Eberndorf (slow. Dobrla vas) ist eine zweisprachigeA. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hrsg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340–362.A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hrsg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25–38. Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Völkermarkt in Kärnten (Österreich).

Geographie Die Gemeinde liegt im Jauntal im sich südlich der Drau erstreckenden Jaunfeld.

Gemeindegliederung Eberndorf besteht aus den acht Katastralgemeinden Buchbrunn (Bukovje), Gablern (Lovanke), Gösselsdorf (Goselna vas), Kühnsdorf (Sinča vas), Loibegg (Belovče), Mittlern (Metlova), Mökriach (Mokrije) und Pribelsdorf (Priblja vas). Das Gemeindegebiet gliedert sich in folgende 24 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Nachbargemeinden

Geschichte mini|Arkadenhof des Stifts Eberndorf Von historischer Bedeutung für die heutige Gemeinde und die Region war das Stift Eberndorf, das auf einer Stiftung des Friulaner Grafen Chazelin († vor 1106) beruhte und durch den Patriarchen von Aquileia Peregrin/Pilgrim (reg. 1132–1161) als Augustiner-Chorherrenstift gegründet wurde. Das für weite Teile des Jauntals wichtige Stift wurde im Zuge der Gegenreformation 1604 aufgelöst und durch eine Jesuitenresidenz ersetzt, die bis zur Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 bestand. 1809 wurden das Stift und der dazugehörige Grundbesitz dem Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal übergeben, das bis heute der Eigentümer ist. Die spätgotische Stiftskirche und die barocke Stiftsanlage prägen noch heute das Ortsbild.

Die Ortsgemeinde Eberndorf wurde 1850 gebildet und wuchs zunächst bis 1866 durch Eingemeindungen zur flächenmäßig größten Kärntens heran. 1876 wurden Globasnitz, Rückersdorf und Sittersdorf abgetrennt und als eigene Ortsgemeinden etabliert sowie Grabelsdorf mit St. Kanzian vereinigt. Neben der Eingliederung der Katastralgemeinde Mökriach 1944 gab es seither nur geringe Gebietskorrekturen. Das Recht zur Führung der Bezeichnung „Marktgemeinde“ wurde Eberndorf 1952 zugesprochen.

Von 1902 bis 1971 war der Ort auch mit der Vellachtalbahn (Schmalspurstrecke Kühnsdorf – Eberndorf – Eisenkappel) erreichbar. Die Bahnstrecke wurde 1971 stillgelegt und anschließend abgetragen. Einige wenige Spuren sind erhalten, so z. B. das Heizhaus des ehemaligen Bahnhofs Kühnsdorf.

mini|Pfarr- und ehemalige Stiftskirche Mariä Himmelfahrt mini|hochkant|Hauptportal der Stiftskirche Maria Himmelfahrt mini|hochkant|Hochaltar in der Stiftskirche Maria Himmelfahrt

Bevölkerung

Zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 hatte Eberndorf 6.014 Einwohner, davon besaßen 95,5 % die österreichische und 2,5 % die bosnische Staatsbürgerschaft. 8,6 % gehörten der slowenischsprachigen Volksgruppe an. mini|Propsthof mini|Wappenstein über dem Süd-Portal vom Propsthof

Religion Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 89,4 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 2,6 %, zum Islam 2,3 %. Ohne religiöses Bekenntnis sind 4,1 % (Stand: Volkszählung 2001).

Die Gemeinde Eberndorf ist in drei Pfarren gegliedert: Pfarre Eberndorf (župnija Dobrla vas) Pfarre Edling (župnija Kazaze) Pfarre Kühnsdorf (župnija Sinča vas)

Der slowenische Dialekt Eberndorf/Dobrla vas zählt zum slowenischen Dialektgebiet des Jauntales (slow. Podjunsko narečje)Smole, Vera. 1998. „Slovenska narečja.“ Enciklopedija Slovenije vol. 12, pp. 1–5. Ljubljana: Mladinska knjiga, p. 2., der zur Kärntner slowenischen Dialektgruppe gehört.Toporišič, Jože. 1992. Enciklopedija slovenskega jezika. Ljubljana: Cankarjeva založba, p. 183. Bezeichnend ist, dass auch Sitz des Jauntaler Dekanats Eberndorf/Dobrla vas ist.Štefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales: Dekanat Eberndorf, Klagenfurt/Celovec 1979

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Filialkirche Unsere Liebe Frau am Holmberg

