Asia ist eine britische Rock-Supergroup, die sich 1981 aus Musikern formierte, die unter anderem bei Yes, Emerson, Lake and Palmer, Saga, King Crimson, Uriah Heep, den Buggles und UK gespielt hatten. Ihr erfolgreichster Song ist Heat of the Moment aus dem Jahr 1982.

Geschichte Vorgeschichte (1980–1981) Nach dem Niedergang des Progressive Rock zum Ende der 1970er-Jahre hatten sich die meisten namhaften Musikgruppen des Genres aufgelöst, weshalb zahlreiche Musiker plötzlich ohne eigene Band oder Plattenvertrag dastanden. Seit 1980 wurden mehrere Anläufe zur Gründung einer Supergroup unternommen. Sie wurden von Managern und Plattenfirmen vermittelt und drehten sich meist um den südafrikanischen Gitarristen und Sänger Trevor Rabin, der kurz zuvor nach London gekommen war.

Eine mögliche Neubesetzung (Lineup), die jedoch nicht zustande kam, bestand neben Rabin aus dem ehemaligen Yes-Keyboarder Rick Wakeman, dem früheren King-Crimson-, Uriah-Heep- und UK-Mitglied John Wetton sowie dem Schlagzeuger Carl Palmer von Emerson, Lake and Palmer.

John Wetton tat sich jedoch auf Anregung des Yes-Managers Brian Lane mit dem Gitarristen Steve Howe zusammen, der gerade die Zusammenarbeit mit den Progressive-Rock-Vorreitern von Yes beendet hatte. Zusammen wurden frühe Fassungen der späteren Asia-Songs Cutting It Fine, Without You und Here Comes the Feeling erarbeitet, die alle auf Ideen John Wettons beruhten. John Kalodner, damals bei Atlantic Records, hatte seit dem Ende von King Crimson versucht, etwas mit Wetton auf die Beine zu stellen. Er brachte ein Team um Wetton und Howe zusammen, das aus den Managern Brian Lane und David Geffen, (dem späteren Mitbegründer der Dreamworks-Filmstudios) bestand. Letzterer hatte soeben sein eigenes Plattenlabel Geffen Records gegründet. Zudem holte Kalodner den Queen-Produzenten Mike Stone dazu.

Zunächst probten Wetton und Howe mit dem Schlagzeuger Simon Phillips, doch die Zusammenarbeit funktionierte nicht. Zudem verlangte Phillips einen zu hohen finanziellen Anteil. Dann war der Yes-Schlagzeuger Alan White im Gespräch. Als Nächstes wandte man sich aber an den Schlagzeuger Carl Palmer, zuvor bei Emerson, Lake and Palmer und PM. Der sagte zu und regte an, noch einen Keyboarder mit in die Band zu nehmen, da er mit den 80er-Jahren eine keyboardorientierte Rockmusik kommen sah. Zunächst wurde erneut eine Beteiligung von Wakeman diskutiert, Howe schlug jedoch den Autor des Hits Video Killed the Radio Star (The Buggles, 1980), Geoff Downes vor, mit dem er kurz zuvor bei Yes zusammengearbeitet hatte. Einige Zeit lang dachte man daran, zusätzlich einen zweiten Sänger zu engagieren, und es wurde eine Reihe von Musikern eingeladen, darunter wieder Trevor Rabin, doch letztlich entschied man sich dagegen, vor allem weil Wetton den Gesang und Howe die Gitarrenarbeit nicht aufteilen wollten. Rabin hatte mit der Band die Songs Here Comes the Feeling und Starry Eyes (später Only Time Will Tell) gespielt.

Der Bandname „Asia“ geht auf einen Vorschlag Brian Lanes zurück. Zuvor hatte man an MI5, den Namen des britischen Geheimdienstes, gedacht.

Debütalbum (1981–1982) Das neu gegründete Label Geffens hatte Asia bereits unter Vertrag genommen, bevor man überhaupt eine einzige Note der neuen Stücke gehört hatte. Die Arbeiten begannen im Sommer 1981 in den Londoner Townhouse Studios. Von Anfang an war allen Beteiligten klar, dass man trotz der Vergangenheit der Musiker kein Progressive-Rock-Album machen wollte. Konzisere Stücke und ein einheitlicher, geschlossener Bandsound sollten die neue Band charakterisieren. Zu den Wetton/Howe-Kompositionen (Cutting It Fine, Without You, Here Comes the Feeling und One Step Closer) traten nun immer mehr Stücke, die Wetton mit Downes zusammen schrieb, darunter Wildest Dreams, Sole Survivor, Only Time Will Tell und Heat of the Moment. Mit den beiden Musikern fand sich ein sehr erfolgreiches und kreatives Songwriterteam zusammen, das in den nächsten Jahren den Output der Band bestimmen sollte. Die beiden schlossen schnell Freundschaft, etwas das Wetton mit Howe nie gelingen sollte. Auch zu Mike Stone hatten die beiden ein sehr gutes Verhältnis. Damit traten die Progressive-Rock-Elemente, für die Howe stand, in der Folge immer weiter zurück. Die Arbeiten am Debütalbum schritten schnell voran und im November 1981 waren die Aufnahmesessions abgeschlossen.

