Die Grünen – Die Grüne Alternative (GRÜNE) ist eine politische Partei in Österreich.

Von 1986 bis 2017 war die Partei ununterbrochen Oppositionspartei im Nationalrat, dem sie seit der Nationalratswahl 2019 erneut angehört. Von 2020 bis 2025 waren die Grünen an der Bundesregierung beteiligt.

Seit 29. Juni 2025 ist Leonore Gewessler Bundessprecherin der Grünen. Ein ehemaliger Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen, ist seit 26. Jänner 2017 Bundespräsident.

Die Grünen sind Mitglied der Europäischen Grünen Partei und der Global Greens. Sie sind im Burgenland als kleiner Koalitionspartner der SPÖ in der Landesregierung vertreten. In Oberösterreich stellen sie aufgrund des dortigen Proporzsystems ebenfalls einen Landesrat, es besteht in der Regierung jedoch ein schwarz-blaues Arbeitsübereinkommen.

Grundsätze mini|hochkant=1.5|Länder, in denen die Grünen im Landtag vertreten sind Die Grünen setzen sich neben der Ökologie auch für die Rechte von Minderheiten und für eine ökosoziale Steuerreform ein. Ihre Grundwerte gemäß dem Grundsatzprogramm von 2001 lauten: „basisdemokratisch, gewaltfrei, ökologisch, solidarisch, feministisch, selbstbestimmt“. (PDF; 304 kB). Die Partei ist Mitglied der Europäischen Grünen Partei. Innerhalb der EU setzt sie sich vor allem für ein atom- und gentechnikfreies Europa ein.

Analysen zeigen, dass Die Grünen vor allem das jüngere, weibliche und urbane Publikum ansprechen. So erreichten die Grünen bei den Nationalratswahlen 2006 16 % Stimmanteil bei städtischen Wählern, 19 % Stimmanteil bei Jungwählern und 12 % Stimmanteil bei den weiblichen Wählern (8 % bei Männern).Der Standard, 2. Oktober 2006, S. 8.

Geschichte

mini|Historisches Logo mini|Logo der Grünen (2012–2026) Die Kampagne gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf (1978) wird oft als „Geburtsstunde“ der österreichischen Grün-Bewegung betrachtet, 1984 gefolgt vom erfolgreichen Widerstand gegen das Donaukraftwerk Hainburg (siehe: Besetzung der Hainburger Au) als einem weiteren Meilenstein in der Entwicklung. Auch die Teilnahme einiger späterer Grün-Aktivistinnen an den Friedensdemonstrationen und Kundgebungen der Jahre 1981 bis 1984 gehört zu diesem Verständnis. Gegen eine Darstellung der Entstehungsgeschichte der Grünen als einem unmittelbaren Herauswachsen aus diesen Bürgerbewegungen werden allerdings auch Einwände erhoben, unter anderem von einer der Gründerinnen der Grünen, Freda Meissner-Blau:

1986 vereinten sich die 1982 gegründeten konservativen Vereinten Grünen Österreichs (VGÖ) mit der progressiveren Alternativen Liste Österreichs (ALÖ, gegründet 1982) als Grüne Alternative (GA). Seit 1993 lautet die offizielle Bezeichnung Die Grünen – Die Grüne Alternative (Grüne).

+ NationalratNR-WahlProzentMandate 19831 3,29 % 0 1986 4,82 % 8 1990 4,78 % 10 1994 7,31 % 13 1995 4,81 % 9 1999 7,40 % 14 2002 9,47 % 17 2006 11,05 % 21 2008 10,43 % 20 2013 12,42 % 24 2017 3,80 % 0 2019 13,91 % 26 2024 8,24 % 16 1 Gemeinsames Ergebnis von ALÖ und VGÖ

Bundesebene

Nationalrat Nach der Nationalratswahl 1986 zogen die Grünen erstmals mit 4,82 % der Stimmen und acht Mandaten mit dem Grünen Parlamentsklub in den österreichischen Nationalrat ein. Beim ersten Einzug in den Nationalrat weigerten sich die Grünen anfänglich, ihr Verhalten dem der anderen Parteien anzupassen. Beispielsweise benannten sie keinen Klubobmann bzw. Klubobfrau. Stattdessen hielt eine Strohpuppe dafür her. Aufsehen erregte 1987 das Hissen der Hakenkreuzfahne am Rednerpult des Nationalrats durch den Grünen Abgeordneten Andreas Wabl, um gegen den damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim zu protestieren.

Bei der vorgezogenen Nationalratswahl 2002 erlangten die Grünen bundesweit 9,47 % der Stimmen und 17 Mandate.Bundesministerium für Inneres: Wahlergebnisse Die daraufhin geführten Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP scheiterten jedoch 2003 an inhaltlichen Differenzen. Zudem übte die Wiener Landesorganisation und die Grünalternative Jugend Kritik an den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP.

