheid selbst mit Getreide, wobei mit der sogenannten Klesenmühle bereits seit dem 14. Jahrhundert nachweislich ein Betrieb bestand. Die meisten Mühlenanlagen datieren allerdings auf das 16. Jahrhundert.
Da die Schüttung der Bäche Sambach, Fasanenbach und Schirnbach zu stark für die Mühlräder waren und man auch die fischreichen Gewässer nicht aufstauen wollte, entstanden vor den Mühlen oftmals Mühlbäche, die von den Hauptflüssen abgezweigt wurden. Im Laufe der Zeit differenzierte sich auch die Nutzung der Mühlen. In Feuerbach spezialisierten sich zwei Betriebe auf die Herstellung von Papier, daneben richtete man Sägewerke ein, die mit der Wasserkraft angetrieben wurden. Loh- und Ölmühlen bestanden ebenfalls.
Im 19. Jahrhundert gerieten die kleinen Mühlbetriebe um Wiesentheid zunehmend durch größere in wirtschaftliche Bedrängnis. Man begann die Mühlen mit neueren Antriebsarten auszustatten, um die Rentabilität zu erhöhen. Zu dieser Zeit entstanden auch meist die heute noch vorhandenen Bruchsteinhäuser als Hauptgebäude. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann das große Mühlensterben um Wiesentheid. Die kleinen Betriebe gingen nach und nach ein, heute besteht lediglich noch in der Reupelsdorfer Fuchsenmühle ein Sägewerk.Dieter Krenz: Wiesentheid – Ein Streifzug durch die Geschichte. Wiesentheid 2018. S. 144 f. Mehrere ehemalige Mühlen sind heute Wiesentheider Gemeindeteile.
Name Gewässer Gemarkung Zustand Eckdaten Dornmühle Schirnbach Feuerbach abgegangen Entstehung um 1800, Stromversorgung bis um 1950 Erlachsmühle Sambach Wiesentheid stark verändert Ersterwähnung 1691, Aufgabe 1941 Freundsmühle Mühlgraben, Fasanenbach Wiesentheid erhalten Ersterwähnung 1548, besteht bereits vorher, Namen: Untere Mühle, Hirschenmühle, Gärtnersmühle, Aufgabe 1964 Fuchsenmühle Schwarzach Reupelsdorf stark verändert Ersterwähnung 1543, als Sägewerk in Betrieb Hahnsmühle Mühlbach, Fasanenbach Geesdorf abgegangen Aufgabe in den 1960er Jahren Klesenmühle Mühlgraben, Sambach Wiesentheid stark verändert Ersterwähnung 1327, Namen: Obere Mühle, Glasermühle, Herrenmühle, Kläsenmühle, Aufgabe unklar Linsenmühle Schirnbach Feuerbach stark verändert Entstehung um 1810, Namen: Linzenmühle, Dorfmühle, Aufgabe um 1980 Lohmühle Mühlbach, Fasanenbach Wiesentheid stark verändert Ersterwähnung 1686, Aufgabe vor 1950 Mühle in der Gartenstraße Fasanenbach Wiesentheid stark verändert wohl in den 1930er Jahren erbaut, Aufgabe nach 1945 Obere Papiermühle Sambach Feuerbach stark verändert Papiermühle gegründet 1773, Aufgabe 1862 Untere Papiermühle Sambach Feuerbach erhalten Ersterwähnung 1406, Namen: Frühwaldsmühle, Heinrichsmühle, Johannitermühle, Aufgabe um 1978 Untersambacher Mühle Sambach Untersambach stark verändert Ersterwähnung 1589, Namen: Sambachermühle, Aufgabe vor 1962
Sagen Der Heimbach Viele Sagen in Wiesentheid drehen sich um den sogenannten Heim- oder Hainbach, der zwischen dem Markt und Rüdenhausen verläuft und dabei auch den sogenannten Heimbachtannig durchquert.
Im nahen Dettelbach lebten vor langer Zeit die edelfreien Mattonen, die viele Klöster in der Umgebung stifteten und so die Christianisierung vorantrieben. So hatten sie auch Mönche im Ort „Wisenhaida“ angesiedelt. Nichtsdestotrotz war der alte Glauben in der einfachen Bevölkerung noch tief verwurzelt, die zauberkundigen Waldfrauen mussten sich allerdings immer tiefer in die Wälder und so auch in den Heimbachtannig zurückziehen.
Der Mattone aus Dettelbach hatte nur einen einzigen Sohn, der plötzlich erkrankte und in kurzer Zeit sein Augenlicht verlor. Der Vater versuchte alles, um dem Sohn zu helfen. Nachdem nichts geholfen hatte, erinnerte sich ein Knecht an die weise Frau im Heimbachtannig, die das Augenwasser des Baches anzuwenden wisse. Also brachte der Christ sein Kind vor die Heidin, die ihm einen Trank aus Krötenhaut und Kräutern mit dem Wasser des Heimbachs zubereitete.
Das Kind gesundete durch die Behandlung mit dem Gebräu zusehends und konnte nach wenigen Wochen gesund in die Burg in Dettelbach zurückkehren. Der Mattone zog daraufhin eine Bannmeile um den Wald. Obwohl er nun überall in der Umgebung gegen die letzten Vertreter des Heidentums kämpfte und das Christentum sich schnell verbreitete, blieb die alte Frau im Wald unbehelligt und durfte den Glauben an die alten Götter behalten.Steinbrenner, Theophil: Zwischerlichten. S. 19 f.
Ein Schatzfund In den Gärten in der Nähe der Feuerbacher Straße soll den Gärtnern immer wieder ein großes Feuer erschienen sein. Daneben sollen mehrere mysteriöse Männer mit Büchern gestanden haben. In einem der Gärten sollte ein Brunnen gegraben werden. Als man bereits sehr tief vorgestoßen war, entdeckte man wunderschöne Asche. Als man sie auffangen wollte, um mit ihr zu düngen, verwandelte sie sich in Geld.
Die Lag