Ein Oxymoron (Plural Oxymora; [n.], aus „scharf[sinnig]“ und „stumpf[sinnig], dumm“) ist eine rhetorische Figur, bei der eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet wird, z. B. „alter Knabe“. Häufig werden Oxymora in Form von Zwillingsformeln geprägt. Einzelne Wörter, Begriffe und selbst ein oder mehrere ganze Sätze können ein Oxymoron bilden. Das Stilmittel wird verwendet, um beispielsweise dramatische Steigerungseffekte zu erreichen oder kaum Auszudrückendes oder gar Unsagbares in ein Gegensatzpaar zu zwingen und dadurch zum Ausdruck zu bringen.

Das Antonym zu Oxymoron ist Pleonasmus („kohlpechrabenschwarz“).

Eigenschaften Der innere Widerspruch eines Oxymorons ist gewollt und dient der pointierten Darstellung eines doppelbödigen, mehrdeutigen oder vielschichtigen Inhalts, indem das Sowohl-als-auch des Sachverhaltes begrifflich gespiegelt wird.Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur (= Kröners Taschenausgabe, Band 231). 4., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1964, S. 483, . Als Stilfigur ist das Oxymoron daher in der Lyrik und der dichterischen Prosa von Bedeutung, aber auch im politischen Diskurs und in der Werbung anzutreffen. Das Wort Oxymoron selbst ist bereits ein Oxymoron. Einen logischen Widerspruch, der ohne Absicht formuliert wird, nennt man („Widerspruch in der Beifügung“).Jochen A. Bär: baer-linguistik.de, Das Jahr der Wörter – Folge 81 (22. März); abgerufen am 2. November 2018

Beispiele

„Beredtes Schweigen“ „Eile mit Weile“Oxymoron auf duden.de „alter Knabe“Wilhelm Borchardt: Die sprichwörtlichen Redensarten im deutschen Volksmunde nach Sinn und Ursprung erläutert. 5. Auflage, F.A. Brockhaus, Leipzig 1895, S. 19. „Diese Fülle hat mich arm gemacht“ (Übersetzung von aus Ovids Metamorphosen 3,466)Barbara Pavlock: The Image of the Poet in Ovid’s Metamorphoses. University of Wisconsin Press, Madison 2009, S. 27. „Ehrlichkeit heucheln ist soviel wie mit der Wahrheit schwindeln.“ (Sebastian Brant, Das Narrenschiff (1494)Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-05984-0, S. 467) „traurigfroh“ (aus Friedrich Hölderlins Ode Heidelberg) „unsichtbar sichtbar“ (aus Goethes Faust I, V. 3450)Thorsten Roelcke, Christian Efing: Semantik für Lehrkräfte. Linguistische Grundlagen und didaktische Impulse. Narr Francke Attempto, Tübingen 2021 einsehbar auf Google Books. „I burn and freeze like ice“ (Thomas Wyatt, um 1530).André Chapuis: Paradox. In: Klaus Weimar (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, Band 3. De Gruyter, Berlin / New York 2003, S. 15–19, hier S. 16. Sachliche Romanze (von Erich Kästner, 1928)Juliane Dube, Carolin Führer: Balladen. Didaktische Grundlagen und Unterrichtspraxis. UTB, Tübingen 2020; 2. überarb. und erw. Aufl. 2023, ISBN 978-3-8252-6106-1, S. 150. „schwarze Milch der Frühe, wir trinken dich abends“ (aus Paul Celans Gedicht Todesfuge) „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“ (aus George Orwells Roman 1984)

Abgrenzung des Oxymorons zum Paradoxon Das Oxymoron ist eine Wortfigur im Gegensatz zum Paradoxon, bei dem es sich um eine Satzfigur handelt.Jonas Geldschläger: Paradoxon. Auf wortwuchs.net, abgerufen am 5. Mai 2022 Obgleich beide rhetorischen Stilmittel zunächst Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten aufzuweisen scheinen, sind sie grundlegend verschieden. Gemeinsam ist beiden Stilmitteln bei oberflächlicher Betrachtung, dass sie Widersprüche kennzeichnen und darstellen.

Im Falle des Paradoxons lösen sich die Widersprüche wieder auf, sie sind lediglich Scheinwidersprüche. Etwa in der Aussage „Weniger ist mehr“ scheinen sich die Wörter „weniger“ und „mehr“ zunächst grundsätzlich zu widersprechen. Bei näherer Reflexion offenbart sich ein Sinn in dem paradoxen Satz. Er findet Anwendung, wenn jemand im übertragenen Sinne zum Beispiel „zu dick aufträgt“ oder „mit seiner Art beziehungsweise seinem Auftreten übertreibt“. In diesen Fällen kann es durchaus wertvoll sein, sich ein wenig zurückzunehmen. Dann beschriebe das „Weniger“ tatsächlich ein „Mehr“.

Ein solch tieferliegender, hintergründiger Sinn wird im Oxymoron hingegen vermisst. Hier geht es einzig um den vordergründigen Widerspruch und die sich daraus ergebende Mehrdeutigkeit. Zudem finden sich Paradoxa stets in einem vollständigen Satz, während ein Oxymoron meist nur aus einem Substantiv beziehungsweise einem Substantiv mit vorangestelltem Adjektiv, etwa „stummer Schrei“ besteht.

Siehe auch Liste rhetorischer Stilmittel

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Rhetorischer Begriff Kategorie:Wort