Der Turn- und Sportverein München von 1860 e. V., kurz TSV 1860 München oder 1860 München, oft auch als Münchner Löwen, 1860, Sechzig oder Sechzger bezeichnet, ist ein Sportverein aus der bayerischen Landeshauptstadt München. Der im Stadtteil Giesing beheimatete Verein wurde am 15. Juli 1848 erstmals gegründet. Nach einem Verbot wegen „republikanischer Umtriebe“ gründete er sich am 17. Mai 1860 erneut. Die Gründung der Fußballabteilung erfolgte am 25. April 1899. Die Farben des Vereins sind Grün-Gold, bekannter ist jedoch das Weiß-Blau der Fußballabteilung. Der Verein hat über 30.000 Mitglieder (Stand: September 2026) und zählt damit zu den mitgliederstärksten Sportvereinen Deutschlands.
Nationale und selbst europaweite Bekanntheit erwuchs dem bis dahin noch vor dem Erzrivalen FC Bayern stärksten Verein Münchens vor allem in den 1960er-Jahren, als die Fußballmannschaft nicht nur den DFB-Pokal 1963/64 und 1966 die deutsche Fußballmeisterschaft gewann, sondern 1965 auch bis in das Finale des Europapokals der Pokalsieger vordrang, dort aber vor der Rekordkulisse von 100.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion West Ham United mit 0:2 unterlag. Zudem können die Fußballer auf zwei Vizemeisterschaften (1931 und 1967) und einen ersten Pokalerfolg im Kriegsjahr 1942 verweisen.
Die Geschäfte der Profimannschaft sowie der U21 und der A-Junioren wurden von 2002 bis 2026 durch die aus dem Gesamtverein ausgegliederte TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA geführt. 60 Prozent der Aktien gehörten ab 2011 der HAM International Limited des jordanischen Geschäftsmanns Hasan Ismaik. Die restlichen Aktien hielt der Verein. Die zur Geschäftsführung berechtigte und voll haftende Komplementärin war die TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH, deren Anteile vollständig vom Verein gehalten wurden. Nach dem Zwangsabstieg aus der 3. Liga im Anschluss an die Saison 2025/26 kündigte der TSV 1860 München e. V. den Kooperationsvertrag mit der HAM International Limited, womit das Spielrecht seit der Saison 2026/27 wieder beim TSV 1860 München e. V. liegt. Dieser gliederte kurz darauf den Spielbetrieb in die TSV München von 1860 Spielbetriebs-GmbH aus.
Auch wenn 1860 München hauptsächlich als Fußballverein wahrgenommen wird, hat der Verein weitere Abteilungen, die teilweise große Erfolge erreichten. So holten TSV-Sportler dreimal olympisches Gold und hunderte deutsche Meistertitel.
Kurzhistorie 1848: Gründung des Vereins (15. Juli) 1860: Wiedergründung des Vereins (17. Mai) 1899: Gründung der Fußballabteilung (25. April) 1926: Bauende des Stadions an der Grünwalder Straße (Zisch-Stadion) 1931: Deutscher Vizemeister 1934: Eingliederung des Sportvereins von 1860 in den Turnverein von 1860, Name seitdem Turn- und Sportverein München von 1860 (6. März) 1942: Deutscher Pokalsieger 1945: Gründungsmitglied Oberliga Süd (1. Liga) 1948: Süddeutscher Vizemeister 1955 + 1957 Süddeutscher Zweitliga-Meister und Aufstieg in die Oberliga Süd (1. Liga) 1963: Süddeutscher Meister und Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga 1964: Deutscher Pokalsieger 1965: Finalist im Europapokal der Pokalsieger 1966: Deutscher Meister und Teilnahme am Europapokal der Landesmeister 1967: Deutscher Vizemeister 1970: Abstieg in die Regionalliga (damalige 2. Liga) 1972: Umzug in das neu errichtete Olympiastadion 1973: Zuschauerrekord 90.000 Zuschauer im Olympiastadion 1860 – FC Augsburg 1974: Gründungsmitglied der 2. Fußball-Bundesliga 1976: Rückkehr in das Stadion an der Grünwalder Straße 1977–1978: Vizemeister 2. Bundesliga Süd und Aufstieg in die Bundesliga, am Saisonende direkter Wiederabstieg 1979: Süddeutscher Meister und erneuter Aufstieg in die Bundesliga 1982: Lizenzentzug mit Zwangsabstieg in die Amateuroberliga (3. Liga) 1992–1994: Durchmarsch von der 3. bis in die 1. Liga 1996: Deutscher Hallenmeister, Qualifikation für den UEFA-Pokal 