Bei der Nationalratswahl 2006 erreichten die Grünen mit 11,05 % der Stimmen erstmals den dritten Platz vor der FPÖ. Waren die Grünen nach dem vorläufigen Endergebnis noch auf Platz vier gelegen, so erreichten sie nach der Auszählung der Wahlkarten einen Vorsprung von 532 Stimmen oder 0,01 Prozent auf die nun viertplatzierte FPÖ.Bundesministerium für Inneres: Die Nationalratswahl 2006 Dadurch erreichten die Grünen ihr bislang bestes Ergebnis auf Bundesebene und hatten, den Usancen entsprechend, den Anspruch auf die Ämter des 3. Nationalratspräsidenten sowie eines Volksanwaltes. Von 2006 bis 2008 war Eva Glawischnig Mitglied des NR-Präsidiums, von 2007 bis 2013 war Terezija Stoisits Volksanwältin.Mag. Terezija Stoisits Website des Österreichischen Parlaments. Abgerufen am 5. Juli 2017.

Bei der Nationalratswahl 2008 erreichten die Grünen mit 10,43 % bzw. 20 Mandaten nur den fünften Platz und lagen hinter FPÖ und BZÖ. Ab Oktober 2012 stellte die Partei die viertgrößte Fraktion im Parlament, weil fünf Abgeordnete des BZÖ zum neu gegründeten Team Stronach wechselten und einen sechsten Parlamentsklub bildeten.

Bei der Nationalratswahl 2013 erlangten die Grünen ihr bis dahin bestes Ergebnis bei Nationalratswahlen mit 582.657 Stimmen (12,42 %) und 24 Mandaten. Analysen der Wahl (durchgeführt vom SORA-Institut) zeigen, dass die Grünen bei Personen mit hoher Bildung (Universitätsabschluss) mit 30 %, knapp vor der ÖVP, den höchsten Zuspruch aller Parteien hatten.

Am 18. Mai 2017 gab Eva Glawischnig den Rücktritt aus der Politik sowie aus ihren Funktionen als Bundessprecherin und Klubobfrau bei den Grünen bekannt. Als Klubobmann folgte ihr Albert Steinhauser nach, ihr Nationalratsmandat übernahm Barbara Neuroth. Am außerordentlichen Bundeskongress in Linz am 25. Juni 2017 wurde Ingrid Felipe zur Bundessprecherin der Grünen und Ulrike Lunacek zur Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl 2017 gewählt. Peter Pilz unterlag bei der Listenwahl gegen Julian Schmid und gründete in der Folge im Juli 2017 die Liste Peter Pilz.Grünes Duo gegen Rechtsruck bei NR-Wahl. In: Kurier, 25. Juni 2017; abgerufen am 25. Juli 2017.Grüner Bundeskongress in Linz: Pilz scheitert bei Listenwahl. In: Kurier, 25. Juni 2017; abgerufen am 25. Juli 2017. Am 28. Juli 2017 wurde auch der Wechsel der beiden grünen Abgeordneten Wolfgang Zinggl und Bruno Rossmann zur Liste Peter Pilz bekanntgegeben.Zinggl, Rossmann und Holzinger wechseln zu Liste Pilz, Der Standard am 28. Juli 2017. 2017 schieden die Grünen aus dem österreichischen Parlament aus, während die Liste Peter Pilz als neue Partei in den Nationalrat einziehen konnte. Nationalratswahl 2017 Bei der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 verloren die Grünen rund zwei Drittel ihrer Wählerschaft der vorangegangenen Wahl. 2017 erzielten die Grünen nur mehr 192.638 Stimmen oder 3,80 % und scheiterten somit an der Vier-Prozent-Hürde. Die Wählerstromanalyse des Instituts SORA ergab folgende Aufschlüsselung der Verluste: 161.000 Stimmen an die SPÖ 84.000 Stimmen an die ÖVP 67.000 Stimmen an die Liste Pilz 57.000 Stimmen an die NEOS 30.000 Stimmen an die Nichtwähler 24.000 Stimmen an die FPÖ 11.000 Stimmen an sonstige Parteien.ORF/SORA: Wählerströme 2013–2017. Abgerufen am 17. Oktober 2017

