Straubing ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Niederbayern in Ostbayern mit 49.775 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2023). Im späten Mittelalter war die Stadt neben München, Landshut und Ingolstadt eine der Hauptstädte der bayerischen Teilherzogtümer, was sich in der Architektur bis heute widerspiegelt. Heute ist Straubing eines der vier niederbayerischen Oberzentren und Verwaltungssitz der Planungsregion Donau-Wald. Die Mittelstadt ist Sitz des Landratsamtes Straubing-Bogen und die größte Stadt im Gäuboden.
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt im Zentrum des fruchtbaren Gäubodens an der Donau.
Stadtgliederung, Stadtgebiet und Nachbargemeinden In Ost-West-Richtung hat die Stadt eine Ausdehnung von 13,5, in Nord-Süd-Richtung von 9,2 Kilometern.
Straubing ist nicht in Stadtbezirke unterteilt. Im Rahmen der Gebietsreform in Bayern wurden zwischen 1972 und 1976 die Nachbargemeinden Alburg (mit Kay), Ittling (mit Eglsee), Kagers (mit dem Weiler Öberau), Hornstorf (mit Sossau) und der südliche Teil der Gemeinde Unterzeitldorn eingemeindet (der nördliche Teil der Gemeinde Unterzeitldorn wurde nach Parkstetten eingegliedert und ging in der Gemarkung Parkstetten auf). Seitdem besteht die Stadtgemeinde Straubing aus 26 Gemeindeteilen.
In der Stadt Straubing gibt es die sechs Gemarkungen Alburg, Hornstorf, Ittling, Kagers, Straubing und Unterzeitldorn, die, mit Ausnahme von Unterzeitldorn, im Wesentlichen den früheren Gemeindegebieten entsprechen. Die Gemarkung Straubing entspricht der Fläche der Stadt Straubing vor der Gebietsreform.
Das Stadtgebiet Straubings erstreckt sich entlang der Donau in Ost-West-Richtung, wobei sich der Großteil südlich der Donau befindet. Nördlich der Donau liegen die Gemeindeteile Hornstorf, Sossau und Unterzeitldorn, sowie der Bereich der Öberauer Donauschleife mit Öberau und Breitenfeld und zwischen Alter Donau und Donau der Gemeindeteil Gstütt. mini|hochkant=1.4|links|Gemarkungen der Stadt Straubing mini|Straubing von Norden; mittig die Basilika St. Jakob, links davon der markante Stadtturm, rechts der Turm der Jesuitenkirche „Aufnahme Mariens in den Himmel“
mini|Karte der Stadt Straubing
Gemarkungs-schlüssel Gemarkung FlächeBayerisches Landesamt für Digitalisierung, Breitband, und Vermessung: Gemarkungen im Shape-Format. Stand ca. 2019. Fläche: Ellipsoid — EPSG:7019, Stand ca. 2019. Summenwert (67,59) ist wegen Rundungsdifferenzen niedriger als Summe der nachgewiesenen Flächen (67,60)km² EinwohnerZensus2011-05-09Geoindex. Die Summe für die Stadt Straubing beträgt 44488 und weicht damit leicht ab vom Zensus-Ergebnis 44508. Gemeindeteile5612 Unterzeitldorn 1,57 155 Unterzeitldorn, Gollau5622 Kagers 6,40 904 Kagers, Breitenfeld, Öberau5623 Hornstorf 3,60 408 Hornstorf, Sossau5624 Alburg 21,86 3781 Alburg, Harthof, Kay, Lerchenhaid, Mooshäusl, Oberast, Ringenberg, Wimpasing5625 Straubing 19,84 34136 Straubing, Frauenbründl, Gstütt, Im Königreich, Mitterast5626 Ittling 14,33 5124 Ittling, Gut Eglsee, Haid, Hofstetten, Oberöbling, Unteröbling Stadt Straubing 67,59 44488
Das Stadtgebiet ist vollständig vom Landkreis Straubing-Bogen umschlossen. Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Straubing (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Kirchroth, Parkstetten, Bogen, Aiterhofen, Feldkirchen, Geiselhöring, Perkam, Atting.
mini|Klimadiagramm Straubing
Klima Das Klima von Straubing ist ein gemäßigtes Kontinentalklima. Durch den Bayerischen Wald im Norden, das niederbayerische Hügelland im Süden und die Lage in der niedrigen Flussebene ist die Stadt vor starken Winden größtenteils geschützt. Kalte Winde aus Norden erreichen Straubing ebenso selten wie Föhnwinde aus Süden.
Durch die Lage in der Donauebene bildet sich häufig Nebel, vor allem in Frühling und Herbst.