2000: Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League 2001: Mitgründer der Allianz Arena 2002: Ausgliederung von Teilen der Fußballsparte in eine GmbH & Co. KGaA 2004: Präsident Wildmoser tritt nach seiner Untersuchungshaft zurück, Nachfolger wird Karl Auer 2004: Abstieg in die 2. Bundesliga und erneute Rückkehr in das Grünwalder Stadion 2005: Umzug in die neu errichtete Allianz-Arena 2006: Zuschauerrekord in der 2. Bundesliga mit 41.932 Zuschauern im Durchschnitt pro Spiel 2011: Verkauf von 60 Prozent der KGaA-Anteile (davon 49 Prozent stimmberechtigt) an den Investor Hasan Ismaik 2015: Relegationsspiele um den Verbleib in der 2. Bundesliga erfolgreich gestaltet 2017: Sportlicher Abstieg aus der 2. Bundesliga, Lizenzverweigerung für die 3. Liga und damit Abstieg in die Regionalliga Bayern (4. Liga), erneute Rückkehr in das Grünwalder Stadion 2018: Meisterschaft in der Regionalliga Bayern und Aufstieg in die 3. Liga 2020: Bayerischer Toto-Pokalsieger 2026: Lizenzverweigerung für die 3. Liga und damit Abstieg in die Regionalliga Bayern (4. Liga); Kündigung des Kooperationsvertrags mit Ismaik durch den e. V., dadurch Spielrecht wieder beim e. V. und Ausgliederung in neue Spielbetriebs-GmbH
Geschichte Dieser Abschnitt stellt hauptsächlich die Geschichte des Hauptvereins und der Fußballabteilung dar, historische Daten und Ereignisse anderer Abteilungen sind in den jeweiligen Abschnitten der Abteilungen zu finden. Ein Überblick über alle Platzierungen der ersten Fußballmannschaft ist unter Saisonbilanzen des TSV 1860 München zu finden.
1848 bis 1933: Anfänge des Vereins Erstmals gegründet wurde der Verein als Münchner Turnverein am 15. Juli 1848 im Saal der „Buttleschen Brauerei zum Bayerischen Löwen“,Geschichte der Löwen. auf tsv1860.org. Abgerufen am 15. April 2012. um nur ein Jahr später (1849) wegen „republikanischer Umtriebe“ gleich wieder verboten zu werden. Die erneute offizielle Gründung fand am 17. Mai 1860 statt, gefolgt von der Umbenennung in Turnverein München von 1860 im Jahre 1889. Zehn Jahre später, am 25. April 1899, wurde die Fußballabteilung der Löwen gegründet, die jedoch erst drei Jahre später, am 27. Juli 1902, erstmals ein öffentliches Spiel mit einer anderen Mannschaft ausrichtete, sie unterlag dem 1. Münchner FC 1896 mit 2:4.
1911 wurde das gepachtete Grundstück an der Grünwalder Straße zur neuen Heimspielstätte des Vereins, auf dem wiederum 1926 das nach dem damaligen Präsidenten benannte Heinrich-Zisch-Stadion für bis zu 40.000 Zuschauer fertiggestellt wurde.
1931 erreichte die Mannschaft erstmals das Finale der deutschen Meisterschaft, wo sie Hertha BSC unterlag. Hertha BSC – TSV 1860 München 3:2 (1:2) Austragungsort Müngersdorfer Stadion Köln, 14. Juni 1931, 50.000 Zuschauer Hertha BSC Paul Gehlhaar – Willi Völker, Rudolf Wilhelm – Hans Appel, Ernst Müller, Alfred Stahr – Hans Ruch, Hanne Sobek, Bruno Lehmann, Willi Kirsei, Hermann Hahn TSV 1860 München Alfred Riemke, Max Schäfer, Josef Wendl, Ludwig Stock, Alois Pledl, Fritz Eiberle, Ludwig Stiglbauer, Ludwig Lachner, Anton Huber, Otto Oeldenberger, Gustav Thalmeier Tore 0:1 Oeldenberger (24.), 1:1 und 2:2 Hanne Sobek (44., 75.), 1:2 Ludwig Lachner (45.), 3:2 Willi Kirsei (89.) Schiedsrichter Fissenewerth (Mönchengladbach)
1933 bis 1945: Der TSV im Nationalsozialismus Im Vergleich zum damals als „Judenclub“ geschmähten FC Bayern zählten die Münchner Löwen „zu den wenigen großen Fußballvereinen, die schon vor 1933 eine deutliche Affinität zum erstarkenden Nationalsozialismus zeigten.