Unternehmensziele sind in der Betriebswirtschaftslehre Ziele, die eine Unternehmensleitung für sich und alle Mitarbeiter setzt, um einen künftigen Soll-Zustand im Hinblick auf den Erfolg eines Unternehmens während des Geschäftsprozesses im Markt zu ermöglichen.

Allgemeines Alle Wirtschaftssubjekte setzen sich Ziele, so dass neben Unternehmen auch der Staat (Staatsziele) und Privathaushalte (persönliche Ziele) an der Zielfindung und Zielerfüllung beteiligt sind. Die zu setzenden Ziele werden von der Unternehmensleitung durch konstitutive Entscheidungen vorgegeben und sollen das Handeln und Unterlassen aller Mitarbeiter im Sinne der Zielorientierung beeinflussen.

Unternehmensziele sind Ausdruck des Selbstverständnisses und des Anspruchs eines Unternehmens.Harald Hungenberg/Torsten Wulf, Grundlagen der Unternehmensführung, 2. Auflage, Springer, 2006, S. 49, ISBN 3-540-28776-0 Legt man den institutionellen Organisationsbegriff zugrunde, wird auch manchmal von Organisationszielen gesprochen. Unternehmensziele dienen zur Förderung des Betriebszwecks in der Zukunft.

Der angestrebte Soll-Zustand soll durch operative Entscheidungen erreicht werden.

Zielhintergrund Bei einem Unternehmensziel handelt es sich um einen zukünftigen, gegenüber dem gegenwärtigen im Allgemeinen veränderten, erstrebenswerten bzw. angestrebten Zustand, der sich von einem Ziel – im weiteren Sinn – darin unterscheidet, dass er das Ergebnis von ökonomischen Entscheidungen ist. Die diesen Entscheidungen zu Grunde liegenden Prinzipien können unterschiedlich sein, etwa die Gemeinwirtschaft (nach Eugen Schmalenbach) oder die Erwerbswirtschaft (nach Erich Gutenberg).Klaus Brockhoff, Betriebswirtschaftslehre in Wissenschaft und Geschichte: Eine Skizze, 1. Auflage. Gabler, 2008, S. 197; ISBN 978-3-8349-1276-3

Um ihre Aktivitäten auf die Unternehmensziele ausrichten zu können, benötigen die Unternehmen eine festgelegte innere Ordnung. Die konstitutive Rahmenordnung hierfür wird durch eine Unternehmensverfassung vorgegeben. Eine solche liegt meist nicht schriftlich vor und dient dennoch als eine Art „Grundgesetz“ der Unternehmung; sie kommt dann in der Unternehmenskultur zum Ausdruck.

Vor dem Hintergrund eines in Privateigentum befindlichen, nach dem erwerbswirtschaftlichen Prinzip zum Zweck der Gewinnerzielung tätigen Unternehmens ist Gewinn- oder Rentabilitätsstreben nach der neueren Theorie der Unternehmung zwar nicht als die einzige, aber als die bedeutendste Zielsetzung anzusehen. Ziele von Non-Profit-Organisationen oder Öffentliche Betriebe und Verwaltungen bedürfen einer gesonderten Untersuchung, z. B. wenn es um die Gewichtung des Gewinnziels geht.

Die Vielschichtigkeit des Themas erlaubt es nicht, pauschale Aussagen über die Bedeutung bestimmter Ziele in einzelnen Unternehmungen zu treffen.Wolfgang Weber/Rüdiger Kabst, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, Gabler, 2006, S. 154; ISBN 3-409-63011-2 In der Unternehmenspraxis ist ein breites Spektrum von Zielen vorhanden, abhängig z. B. von der jeweiligen Rechtsform (privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich) oder der Betriebsgröße (Familienunternehmen oder Großunternehmen) (siehe → Typisierung von Unternehmen).

Allgemein nimmt mit zunehmender Betriebsgröße und damit einhergehend wachsender Anzahl von Akteuren und Interessengruppen, die Quantität und Qualität der Ziele der Organisation zu (Ziel-Pluralismus). Es entstehen Zielsysteme und Zielhierarchien.Wolfgang Domschke/Armin Scholl, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, 3. Auflage. Springer, 2005, S. 8; ISBN 3-540-25047-6

Zunehmend komplexe Systeme verlangen nach differenzierterer Untersuchung, die mehr Faktoren berücksichtigen. Hier können sich „einfache“ Unternehmensziele zu „höheren“ Zielen weiterentwickeln. Das strategische Management erweitert den Untersuchungsbereich um Begriffe wie etwa den so genannten Betriebszweck, die Vision oder Mission, die Unternehmensphilosophie bzw. das Unternehmensleitbild und Bereiche wie Unternehmenspolitik, Unternehmensverfassung und Unternehmenskultur.