Wärmster Monat ist der Juli mit durchschnittlich 18,1 Grad Celsius, kältester Monat ist der Januar mit −2,7 Grad Celsius im Mittel. Der größte Niederschlag fällt von Juni bis August mit durchschnittlich 85 bis 91 Millimeter, die geringste von Februar bis April mit 47 bis 51 Millimeter und im Oktober mit durchschnittlich 53 Millimeter.
Geschichte Altertum Dort, wo heute die Stadt Straubing liegt, lassen sich seit etwa 5600 v. Chr. (Jungsteinzeit) nahezu ohne Unterbrechungen menschliche Ansiedlungen nachweisen. Bedeutend ist dabei vor allem die frühbronzezeitliche Straubinger Gruppe. In den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt errichteten die Kelten der Latènekultur auf einer Niederterrasse der Donau im Nordosten des Stadtgebietes eine unbefestigte Großsiedlung, bei der es sich aber entgegen früherer Annahmen nicht um ein befestigtes Oppidum handelte.Claudia Tappert: Straubing „Sorviodurum“ – Entwicklung eines keltischen Zentralortes an der Donau. In: Stephan Fichtl, Philippe Barral, Gilles Pierrevelcin, Martin Schönfelder (Hrsg.): Les agglomérations ouvertes de l’Europe celtique (IIIe–Ier s. av. J.-C.) / Offene Großsiedlungen im keltischen Europa (3.–1. Jh. v. Chr.) (= Mémoires d’Archéologie du Grand Est. Band 4). Association pour la Valorisation de l’Archéologie du Grand Est, Strasbourg 2019, ISBN 978-2-9561936-3-0, S. 349–366. Auf diese keltische Ansiedlung bezieht sich der älteste überlieferte Siedlungsname Sorviodurum, der die keltische Endung -durum enthält.
Ein einschneidendes Ereignis für die Region war die Eroberung durch die Römer um die Zeitenwende. Noch heute finden sich viele Spuren der etwa 400 Jahre dauernden römischen Herrschaft, darunter vier Kastelle (siehe Kastelle von Straubing) und der bekannte Römerschatz, der im Gäubodenmuseum ausgestellt ist. Die Römer behielten den keltischen Ortsnamen Sorviodurum und bauten die Stätte zu einem bedeutenden Militärplatz an der osträtischen Donaugrenze aus. Die Kastelle beherbergten erst eine reguläre und später eine Canathener-Kohorte, also eine Spezialeinheit von etwa tausend Bogenschützen aus der Gegend des heutigen Syrien.
Frühes Mittelalter Nach dem Ende des Römischen Reiches wurde Straubing fast übergangslos zu einem Siedlungszentrum der Bajuwaren, die sich vor allem im Bereich der alten römischen Siedlung um den heutigen Kirchhof von St. Peter zwischen Allachbach und Donau und des heutigen Stadtteils Alburg niederließen. Nach bajuwarischer Gepflogenheit wurde die neue Siedlung nach dem Sippenführer Strupo Strupinga genannt, woraus sich schließlich der Name Straubing entwickelte.
Nach Absetzung des letzten agilolfingischen Herzogs Tassilo wurde Straubing karolingisches Kammergut und kam unter Kaiser Otto dem Großen in Besitz des sächsischen Kaiserhauses, zuletzt an Kaiser Heinrich den Heiligen. Die erste urkundliche Erwähnung 897 fällt in diese Zeit. Kaiser Heinrich schenkte sein Gut zu Straubing seinem Bruder Bruno, damals Bischof von Augsburg. Nach dessen Tod 1029 ging die Grundherrschaft über das alte Straubing an das Augsburger Domkapitel über, von dessen Herrschaft sich die Stadt erst 1537 freikaufte. In die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts fällt schließlich als weithin sichtbares Symbol der Macht des Domkapitels der Neubau der Kirche St. Peter im romanischen Stil an der Stelle zweier Vorgängerbauten.
Der wittelsbachische Herzog Ludwig der Kelheimer setzte 1218 mit Gründung der Straubinger Neustadt westlich des alten Siedlungszentrums ein deutliches Zeichen gegen die kirchliche Grundherrschaft des Augsburger Domkapitels, die nahe freie Reichsstadt Regensburg und die mächtigen Grafen von Bogen. Weitere Stadtgründungen in Niederbayern waren Landshut 1204 und Landau 1224.