Für die Covergestaltung schlug Howe den Fantasy-Künstler Roger Dean vor, der bereits viele Cover für Yes entworfen hatte. Roger Dean entwarf ein dreieckiges Asia-Logo, das dem runden Yes-Logo so unähnlich wie möglich war. Es ziert bis heute alle offiziellen Veröffentlichungen der Band.

Unterstützt von einer groß angelegten Werbekampagne konnte sich das am 8. März 1982 veröffentlichte Debütalbum Asia trotz nicht allzu positiver Kritiken überraschend in den obersten Chartregionen platzieren. Die Single Heat of the Moment wurde zum Hit. Das Video zur Single wurde von Kevin Godley und Lol Creme (vormals bei 10cc) gedreht. Es erlaubte der Band, unterstützt vom damals noch recht neuen Musiksender MTV, auch das Fernsehen zu erobern.

Asia spielten auf dem Debütalbum bombastischen „Stadion-Rock“ mit dem Schwerpunkt auf eingängigen Melodien. Die neue Mischung fand ihr Publikum und Asia waren mit einem siebenmillionenfach (andere Quelle: neunmillionenfach) verkauften Debütalbum eine der erfolgreichsten Bands des Jahres 1982. Aus dem Album wurden sechs Singles ausgekoppelt: Heat of the Moment, Sole Survivor, Wildest Dreams, Here Comes the Feeling, Only Time Will Tell und Time Again.

Nachdem die Band im Frühjahr in Pennsylvania geprobt hatte, ging es auf Tournee. Allerdings waren die Organisatoren vom Erfolg der Band überrascht worden, sodass eine zu kurze Tour von April bis Oktober 1982 in zu kleinen Hallen gebucht worden war. Man beschloss, gegen den Willen von Wetton, Downes und Palmer, am Ende dieser Tour so schnell wie möglich wieder ins Studio zurückzukehren, um an einem noch erfolgreicheren Nachfolgealbum zu arbeiten. Im Nachhinein erwies sich diese Entscheidung allerdings als unklug.

Alpha (1982–1983) Manche Kritiken am ersten Album bemängelten die Glattheit der Produktion, andere bezogen sich auf die Progressive-/Bombast-Rock-Vergangenheit der vier Musiker, die sich in Songs wie Here Comes the Feeling offenbarte. Management und Plattenfirma drängten darauf, diese Progressive-Rock-Elemente auf dem Nachfolger komplett zu eliminieren und den Stil weiter in Richtung Mainstream zu verschieben. Eine Marktstudie ergab, dass die Songs des Teams Wetton/Downes (Heat of the Moment, Only Time Will Tell, Sole Survivor und Wildest Dreams) die erfolgreicheren waren, so dass man der Band vermittelte, Wetton und Downes als alleinige Songwriter für das nächste Album einzusetzen.

Diese Entscheidung sorgte für erste Spannungen in der Band: Howe fühlte sich in die zweite Reihe versetzt, während Wetton und Downes den Druck verspürten, einen noch erfolgreicheren Nachfolger für die Hitsingle Heat of the Moment zu schreiben. Aus steuerlichen Gründen arbeitete die Band nicht in England, sondern im kanadischen Morin Heights, einer Stadt in den Laurentinischen Bergen mit ca. 3500 Einwohnern. Morin Heights erwies sich als derart einsam, dass sich die Bandmitglieder bei den winterlichen Aufnahmen auf die Nerven gingen. Howe und Wetton zerstritten sich in der Folge derart, dass die beiden kaum noch zusammenarbeiten konnten: Howe wollte die progressiven Elemente des ersten Albums beibehalten, Wetton wollte in eine kommerziellere Richtung gehen und hatte dabei die Unterstützung der Plattenfirma und damit des Produzenten Mike Stone. Der Druck, den man auf ihn ausübte, ein weiteres Hitalbum zu schreiben und seine Alkoholkrankheit trugen ebenfalls nicht zum Gelingen des Albums bei: Wetton konnte an einigen Tagen nur eineinhalb Stunden lang singen, so dass die Aufnahmearbeiten oft allzu früh abgebrochen werden mussten. Zudem war Geoffrey Downes lange Zeit krank. Howe wurde am Songwriting nicht mehr beteiligt, mit der Ausnahme des Stückes Lying to Yourself, das aber lediglich als Single-B-Seite veröffentlicht wurde. Als dann noch technische Probleme dazukamen und das Studio für drei Wochen ausfiel, verließen die Bandmitglieder, die ohnehin möglichst wenig Zeit gemeinsam verbracht hatten, Kanada.