Der Politologe Peter Filzmaier konstatierte nach der Nationalratswahl 2017, dass die Grünen nie eine Stammwählerschaft hatten, sie hätten „sich über die Jahre täuschen lassen von der guten Behalterate, die sie unter den Wählern hatten.“ In einer geharnischten Stellungnahme vom 17. Oktober 2017 analysierte der Ur-Grüne Johannes Voggenhuber, 1988 bis 1991 Bundesgeschäftsführer, 1990 bis 1996 Nationalratsabgeordneter und 1995 bis 2009 MdEP, die Ursachen des Scheiterns. Er, der bei der Listenerstellung für die Europawahl 2009 von Ulrike Lunacek ausgebootet und anschließend vom Bundesvorstand nicht in die Liste für die EU-Wahl aufgenommen worden war,Der Standard (Wien): Voggenhuber zum Pilz-Rückzug: „Endlich sind sie ganz unter sich“. 26. Juni 2017 schrieb auf Facebook: „Ihr habt Euch nicht davon abhalten lassen, Versprechen, Prinzipien und Ideale der Gründerzeit in zynischer Überheblichkeit über Bord zu werfen.“

Der Bundessprecher Werner Kogler gab folgende Stellungnahme ab: „Es ist der seltsame Verdienst der Bundespartei, dass wir in einem historischen Moment versagt haben – total versagt, im Prinzip“.Der Standard (Wien): Aufräumen nach dem grünen Totalversagen. 18. Oktober 2017 In Voggenhubers und weiteren Analysen wurden folgende Gründe für das Scheitern der Grünen genannt:

Der Streit mit den Jungen Grünen im Winter 2016 und Frühjahr 2017, der zu deren Ausschluss durch die Bundespartei führte.Kurier: Das grüne Sündenregister: Was zum Absturz führte. 18. Oktober 2017 Die Durchsetzung des umstrittenen Hochhausprojekts am Wiener Heumarkt durch Maria Vassilakou gegen den Widerstand der Basis, die sich in einer bindenden Abstimmung gegen das Projekt ausgesprochen hatte. Daraufhin setzte die UNESCO die Stadt Wien auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes zur Aberkennung des Weltkulturerbe-Status. Die Nichtwahl von Peter Pilz auf den gewünschten Listenplatz und die darausfolgende Abspaltung mit der Gründung der Liste Pilz. Das Plakatsujet „Wir machen nicht Schwarz-Blau“ mobilisierte viele Wähler, die SPÖ statt die Grünen zu wählen. Die geringen Popularitätswerte der Doppelspitze aus Ingrid Felipe und Ulrike Lunacek.Die Grünen: Scharf links mit einer Kandidatin der Mitte?

Am 16. Februar 2018 wurde bekannt gegeben, dass die burgenländische Landessprecherin Regina Petrik zur Stellvertretenden Bundessprecherin ernannt wurde. Angela Stoytchev, die Landesgeschäftsführerin der Wiener Grünen, wurde zur neuen Bundesgeschäftsführerin bestellt.

Nach der Wahlniederlage bei der Nationalratswahl ging es für die Grünen nur mühsam weiter. In Niederösterreich, Tirol und Salzburg kam es zu Verlusten, in Kärnten mussten die Grünen den Landtag verlassen. In Tirol konnten die Grünen jedoch ihre Regierungsbeteiligung (in einer Koalition mit der ÖVP) halten, in Salzburg traten die Grünen in Koalitionsverhandlungen mit ÖVP und NEOS ein (die sogenannte Dirndl-Koalition). Entgegen diesem Abwärtstrend konnten die Grünen zudem am 22. April 2018 bei der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl in Innsbruck 2018 stärkste Partei werden. Der langjährige Grünen-Mandatar Georg Willi konnte sich zusätzlich bei der Bürgermeister-Stichwahl am 6. Mai durchsetzen und wurde erster grüner Bürgermeister Österreichs.

Bundespolitisch nahm die Bedeutung der Grünen jedoch weiter ab, da sie zwei ihrer vier Bundesrats-Mandate verloren und somit nicht mehr von sich aus Anfragen im Bundesrat stellen können. Zudem verloren sie ihren Klubstatus und erhalten nun keine Klubförderung mehr.

Am 5. Mai 2018 fand ein Konvent mit dem Namen „#gruenezukunft“ statt, welcher als Neubeginn der Grünen dienen soll. Im November 2018 wurde Werner Kogler am Bundeskongress in Wien zum Bundessprecher der Grünen gewählt. Er kündigte an, die Funktion für zwei Jahre auszuüben und danach an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu übergeben. Bei der Europawahl in Österreich 2019 wolle Kogler als Spitzenkandidat der österreichischen Grünen kandidieren. Außerdem wurde ein neuer Bundesvorstand gewählt, bestehend aus Bundesrätin Ewa Dziedzic, den Landtagsabgeordneten Lara Köck (Steiermark), Nina Tomaselli (Vorarlberg) und Stefan Kaineder (Oberösterreich) sowie dem Salzburger Landesgeschäftsführer Rudi Hemetsberger.Kogler zum Bundessprecher der Grünen gewählt. In: orf.at. 17. November 2018; abgerufen am 17. November 2018.

Europawahlen 2019