Pfarr- und ehemalige Stiftskirche Maria Himmelfahrt Das Stift Eberndorf wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. 1446–1476 wurde das Kloster mit einem Wall versehen und durch einen Graben gesichert. 1723 fiel das Stift einem Großbrand zum Opfer. Seine heutige Gestalt erhielt es 1751. Katholische Pfarrkirche Edling hl. Veit Katholische Pfarrkirche Kühnsdorf hl. Ägidius Slowenisches Kulturhaus (Kulturni dom) Südkärntner Sommerspiele: Theater im Stiftshof Eberndorf, Kärnten, Juli–August, Komödienraritäten-Komödienspezialitäten. Marktkapelle Eberndorf-Kühnsdorf Sing4Fun Chor & Band Werkstatt Jagdhornbläsergruppe Südkärnten Naturdenkmal Sablatnigmoor – Zablaško blato

Einrichtungen und Vereine Stiftskindergarten Eberndorf Jugendzentrum / mladinski center Regenbogen Mehrsprachiger privater Kindergarten / Večjezični zasebni otroški vrtec Mavrica Slowenischer Kulturverein Srce (slow. Slovensko prosvetno društvo Srce)

Das slowenische Vereins- und Kulturleben mini|Filialkirche hl. Geist am Holmberg Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Eberndorf mit seiner Umgebung noch ein weitestgehend slowenischsprachiger Ort. Das organisierte Vereinsleben der Slowenen blühte in jener Zeit in der Gegend auf, so dass der slowenische Kyrill und Method-Schulverein Družba sv. Cirila in Metoda (CMD) etwa 1888 in Abtei, 1890 für Pribelsdorf und Umgebung und 1908 in Sankt Margareten im Rosental Zweigvereine gründete.

1907 kam es zur Gründung des Bildungsvereines Trta in Sittersdorf/Žitara vas. 1904 wurde der Verein Društvo „Gorotan“ sowie 1910 ein Zweigverein der Pfarre Podružnica župnija Dobrla ves „Slovenske Straže“ (Slowenische Wacht) gegründet. Gleichzeitig erhielt das slowenische Chorwesen einen bedeutenden Aufschwung, und insbesondere die Kirchenchöre wurden wichtige Träger der slowenischen Sprachkultur. Wer im Chor sang, konnte gutes Schriftslowenisch.

Besondere Bedeutung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region, der Menschen und der Sprache kommt der 1890 in Kühnsdorf gegründeten Hranilnica in posojilnica (Spar- und Darlehenskasse)Posojilnica Bank Podjuna: zu, die insbesondere auch die Kulturarbeit förderte.Ursula K. Sienčnik: Izobraževalno delo slovenskih kulturnih društev na Koroškem s posebnim poudarkom na SPD „Srce“ v Dobrli vasi, (Dipl.-Arb.). Wien 2011, 26 f.Sie ist heute bekannt unter dem Namen Posojilnica Bank Podjuna und hat Zweigstellen in Eberndorf, Völkermarkt, Kühnsdorf sowie eine Selbstbedienungseinrichtung in St. Primus. Vgl.

Slowenischer Kulturverein „Srce“ Am 25. März 1906 wurde der slowenische Bildungsverein Katoliško izobraževalno društvo Dobrla ves auf Betreiben des Gründers der Posojilnica (Darlehenskasse) und Bürgermeisters Janez Šumah sowie des Kaplans Ivan Kogelnik, als Vorgängerorganisation des Slovensko prosvetno društvo „Srce“ (Slowenischer Kulturverein „Srce“) gegründet. Bedeutende Wirkungsbereiche waren das Laienschauspiel, die Bildungsarbeit, die Förderung der Lesekultur durch die vereinseigene Bibliothek sowie das Tamburizzaspiel im Chor. 1909 wurde die Turnsektion Orel (Adler) gegründet. 1913 wurde die Paternuž-Wirtschaft erworben, um darauf das Kulturhaus Kulturni dom zu errichten. Wegen des Ersten Weltkrieges wurde es jedoch erst nach dem Ende des Krieges fertiggestellt. Die Zwischenkriegszeit, ab den 1920er Jahren, war von zahlreichen Diskriminierungen und Schikanierungen geprägt, das Vereinshaus eingezogen. Schließlich wurden alle slowenischen Vereine verboten, das Vermögen enteignet bzw. kulturelle Werte zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 der Verein unter dem heute noch weithin bekannten Namen Slovensko prosvetno društvo „Srce“ (Slowenischer Kulturverein „Srce“) wiedergegründet. Seitdem ist der Verein eine der tragenden Säulen des Kulturlebens in der Gemeinde.Slovensko prosvetno društvo (Hrsg.): Na poti skozi čas. Kultura v Dobrli vasi in okolici skozi 100 let. Celovec 2006; http://volksgruppenv1.orf.at/slowenen/aktuell/stories/57648/