Mike Stone mischte das Album nun alleine ab, was bei den Musikern für Unzufriedenheit sorgte. Die Wall-of-Sound-Produktion Stones vereinheitlichte den Klang des Albums so stark, dass die einzelnen Instrumente längst nicht mehr so differenziert zu hören waren wie noch auf dem Debüt. Mehrere Abmischungen wurden sogar von Labelchef Geffen abgelehnt, so dass am Ende ein Kompromiss veröffentlicht wurde.

Das Album war zwar ein Erfolg, verkaufte sich aber nur etwa halb so oft wie das Debütalbum. Das Album und die Singles Don’t Cry und The Smile Has Left Your Eyes erreichten erst nach dem Ende der Asian-Invasion-Tour am 10. September 1983 Spitzenplätze in den Charts.

Diese Tour startete in den Vereinigten Staaten im Sommer 1983 noch vor der Veröffentlichung des neuen Albums. Viele Hallen waren in Städten gebucht, in denen die Band bereits zuvor gespielt hatte, so dass die Ticketverkäufe nur schleppend anliefen. So wurden beispielsweise in Toledo im Bundesstaat Ohio nur 2500 Karten für eine Halle von 15000 Plätzen verkauft. Also wurde die zweite Hälfte der Tour abgesagt. Aufgrund dieses Missmanagements konnte die Band viele Hallen nur halb ausverkaufen. Das Ausbleiben des großen Erfolgs und die schwierigen Aufnahmesessions führten zu weiterem Zoff in der Band. Die Musiker reisten getrennt und sprachen kaum noch miteinander. Nach einigen Wochen hatte sich besonders das Verhältnis zwischen Wetton und Howe weiter verschlechtert.

Asia in Asia (Winter 1983) Wetton ging danach nach Südfrankreich in Urlaub und erschien nicht zu einem Meeting mit Kalodner und Geffen. Von dort aus rief er Geoffrey Downes an, um mit ihm Einzelheiten zum nächsten Album zu besprechen, und erfuhr von diesem, dass Brian Lane ihn ersetzen wollte. Am nächsten Tag noch reiste Wetton nach London, wo man ihm eröffnete, dass die Band, vor allem Howe und Palmer, aber auch Management und Plattenfirma sich tatsächlich von ihm trennen wollten. Die Begründung war der Misserfolg des zweiten Albums, für den man den Songwriter Wetton und seine Alkoholkrankheit verantwortlich machte. Gleichzeitig wollten aber weder Lane noch Geffen Wetton gehen lassen – ein lukratives Angebot von Atlantic Records musste er ausschlagen.

In dieser Situation musste schnell Ersatz für Wetton gefunden werden. Man dachte zunächst an Brad Delp von Boston, und sogar Trevor Horn, Downes’ ehemaliger Partner bei den Buggles, war im Gespräch. Letztlich einigte man sich dann aber auf Palmers ehemaligen ELP-Mitstreiter Greg Lake, ein Gedanke, der aufgrund stimmlicher Ähnlichkeiten zu Wetton ohnehin nahelag. Palmer kontaktierte ihn und Lake sagte zu, nachdem er ein Gespräch mit seinem Freund Wetton geführt hatte.

Für Dezember waren bereits Konzerte in Japan gebucht worden, zu denen eine weltweite Live-Übertragung eines Konzerts vom 6. Dezember in Tokio durch den Fernsehsender MTV gehörte. Im Sommer waren dafür Werbespots sowie eine Dokumentation gedreht, in denen John Wetton bereits kaum zu sehen gewesen war. Lake bestritt die Tour mit Hilfe eines Teleprompters. Die Songs mussten um eine Terz tiefer transponiert werden, um sie seiner Stimme anzupassen. Kurz nach den Konzerten erschienen unter dem Titel Asia in Asia eine Videokassette und eine Laser Disc mit dem MTV-Mitschnitt. Erst 2005 folgte unter dem Titel Enso Kai – Live at the Budokan Tokyo der Audiomitschnitt. Lake wollte den musikalischen Stil der Band in eine anspruchsvollere Richtung lenken, was aber von den anderen Musikern abgelehnt wurde. An Weihnachten war klar, dass er nicht bei Asia bleiben würde.

Astra und die Auflösung der Band (Winter 1983–1985)