In Kleinstunternehmen von geringer Komplexität und Unternehmensstruktur (wenigen Akteuren/Stakeholdern) und entsprechend wenigen Interdependenzen mit der Gesellschaft (kleinem Unternehmensumfeld) findet eine Untersuchung und wissenschaftliche Betrachtung von Zielsystemen, im Sinne der klassischen Betriebswirtschaftslehre, in der Regel nicht statt.

Zu beachten sind die vor-ökonomischen Ziele, also jene Ziele, die erfüllt sein müssen, um überhaupt die Unternehmensziele erreichen zu können. Dazu gehören beispielsweise Ziele wie „neue Kunden gewinnen“, „verlorene Kunden zurückgewinnen“ usw.Jörn-Axel Meyer, Strategien von kleinen und mittleren Unternehmen, in: Jahrbuch der KMU-Forschung und -Praxis 2010, Josef Eul Verlag, 2010.Heribert Meffert/Manfred Bruhn, Dienstleistungsmarketing. Grundlagen – Konzepte – Methoden, 6. Auflage, Wiesbaden, 2009, ISBN 978-3-658-19175-7

Inhalt Unternehmensziele müssen aus Zielinhalt, Zielausmaß, Zeitbezug und Zielträger bestehen.Thomas Hutzschenreuter, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2009, S. 49 Zum Zielinhalt gehören Wertziele (Umsatzerlöse, Rentabilität, Jahresüberschuss oder Kosten), Sachziele (Aktivitäten, die der Erreichung der Wertziele dienen) sowie Humanziele (soziale Beziehungen zu Mitarbeitern, Lieferanten oder Kunden). Das Zielausmaß beschreibt die Ausprägung der Zielerreichung und bestimmt, wann ein Ziel als erreicht gilt. Beim Zeitbezug gibt es Zeitraumziele (Gewinnvorgabe-Budget für das folgende Geschäftsjahr) oder Zeitpunktziele (Abschluss eines Projektes zu einem bestimmten Zeitpunkt). Zielträger sind die von Unternehmenszielen betroffenen Kreise des Personals; Individualziele betreffen eine einzelne Arbeitskraft (etwa deren Führungskräfteentwicklung), Kollektivziele betreffen beispielsweise eine ganze Abteilung (etwa deren Kostensenkungsziele).Thomas Hutzschenreuter, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2009, S. 50

Arten Günter Wöhe unterscheidet die Unternehmensziele wie folgt:Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2013, S. 67; ISBN 978-3-8006-4687-6

Kapitalgeber ökonomische Ziele Arbeitnehmer soziale Ziele Öffentlichkeit ökologische Ziele Gewinnmaximierung Shareholder Value Rentabilität Unternehmenswachstum Existenzsicherung gerechte Entlohnung gute Arbeitsbedingungen betriebliche Sozialleistungen Arbeitsplatzsicherheit Mitbestimmung Ressourcenschonung Begrenzung von Emissionen Abfallvermeidung Recycling

Die drei Interessengruppen Unternehmer, Arbeitnehmer und Öffentlichkeit verfolgen im Unternehmen unterschiedliche Ziele. Diese und weitere Interessengruppen haben Einfluss auf die Zielsetzung, nämlich Marktteilnehmer (Kunden, Lieferanten), öffentliche Hand und gesellschaftliche Gruppen. Wie diese – oft gegensätzlichen – Interessen optimal zu berücksichtigen sind, ist ein Hauptthema der Business-Analyse.Ingrid und Peter Gerstbach, Basiswissen Business-Analyse, Verlag Redline, München, 2015, Kapitel 4.3 (Unternehmensziele) und 5.6 (Den Überblick behalten). Da etwa zwei Drittel aller Unternehmen Einzelunternehmen sind, dürfen individuelle Antriebskräfte nicht vernachlässigt werden. Unternehmensziele kleinerer Unternehmen, in denen der Unternehmer gleichzeitig die Chef-Position innehat, werden also maßgeblich durch seine privaten Interessen geprägt.

Weitere wichtige Unternehmensziele sind insbesondere:Jean-Paul Thommen, Lexikon der Betriebswirtschaft, 2008, S. 674 Neben Jahresüberschuss (Gewinn) und Rentabilität auch die Liquidität; das auf die Umsatzerlöse oder Betriebsgröße bezogene Unternehmenswachstum; die relevanten Märkte, auf denen die Marktanteile und Marktmacht durch Marktbearbeitung verbessert werden sollen; Erhaltung und Verbesserung des Know-how zur Verringerung des Produktrisikos und Verbesserung von Produkt- oder Dienstleistungsqualität; Einbeziehung der in der Tabelle enthaltenen Anspruchsgruppen. Durch die Einbeziehung der Anspruchsgruppen in die Zielfindung entstehen beispielsweise zwischen Aktionären und Arbeitnehmern gegensätzliche Ziele, die im Zielprozess berücksichtigt werden müssen.