Sport Gösselsdorfer Volkstriathlon (Mitte Juli) Sportklub Kühnsdorf/Klopeinersee Fußballclub EAC gegründet 1958 Fußballclub ASKÖ Mittlern gegründet 1958

Kunst und Musik Am Kreisverkehr der westlichen Ortseinfahrt steht die 1999 errichtete kinetische Skulptur Einhorn des Künstlers Tomas Hoke. Die rund 6,5 Meter hohe Skulptur aus Stahl und Edelstahl nimmt Bezug auf das Einhorn im Wappen Eberndorfs; das bewegliche Horn wird durch den Wind bewegt.

Im Stift Eberndorf befindet sich die Galerie Stift Eberndorf, die in den historischen Räumlichkeiten des Stifts zeitgenössische Kunst präsentiert. Im Juni 2025 wurde der adaptierte historische Pferdestall als Veranstaltungsraum eröffnet. Die Eröffnung fand am 21. Juni 2025 mit einer Vernissage des Künstlers Edwin Wiegele statt.

Die SONUS Musikwerkstatt ist eine jährlich stattfindende musikalische Workshopwoche am Campus AdFontes in Eberndorf, bei der gemeinsam musiziert und an musikalischen Projekten gearbeitet wird.

Regelmäßige Veranstaltungen Josefimarkt (März) Salamifest (August) Jauntaler Adventmarkt im Stift (Dezember)

Wirtschaft Die Einrichtungshäuser der Rutar Group haben ihren Sitz in Eberndorf.

Wirtschaftssektoren Im Jahr 2010 waren von den 186 landwirtschaftlichen Betrieben 132 Nebenerwerbsbetriebe. Diese bewirtschafteten 56 Prozent der Flächen. Rund 60 Prozent der Produktionsbetriebe waren im Baugewerbe tätig. Knapp ein Drittel der Beschäftigten im Dienstleistungssektor arbeitete im Handel, etwa ein Viertel im Bereich soziale und öffentliche Dienste und zehn Prozent in Beherbergung/Gastronomie (Stand 2011). Wirtschaftssektor Anzahl Betriebe Erwerbstätige2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)1862189975Produktion5453404561Dienstleistung27421811341149 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999 Arbeitsmarkt, Pendeln Eberndorf ist eine Pendlergemeinde. Von den 2.667 Erwerbstätigen, die 2011 in der Gemeinde lebten, arbeiteten 749 im Ort und über siebzig Prozent pendelten aus. Dafür kamen 888 Menschen aus der Umgebung zur Arbeit nach Eberndorf.

Fremdenverkehr Wie für den Bezirk typisch, ist die Gemeinde vor allem im Sommer ein Ziel für Touristen. Mehr als 84 Prozent der Übernachtungen erfolgen in den Monaten Juni, Juli und August. In den Jahren 2010 bis 2019 sank die Anzahl der Übernachtungen um dreißig Prozent. mini|Neuer Bahnhof Kühnsdorf-Klopeiner See

Verkehr Eisenbahn: Durch den Norden des Gemeindegebietes verlief die Drautalbahn. Diese wurde durch eine neutrassierte Strecke ersetzt, die Teil der Koralmbahn ist. An dieser Strecke befindet sich der neue Bahnhof Kühnsdorf Klopeiner See, der den vorherigen Bahnhof, etwa 700 Meter entfernt, ablöst. Weiters gibt es auf dieser Strecke den Nahverkehrshalt Mittlern. Straße: Die wichtigste Straße ist die Seeberg Straße, die im Norden eine Anbindung nach Völkermarkt und an die Süd Autobahn A2 herstellt.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 23 Mitgliedern.

Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 1997: SPÖ 11, FPÖ 5, ÖVP 5, EL 2. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2003: SPÖ 14, ÖVP 5, EL 3, FPÖ 3, UBL 20803 2. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2009: SPÖ 12, BZÖ 7, ÖVP 4, Team Kramer 4. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2015: SPÖ 12, ÖVP 5, EL/Team Kramer 3, FPÖ 3. Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2021: SPÖ 11, ÖVP 8, TEAMK 2, FPÖ 2.

Bürgermeister

1982–2009 Josef Pfeifer (SPÖ) 2009–2021 Gottfried Wedenig (SPÖ) seit 2021 Wolfgang Stefitz (SPÖ)

Wappen