“Anton Löffelmeier: Die „Löwen“ unterm Hakenkreuz. Der TSV von 1860 München im Nationalsozialismus. Die Werkstatt, Göttingen 2009, ISBN 3-89533-645-9. Als einer der „nationalsozialistischen Vorzeigevereine“ (neben Werder Bremen und dem VfB Stuttgart) übernahmen bei den Löwen Nationalsozialisten wie die NSDAP- und SA-Mitglieder Fritz Ebenböck, Sebastian Gleixner und Emil Ketterer zudem fast alle hohen Ämter im Verein. So wurde schon im September 1933 in einer Hauptversammlung des Turnvereins die Umsetzung des Führerprinzips beschlossen. Kurz daraufhin löste sich der gesamte übrige Sportverein auf und schloss sich im März 1934 mit allen seinen Abteilungen dem nationalsozialistisch geprägten Turnverein unter dem Namen „Turn- und Sportverein München von 1860“ an.Historisches Lexikon Bayerns: TSV München von 1860 Historisches Lexikon Bayerns – TSV München von 1860 Die „Fusion“ wurde durch die Hauptversammlung am 6. März 1934 bestätigt. Unter dem neuen Vereinsleiter, dem SA-Sturmbannführer Fritz Ebenböck, wurde zudem eine neue Einheitssatzung beschlossen, welche auch die Übernahme eines Arierparagraphen mit einschloss. Das bedeutete den endgültigen Ausschluss für die wenigen noch verbliebenen jüdischen oder „nicht-arischen“ Vereinsmitglieder des TSV. Während die Fußballer des TSV zunächst noch erfolgreich die Besetzung ihrer Abteilung durch Nationalsozialisten verhindern konnten, übernahm mit dem NSDAP-Stadtratsmitglied Sebastian Gleixner „einer der rücksichtslosesten Rädelsführer der NSDAP in München“ später ein hoher NS-Funktionär das Amt des Fußballabteilungsleiters.
Dabei halfen vor allem die Beziehungen zur NSDAP dem Club, sich in den 1930er Jahren vor der Insolvenz zu retten.Nils Havemann: Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz. Campus, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-593-37906-6.
Bis in die 2000er-Jahre beschränkte sich die Selbstdarstellung des Vereins über diese Zeit rein auf das sportliche Geschehen, der politische Hintergrund wurde nicht angesprochen. Auch heute wird die NS-nahe Rolle des TSV 1860 während der NS-Zeit auf den offiziellen Internetseiten der Profifußballabteilung noch immer nicht erwähnt.Profifußballabteilung des TSV 1860 München: Stand: 20. Juli 2011. (Internet-Archiv) Allerdings unterstützt der Verein heute die seit 1995 existierende Fangruppierung „Löwenfans gegen Rechts“ und auch das zeitkritische Buchprojekt „Die Löwen unterm Hakenkreuz“.Klaus Vick: Fanprojekt in München. Bayern und Löwen vereint gegen Rassisten: Rot und Blau gegen Braun. Münchner Merkur. 23. März 2018, abgerufen am 25. März 2018.
1942 wurde mit dem Gewinn des Tschammerpokals der erste Titel auf DFB-Ebene errungen.
1945 bis 1963: Nachkriegszeit und Qualifikation zur Bundesliga
Nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete sich das sportliche Schicksal des TSV 1860 zunächst wechselhaft. 1945 war er Gründungsmitglied der neugeschaffenen Oberliga Süd und nahm 1948 als Süd-Vizemeister an der ersten Endrunde zur deutschen Fußballmeisterschaft nach dem Krieg teil, schied allerdings bereits in der Vorrunde gegen den 1. FC Kaiserslautern aus. Dies wurde vorerst die letzte Endrunden-Teilnahme des TSV 1860; erst an der letzten Endrunde vor Einführung der Bundesliga 1963 nahm er wieder teil. Nach dem Abstieg aus der Oberliga Süd 1953 verbrachte er mehrere Jahre in der damaligen 2. Liga Süd (1953–55 und 1956/57), ehe der TSV ab 1957 wieder ununterbrochen in der Oberliga Süd spielte. 1961 übernahm Max Merkel die Mannschaft und führte sie gerade zur wichtigen Einführung der Bundesliga zur Meisterschaft in der Oberliga Süd, wodurch sie sich für die neugegründete Bundesliga qualifizierte.
In der Oberliga Süd wurden insgesamt fünf Plätze für die neue Liga nach einer Zwölfjahreswertung vergeben, wobei sich die Meister der letzten Oberliga-Saison 1962/63 der fünf Oberliga-Staffeln in jedem Fall qualifizierten. Punkte der Zwölfjahreswertungder Kandidaten der Oberliga Südfür die Bundesliga 1. 1. FC Nürnberg 447 2. Eintracht Frankfurt 420 3. Karlsruher SC 419 4. VfB Stuttgart 408 5. Kickers Offenbach 382 6. FC Bayern München 288 7. TSV 1860 München 229 8. VfR Mannheim 227 9. SpVgg Fürth 224 10. 1. FC Schweinfurt 05 185 11. FC Bayern Hof 90 12. TSV Schwaben Augsburg 61 13. KSV Hessen Kassel 36
1963 bis 1970: Meisterschaft und Europapokal-Finale Saisonbilanzen 1963–1970