mini|Porta Nigra, ehemaliges Stadttor in Trier, 170 n. Chr. mini|hochkant|Die Nachtwache prüft die Verkaufslegitimation einer Händlerin vor dem Einlass durch das Stadttor (romantisierende Genremalerei von Anton Seitz, 1857) mini|hochkant|Löwentor in Mykene, 13. Jh. v. Chr. mini|hochkant|Altpörtel, Speyer mini|hochkant|Das spätgotische Bayertor in Landsberg am Lech mini|hochkant|Ostentor, Regensburg, um 1300
Stadttore waren meist durch Türme besonders verstärkte Durchlässe durch die ringförmigen Stadtmauern von Städten. Tore, Türme und Mauern dienten dazu, den Stadtkern vor dem Eindringen von Feinden zu schützen. Torartige Durchlässe gab es auch schon in den ummauertem römischen Militärlagern wie in Mainz und Regensburg. Der Bau von schützenden Stadtmauern und Stadttoren begann in manchen Städten schon im Mittelalter wie im Fall der Stadtbefestigung Regensburg. Erneuerungen bzw. Erweiterungen und Verbesserungen begannen nach 1300 und dauerten – je nach militärischen Erfordernissen – bis zur frühen Neuzeit an, als am Beginn des 17. Jahrhunderts der beginnende Dreißigjährige Krieg neue Anforderungen an die Stadttore und Stadtmauern stellte.
Beschreibung Schon im Mittelalter wurden die Stadtmauern zusätzlich durch einen vorgelagerten Stadtgraben und ein Zwingergelände geschützt. Neben dem eigentlichen Stadttor, das vom Zwingergelände in die Stadt führte, wurde dann noch ein zweites Tor benötigt, das als Brückentor über den Stadtgraben in den Zwinger führte. Wenn sich, wie in Regensburg im Fall des Jakobstores, nur das Brückentor erhalten hat, wird dieses viel kleinere Tor als das Stadttor angesehen.
Der Durchgang durch das eigentliche Stadttor in die Stadt wurde zusätzlich geschützt durch herablassbare Holz- oder Eisengitter oder durch mächtige Eichentüren. In manchen Städten, zum Beispiel in Leipzig, wurden die Namen der ankommenden Reisenden bei der Abfertigung an den Toren täglich in einem Verzeichnis, dem „Torzettel“, veröffentlicht.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden in vielen Städten die Stadtmauern und auch Stadttore abgebrochen, wenn sie der Öffnung und der baulichen Erweiterung der Städte und dem zunehmenden Verkehr im Wege waren. Es wurden aber auch repräsentative Stadttore ohne militärische Funktion neu errichtet, die zur Erhebung von Zöllen dienten oder als sogenannte „Torsperren“ („kurz vor Toresschluss“), die Nachtruhe in der Stadt gewährleisten sollten. Manche dieser Tore waren in klassischer und repräsentativer Bauweise gestaltet und dienten auch der Repräsentation, wie das Brandenburger Tor in Potsdam. Auch Torsperren dieser Art wurden zum Ende des 19. Jahrhunderts aufgehoben.
Heute können erhaltene Stadttore Wahrzeichen einer Stadt und Anziehungspunkt für Touristen sein, wie die Porta Nigra (170 n. Chr.) in Trier, die Porta Prätoria (179 n. Chr.) in Regensburg oder das Brandenburger Tor am Pariser Platz in Berlin. Einige Tore – wie das mittelalterliche Ostentor in Regensburg und bauliche Relikte in dessen unmittelbarer Umgebung lassen noch die Zustände im Dreißigjährigen Krieg erkennen.
Andere ehemalige Standorte von Toren sind zu wichtigen städtischen Plätzen geworden, auch wenn die entsprechenden Torgebäude nicht mehr vorhanden sind.