Zielprozesse Die einzelnen Prozessschritte sind Zielsetzung, Zielformulierung, Zielbeziehungen, etwaige Zielhierarchien und Zielerreichungsgrad.

Zielsetzung und Zielformulierung Erst das Aufkommen des entscheidungstheoretischen AnsatzesEdmund Heinen, Zum Wissenschaftsprogramm der entscheidungsorientierten Betriebswirtschaftslehre, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 1969, S. 207 ff. und des systemtheoretischen AnsatzesHans Ulrich/Walter Krieg, Das St. Galler Management-Modell, 1972, S. 1 ff. machten eine Thematisierung der Zielbildung in Unternehmen in der deutschsprachigen Betriebswirtschaftslehre möglich.Armin Töpfer, Betriebswirtschaftslehre: Anwendungs- und prozessorientierte Grundlagen, 2. Auflage, 2007, Springer, S. 426; ISBN 3-540-49394-8

Die Zielsetzung erfolgt durch konstitutive Entscheidungen. Ziele sollen dabei nach Möglichkeit quantifizierbar und klar als „Zielwerte“ formuliert sein. Die Ziele müssen eindeutig, lösungsneutral, inhaltlich und zeitlich operabel und frei von Interpretationsspielräumen sein.Dieter Specht/Martin G. Möhrle, Gabler Lexikon Technologie-Management, 2002, S. 398 Bei der Zielformulierung wird zwischen mengenmäßigen (Absatzmenge) und geldmäßigen (Umsatzerlöse) Unternehmenszielen unterschieden.Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2013, S. 69 Eine häufige Zielformulierung wäre „Steigerung der Umsatzerlöse um 2 % in diesem Geschäftsjahr“. Hierdurch wird sowohl die Zielverfolgung als auch die Messung der Zielabweichung erleichtert. Aber auch nicht-quantifizierbare Ziele (wie , Reputation, Lieferzuverlässigkeit) werden als zunehmend wichtig erachtet.Dieter Specht/Martin G. Möhrle, Gabler Lexikon Technologie-Management, 2002, S. 398 Die Zielwerte dürfen nicht nur unter den günstigsten Rahmenbedingungen erreichbar sein.

Formalziele sind beispielsweise Gewinnmaximierung oder Kostensenkung, Sachziele dienen der Erfüllung der Formalziele (etwa Verkürzung der Durchlaufzeiten oder Verbesserung der Produkt- oder Dienstleistungsqualität).Günter Wöhe/Ulrich Döring, Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 25. Auflage, 2013, S. 69

Die für die Mitarbeiter gültigen Ziele können nach SMART formuliert werden:Sabine Peipe, Crashkurs Projektmanagement, 2009, S. 70

Buchstabe Bedeutung (englisch) Bedeutung (deutsch) Beschreibung S spezifisch Ziele müssen eindeutig definiert sein (nicht vage, sondern so präzise wie möglich). M messbar Ziele müssen messbar sein A erreichbar Die Ziele müssen für die Person ansprechend bzw. erstrebenswert sein R angemessen Das gesteckte Ziel muss möglich und realisierbar sein. T terminiert Das Ziel muss mit einem festen Termin festgelegt werden können.

Die eher groben Unternehmensziele (wie Gewinnmaximierung) werden für Zwecke des Management by Objectives auf operationale Leistungsziele (etwa Marktanteil eines Produkts: 10 %) für jede Organisationseinheit konkretisiert und heruntergebrochen.Fritz Neske, Management by Objectives, in: Fritz Neske/Markus Wiener (Hrsg.), Management-Lexikon, Band II, 1985, S. 765 ff; ISBN 3-88640-009-3 Dabei dient ein ständiger Soll-Ist-Vergleich im Rahmen der Abweichungsanalyse zur Messung des Zielerreichungsgrades. Kann am Ende einer Rechnungsperiode im Beispiel lediglich ein Marktanteil von 8 % vorgewiesen werden, liegt der Zielerreichungsgrad bei 80 %. Aus der Summe der Einzelziele werden dann die Unternehmensziele aggregiert. Die Mitarbeiter sollen ihre täglichen Arbeitsaufgaben an den ihnen gesetzten Zielen ausrichten und so im Sinne des Management by Objectives arbeiten. Bei der Mitarbeiterbeurteilung kann geprüft werden, inwieweit die Mitarbeiter ihre vereinbarten Ziele erreicht haben.

Zielbeziehungen 200px|mini|Abstrakte Darstellung der Zielbeziehungen