Spätes Mittelalter mini|hochkant=0.8|Grabstein der Agnes Bernauer (mit Darstellerin der Agnes-Bernauer-Festspiele 2007) Straubing entwickelte sich rasch zu einem Zentrum wittelsbachischer Herrschaft. Seit 1255 war die Stadt Sitz eines Vitztums. Im 14. Jahrhundert entstanden der Stadtturm (Baubeginn 1316), die Basilika St. Jakob (um 1395) und der Stadtplatz. Heute stellt sich der gotische Stadtkern mit dem 800 m langen Stadtplatz als harmonischer Mix von gotischen Treppengiebeln, Renaissance-Erkern, Barock- und Rokokofassaden und klassizistischen Lisenen dar. Im Zuge der wittelsbachischen Erbteilungen wurde Straubing 1353 Hauptstadt des Herzogtums Bayern-Straubing, das der bayerische Teil des Länderkomplexes Straubing-Holland war. Bereits 1425 erlosch diese Linie der Wittelsbacher im Mannesstamm und das Herzogtum wurde nach Erbstreitigkeiten im Preßburger Schiedsspruch aufgeteilt, wobei die Stadt Straubing an Bayern-München fiel. Dennoch sind diese sieben Jahrzehnte für die Stadtgeschichte prägend wie keine andere Epoche.Zur mittelalterlichen Geschichte Straubings siehe Werner Schäfer: Straubing im 14. Jahrhundert. Volk, München 2012, ISBN 978-3-86222-067-0. Besonders Herzog Albrecht I. und später sein Sohn und Statthalter Albrecht II. residierten für lange Zeit in der Stadt.
Weitreichende Bekanntheit erlangte die Liebesgeschichte zwischen dem wittelsbachischen Erben Albrecht III., der das Straubinger Land für seinen Vater Herzog Ernst von Bayern-München verwaltete, und der Baderstochter Agnes Bernauer, die 1435 in der Donau bei Straubing ein tragisches Ende fand. Als Sühne erbaute Herzog Ernst die Bernauer-Kapelle am Petersfriedhof, worin sich heute auch die Grabplatte findet.
Ab 1474 wurde der Befestigungsring um die Stadt erheblich erweitert. Um den Schiffsverkehr besser kontrollieren zu können und den für den Stadtsäckel wichtigen Zoll erheben zu können, verlegte man auch den Lauf der Donau durch die so genannte Sossauer Bschlacht näher an die Stadt unter Nutzung des alten Altwasserarms.
Neuzeit 1507 entstand durch eine Reform Herzog Albrechts IV. das Rentamt Straubing, somit wurde die Stadt für drei Jahrhunderte eines der Verwaltungszentren des Herzogtums Bayern. 1514 fiel dieses Gebiet, ebenso wie Landshut, zunächst an Albrechts jüngeren Sohn Ludwig X., bevor ab 1545 die Teilungen des Herzogtums endgültig endeten.
1568 fertigte der Drechslermeister Jakob Sandtner ein für diese Zeit erstaunlich präzises Modell seiner Heimatstadt Straubing an. Es ist heute ein herausragendes Dokument der Stadtgeschichte, das als Kopie im Gäubodenmuseum zu besichtigen ist. Sandtner erstellte im Auftrag des bayerischen Herzogs Albrecht V. weitere Stadtmodelle der damaligen Regierungsstädte München, Landshut, Ingolstadt und Burghausen. Diese und das Originalmodell von Straubing sind im Bayerischen Nationalmuseum in München zu besichtigen.
mini|Straubing um 1630
Im 16. Jahrhundert war Straubing das Zentrum der Reformation in Niederbayern, die Stadt musste sich aber schließlich der ausschließlichen Katholizität des Herzogtums Bayern beugen. Opfer der Ausweisungspolitik war der berühmte Patriziersohn Ulrich Schmidl, der von 1535 bis 1554 an der Eroberung Südamerikas durch die Spanier teilnahm und als Mitbegründer der Stadt Buenos Aires sowie als erster Geschichtsschreiber Argentiniens gilt. Über die Rechtgläubigkeit der Stadt wachten ab 1614 die Kapuziner, ab 1631 die Jesuiten und andere Orden, die sich im 17. und 18. Jahrhundert dort niederließen, wie Ursulinen 1691, Franziskaner 1702 und Elisabethinnen 1748, die sich vor allem um die Krankenpflege im Kloster Azlburg kümmerten.
Ein schwerer Schlag für Straubing war der Dreißigjährige Krieg: Rund 1800 der 4000 Einwohner fielen 1633 der schwedischen Besatzung unter Bernhard von Weimar oder der miteingeschleppten Pest zum Opfer. Sämtliche Anwesen um den Mauerring der Stadt wurden aus fortifikatorischen Gründen niedergelegt oder durch Beschuss zerstört. Erst Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich die Stadt davon erholt und wurde im Zuge der Barockisierung zu einer wichtigen Wirkungsstätte der Bildhauer- und Malerfamilie Asam. Zusammen schufen die Brüder Asam die Klosterkirche der Ursulinen.
mini|Straubing um 1720, Stich von Michael Wening