Stadttore (Auswahl) Europa in chronologischer Reihenfolge:
Löwentor (13. Jahrhundert v. Chr.) in Mykene, Griechenland Porta Nigra (170 n. Chr.) in Trier, Deutschland Porta Prätoria (179 n. Chr.) in Regensburg, Deutschland Nordtor (3. Jahrhundert) in Köln, Deutschland Porta San Paolo (4. Jahrhundert), in Rom, Italien Goldenes Tor (1017–1024, rekonstruiert) in Kiew, Ukraine Westertor (um 1150, mehrmals wiederaufgebaut) in Memmingen, Oberschwaben in Bayern Goldenes Tor (1164, rekonstruiert) in Wladimir, Russland Martinstor (1202) und Schwabentor (1250) in Freiburg im Breisgau, Deutschland Rotes Tor (1223) in Augsburg Wienertor (1225/65) in Hainburg an der Donau, Österreich Eigelsteintorburg (1228–1248), Hahnentorburg (Anfang 13. Jahrhundert) Severinstorburg (Anfang 13. Jahrhundert) in Köln, Deutschland Deutsches Tor (1230) der Festung Metz, Frankreich Marschiertor (um 1257) und Ponttor (14. Jahrhundert) in Aachen, Deutschland Kröpeliner Tor (um 1270) in Rostock, Deutschland Berliner Tor um 1270 Templin (Brandenburg), Deutschland Ostentor (um 1280) in Regensburg, Deutschland Gevangenpoort (1296) in Den Haag, Niederlande Emmeramer Tor (um 1300) in Regensburg, Deutschland Jakobstor (um 1300) in Regensburg (erhalten sind aber nur die neugotisch überformten Flankentürme des ehemaligen Brückentores, während das eigentliche Stadttor) abgebrochen wurde, weil es mitten auf der Straße den Verkehr behinderte Tangermünder Tor (13. Jahrhundert) und Uenglinger Tor in Stendal, Deutschland Linzertor (13. Jahrhundert) in Freistadt, Österreich Johannistor (1304) in Jena, Deutschland Altpörtel (13./16. Jahrhundert) in Speyer, Deutschland Stargarder Tor (1311), Treptower Tor, Friedländer Tor, Neues Tor an der Stadtmauer von Neubrandenburg, Deutschland Florianstor (Anfang 14. Jahrhundert) in Krakau, Polen Hexenturm (Anfang 14. Jahrhundert) in Jülich, Deutschland Isartor (1337) in München, Deutschland Amsterdamer Tor (1355) in Haarlem, Niederlande Wertachbrucker Tor (1370), erhöht (1605) in Augsburg Kreuztor (1385) in Ingolstadt, Deutschland Klever Tor (1393) in Xanten, Deutschland Spalentor (14. Jahrhundert) und St. Alban-Tor (1362) in Basel, Schweiz Fahrtor (14. Jahrhundert) in Frankfurt am Main, Deutschland Steintor (14. Jahrhundert) in Goch, Deutschland Eschenheimer Turm (1400–1428) am heutigen Platz mit dem Namen Eschenheimer Tor in Frankfurt am Main, Deutschland Bayertor (1425) in Landsberg am Lech, Deutschland Krantor (1442–1444) in Danzig, Polen Grendeltor (um 1445) in Zürich, Schweiz Vogeltor (1445) in Augsburg Fünfgratturm (1454) in Augsburg Mühlentor (Mitte 15. Jahrhundert) in Stargard, Polen Holstentor (1478) in Lübeck, Deutschland Sint Antoniespoort (1488) im Amsterdam, Niederlande Ausfahrt an der Möllenvogtei (1493) in Magdeburg, Deutschland Jerusalemer Tor (1503) in Büdingen, Deutschland Karlstor (1569/70) in St. Gallen, Schweiz Osthofentor (1594–1603) in Soest, Deutschland Nordertor (um 1595) in Flensburg, Deutschland Wassertor (1613) in Sneek, Niederlande Herrieder Tor (1750/51) in Ansbach, Deutschland Karlstor (1775 bis 1781) in Heidelberg, Deutschland Nauener Tor (1755) in Potsdam, Deutschland Brandenburger Tor (Potsdam) 1770–1771 in Potsdam, Deutschland Otschakiwtor (1783), Cherson, Ukraine Brandenburger Tor (1788–1791) in Berlin, Deutschland
Außerhalb Europas in chronologischer Reihenfolge:
Ischtar-Tor (605–562 v. Chr.) von Babylon, Rekonstruktion im Vorderasiatischen Museum in Berlin Gate of China (14. Jahrhundert) in Nanjing Tore der Jerusalemer Altstadt: Damaskustor (1535–1536), Herodestor, Löwentor (1538–1539, auch Stephanstor), Goldenes Tor, Dungtor (1538–1540, auch Misttor), Zionstor (1540), Jaffator (1530–1540), Neues Tor (1889) Stadttore von Qazvin, in Qazvin, Iran, teilw. aus der Kadscharenzeit
Bekannte Torplätze mini|Steintorturm in Halle
Berliner Tor, Deichtor, Dammtor, Millerntor in Hamburg Steintor und Aegidientorplatz in Hannover Steintor in Halle (Saale) Hallesches Tor, Kottbusser Tor in Berlin sowie alle Tore entlang der Berliner Zollmauer Eschenheimer Tor in Frankfurt am Main Schottentor in Wien Holstentorplatz in Lübeck
Stadttor ist auch der Name eines stadttorähnlich gebauten und 1998 fertiggestellten Bürogebäudes in Düsseldorf.
Siehe auch Torburg (gesondert befestigtes Tor einer Burg oder Stadtmauer) Liste ehemaliger Stadttore in Hamburg Liste der Stadttore und Wehrtürme in Mecklenburg-Vorpommern Liste der Stadttore und Wehrtürme in Sachsen-Anhalt Liste der Stadttore und Wehrtürme in Brandenburg
Stadttore von Dresden
Literatur Johann Frischeisen und Wilma Dommel: Torbauten in Mittelfranken. München 1989 Udo Mainzer: Stadttore im Rheinland. Neuss 1975 Werner Meyer: Deutsche Burgen, Schlösser und Festungen. Gondrom 1979, ISBN 3-8112-1159-5. Hartwig Neumann: Festungsbaukunst und Festungsbautechnik. Bernard & Graefe, Bonn 1988, ISBN 3-7637-5929-8. Heinrich Trost: Norddeutsche Stadttore zwischen Elbe und Oder (Schriften zur Kunstgeschichte, Heft 5). Berlin 1959
Weblinks
Kategorie:Bauform (Tor) Kategorie:Stadtbaugeschichte